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09.08.08 · 09:30 Uhr
Gendoping: Dopingdetektive haben es schwerer
Kategorie: Medizin·Themenwoche
Eigentlich ist es traurig: Olympia steht vor der Tür und meine erste Assoziation ist "Doping". Schummeln wo's geht um nachher von der ganzen Welt bejubelt zu werden. Und das fiese ist: Doping nachzuweisen wird immer komplizierter.
Denn was mit Gendoping theoretisch möglich ist, hinterlässt eben keine Spuren im Urin oder Blut. Schon 2002 hatten Experten vom Bundesinstitut für Sportwissenschaften empfohlen, zusätzlich Gewebeproben der Sportler zu entnehmen, etwa mittels einer Feinnadelbiopsie, die in der Regel schnell und ohne weitere Blutungen durchgeführt werden kann.
Aber auch mit einer Gewebeprobe lässt sich nicht direkt in der DNA des Sportlers nachschauen, ob hier ge-gen-dopt wurde oder nicht. Das liegt zum einen daran, dass Gendoping nicht nötigerweise darauf abzielt, der DNA etwas hinzuzufügen - genauso gut kann der Sportler Interesse daran haben, vorhandene Gene zu deaktivieren.
Beide Möglichkeiten können nur über sogenannte Genfähren in den Körper geschleust werden - und auf diese meist abgeschwächten humanen Viren kann eine Gewebeprobe untersucht werden. Nur gibt auch dieser indirekte Dopingtest keine absolute Sicherheit, denn die möglicherweise gefundenen Viren können in vielen Fällen auch ganz natürlichen Ursprungs sein.
Wie also Gendoping verhindern? Vielleicht, indem man die Sportler mit harten Fakten konfrontiert: Amphetamine, Hormondoping etc. ist auf Dauer gefährlich - Gendoping ist von Beginn einer Gentherapie an lebensbedrohlich.
Wie auch jede andere Dopingmethode, wurde die Gentherapie von Kranken abgekupfert: Da stehen auf der einen Seite beispielsweise Dialysepatienten, deren Blutarmut mit Epo bekämpft werden soll und auf der anderen körperlich extrem gesunde Sportler, die ihre Leistungen mit dem Medikament noch weiter verbessern wollen. Und damit nicht nur das Risiko eingehen, erwischt zu werden, sondern vor allem ihr Schlaganfall-, Krebs- und Thromboserisiko erhöhen.
Patienten, die sich einer Gentherapie unterziehen, haben keine Wahl, ob sie sich den Nebenwirkungen aussetzen möchten oder nicht. Sie haben schwere Defekte des Immunsystems und riskieren mit der Therapie ihr Leben - so auch die Sportler.
Dennoch meldeten sich nach Angaben der Süddeutschen Zeitung zahlreiche Bodybuilder und Kraftsportler als freiwillige Versuchskaninchen beim US-amerikanischen Professor Lee Sweeney, nachdem dieser Mäuse mit gedopten Genen zu Mucki-Mäusen züchtete.
Dass es in der nächsten Wochen die ein oder andere Dopingmeldung geben wird, ist kaum vermeidbar - nur hoffentlich wird der olympische Geist nicht von Folgeschäden der Sportler getrübt.
Autor: Jessica Riccò· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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