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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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25.02.08 · 17:10 Uhr
Von Grippepandemien, Freakshows und Schädeldecken
Kategorie: Medizin
In den Nachrichtenmagazinen sind diese Woche Medizinthemen nicht sehr präsent. Der Focus hat allerdings diesmal die Nase vor dem Spiegel.
Auf Seite 144 gibt es was über „Stiefkinder der Heilkunst“ also seltene Krankheiten zu lesen, gegen die es keine Medikamente gibt. Das ist zwar eine traurige Angelegenheit bedient aber auch immer den Wunsch nach einer Freakshow (so wie der Stern das ganz offensichtlich macht) - ein Mehrwert für die Betroffenen ist jedoch stets fraglich.
Zumal sich die Bundesregierung auf dem Gebiet ja ganz ordentlich engagiert:
Ob der Spiegel hier seriös informiert oder sensationslüstern Monster vorführt ist Geschmackssache.
Hundertprozentig geschmacklos ist dagegen der Bericht auf Seite 68 ("Die allerletzte Station" S. 68), in dem 14 bis 18-jährige Täter beschrieben werden, die ihre Schwester, Mutter oder Vierjährige vom Spielplatz vergewaltigt haben.
Trotz der halbherzigen Versuchs die Therapie der Täter zu beschreiben, hat man doch den Eindruck, dass der Artikel die allerniedrigsten Instinkte der Leser bedienen soll.
Dann lieber schnell zum Focus. Zwar langweilt uns hier zunächst ein Bericht über eine knapp verpasste Grippe-Pandemie ("Wunderbar – falsch" S. 54). Aber große Angst erzeugt das Thema nicht. Mit dem Begriff Pandemie wird die Ausbreitung einer Krankheit über Länder- und Kontinentgrenzen beschrieben. Im aktuellen Fall geht es um die Grippe. Weshalb die seriöse Presse jetzt dieses Thema aufgreift und Ängste schürt kann man nur schwer nachvollziehen.
Zumal eine real existierende Pharmaindustrie von der Angst wirtschaftlich profitiert und sich über jeden angstauslösenden Bericht ein Loch in den Bauch freut.
Dass so ein Impfstoff dann auch nicht ewig hält, sondern jährlich neu angefertigt werden muss, dürfte Roche, Glaxo und Co. noch glücklicher machen.
Wer weiß schon wie viele Millionen Euro das RKI für Vorratsmedikamente ausgeben hat, die nie jemanden geholfen haben.
Besser ist da schon der Bericht über die „gute“ Mechthild von der Paracelsusklinik. Allerdings ist Palliativmedizin eine Sache, bei der man es keinem recht machen kann. Hinzu kommt, dass das Ganze auch noch um die Ecke geschehen ist …
Also lieber gleich zum nächsten Thema. Stromstöße im Gehirn (Entspannende Stromstöße S. 104). Die sollen Parkinsonkranken helfen. … Ja, wenn es mal funktioniert. Eigentlich komisch, dass der Focus dazu nicht bei Otti Fischer angerufen hat um zu fragen, ob das was für ihn wäre (vielleicht hätte auch die AZ eine schöne Bilderserie von der OP gemacht …).
Aber so vielversprechend die Ergebnisse auch klingen mögen, so kann daraus nie eine ernsthafte Therapiealternative entstehen. Dazu ist die Anzahl der Erkrankten im Vergleich zu den möglichen Operationsterminen viel zu hoch. Und dann dürfte auch nicht jeder von der Idee begeistert sein, dass man in seinem Hirn rumschnippelt und davor die Schädelplatte aufsägt.
Viele dürften dabei befürchten, dass ihnen ihr Ich abhanden kommt, doch genau in dieser Hinsicht bietet der Focus diese Woche die allergrößte positive Überraschung und gleichzeitig den besten Entscheidungsgrund für das aktuelle Heft. Siehe dazu den nächsten Eintrag. Zum Bericht über Douglas Hofstadter.
Autor: Peter Artmann· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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