Blog durchsuchen
Profil
Hier bloggt die ScienceBlogs-Redaktion aus München.
Letzte Einträge
- Internationales Reblaus-Symposium in Wien: Startschuss für Reblaus-Genom-Projekt6 Kommentare· 17.09.10
- Bürgerkonferenz "Energienutzung der Zukunft": Jetzt am 21. Tisch mitdiskutieren!0 Kommentare· 07.09.10
- Tatsache Evolution: Basiswissen zur Evolution bei youtube31 Kommentare· 09.08.10
- SciCom 2010: Risikodiskurse und die Wissenschaft0 Kommentare· 21.07.10
- Wissenschaftsblog-Ranking Juni 20100 Kommentare· 04.07.10
Kommentare
- Fugenmörtel · 25.01.12 · 16:42 Uhr Mucki Maus - Muskeln dank Pillen
- André Zeiger · 19.01.12 · 16:13 Uhr Wie die Antibabypille den Hormonhaushalt nachhaltig verändert
- julia · 08.11.11 · 19:54 Uhr Eric Kandel: Freud ist tot
- Andreas · 13.09.11 · 17:44 Uhr Gehirn-Doping für die Wissenschaft
- Andreas · 02.09.11 · 14:19 Uhr Betablocker und Antidepressiva - die ungewöhnlichen Dopingmittel der Schützen und Skifahrer
Kategorien
Archiv
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- Februar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
06.10.08 · 12:00 Uhr
Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Der Medizin-Nobelpreis, so lautete die Verfügung von Alfred Nobel, soll an diejenige Person verliehen werden, die im jeweils vergangenen Jahr "die wichtigste Entdeckung im Bereich der Physiologie oder der Medizin" gemacht habe.
Diesem Wunsch des Stiftungsgründers kommt das Stockholmer Nobelpreiskomitee nicht in allen Punkten nach: meist wird eher ein Lebenswerk ausgezeichnet und keine einzelne Forscherleistung. Schon gar nicht aus dem zurückliegenden Jahr.
Auszeichnung für die Entdeckung des HI-Virus
Genauso ist es auch bei den Preisträgern des Jahres 2008: die beiden französischen Mediziner Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi bekommen eine Hälfte des Medizin-Nobelpreises zugesprochen. Die beiden Virologen werden für eine Entdeckung ausgezeichnet, die 25 Jahre zurückliegt: die beiden entdeckten im Jahr 1983 den HI-Virus. Den Erreger der Immunschwäche AIDS.
Sicherlich wird in diesem Zusammenhang nochmals darüber debattiert werden, wer denn diese Entdeckung tatsächlich auf seinem Konto verbuchen kann. Denn auch der US-Amerikaner Robert Charles Gallo beansprucht die Entdeckung des HI-Virus für sich. Gemeinhin wird beiden Forschergruppen gemeinsam diese Leistung zugesprochen.
Medizin-Nobelpreis 2008 an den Krebsforscher Harald zur Hausen
Erfreulich aus deutscher Sicht ist natürlich die Vergabe des Medizin-Nobelpreises an Harald zur Hausen. Der deutsche Krebsforscher erhält die andere Hälfte des Preisgeldes. Damit können sich erstmals seitdem Christiane Nüsslein-Volhard im Jahr 1995 den Medizin-Nobelpreis erhielt, wieder deutsche Mediziner über diese Auszeichnung freuen.
Der 1936 geborene und hochdekorierte Harald zur Hausen beschäftigte sich vornehmlich mit der Krebsentstehung im Zusammenhang mit Virusinfektionen. Schon vor 30 Jahren, 1976, stellte er die Hypothese auf, daß humane Papillomviren möglicherweise ein Faktor bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind.
Nun wird er für die Bestätigung dieser Hypothese mit dem Medizin-Nobelpreis 2008 geehrt. In den 80er Jahren war es ihm gelungen, die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe zu isolieren. Die (allerdings umstrittene) HPV-Impfung geht v.a. auf seine Arbeiten zurück.
Krönung einer wissenschaftlichen Bilderbuchkarriere
Mit der Verleihung des Medizin-Nobelpreises an Harald zur Hausen findet eine bemerkenswerte Forscherlaufbahn ihren krönenden Abschluß. Studiert hatte zur Hausen an den Universitäten von Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er dann 1960 auch promovierte.
Nach Etappen am virologischen Institut der Kinderklinik in Philadelphia und am virologischen Institut der Universität Würzburg bekam zur Hausen zunächst einen Ruf auf eine Professur für Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, 1977 wechselte er an die Uni Freiburg.
In dieser Zeit entdeckte er den Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und Krebsentstehung. Seinen Verdacht, daß eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist, publizierte er 1976. In den Folgejahren arbeitete er daran, diese Hypothese experimentell zu untermauern, was ihm dann Anfang der 80er Jahre gelang.
Für diesen Nachweis, daß Gebärmutterhalskarzinome (immerhin eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen) durch die humanen Papillomviren verursacht werden, wurde Harald zur Hausen nun ausgezeichnet. Sicherlich spielte in diese Entscheidung auch die Tatsache mit hinein, daß seit 2006 mit "Gardasil" ein Impfstoff zur Verfügung steht, der die weitest verbreiteten Papillomviren-Stämme bekämpft. Ohne die bahnbrechenden Arbeiten von zur Hausen stünde heute diese Waffe gegen Gebärmutterhalskrebs nicht zur Verfügung.
Der Geehrte, der von 1983 bis 2003 das Deutsche Krebsforschungszentrum leitete und ausbaute, nahm die Nachricht aus Stockholm einigermaßen überrascht, aber insgesamt gelassen hin. Gegen 10.45Uhr erreichte ihn der Anruf des Nobelkomitees. Den neugierigen Journalisten teilte er gegen Mittag mit: "Ich bin nicht darauf vorbereitet. Wir trinken gerade ein Gläschen Sekt."
Na denn Prost und herzlichen Glückwunsch, lieber Harald zur Hausen!
Autor: Marc Scheloske· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (5)
Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an… : Das bange Warten auf den Anruf aus Stockholm | Werkstattnotiz 119 · Wissenswerkstatt · 06.10.08 · 14:08 Uhr
Wir sind Nobelpreisträger: Harald zur Hausen und Papillomviren · WeiterGen · 06.10.08 · 14:26 Uhr
Krönung einer glänzenden Karriere: Harald zur Hausen erhält den Nobelpreis für Medizin · ScienceBlogs · 07.10.08 · 01:50 Uhr
Der Asteroid der mit der Erde kollidierte · Astrodicticum Simplex · 08.10.08 · 23:22 Uhr
Literaturnobelpreis 2008 an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio · Neurons · 09.10.08 · 13:05 Uhr
Kommentar schreiben
Top5
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Die Praxis der "Alternativmedizin": Ein Insider berichtetKritisch gedacht· 08.02.2012
- Kein Platz für junge Wissenschaftler - Das Problem der fehlenden JuniorpositionenAstrodicticum Simplex· 31.01.2012
- Newton, Hunter, Jenner, Cavendish und Co: Der Einfluss der britischen Naturwissenschaftler des 18. JahrhundertsAstrodicticum Simplex· 27.01.2012
Top5
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Sonderrechte für Religiöse?blooDNAcid· 01.02.2012
- World Skeptics Congress 2012 in BerlinKritisch gedacht· 06.02.2012
- Die dunkle Materie ist keine ErfindungAstrodicticum Simplex· 07.02.2012
ScienceBlogs.com
- Awful House transportation bill forgets that transit benefits drivers, tooThe House of Representatives Natural Resources Committee has approved what ...The Pump Handle· 10.02.2012 · 11:16 Uhr
- Independence Days Challenge Update #1I won't usually publish ID updates here but I did ...Casaubon's Book· 10.02.2012 · 11:02 Uhr
- Just in Time for Valentine's Day: The Science Behind the KissBy Larry Bock Founder and organizer USA Science Engineering Festival ...USA Science and Engineering Festival: The Blog· 10.02.2012 · 10:00 Uhr
- An uncomfortable questionWork called last night It happens Basically I had two ...Respectful Insolence· 10.02.2012 · 08:00 Uhr
- Hey, America! Break out the Binoculars after Sunset and see Uranus tonight!The phenomena of nature especially those that fall under the ...Starts With A Bang· 09.02.2012 · 17:07 Uhr

Kommentare (6)
Das liegt daran, dass seit der Stiftungsgründung über 100 Jahre vergangen ist und auch die Forschungswelt eine ganz andere geworden ist. Es ist sowieso fragwürdig, ob es in Zukunft möglich sein wird, immer nur maximal drei Leute rauszupicken, die Herausragendes geleistet haben. Die Zukunft gehört den Forschergruppen aus 20 Leuten und mehr. Weil die einzelnen Genies, die irgendwo rumwerkeln, eine aussterbende Spezies sind. Forschung ist heute fast überall Gruppenarbeit.
@Ludmila:
Du hast natürlich recht, daß es vollkommen unmöglich ist für das Vorjahr diejenige wissenschaftliche Leistung herauszufinden, die der Menschheit am meisten Nutzen gebracht hat. Dennoch widerspricht es dem ursprünglichen Wortlaut. Und die 20-30 Jahre, die meist zwischen Entdeckung und Preisverleihung liegen, sind nun wirklich enorm konservativ.
@Ludmilla:
Bei einer Gruppe aus 20 Leuten ist auch einer das Mastermind und übernimmt bei den Publikationen als "corresponding author" die Verantwortung. Da kann man schon davon ausgehen, dass die allgemeine Richtung der Forschung und "nobelpreisverdächtigen" Ansätze nicht von einem unbekannten Diplomanden stammen. Ich finde das Teilen des Preises ja jetzt schon lächerlich.
Das Preisgeld ist ja auch geradezu beschämend, wenn man bedenkt, dass die EU jährlich 30 "ERC starting grants" für junge Wissenschaftler ausschreibt, die jeweils mit 2 Millionen Euro auf 5 Jahre dotiert sind. Da kann man die Nobel-Peanuts ruhig den Alten für Ihr Lebenswerk überlassen.
Da hab' ich mich doch glatt vertan: 300 grants wurden 2008 vergeben...
@DerOli: Der Mastermind? Du meinst den nominellen Leiter oder Principal Investigator. Na, so wie ich das sehe, ist der vornehmlich mit Orga beschäftigt und es arbeiten ja wohl sehr viele Vollzeitwssenschaftler an internationalen Projekten. Ich hab oft genug erlebt, wie in so einer Kollaboration die Autorenschaft "ausgelost" wird, weil es nicht anders geht.
@Ludmila
Natürlich gibt es den genialen Einzelkämpfer immer noch: Z.B. hat Andrew Wiles den großen Satz des Fermat in Eigenregie bewiesen und Gregori Perelman die Poincaresche Vermutung. Beiden gemein ist, dass sie sich dem akademischen Rummel erfolgreich entziehen konnten. Dass solche Leute immer weniger auftauchen, hat wahrscheinlich weniger damit zu tun, dass es die nicht mehr gibt, oder dass heutige Themen zu komplex für Einzelkämpfer sind, sondern damit, dass sie von der Wissenschaftspolitik systematisch ausgemustert werden. Wer heute akademische Karriere machen will muss netzwerken, sich selbstsicher verkaufen etc. Das Unternehmen Hochschule, wie es Bertelsmann als Idealbild vorschwebt, ist schon weit gehend realisiert. Es gibt einige Mitstreiter, die ich sehr schätze, die spätestens nach der Promotion die Flucht ins Ausland, in die Wirtschaft, in die Verwaltung, in die Schulen usw. angetreten haben, weil sie keine Lust haben, sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln, Anträge zu schreiben, Exzellenz zu heucheln oder Artikel für imposante Veröffentlichungslisten zu schreiben, Artikel, von denen die Gutachter maximal die Zusammenfassung und die Referenzliste lesen und der Rest auf immer ungelesen bleiben wird.
Zum Glück sehe ich das nicht nur als Nachwuchswissenschaftler so, sondern auch große akademische Prominenz, wie zum Beispiel Edsger Dijkstra:
"The battle-cries of the managers are absolutely standard, they have not changed since WWII. The scientist is attacked as individual —unruly, rugged individualists being much harder to control than committees— by organizational insistence on teamwork. The scientist is attacked in his professional competence by organizational insistence on interdisciplinary research. Finally, the scientist’s right of existence is denied by the postulate that there is nothing really left to be discovered. [We hear all these slogans now, but they are carefully described in [0] d.d. 1956]"
http://userweb.cs.utexas.edu/users/EWD/transcriptions/EWD11xx/EWD1165.html