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Monika Armand ist Diplom Pädagogin. Bereits während ihres Studiums hat sie sich besonders der Frage gewidmet, welche Bedeutung die Neurowissenschaften und Psychologie für die Betrachtung vom Handeln in Unterricht und Erziehung haben. Sie studierte bei dem Hirnforscher Prof. Dr. Hans J. Markowitsch an der Universität Bielefeld Physiologische Psychologie und Neuropsychologie.

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28.01.08 · 18:30 Uhr

Studie: Wer faul ist, wird Lehrer?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften

Schule:"Ein gewisser Schlendrian" - So titulieren RP-online und der aktuelle Spiegel ihre Artikel zur Studie des Frankfurter Bildungsforschers Prof. Udo Rauin. Nun haben wir alle wohl mehr als einmal unter einem unfähigen Lehrer gelitten. 

Endlich gibt uns eine Studie recht, dass die Ungeeignetesten den Lehrerberuf ergreifen? Und die Titelüberschriften machen neugierig, wir lesen weiter und erfahren auch noch über die Berichte anderer Medien genau dasselbe:

Zitat1:
Wer sich Illusionen macht, gibt schneller auf
Die Folge: Laut der Rauin-Studie ist nach vier Berufsjahren jeder zehnte Lehrer stark überfordert – und dabei überkommt der Frust vor allem jene, ...

Zitat 2:

Studie: "Ausgebrannte" Lehrer waren bereits im Studium überfordert ...
Rauin hatte mehr als 1000 Personen vom Studium bis zum Beruf begleitet und .... Lehrer: Stark motiviert und stark belastet - Studie der Bundesanstalt für ...

Zitat3:

Studie: Wer faul ist, wird Lehrer? | RP ONLINE
Studie: Wer faul ist, wird Lehrer?. Auch wenn Schüler es nicht immer ... Rauin rät, Instrumente zu entwickeln, mit denen die berufliche Eignung und die ...

Zitat4:
Lehrer ohne Motivation: Burn-out? Viele Lehrer brannten nie

Eine Studie über Lehramt-Studenten ergab: Die besten Studenten steigen aus, die faulsten werden Pauker.

Also doch. Nun wird mit einer Studie bestätigt, was wir schon immer wussten!

Nein! Wird es nicht!

In diesen Aussagen sind enthalten:

  • Vorurteile der Artikel-Verfasser über die "Lehrer" im Allgemeinen
  • Aus dem Zusammenhang gerissene, medienwirksame Aussagen
  • Journalistische Strategien der Aufmerksamkeitsgewinnungg
  • Oberflächlichkeiten der Berichterstattung
  • Überinterpretation der tatsächlichen Studienergebnisse
  • In der Studie enthaltene Einseitigkeiten: denn die Studie hat nicht das gemessen, was in den Berichten ausgesagt wird...

  • Hier kommen die Fehlinterpretationen einmal mit Hilfe des Studienautors selbst und durch die zusätzliche - von der eigenen Wahrnehmung verzerrte - Berichterstattung der Journalisten zustande. Wäre völlig neutral und objektiv berichtet worden, so könnte man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieser Beicht auf keinen Fall ein solch großes Medieninteresse bekommen hätte.

    Der verkürzte Forschungsbericht liest sich auch schon anders: hier
    Dort beklagt Prof. Rauin, dass bislang noch keine verbindlichen Gütemaßstäbe darüber existieren, was ein "guter" Lehrer ausmacht. Das heißt, die Studie selbst legt als Beurteilungsmaßstab die "Selbstbewertung" der Studierenden und Junglehrer zugrunde und keine objektiven, reliablen und validen "Messinstrumente"!
    Ebenfalls nicht untersucht wurden die Hintergründe für die Selbstbeurteilungen. (ggf. liegen hier Selbstüber- oder Selbstunterschätzungen vor). Prof. Rauin weist selbst darauf hin, dass er einen hohen Prozentsatz der Teilnehmer während der Studie verloren hat. Es wird also von einer - im Verhältnis zur tatsächlich tätigen Lehrerschaft - sehr geringen Lehrerzahl in der Untersuchungsgruppe geschlossen auf angebliche Zustände in der gesamten Lehrerschaft....

    Auch in diesem Interview mit Prof. Gold und Prof. Rauin werden die berichteten Ergebnisse relativiert:

    http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/Rauin_Interview.pdf
    Zu guter Letzt klärt das Komentar von Manfred Triebe zum TAZ-Artikel noch über weitere Hintergründe den interessierten Leser auf.

FAZIT: An diesem Beispiel wird deutlich, wie leicht unsere Ansichten und Meinungen durch die "Art und Weise" der Berichterstattung manipuliert werden können. Insbesondere interessante, reißerische Überschriften und Kommentare ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Da unser Gehirn "Neues"besonders gut aufnimmt, sind wir für Manipulationen empfänglich. Sachlich vorgetragene Inhalte, welche gleichzeitig mehrere Aspekte einer Sache mit einbeziehen, erfordern größere "geistige" Anstrengungen und werden daher oft auch schwerer behalten oder erst gar nicht gelesen.....

 

Autor: Monika Armand· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink jcschroeder· 28.01.08 · 19:35 Uhr

Ich stelle fest, auf scienceblogs wird zunehmend Müll publiziert, vor allem, wenn es sich um Beiträge handelt, von denen gewisse Akademiker sich getreten fühlen. Jeder weiss es, viele Betroffene geben es zu, Studien wurden gemacht, aber schnell übergangen oder überhaupt nicht veröffentlicht, ein Grossteil der Lehrer wurde Lehrer - wegen der Ferien. PISA ist zuerst einmal die Bankrotterklärung der Lehrer. Alles Drumherumgerede ist Schönfärberei, oder wie hier, Eigenschutz. Warum war Rütli gut? Weil die Schüler besser waren als ihre Lehrer. Welche Schulen sind am besten? Dort wo die Lehrer nicht wegen der Ferien Lehrer wurden. Die restlichen 25% der Erklärung, warum die Lehrer so schlecht sind, geschenkt.

Kommentar-Direktlink Monika Armand· 29.01.08 · 13:03 Uhr

Leider kann ich mit Ihrem Kommentar wenig anfangen. Es wird nicht erkennbar, auf welche Aussagen im Post Sie sich genau beziehen.
Übrigens ging es in meinem Post weniger um die Motive, warum jemand Lehrer wird oder nicht, sondern es ging darum, was eine Studie inhaltlich im Detail ! hergibt, wie unsere Wahrnehmung Einzelheiten herausfiltert und damit das Gesamtproblem aus den Augen verlieren kann. Ebensowenig ging es darum, in Frage zu stellen, dass es selbstverständlich Lehrer gibt, welche nicht aus Liebe zu den zukünftigen Schülern, sondern aus eigennützigen Motiven ihren Beruf gewählt haben. Vielmehr ging es darum zu zeigen, dass die Bericherstattung zur Studie, die Ursachen der Mängel im Bildungssektor zu sehr vereinfacht und andere Ursachen damit Gefahr laufen "übersehen" zu werden. Hier meine ich z.B. das Lehrer-Schüler-Verhältnis, die schulischen Rahmenbedingungen, Überalterung der Lehrerkollegien, Mängel in der Lehrerausbildung, fehlende Ausbildungsinhhalte in der Lehrerausbildung, Mängel der Staatsprüfungen, etc.etc.etc.

Kommentar-Direktlink · 24.02.08 · 04:08 Uhr

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