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Julia Offe ist Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Sie promovierte am Zentrum für Molekulare Neurobiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Heute forscht sie als wissen-schaftliche Mitarbeiterin der Uni Hamburg an den molekularen Grundlagen der Evolution von Symbiosen. Außerdem sucht und entwickelt sie neue Formate der Wissenschaftskommunikation.
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11.06.10 · 19:00 Uhr
Happinez - Handlesen leichtgemacht
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Mit Happinez hat der Bauer Verlag gestern einen neue Esoterikzeitschrift auf den deutschen Markt gebracht. Eine Rezension von Jenni Zylka auf Spiegel Online endet mit dem Satz: ""Wir" anderen lesen dann doch lieber den "Skeptiker"".
Dem kann ich natürlich nicht einfach zustimmen, ohne "Happinez" gelesen zu haben. Da mir der Gang zum Zeitschriftenladen und 4,95 € dafür etwas aufwendig erscheinen, versuche ich, auf der Internetseite einen Eindruck zu gewinnen. Ich muss feststellen, dass die Seite sehr dürftig ist - allerdings ist das Format aus Holland importiert, und die niederländische Ausgabe hat eine umfangreiche Seite.
Dort findet sich ein Video mit dem Titel: "Handlesen: das Dreißigjährigendilemma" was mich insofern schockiert, als ich dachte, Happinez wende sich eher an 40-50jährige unterbeschäftigte Frauen richten und viele 30jährige hätten noch besseres zu tun, als sich mit Hokuspokus zu beschäftigen. Aber wahrscheinlich gibt es mehr 30jährige mit zu viel Zeit, als ich mir vorstellen mag.
Der Film soll eine Anleitung dazu geben, wie man in den Handlinien Antworten auf Fragen findet, die sich viele 30jährige stellen: Habe ich den Job, der zu mir passt? Will ich Kinder oder nicht? Wer bin ich eigentlich?
Aber jetzt hat das Grübeln ein Ende! Wozu hat man Hände, in denen die Antwort steht?
Die Handleseexpertin im Film heißt passenderweise Ellen Duim
(Daumen). Sie erklärt, dass Saturn an der Unentschlossenheit in diesen
Fragen schuld ist. Als nächstes erklärt sie die Merkurlinie: ein
Zeichen für Selbstvertrauen.
Merkur? Saturn? Ich bin zu ungebildet, um die Beziehung der beiden
Planeten zueinander und zu der Frage, ob ich den Job wechseln soll, zu
verstehen. Und so geht es weiter. Fazit nach drei Minuten Film: um
Antworten zu finden, muss man Kontakt mit sich selbst aufnehmen und
sich von allen alten Mustern verabschieden!
Das hätte mir meine linke Hand eigentlich auch früher sagen können.
Nach einem kurzen Ausflug auf die Shoppingangebote der Seite, und
dem Entschluss, dass ich in Glas eingegossene Wasserverbesserersteine
für79,95 Euro nicht brauche, habe ich mir eine Meinung gebildet: Auch ich lese lieber den Skeptiker.
Autor: Julia Offe· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Ich glaube auch zu bemerken, dass der Trend immer weiter in Spezialisierungen geht. Die Angebote werden immer spezifischer, und ganz konkret auf gewisse Zielgruppen zugeschneidert.
"Dort findet sich ein Video mit dem Titel: "Handlesen: das Dreißigjährigendilemma" was mich insofern schockiert, als ich dachte, Happinez wende sich eher an 40-50jährige unterbeschäftigte Frauen richten und viele 30jährige hätten noch besseres zu tun, als sich mit Hokuspokus zu beschäftigen."
Kannst Du dieses seltsame Vorurteil irgendwie belegen? Ich meine, dass 40 - 50ig-Jährige weniger beschäftigt sein sollen und/oder sich deshalb mehr mit Hokuspokus beschäftigen als 30ig-Jährige? Und
Liebe Andrea N.D.
ja, so sieht das eben aus, wenn man sich ironisch auf einen Titel bezieht. Ein Problem damit? Manchmal sind auch die 40-bis 90jährigen beschäftigt genug und lesen den Quatsch in den bunten Blättern nicht. Aber ich habe von Ärzten gehört, dass deren PatientINNEN (jeden Alters) drohten, die Praxis zu wechseln, wenn dort nicht mehr die bunten Blättchen für die Frauen ausliegen würden. Kein Witz! Stimmt wirklich.