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19.09.11 · 23:08 Uhr
Plagiats-Affäre Wegman II
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 8
2n > 2n. Warum man beim Kopieren das Formatieren nicht vergessen sollte ...
Wir hatten hier ja schon mal über eine Plagiatsaffäre Wegman berichtet.
Zur Erinnerung: der Statistiker Edward Wegman hatte in einer 2008 veröffentlichten Arbeit "Social networks of author-coauthor relationships" nachweisen wollen, daß 'traditionelle' Formen der Kooperation (ein Chef und mehrere Mitarbeiter oder Studenten) zu zuverlässigerer und kreativerer Wissenschaft führen als Kooperationen gleichrangiger Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Studie hatte er verwendet in einem Report für den US-Kongreß, der die Klimaforschung und speziell Michael Mann in ein schlechtes Licht rücken sollte. Es stellte sich dann vor einigen Monaten heraus, daß Teile dieser Studie aus Lehrbüchern und der Wikipedia abgeschrieben waren, worüber wir hier berichtet hatten, Wegman hatte die Schuld an diesem Plagiat dann einer damaligen Doktorandin zugeschoben, die aber seinerzeit gar nicht als Koautorin der Studie aufgeführt worden war...
Über einen mindestens ebenso skurillen weiteren Plagiatsvorwurf gegen Edward Wegman berichtet jetzt Andrew Gelman.
Es handelt sich um den von Wegman mit Said verfaßten Artikel "Roadmap for Optimization" (in dem es übrigens diesmal NICHT um Kritik an der Klimaforschung geht) und um folgende Stelle:
Klee and Minty3 developed a linear programming problem in which the polytope P is a distortion of a d-dimensional cube. In this case, the simplex method visits all 2d vertices before arriving at the optimal vertex. Thus the worst-case complexity for the simplex algorithm is exponential time.
Nun weiß jeder Schüler, daß der 3-dimensionale Würfel 8 Ecken hat, und jeder Erstsemester sollte wissen, daß es beim d-dimensionale Würfel 2d Ecken sind.
Wie es zu diesem Fehler kommen könnte, dafür liefert Andrew Gelman in seinem Artikel eine plausible Erklärung: der obige Text ist fast identisch mit einem Teil einer früheren Version des Wikipedia-Artikels zum Simplex-Verfahren. In dieser Version wurde die Zahl der Ecken des n-dimensionalen Würfels auch korrekt mit 2n angegeben. ABER: wenn man den Text mit Copy&Paste herüberzieht, dann wird aus dem 2n ein 2n, und das müßte man dann wohl oder übel noch mal von Hand nachformatieren.
Zur inhaltlichen Bewertung ist bei Andrew Gelman eigentlich alles gesagt.
Ich will aber, da es sich hier ja um einen Mathe-Blog handelt, noch nachtragen, WARUM (außer für n=1 und n=2) NIE 2n=2n ist:
man kann nämlich mit vollständiger Induktion beweisen, daß für alle natürlichen Zahlen n>2 die Ungleichung 2n>2n gilt: den Induktionsanfang für n=3 schafft wohl jeder selbst, und aus der Induktionsvoraussetzung 2n>2n folgert man die Induktionsbehauptung 2n+1>2(n+1) mittels der Ungleichungskette 2n+1=2.2n>2.2n=2n+2n>2n+2=2(n+1). Gar nicht so schwer.
Also, liebe Schulkinder (falls hier welche mitlesen), ganz wichtig: beim Kopieren aus der Wikipedia immer noch mal die Exponenten von Hand nachformatieren!
Autor: Thilo· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
It depends. :) Man kann mit HTML und Sub und Sup-Tags arbeiten, dann ist es auch notwendig nachzuarbeiten - es sei denn, man hätte wieder einen Editor/eine Cut-and-Paste-Lib die weiter fortgeschritten ist, und mehr kann - es kann aber auch sein, dass man einen Zeichensatz verwendet hat, in dem n¹²³ oder 123” möglich ist.
Ist kein 'hoch n' angekommen? Schade. Bin auch nicht sicher, ob solche Zeichen in UTF irgendwo kursieren.
Testing, 1, 2, 3...
sup123, 123sup, 123sub, sub123 - tja - irgendwie reduzierte Performance hier. :)
Was ich hier besonders spannend (eigentlich traurig) finde ist, dass Wegman und Said beide "Editors in Chief" von dem Journal "Computational Statistics" sind (dort ist der Artikel erschienen). Siehe das Editorial Board
Wer sonst hätte den Artikel sonst durchgehen lassen?
Bei der Vorschau auf diesen Artikel liest man übrigens: "2n 2n. [sic!] Warum man..." Schon blöd, dieses html.
+++
Echt schlimm das solche Artikel überhaupt duchgehen !!!! Aber was soll man machen !!!
Toller Beitrag.
Ich habe auch Einen... Du solltest Dich mit ihm einmal beschäftigen und das Potential erkennen, denn niemand muss sich auf sein Glück verlassen, wenn er eigene Fähigkeiten einsetzen kann.
Glück ist ein nicht zu berechnender Faktor. Mit dem Einbau eines Features (Ceno) ist es gelungen, den Faktor Glück in Geschwindigkeit umzuwandeln. Und somit in eine Fähigkeit. Wenn es mir also möglich ist, aufgrund meiner Fähigkeiten (Schnelligkeit) aus 10,- unglaubliche 5.000,- zu machen, ist das ein absolut überschaubares Risiko.
Nimm Dir zwei Minuten Zeit, um das System verstehen. Nur weil das Ganze noch relativ neu und unbekannt ist, ist es noch lange keine Abzocke, denn das Projekt wird notariell beaufsichtigt.
So entstehen auf dem Markt der Internetlotterien völlig neue Möglichkeiten.
Mein Name ist Programm
Toller Beitrag.
Ich habe auch Einen... Du solltest Dich mit ihm einmal beschäftigen und das Potential erkennen, denn niemand muss sich auf sein Glück verlassen, wenn er eigene Fähigkeiten einsetzen kann. Einfache Mathematik:
Glück ist ein nicht zu berechnender Faktor. Mit dem Einbau eines Features (Ceno) ist es gelungen, den Faktor Glück in Geschwindigkeit umzuwandeln. Und somit in eine Fähigkeit. Wenn es mir also möglich ist, aufgrund meiner Fähigkeiten (Schnelligkeit) aus 10,- unglaubliche 5.000,- zu machen, ist das ein absolut überschaubares Risiko.
Nimm Dir zwei Minuten Zeit, um das System verstehen. Nur weil das Ganze noch relativ neu und unbekannt ist, ist es noch lange keine Abzocke, denn das Projekt wird notariell beaufsichtigt. Es ist ein mathematisches Wunder...
So entstehen auf dem Markt der Internetlotterien völlig neue Möglichkeiten.
Mein Name ist Programm
Werbelinks wurden wie immer gelöscht.
@ Entwickler
Letzte Warnung: wenn Sie noch EINMAL versuchen, in den Kommentaren einen Link zu Ihrer Webseite zu platzieren, dann schreibe ich hier einen Blogartikel über Sie und Ihr Geschäftsmodell. das wollen Sie doch sicher nicht ...