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06.05.11 · 10:45 Uhr

Volkszählung und Datenschutz

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 12

Die Deckblätter werfen wir eh weg - Datenschutz.

volkszählung.jpg

Vorgestern bekam ich mit der Post die Formulare zur Volks-, Gebäude- und Wohnungszählung mit der Aufforderung, diese in 2 Wochen zurückzuschicken und einer Strafandrohung, falls man das nicht tue.
Auf dem einen Formular ging es um die Objektanschrift Hensenstraße 172 in Münster, auf dem anderen um die Hensenstraße 174. Und im Feld 'Objektanschrift' wurde noch mal darauf hingewiesen, daß sich alle Fragen im Fragebogen auf diese jeweilige Anschrift beziehen würden. Das verstand ich zunächst nicht, denn ich wohne in der Hausnummer 160, wie es ja auch korrekt rechts oben im Adressfeld steht.

Mein erster Gedanke: die glauben nicht, daß jemand korrekte Angaben zum eigenen Haus oder der eigenen Wohnung macht. Deshalb fragen sie die Nachbarn. Mein zweiter Gedanke: das kann ja wohl nicht sein.
Dann schaute ich mir die Fragen an.
Frage 1: Gibt es unter der Objektanschrift mindestens ein Gebäude mit Wohnraum oder eine bewohnte Unterkunft? Wenn ja, dann weiter mit Frage 2.
Frage 2: Sind Sie für das Gebäude oder die Wohnung auskunftspflichtig, weil sie z.B. dort Eigentümer sind? Wenn nein, dann weiter mit Frage 3 und senden Sie den Bogen dann zurück.
Okay, damit hätte ich die Bögen einfach ohne Beantwortung der übrigen Fragen zurückschicken können, auch wenn sich mir der Sinn nicht erschließen würde. Die ganze Aktion nur um von einer unabhängigen Quelle zu erfahren, daß es unter den beiden Anschriften ein Gebäude mit Wohnraum gibt?

Gut, ich hab die Blätter dann erst mal liegengelassen. Zufällig war gestern abend gerade eine Eigentümerversammlung angesetzt, natürlich zu ganz anderen Themen, in der jemand unter dem Tagesordnungspunkt 'Sonstiges' dann noch beiläufig erwähnte, er hätte von der Volkszählung Formulare für die Hensenstraße 172 und 174 bekommen, würde selbst in der 172 wohnen und ob jemand wüßte, was er jetzt mit dem Formular für die Hausnummer 174 machen solle. Es gab dann noch mehr Leute, denen das selbe passiert war und, ja, eine Nachbarin erzählte dann, sie hätte wegen der Formulare bei der Behörde angerufen. Dort hätte man ihr gesagt, daß die Deckblätter der Formulare aus Datenschutzgründen sowieso abgetrennt und vernichtet werden. Und weil die Deckblätter sowieso vernichtet würden, sei es für die Behörde egal, welche Hausnummer auf dem Deckblatt steht. Man ginge halt davon aus, daß schon jeder nur Angaben zu seiner eigenen Wohnung machen würde, auch wenn vorne auf dem Deckblatt eine ganz andere Objektanschrift steht, auf die sich "alle Fragen in diesem Fragebogen beziehen" würden. Ja, eigentlich logisch. Wer liest schon Deckblätter?

 

Autor: Thilo· 12 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (12)

Kommentar-Direktlink KommentarAbo· 06.05.11 · 11:14 Uhr

...

Kommentar-Direktlink Anhaltiner· 06.05.11 · 17:44 Uhr

Da fehlt wohl die Frage "Sind sie Sie und wenn ja wieviele" Bei 2 Fragebögen zu einer Person. Bevor du beide ausfüllst, frag lieber mal nach ob es eine "Zweitwohnungsteuer" gibt (manche Bundensländer machen das) Datenschutz hin oder her - wenns die Steuer mitbekommt, macht das böse Effekte.

Kommentar-Direktlink Miro· 07.05.11 · 07:30 Uhr

Holger Klein hat mal in seiner Sendung was schönes gesagt: (ungefährer Wortlaut ;) "1983 hab es diese Zählung auch, mein Dad hat sie bekommen und meinte nur was sei das für ein Mist, Schreib rein, wir haben 17 Kinder und alle 10 Jahre alt!"

Kommentar-Direktlink egal· 07.05.11 · 07:46 Uhr

http://ftp.halifax.rwth-aachen.de/CCC/27C3/mp3-audio-only/
Der Vortrag "27c3-4111-de-eins_zwei_drei_alle_sind_dabei.mp3"
könnte dir bei der Zensus Sache helfen. Wenn ich mich recht entsinne wird da auch angedeutet wie man die Behörden mit dem Ausfüllen etwas ärgern kann ;)

Kommentar-Direktlink rolak· 07.05.11 · 08:12 Uhr

Warum denn so karg? Es gibt doch auch Bildliches im Archiv.

Kommentar-Direktlink egal· 07.05.11 · 12:56 Uhr

@rolak
Ich weiß ja nicht wie beschäftigt Herr Kuessner ist. Ein mp3 ließe sich sicherlich schneller "zwischendurch" verarbeiten.

Kommentar-Direktlink sven· 07.05.11 · 22:51 Uhr

ich habe da einen verdacht:
die abfolge der fragen ist schon so richtig, die auskunft des behördenmitarbeiters war nicht ganz richtig.
ich vermute in irgendeinem register (melderegister vielleicht nicht gerade, denn die adresse scheint ja zu stimmen) gibt es fehlerhafte einträge. so ist die ungereimtheit bei den adressen entstanden.
solche fehler auszuräumen ist doch das ziel der ganzen aktion.
idealerweise erhälst du dann nach einiger zeit einen korrigierten bogen.

Kommentar-Direktlink Michael· 09.05.11 · 10:23 Uhr

Ich würde auch auf den Fehler in irgendeinem Register denken, dass wird bei der Volkszählung sicherlich mehrfach auftreten, würde ich zumindest vermuten, denn solche Datenbanken haben immer ihre dunklen Ecken. Wenn ich da nur dran denke wie es bei mir auf der Arbeit mit der Kundendatenbank aussieht ;) stimmt schon einiges nicht. Aber sonst kannst du ja auch deine Nachbarn untersuchen und für sie ausfüllen ;)

Author Profile Page Thilo· 09.05.11 · 13:07 Uhr

Heute im Weser -Kurier:

"Uns haben einfach die Mitarbeiter gefehlt, um die Angaben aus der Vorerhebung rechtzeitig vor dem Versand der jetzigen Fragebögen aufbereitet zu haben". Auf nur rund 50 Prozent schätzt er die Zahl der bearbeiteten Vorermittlungsdaten. Bis August/September hätte man für die volle Erfassung der Angaben aus der Vorerhebung noch gebraucht.
Folge: Könne man einen Haus- oder Wohnungseigentümer in einer Straße keiner Hausnummer zuordnen, bekomme dieser Fragebögen für alle Hausnummern, um so im Ausschlussverfahren eine Zuordnung zu ermöglichen. Dies sei übrigens bundesweit so geregelt. Überall dort, wo eine Zuordnung nicht eindeutig zu erkennen sei, würden die Bürger für jede erkennbare Möglichkeit einen Fragebogen erhalten.
>

Kommentar-Direktlink Jan von nebenan· 12.05.11 · 10:47 Uhr

Also mal ganz abgesehen von pro und contra Volkszählung - die Umsetzung ist hier bei uns doch mal wieder grottig ausgefallen. Komisch, dass bei den Millionen für Werbekampagnen kein Geld mehr übrig war für die wichtigen Dinge.

Etwa die Volkszähler-Ausweise: Kein Hologramm, nur der Name und ein aufgedruckter Stempel - das bekommt man in wenigen Minuten auch selbst hin: http://zensus11.de/2011/05/volkszahler-dienstausweise-sicher/

Oder die Tatsache, dass ich am letzten Donnerstag eine Besuchsankündigung erhalten habe für diesen Dienstag - das ist nicht mal eine Woche! Was ist eigentlich mit denen, die zur Zeit gerade im Urlaub oder sonstwo sind?

Dann noch der Umgang mit den Fragebögen - entweder schleppt der Volkszähler die Zettel mit sich herum und gibt Sie irgendwann ab, oder man schickt sie selbst an Drittfirmen die so schönen Zugriff auf die Daten erhalten (Outsourcing...). Was bringt der versprochene strenge Datenschutz, wenn schon direkt an der Quelle zahlreiche Möglichkeiten vorhanden sind, um als Unberechtigter an die Daten zu kommen?!
Als Alternative (für die ich mich entschieden habe) bleibt noch das Online-Ausfüllen des Fragebogens, dann kommen die Daten wenigstens direkt bei den Ämtern an. Allerdings hier bitte direkt die HTTPS-Seite aufrufen - https://www.zensus2011-befragungen.de/idev/ - und *nicht* von www.zensus2011.de weiterleiten lassen - sonst bringt der ganze SSL-Kram im schlimmsten Fall nämlich überhaupt nichts: https://janschejbal.wordpress.com/2011/05/07/volkszahlung-online-ubermittlung-unsicher/

Das gilt übrigens nicht nur bei Volkszählungen, sondern bei praktisch jeder SSL-verschlüsselten Seite - immer schön direkt die gewünschte Seite aufrufen und keine Links benutzen! ;-)

Kommentar-Direktlink Christian Berger· 13.05.11 · 07:36 Uhr

So weit wie ich weiß wird bei dieser Volkszählung auf Datenschutz verzichtet. Man hofft einfach darauf, dass niemand die Datenbank kopieren wird.

Kommentar-Direktlink Nairolf· 14.05.11 · 12:47 Uhr

Zaehlt doch mal die Beamten und nicht das Volk !

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