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31.07.08 · 11:58 Uhr
Olympia II - Licht ins Dunkel
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Endlich sagt mal einer was. Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, forderte heute im ZDF-Morgenmagzin IOC-Präsident Jacques Rogge auf, sich für einen ungehinderten Internetzugang bei Olympia einzusetzen.
Gestern wurde, wie hier berichtet, bekannt, dass China im Pressezentrum der Spiele den Journalisten den Zugriff zu wichtigen Seiten wie der Menschenrechtsorganisation Amnesty International oder der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen und - eher noch einzusehen - der in China verbotenen Falun-Gong-Bewegung versperrt.
Komischer Weise finde ich in den Blogs kaum Reaktionen dazu. Meine Suchen führen „nur" zu den Protesten rund um den Fackellauf. Selbst im Olympia-Blog der Deutschen Welle wird das Thema Pressefreiheit und Internetzugang bislang ausgeklammert. Auch führende deutsche Blogs schweigen bisher. Liegt es vielleicht daran, dass man sich machtlos fühlt und schon aufgegeben hat?
Wenigsten in den Kommentaren einzelner Medien wird nicht nur berichtet, sondern auch gefordert. Zeit-Kommentator Harald Maas ist der Meinung, das IOC trage Mitschuld an der chinesischen Zensur und schreibt heute:
"Das IOC hätte schon lange einschreiten müssen, um diesen Kontroll- und Überwachungswahn zu stoppen. IOC-Präsident Jacques Rogge und seine Funktionäre hätten deutlich machen müssen, dass die Ausrichtung des weltgrößten Sportereignisses zu Werten wie Freiheit und Gerechtigkeit verpflichtet. Stattdessen wählte das IOC den bequemen Weg der „stillen Diplomatie" und nickte alles ab. Auch bei der Zensur des Internets knickte es ein. Seit Moskau 1980 hat die Welt keine so unfreien Spiele erlebt wie nun in Peking. Die Schuld daran trägt auch das IOC."
In der Süddeutschen kommentierte Henrik Bork:
"In einem Interview mit einer in Hongkong erscheinenden Zeitung erklärt nun Kevan Gosper, der Vorsitzende der Pressekommission des IOC, er und seine Organisation seien da "ohnmächtig". China sei nun einmal ein kommunistisches Land und lasse sich nicht vorschreiben, ob es das Internet zensiere oder nicht.
Diese Kehrtwende so kurz vor Beginn der Spiele ist eine Frechheit. Denn derselbe Kevan Gosper und auch IOC-Präsident Jacques Rogge hatten noch in diesem Monat öffentlich behauptet, die Berichterstattung während der Pekinger Sommerspiele werde frei sein. Als Beispiel für diese Freiheit hatten sie ausgerechnet immer wieder jenen "unzensierten Zugang" zum Internet genannt."
Noch sind die Spiele nicht eröffnet. Noch kann und muss gefordert werden. Es ist nicht einzusehen, dass Journalisten derart in ihren Recherchen eingeengt werden. Wenn nur der Sport zählt, dann will ich auch die ganzen bunten Bilder, mit denen China sich selbst präsentiert sehen will, nicht sehen! Keine Eröffnungsfeier, kein Bilder vom schönen Leben in China.... Wer Spiele ins Land holt, um damit das Land zu fördern und der Welt zu präsentieren, muss offen sein. Ansonsten plädiere ich für die nächsten Spiele auf dem Mond. Oder liegt dort auch etwas im Verborgenen?
Autor: Beatrice Lugger· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Was will man den dazu schon sagen?
Bin ich überrascht? Nö, natürlich nicht. Höchstens darüber, dass die Journalisten überrascht sind dass in China zensiert wird und sie nicht davon ausgenommen werden wenn sie sich wie Schafe verhalten.
Aber da im Westen ja auch immer mehr Restriktionen im Internet kommen (Sperrungen in Europa, USA, etc., Abhöraktionen, Überwachung) hey, dann können sich die Journalisten wenigstens schon jetzt an ihre Zukunft gewöhnen.
@student_b
können sich die Journalisten wenigstens schon jetzt an ihre Zukunft gewöhnen
Guter Punkt. Der Ausflug zu den Spielen wird also Teil der beruflichen Weiterbildung. Vielleicht entdecken so ein paar das gute alte Recherchieren wieder...
Was den Mond betrifft: Noch nie von der "Dark Side of the Moon" gehört? :-)
Abgesehen davon bestätigt sich nur wieder, was etliche Beobachter schon seit dem Tag der Vergabe prophezeit haben: Durch die Olympischen Spiele wird sich die Menschenrechtslage in China nicht verbessern, es wird keine freie Berichterstattung geben und die Spiele werden (ähnlich 1936) für Staatspropaganda missbraucht werden. Ein echter Tiefpunkt für den Sport und noch wesentlich schlimmer als die alljährlichen Peinlichkeiten bei der "Tour de Dope"... Aber Kommerz ist halt alles...