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Monika Armand ist Diplom Pädagogin. Bereits während ihres Studiums hat sie sich besonders der Frage gewidmet, welche Bedeutung die Neurowissenschaften und Psychologie für die Betrachtung vom Handeln in Unterricht und Erziehung haben. Sie studierte bei dem Hirnforscher Prof. Dr. Hans J. Markowitsch an der Universität Bielefeld Physiologische Psychologie und Neuropsychologie.

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30.01.08 · 16:30 Uhr

Lachtherapie und Lachyoga

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin

Die Kommerzialisierung der Gelotologie: Zunehmend entwickeln sich Wissenschaftsdiziplinen, welche bestimmte Aspekte unseres Menschseins zur Grundlage ihrer Forschungsdisziplin erklären. Ergebnisse aus diesen Disziplinen führen gerne zu Verallgemeinerungen,  ein Teilaspekt "menschlichen Reagierens und Funktionierens" wird "hochgerechnet" auf den Menschen als Ganzen. Und schon gibt es wieder eine neue Möglichkeit gutgläubigen Laien vollmundige Wirkungsversprechen zu machen und ihnen den Geldbeutel zu erleichtern:

Zum Bericht aus der Wochenzeitung "Die Welt":
Zitat:  Warum Lachen gesund und glücklich macht
Die Medizin ist kostenlos und frei von Nebenwirkungen: Lachen ist gesund – das beweisen immer mehr Studien. Mit einem kurzen "Haha Hihi" ist es jedoch nicht getan. Je länger und je öfter man lacht, desto intensiver sind die Effekte - und die sind erstaunlich heilsam.
Wissenschaftlich untersuchte und bestätigte Wirkungen:
  • Reduktion der Stresshormone Adrenalin und Kortisol
  • Ausschüttung Glückshormon Serotonin
  • Stärkung der Immunabwehr: Aktivierung der T-Lymphozyten
  • Aktivierung Gamma-Interferon (soll die Vermehrung von Tumorzellen verhindern)
Behauptete Wirkungen der Lachtherapeuten( Zitat - ausführlich: hier)
  • anhaltende Verbesserung der Grundstimmung (heiterer, optimistischer)
  • stress-entlastende, entspannende Wirkung; man wird besser mit den Belastungen des täglichen Lebens fertig
  • in Gruppen und Teams anhaltende positive Veränderungen des sozialen Klimas
  • bei regelmäßigem Training am Arbeits- oder Ausbildungsplatz Förderung der Motivation und der Verbundenheit mit den Kollegen/Innen und der Firma, Schule, usw.
  • körperliche Gesundheit:
    wenn durch regelmäßiges hoho-haha Training eine dauerhafte Verbesserung der Grundstimmung erreicht wird,
  • können dadurch negative Effekte von Sorgen, Deprimiertheit und Stressbelastung auf die körperliche Gesundheit verhindert oder zumindest abgeschwächt werden
  • dadurch sind Verbesserungen des körperlichen Wohlbefindens, in Krankheitsverläufen und Genesungsprozessen möglich
    vor allem kann erwartet werden: Erleichterung bei (chronischen) Schmerzen, Blutdruckregulierung
  • bei Schwerkranken kann häufiges Lachen durch das schöne Erlebnis während des Lachens, durch Ablenkung und durch eine längerfristige Verbesserung der Grundstimmung wesentlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen
    Voraussetzung für diese Wirkungen ist regelmäßiges Training, bei dem auch regelmäßig ein Zustand der Erheiterung erreicht wird.
  • weitere Effekte können unter Umständen dadurch erzielt werden, dass Lach-Yoga Übungen mit einer zumindest geringfügigen körperlichen Betätigung und einer verstärkten Atmung verbunden sind.         ( Zitat Ende)
Schlussfolgerungen der Lachtherapeuten: Lachen als "Therapie" bewirkt eine Steigerung der Immunabwehr, baut den Streß ab und  eine "Selbstmedikation" bei Depressionen
==> Entstehung eines neuen "gewinnbringenden Moduls auf dem "Psychomarkt"
  • Ausbildung zum Lachtherapeuten
  • Lachseminare, veranstaltet von ausgebildeten Lachtherapeuten
Wirkungsversprechen der Lachtherapeuten zum "Lach-Yoga" (Zitat):
"Körperliche und seelische Gesundheit wird genauso gefördert wie mentale Energien. Durch das Lachen finden wir leichter Zugang zu Kreativität, Intuition und unbewußten Potentialen. Humor, Kontaktfreude und gegenseitige Akzeptanz werden entwickelt und verstärkt.
Indem die Gefühlsebene aktiviert wird, entsteht ein liebevollerer Umgang mit sich selbst und auch mit unseren Mitmenschen. Die Abwehrkräfte des Körpers werden gestärkt und die Lebensfreude wird erhöht.""Jeder kann die einfachen Übungen erlernen. Lachen hat keine schädlichen Nebenwirkungen." (außer für Asthmatiker, schwer herzkranke Patienten - seltene Fälle des "Totlachens") Ausführlicher hier 
"Lach-Therapie" kostenlos und frei von Nebenwirkungen ;-)):
Die "Zeit" zum Thema Lachen im Fernsehen: hier

Kommentar und Kritik:
Merkwürdig ist, dass hier "nur" ein Teilaspekt des Menschseins, das "Lachen", zu therapeutischen Zwecken genutzt wird und dennoch der Anspruch an Ganzheitlichkeit gestellt wird. Lachen wird künstlich produziert und in Seminaren geübt. Ja richtig, das Lachen ansich ist kaum schädlich. Außer für einige Asthmatiker, die manchen Lachanfall mit einem Asthmaanfall quittiert bekommen. Sie müssen ihr Glücksempfinden auf anderem Wege "produzieren", oder besser leben, als innere Einstellung und nicht nur als äußerlich wahrnehmbares Phänomen.
Betrachten wir die wissenschaftlichen Ergebnisse der Gelotologen und die behaupteten Wirkungen der Lachtherapeuten und Seminaranbieter, so fällt auf, dass die angenommenen Wirkungen der Therapeuten weit über das hinaus gehen, was die Wissenschaftler festgestellt haben.
Nun bekommt das Lachen Wirkungen zugeschrieben, welche - wissenschaftlich belegt - nur bestimmte weitaus komplexere Therapieformen der kassenzugelassenen Psychotherapie zu leisten vermögen.

An der Schnittstelle "Lachen um das Leben zu bereichern" und "Lachen als Therapie" liegt auch meine Kritik am "kommerzialisierten Lachen", nämlich:
Familiäre Probleme, Depressionen, chronische Schmerzen, die Situation am Arbeitsplatz und die komplexe psychische Belastung chronisch Kranker lässt sich nicht einfach "weglachen", wie dies die Lachtherapeuten suggerieren möchten.
In den genannten Bereichen kann "lachen" sicherlich nützlich sein, aber die Dinge sind zu komplex, als dass sich hiermit "therapeutische Effekte" erzielen ließen im Sinne einer Behebung der familiären Probleme, Depressionen und Schmerzen etc.
Die o.g. Betroffenen haben Anspruch auf eine weit wirkungsvollere Therapie und die Kosten werden von gemeinnützigen Einrichtungen (Familienberatungsstellen) und/oder von der Krankenkasse übernommen.

FAZIT:
Wer das "Lachen" erst in Seminaren lernen muss, hat meines Erachtes so große Probleme, dass eine Therapie am Symptom nicht mehr ausreicht. Den größten Nutzen dieser Therapie allerdings ziehen ohne Zweifel die Lachtherapeuten selbst........

 

Autor: Monika Armand· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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