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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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12.02.09 · 10:13 Uhr
Quo vadis, Online-Journalismus?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Es macht wenig Sinn sich die aktuellen Entwicklungen als Chancen schön zu reden. Die Krise ist da. Schneller als erwartet werden langfristige Investitionen in eigenständige journalistische Angebote im Online-Bereich zusammengestrichen.
Am deutlichsten sieht man dies bei Zoomer.de.
Im Februar 2008 ging dieses neuartiges Online-Nachrichtenportals mit hoher Qualität (40-köpfiger Redaktion) auf Sendung. Prominent war es gestartet, unter der Schirmherrschaft von Ulrich Wickert, und wird jetzt zum Ende dieses Monats - nach gerade mal einem Jahr - eingestellt.
Die Verlagsgruppe Holtzbrinck begründet ihren Schritt laut Branchendienst Kress mit den Worten "Der Druck auf den Anzeigenmärkten, der in den letzten Monaten erheblich zugenommen hat, stellt auf absehbare Zeit die ökonomischen Erfolgsaussichten in Frage".

Was übersetzt natürlich nichts anderes heißt, als dass mit Online-Angeboten noch immer kein Geld verdient wird und dass die Verlage auf ihren anderen (Papier-)Seiten massiv unter Anzeigenflaute leiden (jaja, die Wirtschaftskrise). Teure Experimente sind also derzeit nicht mehr möglich, geschweige denn sinnvoll.
In ein ähnliches Horn hatte kurz zuvor Verleger Hubert Burda auf seiner Digital, Life, Design Confernce gestoßen und damit möglicherweise Holtzbrincks Entscheidung beschleunigt. In ungewohnter verlegerischer Offenheit erklärte Burda "You get lousy pennies on the web", und veranschaulichte dies am Beispiel von Focus-Online, das laut AGOF-Zahlen immerhin das vierterfolgreichste Nachrichtenportal Deutschlands ist.
Trotz dieser Reichweite ist es jedoch nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft zu finanzieren. Der Verlag muss sein „Holiday-Check"-Projekt einsetzen um Focus Online gegen zu finanzieren.
Es wäre interessant zu erfahren, mit welchen Projekten Spiegel Online, Bild.de und Welt Online gegenfinanziert werden, denn angesichts der aktuellen Entwicklung kann man sich nicht vorstellen, dass auch nur ein einziges Nachrichtenportal in Deutschland Gewinn erwirtschaftet. - Allen Jubelrufen über erfolgreich, hohe Klickzahlen zum Trotz.
Wohin also geht die Online-Reise?
Wird es wieder verstärkt Versuche geben kostenpflichtige Angebote zu entwickeln, bei denen der Leser für Information bezahlen muss? Bislang sind sämtliche dieser Projekte auf Bundesebene gescheitert. Lediglich Regionalzeitungen können es sich erlauben, mit diesem Modell ihre lokalen Nachrichten eingeschränkt zu verbreiten (also Zugang nur für Abonnenten).
Doch was passiert eigentlich, wenn die Verleger reagieren und von den Online Redaktionen ein immerhin kostendeckendes Wirtschaften einfordern? Müssen dann noch mehr Kündigungen ausgesprochen werden?
Oder wird der unprofitable Online-Markt irgendwann in die Hände von Hobby-Journalisten gelegt, die für einen Appel und ein Ei (und vielleicht von Geltungswahn motiviert) schreiben?
Eine ähnliche Entwicklung sieht man schließlich seit einigen Jahren beim Fernsehen, wo Komparsen sogar Geld bezahlen, um mitspielen zu dürfen (was der Qualität nicht unbedingt förderlich ist).
Doch der Online-Markt ist längst weiter. Während bei Fernseh-Serien nur die Nebendarsteller leer ausgehen, kann man am Beispiel von Youtube - immerhin einem der wenigen Portale, das eine junge Kundschaft binden kann - sehen, was Hauptdarsteller und Ideengeber in Zukunft erwarten können.
NEtotal ist beispielsweise eine in Garbsen von den Schülern Nigel und Eduardo produzierte Sendung. Aufgrund Ihres Erfolgs haben die Jungs nicht nur einen eigenen Kanal, sondern sogar einen Manager von Youtube gestellt bekommen. Stolz berichten sie, dass 40 Prozent der Werbeeinnahmen in ihre Taschen fliessen.
Das hört sich zwar nach viel an, aber in Wahrheit belaufen sich die Einnahmen der Schüler auf hohe zweistellige Beträge und wenn es einen Monat mal richtig gut gelaufen ist, gibt es was Dreistelliges. - Selbstverständlich vor Abzug sämtlicher Kosten.
Autor: Peter Artmann· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Hallo Herr Artmann,
ich habe auch schon sehr viel über das "NEtotal"-Duo in Zeitungen und Online-Blogs gelesen und muss Sie korrigieren!
Nach Angaben der beiden und des Managers, verdienen die beiden monatlich hohe dreistellige und vierstellige Beträge. Zudem arbeiten die bedien zusätzlich noch als Moderatoren, sodass die beiden sogar schon eine GBR gegründet haben, um steuerlich korrekt zu handeln...
MFG
James
Na klar, die beiden fahren seit Neuestem auch nicht mehr auf ihren Fahrrädern und gehen auf eine Privatschule ...
Lieber Herr Olsen mit einer GmbH hätten Sie mich wirklich überrascht, aber eine GBR ist keine große Nummer.
Mag der Misserfolg von zoomer auch damit zusammenhängen, dass das k(aum )einer kannte? Ich jedenfalls habe soeben das erste Mal davon gehört...
Ansonsten das alte Problem mit Werbung: das wurde irgendwann so übertrieben, dass ziemlich viele Leute inzwischen Adblocker einsetzen oder (unterbewusst!) die Stellen einer Seite nicht mehr anschauen, an denen üblicherweise Werbung ist... Folge: Werbeeinnahmen gehen trotz vermeintlich mehr gezeigter Werbung in den Keller. Hier wäre weniger mehr gewesen, inzwischen glaube ich aber nicht mehr an eine Erholung.
Wer nach China reist findet schnell heraus, weshalb es ein so beliebtes Reiseziel ist.
Nicht alles was so aussieht wie es aussieht ist auch so wie es aussieht. Aber in diesem speziellen Falle würde ich es mich doch schwer wundern wenn es nicht so wäre wie es aussieht...