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29.10.11 · 09:29 Uhr
Finanzkrise nur ein Rechenfehler?
Kategorie: Politik · Kommentare: 18
Wir haben vergessen zu saldieren.

Mit diesem super Symbolfoto illustriert RiskNET die Berichterstattung über die Schuldenverringerung der Hypo Real Estate. Und in der Seitenspalte gibt es auch gleich das passende Zitat des Tages: So kann also die Mathematik definiert werden als diejenige Wissenschaft, in der wir niemals das kennen, worüber wir sprechen, und niemals wissen, ob das, was wir sagen, wahr ist. (Bertrand Russell)
Na ja, so wie ich die Berichterstattung verstehe, handelt es sich doch aber gar nicht um einen mathematischen Fehler:
"Wir haben schlichtweg vergessen, zu saldieren"
sagt ein Sprecher der FMS Wertmanagement.
"Saldieren" mußte ich auch erst nachschlagen, laut Wikipedia ist das "ein Rechtsgeschäft, bei dem eine Partei am Ende einer Periode die Verrechnung durchführt (die Forderungen werden saldiert) und den ermittelten Saldo zur Annahme anbietet".
Heißt das jetzt, man hat sich gar nicht verrechnet, sondern nur vergessen zu rechnen? Oder was? Fragen über Fragen ...
Es gab gar keine Finanz- und Bankkrise. Alles nur ein großer Rechenfehler. Die gestressten Banker und ihre superschlauen Wirtschaftsprüfer und Berater haben sich einfach nur um ein paar Billionen verrechnet. Ach ja, und die Griechen sind auch nicht pleite. Die können nur nicht rechnen.
Autor: Thilo· 18 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (18)
Das Problem: Wer nicht rechnen kann, ist schnell pleite.
Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass gestresste Banker die eine oder andere unwichtige Sache wie die Peanuts des Staatshaushaltes übersehen. Schliesslich ist das Sichern der eigenen Vorteile stressig genug. Griechenland ist überall. Und nach den Pisa-Studien wundern mich solche Meldungen auch nicht mehr. Also stellt euch nicht so an wegen den paar Milliarden...
...
xxx
Da hilft nur noch eins: Saufen!
Was ich mich frage: Welche Geschäfte stehen hinter solchen Rechnungen, wenn man sich um 50 Mrd. verrechnen kann, ohne dass das an anderer Stelle im Management auffällt. Welcher Bäcker hat so wenig Überblick über seine Umsätze, seine Mehleinkäufe, seine Stromkosten etc., dass ihm nicht auffallen würde, wenn sich in seiner Buchführung ein Fehler über 100.000 Euro ereignet? Und hier fallen 50 Mrd. nicht auf? Was muss das für eine Geschäftstätigkeit sein?
Also erstens: Die Bad Bank der Hyporealestate namens FMS hat über 800 Milliarden Derivate (also alle möglich hin und her und kreuz und quer Absicherungsgeschäfte auf Zins- oder Währungs- oder WasWeissIch-änderungen). Da sind 55 Milliarden gar nicht so viel ;-)
Ohne dass bisher jemand die Details der Bilanzierungsänderung verraten hat: Die Änderung geht wahrscheinlich auf die Tatsache zurück, dass die FMS nicht alle Spielräume genutzt hat, die die deutsche Bilanzierungsmethode HGB ermöglicht. Nach der international üblichen Bilanzierungsmethode dürfen in der Bilanz einer Bank bestimmte Positionen nicht miteinander verrechnet werden, nach HGB (und übrigens auch in der US-Methode GAAP) hingegen schon.
Ein Beispiel: Du schuldest Kumpel X 10 Euro, der zahlt jedoch das Kino (8 Euro) für dich. Nach einer Methode (HGB) kannst du die 10 und die 8 Euro miteinander verrechnen und es tauchen nur 2 Euro in der Bilanz auf, nach der anderen Methode (IFRS) stehen auf der einen Seite der Bilanz 10 Euro, auf der anderen 8.
Die 55 Milliarden beruhen jetzt natürlich nicht auf einer solchen simplen Verrechnung von zwei sehr ähnlichen Sachverhalten, sondern auf irgendwas Komplizierterem, also z.B. der Verrechnung von Schulden mit irgendwelchen Kreditderivaten. Das Prinzip ist aber das gleiche.
Was in dem Kumpel-Gegenseitig-Schulden-Beispiel klar wird: Egal wie man bilanziert, man ist gleich reich. Es ändert sich nichts. Niemand ist reicher als vorher, niemandem fließt Geld zu.
Im FMS Beispiel ändert sich die Menge der Schulden, die nach Brüssel gemeldet wird, weil Brüssel einfach ALLE Schulden von verstaatlichten Banken als Schulden zählt; völlig egal, was auf der Vermögensseite der Bilanz steht. Eine verstaatlichte Bank, die auf der 100 Seite der Bilanz 100 Mrd. Schulden hat, auf der anderen Gold für 200 Mrd. hat, würde trotzdem mit 100 Mrd. in die Schuldenbilanz eingehen. Das mag schwachsinnig sein, ist aber so (Die EU will so Schuldenversteckerei in Nebenhaushalten verhindern).
Trotzdem: Wenn jetzt von Geldregen gesprochen wird, ist das Quark. Es hat niemand mehr Geld als vorher. Daher muss man auch nicht darüber spekulieren, wie viele Ferraris man von de Geld kaufen könnte, wie viele Schulen das wären etc. pp. Das Geld ist genauso wenig da wie vorher.
http://egghat.tumblr.com/post/12068373733/fms-bilanzierungsfehler-beschert-sch-uble-keinen-cent
Prozentual dürfte das mehr oder weniger den im Kommentar davor erwähnten 100.000 Euro für eine Bäckerei entsprechen.
Buchhalter und gerade die von Banken müssen über-doppel-sonder genau sein, schon vom Gesetz her. Deshalb werden sie auch oft von Menschen, die das nicht wissen oder denen der Sinn dafür abgeht, Erbsenzähler genannt. Wer nicht in Buchhaltung bewandert ist, wird nun diesen kapitalen Fehler für unmöglich halten und erhebliche Zweifel an der beruflichen Leistungsfähigkeit derjeneigen äußern, die sich da verrechnet haben. Der Stress beim Jahresabschluss ( Genauigkeit u n d Schnelligkeit schließen sich eigentlich gegenseitig aus) für die Buchhalter ist enorm. Und bei einer Fehlbuchung ist die Summe egal, falsch herum ist falsch herum. Diejenigen, die dann die Arbeit der Buchhalter prüfen, z.B. Wirtschaftsprüfer, müssen noch schneller sein, um den Ansprüchen z.B. der Fristsetzung genüge zu tun. Dann wird meist nur noch die Plausibilität geprüft : Stimmt der Unterschied zwischen Einnahme und Ausgabe?
Ja? Dann ist alles ok. Stempel drauf und raus. Und wenn da eine Buchung falsch herum ist und dazu noch ein verhältnismäßig kleiner Betrag, so geht das in der Plausibilitätsprüfung unter. Es ist und bleibt ein Fehler, aber in diesen Falle, trotz der vordergründig "riesigen" Summe, ein entschuldbarer Fehler.
Das nun trotzdem internatinoales Gelächter über die pingeligen Deutschen ausgebrochen ist, ist verständlich. Am besten ist: mitlachen!
@Thilo
"Prozentual dürfte das mehr oder weniger den im Kommentar davor erwähnten 100.000 Euro für eine Bäckerei entsprechen."
Knapp 7 % ? Sollten schon gesehen werden, können aber auch mal übersehen werden.
Und welcher Bäcker (keine Kette) macht schon 1.6 Mio € Umsatz im Jahr?
Ich dachte auch nicht an den Umsatz, sondern sozusagen an den Gesamtwert.
a) Es ist ein Fehler.
b) Eine Bilanz ist immer nur eine Darstellung der Vermögenssituation eines Unternehmens. Darin ist erstens immer Spielraum vorhanden und zweitens gibt es unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten. Am Wert der Firma ändert sich bei der Änderung der Darstellung nichts. Es sieht höchstens so aus.
c) Im Fall der FMS hat sich nicht einmal an der Darstellung der Vermögenssituation wirklich etwas geändert. Die FMS hat jetzt 55 Mrd. weniger Verbindlichkeiten, aber auch 55 Mrd. weniger Vermögensgegenstände. Wenn die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten nicht in der Berechnung der Staatsschulden nach EU-Methode eingehen würde, hätte diese Bilanzverkürzung KEIN SCHWEIN interessiert. Weil sie eigentlich auch total unspannend ist ...
@egghat
"Die FMS hat jetzt 55 Mrd. weniger Verbindlichkeiten, aber auch 55 Mrd. weniger Vermögensgegenstände."
Vermögensgegenstände? Was für Vermögensgegenstände?
Wenn sich "nur" die Verbindlichkeiten ändern, ändert sich allenfalls der Gewinn bzw. der Verlust und damit das Kapitalkonto, alles auf der Passivseite.
Wenn sich auch die Aktivaseite geändert hätte, wäre die Chance, dass es doch noch jemand rechtzeitig gemerkt hätte, ungleich größer gewesen.
Ich könnte jetzt fragen, welche Verbindlichkeiten ;-)
Ernsthafter: Wenn man ein Optionsgeschäft macht, bekommt die eine Seite (der Optionsverkäufer) Geld, die andere Seite (der Optionskäufer) zahlt und bekommt dafür das Recht irgendwas zu irgendeinem Preise zu kaufen (oder zu verkaufen, das verhindert aber nur das Verständnis, ignorier das einfach).
Nach dem Abschluss des Geschäfts hat der Optionsverkäufer Geld auf dem Konto, dafür aber die Pflicht etwas zu liefern. Diese Pflicht, etwas zu liefern ist an der Börse was wert und für den Optionsverkäufer eine Verbindlichkeit, die dann auch in der Bilanz erscheint.
Beim Optionskäufer ist das genau spiegelbildlich: Er hat nach dem Kauf etwas weniger Geld auf dem Konto, dafür aber das Recht, etwas kaufen zu können. Dieses Recht ist etwas wert und taucht in der Bilanz als Vermögensgegenstand auf.
Da die HRE jede Menge dieser Geschäfte in beide Richtungen abgeschlossen hat, hat sie jetzt auch jede Menge Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten in den Bilanzen stehen.
So ändern sich die Zeiten. Noch vor ein paar Jahren konnte Herr Kopper mit seinem Spruch, 50 Mio. Mark seien peanuts (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hilmar_Kopper), für Aufregung sorgen.
Also der Kommentar war so "Da sind 55 Milliarden gar nicht so viel ;-)" Der Ironie-Smilie dahinter war schon Absicht ...
12stein·
05.11.11 · 11:08 Uhr
Die Statistiken die Griechenland abgeliefert hat, haben jahrelang auch kein Schwein interressiert !Griechenland hat aber Schulden versteckt. Das ist was anders als eine Bilanzverkürzung.