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06.11.11 · 02:30 Uhr
Rahmstorf-Prozeß im WPK Quarterly
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 47
Nur die Überschrift war falsch.
WPK Quarterly berichtet in seiner neuen Ausgabe über die erfolgreiche Unterlassungsklage einer Journalistin gegen Stefan Rahmstorf im Zusammenhang mit seiner Kritik am FR-Artikel "Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika".
In der Klage ging es eigentlich um die zu unterlassenden Vorwürfe, die Autorin des FR-Artikel habe von North und Leake abgeschrieben sowie nach Erscheinen von Rahmstorfs Kritik ihn über die FR-Redaktion gebeten, seine Kritik ohne Namensnennung zu veröffentlichen. (Die Vermutung drängt sich auf, daß die FR-Redaktion letztere Bitte ohne Zutun der Journalistin aus eigenem Antrieb an Rahmstorf herantrug, aber das ist natürlich Spekulation.)
Ich finde in dem langen Artikel in WPK Quarterly aber einen anderen Aspekt viel interessanter.
Zunächst, zur Einordnung: der WPKQ-Artikel befaßt sich mit Rahmstorfs Kritik an dem FR-Artikel. Kurz zusammengefaßt geht es um folgendes: im IPCC-Report hieß es, bis 2020 könnten in einigen Ländern Afrikas die landwirtschaftlichen Erträge (wegen auf den Klimawandel zurückzuführender Wasserknappheit) um 50% sinken. Diese Zahl 50% stammt von einem Mitarbeiter des marokkanischen Umweltministeriums und bezieht sich demzufolge nur auf Nordwestafrika.
In dem FR-Artikel wurde das wohl auch korrekt so dargestellt (laut WPKQ mit "verhältnismäßig deutlichen" Wertungen - ich kann das nicht überprüfen, weil der FR-Artikel nicht mehr online ist), nur erschien der FR-Artikel dann unter der Überschrift "Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika" - und die ist natürlich Unfug, denn im IPCC-Report war ausdrücklich nur von "einigen Ländern" (noch nicht einmal, was die Überschrift vielleicht hätte rechtfertigen können, von einigen Ländern Afrikas) die Rede gewesen.
(Um diese Fragen war es, nebenbei bemerkt, bei der in Köln verhandelten Unterlassungsklage nicht gegangen - dort ging es um die oben im 3. Absatz erwähnten Vorwürfe.)
Der Aspekt, den ich im WPKQ-Artikel interessant finde, ist aber folgende bemerkenswerte Entschuldigung:
Zutreffend erscheint lediglich die Kritik an der Überschrift des Artikels
in der FR, die aber nicht von Irene Meichsner stammt.
Da weiß man dann gleich wieder, warum man lieber bei den scienceblogs schreibt als irgendwo anders: hier gibt es keine Redaktion, die uns reißerische (und im Widerspruch zum Inhalt des Artikels stehende) Überschriften verpaßt, für die wir dann hinterher womöglich durch den Kakao gezogen werden könnten.
Vielleicht sollten sich Journalisten das Recht auf Ablehnung von Überschriften vertraglich zusichern lassen :-).
PS: Im WPKQ-Artikel finden sich mehr interessante Statements:
[...] Rahmstorf nicht der einzige Wissenschaftler ist, der sich über Fehler
oder Verzerrungen in der Berichterstattung beklagt. Möglicherweise ist er jemand, der das besonders lautstark tut.
Die Auffassung, man könne der Medienberichterstattung über Wissenschaft
lediglich mit einer wahr-falsch Kategorie in der Rolle des wissenschaftlichen Experten zu Leibe rücken, dürfte weithin zustimmungsfähig sein. Dass sich Wissenschaftler dabei aber auf ein schwieriges Terrain begeben, was Risiken für die eigene Glaubwürdigkeit birgt, kann mit Hilfe dieses Einzelfalles illustriert werden.
Da auf weitere illustrierende Beispiele verzichtet wird, kann sich nun jeder seine eigenen Gedanken machen, was die WPK mit diesen doch sehr allgemeinen Formulierungen vielleicht gemeint haben könnte.
Autor: Thilo· 47 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (47)
Es steht zu befürchten, daß das Ergebnis der Verhandlung schon bald als Beleg für die Unhaltbarkeit sämtlicher IPCC-Aussagen herangezogen werden wird...
Imho ists übrigens ein wenig dämlich, dem Editorial-Titel "Wahrheit und politische Agitation" den Artikel-Titel "Wie man Journalisten mundtot macht" folgen zu lassen, da das dadurch Beschriebene weder geschehen ist noch versucht wurde und somit das Zweite zur zweiten Hälfte des Ersten gehört.
Bist du neidisch auf die Debatten bei Ali und Florian? Man könnte meinen, du willst jetzt zumindest die Klimatrolle ködern (zumal Georg momentan ja auch das Islamross reitet). In der Überschriftenfrage gebe ich dir recht, da wird auch bei Qualitätszeitungen anscheinend viel Schindluder getrieben.
> In dem FR-Artikel wurde das wohl auch korrekt so dargestellt (laut WPKQ mit "verhältnismäßig deutlichen" Wertungen - ich kann das nicht überprüfen, weil der FR-Artikel nicht mehr online ist)
Der Artikel ist online, allerdings beim KStA: http://www.ksta.de/html/artikel/1264185820994.shtml
@Odysseus
Ich habe meine Zweifel, dass sich das jemand absichtlich antun möchte.
Aber du bringst mich auf eine Idee: Ich schreibe meinen nächsten Post zu einem mathematischen Thema. Wäre doch mal ein neuer Ansatz: Der erste Trolltext ist der Post selber. Von da an kann es nur noch aufwärts gehen.
@ Odysseus: Artikel zur Berichterstattung über Klimaforschung hatte ich hier immer wieder mal (zwei sind oben bei "Weitere Artikel auf Mathlog" verlinkt), die Diskussionen hielten sich im Rahmen.
Funny. Die die Unterlassungsklage begleitenden 520 Euro snd ja wohl so eine Art Schmerzensgeld. Ich frag mich, was ich da so bei einigen von mir angeschossenen Journalisten so zahlen muesste.
Grundsaetzlich ist ja die Pressefreiheit ein hohes Gut, nur gilt das fuer Meichsner so sehr wie fuer Rahmstorf, der sich ja hier genauso journalistisch betaetigt. In dem Sinne sind solche Aussage wie "Aussagen sind frei erfunden" oder "X weiss nicht wovon er/sie spricht" etc fuer mich eher eine allgemeine und persoenliche Qualitaetseinschatezung eines Artikels und nicht eine ueberpruefbare Aussage. Denn natuerlich voellig frei erfunden und wirklich keine Ahnung hat ja nie jemand.
Nachdem ich jetzt den von Karl Mistelberger verlinkten Artikel gelesen habe, finde ich die Klage allerdings auch eher merkwürdig. Die Journalistin teilt ja in ihrem Artikel auch ziemlich aus, mit sehr polemischen (und zum Teil zumindest irreführend formulierten - es wäre mir neu, daß Pachauri die fehlerhafte 2035-Prognose lange verteidigt hat) Kommentaren über namentlich genannte Leute. Insofern sollte sie nicht so larmoyant reagieren, wenn in der Kritik der Kritik ebenfalls polemisiert wird.
> Denn natuerlich voellig frei erfunden und wirklich keine Ahnung hat ja nie jemand.
Meichsner kommt dem Ideal ziemlich nahe. Sie stützte sich auf eine Geschichte, die schon längst als Humbug entarnt war: http://scienceblogs.com/deltoid/global_warming/leakegate/
Rahmstorfs Artikel ist übrigens hier: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-04-26/frankfurter-rundschau-klimarat-ipcc-africagate
Die beiden inkriminierten Stellen in Rahmstorfs Artikel sind natürlich inzwischen entsprechend der Unterlassungserklärung geändert worden.
(Nur damit wir hier nicht wegen des Links verklagt werden :-))
Es gibt übrigens noch weitere Artikel derselben Autorin zum Thema Pachauri. Im Cicero finden sich Formulierungen wie
oder
Das ist doch Wissenschaftsjournalismus vom Feinsten, wie es ihn in Deutschland in den letzten Jahrzehnten viel zu selten gegeben hat :-)
Hör auf zu lesen, sonst führen Deine erstaunten Äußerungen zu weit und Du wirdst noch belangt wegen "Herabwürdigen durch Zitieren" ;-)
Ich dachte zuerst ich hätte mich verlesen.
Das ist heftig, nährt es sich doch von Vorurteils-Klassikern.
Das ist nicht heftig, sondern soll (wie eine schnelle 'warten auf Heißwasser'-Suche ergab) politische Kultur sein. Zumindest wenn es nach dem Untertitel des Blattes geht.
Da auch der Artikeltitel das religiöse Motiv aufgreift, würde ich glatt unterstellen, daß wie so oft das Standardproblem durchschlägt. Nicht nur, daß dem Gegenüber eigene Denkweisen übertragen werden, die Wahrscheinlichkeit für einen ratio-blinden Fleck auch außerhalb der präferierten Ideologie steigt ebenfalls drastisch.
Frage:
Im WPK-Artikel wird ja kritisiert, dass S. Rahmstorf in seinem Blog die aufgrund des Urteils geänderten Abschnitte nicht kenntlich gemacht hat. Wenn ich mich nicht irre, zählt es ja im Blogger-Kreis zum guten Ton, einen geänderten Abschnitt z.B. durchzustreichen oder anders hervorzuheben. Wie wird das bei einer Unterlassungs-Erklärung gehandhabt?
Ich nehme mal an, daß man nach einer Unterlassungserklärung die Behauptungen überhaupt nciht mehr veröffentlichen darf, auch nicht durchgestrichen. Bin aber natürlich kein Jurist.
Deshalb finde ich es auch etwas komisch einem nicht-Juristen einen solchen Vorwurf zu machen...
> Im WPK-Artikel wird ja kritisiert, dass S. Rahmstorf in seinem Blog die aufgrund des Urteils geänderten Abschnitte nicht kenntlich gemacht hat.
Inhaltlich hat sich an Rahmstorfs Artikel nichts geändert, was nicht direkt von der Unterlassungserklärung betroffen war. Und im Schreiben Rahmstorfs an die FR ist die Formulierung beibehalten "Dieser "jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC" (Meichsner in der FR) ist soweit ich erkennen kann frei erfunden und völlig haltlos, genau wie die Amazonasstory von North und Leake...". Was jetzt konkret den Unerschied zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung ausmacht ist allerdings nicht mehr auszumachen.
So verschweigt der WPK-Artikel dem Leser, dass die ganze Geschichte von Meichsner Humbug war und deswegen von der FR zurückgezogen wurde.
An Rahmstorfs Stelle wäre ich mit der Geschichte offensiver umgegangen. Eine Info auf Klimalounge über das Kölner Urteil wäre sicherlich hilfreich gewesen. Denn so überlässt man die Story der willkürlichen Interpretation den ohnenhin faktenverdreherischen Klimatrolls.
Hmm, noch eine Frage (ich bin zu faul, den WPK Artikel noch einmal zu lesen). Es muss ja drei Anklage Punkte gegeben haben. In welchem hatte Rahmstorf nochmal Recht bekommen?
Im WPK Quarterly steht nichts über den 3. Anklagepunkt und Google kennt die Anklageschrift auch nicht. Es muß offensichtlich einen 3. Anklagepunkt gegeben haben weil Rahmstorf ja nur zwei Drittel der Kosten des Rechtsstreits übernehmen mußte.
@Thilo
Dachte ich mir und spricht nu auch nicht gerade fuer WPK. So super ojektiv logisch es ueber den Rest schreibt (Punkt 1,2,3 etc), aber dann einfach mal ein Drittel unter den Tisch fallen lassen.
@rolak
Ja, das befürchte ich auch. Wurde hier doch der wichtigste Klimakleriker der BRD nun auch noch als gerichtsbekannter Lügner enttarnt.
Mutig, mutig, Herr Bell. Giordano Bruno und Thomas Müntzer verblassen neben ihrem Heldenmut :-)
Die wahre Pressefreiheit haben wir hier wahrscheinlich erst dann erreicht, wenn auch Leute wie sie ihre Meinungen in der FAZ publizieren können.
Bell·
12.11.11 · 13:44 Uhr
Ihre positive Darstellung meines untadeligen Charakters, macht mich glücklich und beschämt zugleich, lieber Thilo, beschämt, weil uns Alt68er solch ein Verhalten nun andererseits selbstverständlich erscheint ... und der eigentliche Verdienst gebührt ja ganz zweifellos dem mutigen Richter. Angesichts einer zunehmend klimaskeptischen Justiz, deren erstes Opfer ja nun Rahmstorf zweifellos wurde, sehe ich auf die Pressefreiheit schwere Zeiten zu kommen, lieber Thilo.
Thilo·
12.11.11 · 14:05 Uhr
no commentDas kommt mir alles vor wie ein schlechter Witz. Frau Meichsner hat im Kielwasser der "Climategate" Kampagne wiederholt deftig gegen die Klimaforschung im allgemeinen und das IPCC im besonderen polemisiert. Das war anfangs 2010 bei einigen Journalisten halt so angesagt. Ein Bemühen, sich ein minimales Grundwissen über Klimamodellierung anzueignen, wird dabei in keiner Weise erkennbar. Professioneller Wissenschaftsjournalismus sieht für mich anders aus.
http://www.klimastorch.de/klimastorch/urteil.rahmstorf-vs.meichsner.pdf
Jetzt hat auch Spiegel Online von der Sache Wind bekommen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html
Der Blogartikel, auf den im letzten Abschnitt bezuggenommen wird ist übrigens http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2011-11-29/venedig-meeresspiegel-meeresstroeme-medien Rahmstorfs Klage darüber "in den klassischen Medien keine Kontrolle über das Endprodukt zu haben" bezieht sich notabene auf einen von ihm unter seinem Namen veröffentlichten Artikel, an dem (nach seiner Darstellung) Redakteure noch herumredigiert hatten.
Das Urteil enthält die ursprüngliche Version von Rahmstorfs Blogartikel. Streitpunkte waren:
a. Lesen hilft: jeder kann durch Nachlesen der relevanten Passagen im IPCC-Bericht leicht feststellen, dass die Vorwürfe schlicht falsch sind.
Das ist eine zulässige Meinungsäußerung.
b. Wer unsere Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler gelesen hat, der ahnt schon, von wem Frau Meichsner kritiklos abgeschrieben hat: vom Blogger Richard North und von Jonathan Leake von der Sunday Times.
Das ist eine unzulässige Tatsachenbehauptung.
das heißt nun: ...der ahnt schon, wen die Autorin des FR-Artikels, Irene Meichsner, als Quelle dieser Vorwürfe angibt:
c. Frau Meichsner hat mir derweil via FR-Redaktion die Bitte ausrichten lassen, ich solle ihren Namen aus meinem obigen Blogeintrag entfernen und nur die FR nennen.
Das ist eine unzulässige Tatsachenbehauptung, denn die Bitte ging tatsächlich vom zuständigen FR-Redakteur aus. Dieser Satz wurde gestrichen.
Falls es jemanden interessiert die Darstellung des Sachverhalts im Urteil:
Schön, dass wir jetzt einmal Klarheit über die Streitpunkte haben.
ad b) Dass Frau Meichsner von Richard North und Jonathan Leake im Wortlaut kopiert habe, so hat sicherlich auch niemand die Aussage mit dem "abschreiben" aufgefasst. Der entscheidende Eindruck, dass Frau Meichsner sich unkritisch bei North und Leake bedient hat, um mit ihren polemischen Klima-Artikeln schlichtes IPCC Bashing zu betrieben, weil dies gerade en vogue war, wird hierdurch allerdings in keiner Weise korrigiert.
ad c) Es hätte ja vielleicht gereicht, wenn Frau Meichsner den FR Redakteur Kraft nochmals um eine klärende und unmissverständliche Formulierung seiner Mitteilung an Stefan Rahmstorf ersucht hätte. Ist jemandem bekannt, ob sie einen solchen Versuch zur Richtigstellung unternommen hat, bevor sie damit vor den Kadi gezogen ist?
Der FR-Artikel ist auch im Kölner Stadtanzünder erschienen (mit anderem titel, und nachträglich leichten änderungen in der einleitung, hier der link:
http://www.ksta.de/html/artikel/1264185820994.shtml
p.
@ Peter Hartmann:
Ich denke, es war umgekehrt: Frau Meichsner hat den Artikel für den Kölner Stadtanzeiger geschrieben und die FR, die ja zur selben Verlagsgruppe gehört, hat den Artikel (vermutlich ohne bei der Autorin nachzufragen?) in gekürzter Form übernommen. So verstehe ich jedenfalls die Bemerkung im Gerichtsurteil, zwischen Frau Meichsner und dem FR-Redakteur Kraft sei es nach Erscheinen des Artikels "zu einer Diskussion über die Frage, ob die Kürzungen des Artikels zu inhaltlichen Fehlern geführt hätten" gekommen.
Was ja wiederum auch Rahmstorf bestätigt mit seiner Beschwerde, "in den klassischen Medien keine Kontrolle über das Endprodukt zu haben".
ich war bei der sache auch involviert, ich hab nämlich eine Presseratsbeschwerde (bisher meine einzige) gegen den Meichsner-Artikel geschrieben. Der KStA hat die eigene Version nachträglich im Einleitungstext abgeändert, das meinte ich. Die Beschwerde wurde im Übrigen abgewiesen.
p.
Hier noch eine interessante Nachlese zu der Affaire:
"Eklat um Klimaberater der Bundesregierung"
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html
Hier noch eine interessante Nachlese zu der Affaire:
"Eklat um Klimaberater der Bundesregierung"
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html
Schönen Dank für den Tipp, Klimaman. Wenn so etwas nicht alle zwei Tage erwähnt würde, könnte es glatt untergehen.
m)
Das war 7 Kommentare weiter oben von mir bereits verlinkt worden. Und ist nebenbei bemerkt (mal unabhängig vom Inhalt) ein Beispiel dafür, wie man als seriöser Journalist eben nicht schreiben sollte: 'die Affäre zieht immer weitere Kreise' (welche Affäre? welche Kreise?), 'brisant', 'Medienaffäre', die FR sei 'verwickelt', ...
Ein paar Reizwörter weniger und ein wenig mehr Eingehen auf die Tatsachen ('die Irrtümer lagen also gerade bei ihm' ist durch Auslassung der Einzelheiten ziemlich irreführend, denn die falsche Tatsachenbehauptung stammte ja eigentlich vom FR-Redakteur Krug) wäre sicher besser gewesen.
Und, wie gesagt, ganz eigenartig fand ich den letzten Absatz:
In dem Blogbeitrag vom 29.11. ging es nämlich keineswegs um einen Artikel eines Journalisten, sondern es ging um einen von Rahmstorf selbst geschriebenen Artikel, den eine Redaktion verunstaltet hatte. Was bitte ist nicht in Ordnung daran, wenn Rahmstorf sich darüber aufregt? Und warum zeigt das, er hätte nichts gelernt aus dem Urteil? Was hat das eine (die Klage über die Arbeit der Redaktion) mit dem anderen (Verurteilung zur Unterlassung falscher Tatsachenbehauptungen) zu tun?
> ... ein Beispiel dafür, wie man als seriöser Journalist eben nicht schreiben sollte
Noch so ein Beispiel:
http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Maxeiner-und-Miersch/article13733022/Der-Agitator-Rahmstorf-und-sein-Juengstes-Gericht.html
Der Welt-Artikel steht ja unter der Überschrift "Meinung" - da ist ja anscheinend (fast) alles erlaubt... vielleicht sollten das Blogbetreiber generell auch über alle ihre Artikel schreiben.
Also dass schon für solches Pillepalle Gerichte ausgelastet werden hätte ich nicht gedacht. Übrigens hat Rahmstorf laut Stellungnahme des PIK die beanstandeten Formulierungen bereits zwei Monate vor der Klage vom Netz genommen. Wie kann es sein, dass sich in Deutschland Gerichte ernsthaft mit sowas beschäftigen?
Versteht eigentlich jemand, warum "Lesen hilft [...]" nicht wörtlich zu nehmen ist aber das "Abschreiben ohne inhaltliche Prüfung" schon?
Es gibt nun auch differenziertere Darstellungen des Vorgangs:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-08/rahmstorf-im-zerrspiegel
http://www.vielfalter-blog.de/?p=401
Ein Leser hat mich auf einen lustigen Nebeneffekt der Rahmstorf-Debatte hingewiesen: Autor Markus Lehmkuhl hat seit gestern einen eigenen Wikipedia-Artikel (dessen Diskussionsseite übrigens gesperrt sein soll). Ein bemerkenswerter Erfolg für jemanden, dessen 3 Bücher bei Amazon 0 (Null) Kundenrezensionen haben (und von dem ich auch im Netz keine wissenschaftsjournalistischen Beiträge gefunden habe). Es funktioniert offensichtlich immer wieder: wer sich einen Namen machen will, muß nur die richtigen Leute angreifen.
Die von Markus Lehmkuhl im letzten Absatz seines Artikels aufgestellte Behauptung, Frau Meichsner hätte genug vom Thema Klima und würde darüber nicht mehr schreiben, entspricht übrigens nicht der Wahrheit. Dieser Artikel ist vom 30.5.2011: http://imageshack.us/f/683/meichsnerksta20110530.jpg/
Einen Überblick über die Argumente zum ursprünglichen Thema (Dürren in Afrika) gibt es jetzt auf http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-10/duerre-in-afrika
Die Konklusion zum FR-Artikel:
und zum WPK-Artikel:
Wolfgang Cramer hat seinen ursprünglichen Artikel um einen ausfürlichen Kommentar ergänzt. Fazit: Herr Lehmkuhl ignoriert diese ganze Vorgeschichte – auch den sorgfältigen Prüfbericht der holländischen Regierung, die wohl wichtigste Referenz in dieser Diskussion – und behauptet einfach, seine durch Subtraktion errechneten Zahlen seien die, die die Arnell-Studie ausweist. Das ist schlicht falsch. Wie (und vor allem: warum) Herr Lehmkuhl dann daraus den Vorwurf an Herrn Rahmstorf konstruiert, er habe die Arnell-”Studie selbst aber nicht mit der nötigen Sorgfalt geprüft”, das ist für mich schwer zu erklären.
http://www.vielfalter-blog.de/?p=401
zum Wikipedia-Artikel: inzwischen läuft eine Löschdiskussion
Zum Thema Unterlassungserklärung: http://www.alpenyeti.at/wanderblog/2012/01/06/schitourengeher-von-sattental-ausgesperrt/