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19.08.08 · 16:04 Uhr

Betablocker und Antidepressiva - die ungewöhnlichen Dopingmittel der Schützen und Skifahrer

Kategorie: Medizin·Themenwoche  ·  Kommentare: 1

Sieben Dopingfälle sind bei den Olympsichen Spielen nun schon bekannt geworden. In Blutproben der bulgarische Mittelstreckenläuferin Daniela Jordanowa fand man Spuren eines Testosteronpräparats. Der taiwanesische Baseballer Tai-Shan Chang wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) positiv auf verbotene Substanzen getestet.

Bogenschütze230.jpgZwar erklärt er, wie im Guardian zu lesen ist, er habe nur ein Mittel gegen seine Zeugungsunfähigkeit eingenommen - aber ich möchte mal dreist unterstellen, dass Tai-Shan Chang gewusst haben dürfte, welche Medikamente nun für Baseballer erlaubt und welche verboten sind.

Und dann gibt es da noch Kim Jong-Su, den nordkoreanischen Sportschützen, der positiv auf Betablocker getestet wurde. Betablocker? Senken die nicht den Blutdruck? Warum sollte man soetwas vor einem Wettkampf nehmen? Und warum verbieten?

In der Liste verbotener Dopingmittel stehen Betablocker zunächst nicht. Aber es gibt noch die kuriose Gruppe der Dopingmittel, die nur für bestimmte Sportarten verboten sind. Alkohol zum Beispiel. Während Leichtathleten und Schwimmer - wenn sie denn wollten - durchaus noch einen Magenbitter vor dem Wettkampf kippen dürften, ist er für Karatekas, Motorbootfahrer und Boulespieler verboten.

Ebenso sind Betablocker in den meisten Sportarten erlaubt - nicht zuletzt, da gerade Sportlerkreisläufe oft zu hohem Blutdruck neigen. Betablocker hemmen die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin und schützen damit vorsorglich das Sportlerherz. Für Bobfahrer, Steuermänner beim Segeln und alle Sportarten in denen etwas punktgenau geschossen wird (Patronen, Pfeile, Billardkugeln) sind Betablocker jedoch tabu. Die blutdrucksenkende Wirkung hält nämlich neben dem Herzmuskel auch die Hände ruhig, und eben das spielt in Geschicklichkeitssportarten die größte Rolle.

Kim Jong-Su holte bei den letzten Olympischen Spielen 2004 in Athen Bronze in der Disziplin der Freien Pistole über 50 m. Dieses Jahr gewann er sogar die Silbermedaille - drei Tage nach seinem Sieg wurde ihm die Medaille jedoch wieder aberkannt, nachdem der Betablocker Propranolol bei Jong-Su festgestellt wurde. Der Schütze selbst hat sich zu dem Vorfall nicht geäußert - und wozu auch? In den nordkoreanischen Medien wurde ohnehin nur von seinem Sieg berichtet.

Der deutsche Chefarzt des Olympiateams Wilfried Kindermann hat für etwaige Verdächtigungen übrigens schon vorgesort: Seine Aussage, dass in chinesischem Schweinefleisch naturgemäß viele Anabolika vorkämen, konnte man unter anderem im Berliner Tagesspiegel nachlesen. Wer dieses Fleisch esse, könne bei einer Dopingprobe positiv getestet werden. Subtext: Unsere Sportler würden natürlich nie im Leben absichtlich dopen.

Und wenn dann ein Sportler nachts Heißhunger auf "Schwein süß-sauer" hat und das Restaurant im Olympiadorf schon geschlossen ist und sein Magen schon so laut knurrt? Das kann man ihm ja wohl nicht übel nehmen, sollte dieser Sportler positiv getestet werden. Westliche Tageszeitungen sind im Olympic Green ja so schwer erhältlich.

 

Autor: Jessica Riccò· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL

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Olympischer Endspurt: Die chinesischen Spiele der Superlative · ScienceBlogs · 23.08.08 · 06:30 Uhr


Kommentare (1)

Kommentar-Direktlink Andreas· 02.09.11 · 14:19 Uhr

Wie sehr sogar auch bei Freizeit Fussballspielern nach einer Leistungssteigerung durch Dopingmittel gesucht wird, zeigt sich in einer Frage, die man hier findet:
http://www.sportlerfrage.net/frage/was-ist-das-beste-legale-dopingmittel-um-beim-fussball-topleistung-zu-erbringen

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