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09.03.11 · 11:35 Uhr
Werbung und Mathematik
Kategorie: Kultur · Kommentare: 15
xkcd heute: "Mathematically Annoying Advertising".

"Bis zu 15%" schreibt der Mathematiker so: x ≤ 15.
"und mehr" : x > 15.
Die reellen Zahlen sind die disjunkte Vereinigung aus {x: x ≤ 15} und {x: x > 15}.
Etwas anderes wäre es natürlich, wenn man nicht in den reellen Zahlen, sondern zum Beispiel in Z/10Z rechnen würde.
ad "Free": wer x für eine Werbung ausgibt, die von N+1 Leuten gelesen wird, rechnet damit, daß jeder Leser ihm durchschnittlich (wenigstens) x/N+1 zahlen wird - wofür auch immer.
"The more you spend the more you save" braucht man wohl nicht zu erläutern.
Ich versuch mich mal an einer deutschen Übersetzung:
|
![]() |
|
Okay, das mit den "weniger als 5%" paßt nur insofern, daß es eben auch sehr vage ist.
Quellen:
http://www.xkcd.com/870/
http://www.flickr.com/photos/macnotes/3790872260/
http://www.eteleon.de/shop/angebote/Free_KLS/Free-Tarif-Komplett-Kostenlos
http://www.immowelt.de/immobilien/immodetail.aspx?id=18406440
Autor: Thilo· 15 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (15)
Schöne Beispiele die du da rausgesucht hast. Das erinnert mich auch an die eine Werbung:
Frag doch einfach mal "Laborleiter Dr. Klenck", der kann dir das erklären
Ja, die Alpecinwerbung ist unfreiwillig komisch.
Gibts auf Youtube auch schon n paar Parodien zu.
Wir hatten mal so was ähnliches wie beim dritten Bild. Wir haben Angebote für Schachteln machen lassen. 1000, 1500 und 2000 Stück haben wir angefragt. Irgendwie waren dann die 2000 Stück absolut billiger als die 1000 Stück.
Wir hatten mal so was ähnliches wie beim dritten Bild. Wir haben Angebote für Schachteln machen lassen. 1000, 1500 und 2000 Stück haben wir angefragt. Irgendwie waren dann die 2000 Stück absolut billiger als die 1000 Stück.
habt ihr auch 2000 gebraucht?
Prinzipiell kann das bei kleinen Stückzahlen passieren, wenn die "Einrichtkosten" recht hoch sind und gleichzeitig die Beschaffungskosten für Rohstoffe pro Stück ab einer gewissen Grenze sinken (Erlass von Versandkosten, Boni, ...). Selten, kann aber mal vorkommen.
Übrigens bei manchen Lizenzverträgen ähnlich: bei Abnahme von 100 kann das billiger sein (absolut!) als bei Kauf von nur 98. Heutzutage wird das aber meist durch entsprechend optimierte Staffelung verhindert ("ab der 100. Lizenz billliger")- nachrechnen kann trotzdem lohnen.
Thilo Kuessner schrieb (09.03.11 · 11:35 Uhr):
> "Bis zu 15%" [...] "und mehr"
Hinter dieser plakathaft-knappen und an sich mathematisch ärgerlichen Aussage kann ja (oft?) eine korrelierte Fallunterscheidung stecken; z.B.
"bis zu 15 % Einsparung pro Jahr für neue Mitglieder (gegenüber Nicht-Mitgliedern, je nach Häufigkeit der Inanspruchnahme) und (gegebenenfalls sogar) höhere Einsparung pro Jahr bei vorausgegangener mehrjähriger Mitgliedschaft mit hinreichend häufiger Inanspruchnahme (ebenfalls gegenüber Nicht-Mitgliedern, und anbhängig von der Häufigkeit der weiteren Inanspruchnahme)".
> ad "Free": wer x für eine Werbung ausgibt, die von N+1 Leuten gelesen wird, rechnet damit, daß jeder Leser ihm durchschnittlich (wenigstens) x/N+1 zahlen wird - wofür auch immer.
Ein (positiver) Betrag von "x / (N + 1)" passt natürlich (ärgerlicher Weise) weniger zum
Werbeslogan "Free!", als z.B. zu Aufmachern wie "Cheap!" oder "For a short time only!".
Das Angebot "Free!" erspart auch z.B. das druck-technische Setzen einer Preisliste
(insbesondere die Angabe einer Währungseinheit);
was allerdings durch gewisse Hinzufügungen (z.B. das Symbol "*" usw. in beiden Bildern) wohl auch wieder vergeudet werden kann.
> "The more you spend the more you save" braucht man wohl nicht zu erläutern.
> Ich versuch mich mal an einer deutschen Übersetzung: [...] "Hier sparen Sie sich reich!"
Eine genauere Übersetzung wäre gewiss:
"Hier verausgaben Sie sich reich!".
Solche Situationen kommen fast zwangsläufig dort vor, wo Preise gestaffelt sind. Wenn man z.B. elektronische Bauelemente bestellt, ist es oft billiger gleich 100 Stück abzunehmen, als 32. Beispiel:
http://www.reichelt.de/?ACTION=3;ARTICLE=18244;GROUPID=;SID=10TTa@tn8AAAIAAFydwJY75327ff12eed1e9bfa7f0228c6a9cb2d
eine exakte Entsprechung zu "je mehr Sie ausgeben umso mehr sparen sie" wäre aber, wenn nicht nur 100 billiger wären als 32 (oder 2000 als 1000) sondern auch 300 billiger als 100 (oder 4000 billiger als 1000) -- und das für jede beliebige Menge (also was in Richtung Preis(n)=C*1/n -- oder ähnlich). Gemeint ist aber natürlich immer Preis(n)
Ich wußte doch, daß ich das erste auch schonmal gelesen hatte.
Hier war's:
http://fickr.org/post/156352465
Die letzte Grafik zeigt doch eigentlich sehr gut, worum es bei "je mehr Geld Sie ausgeben, umso mehr sparen Sie!" geht: Hier wird (sinnvollerweise) davon ausgegangen, dass man einen Betrag X hat, den man entweder ausgeben oder sparen kann. Die Werbung dagegen bezieht sich mit "sparen" nicht auf das Geld, das man eben nicht ausgibt, sondern auf den Rabatt, den man erhält. Und so kommt es zu der scheinbar paradoxen Aussage, dass ich einerseits zwar mehr ausgebe, wenn ich eine hohe Stückzahl eines Produkts kaufe, gleichzeitig aber mehr "spare", weil ich einen höheren Rabatt bekomme als bei einer niedrigeren Stückzahl. Der Slogan ist also eigentlich gar nicht so falsch. Eigentlich sogar ziemlich clever. Und wenn man jetzt davon ausgeht, dass ich ja einen Gegenwert erhalte (die Ware), dann haben die Werbeleute umso mehr recht: So köpnnte ich eine hohe Stückzahl einkaufen, damit einen hohen Prozentsatz Rabatt bekommen, und verkaufe das Produkt dann wieder einzeln zu einem kleineren Rabatt, der der kleineren Stückzahl entspricht. Macht also einen Gewinn, unterm Strich.
Ja -- nee, inga, da muss ich Thilo K. schon Recht geben: den dritten Slogan braucht man nicht erläutern.
Denn der erste ("bis x und mehr") ist zwar bis zur Unsinnigkeit verkürzt, aber (oft) korrekt gemeint -- und das bedarf der Erklärung;
und der zweite ("Free!") erscheint zwar vollkommen unmissverständlich, ist aber (wie die "*"-Symbole beweisen) irreführend gemeint -- auch das kann diskutiert werden.
Der dritte aber ("spend more -- save more") ist von vornherein doppeldeutig und genau deshalb schon "clever" angelegt. Das kann man mal anerkennen (z.B. indem man sich über die eine, absurde Auslegung betont lustig macht, wie xkcd) -- aber dann muss auch mal wieder gut sein.
Ähm, ja. So der Burner ist dass dann doch nicht, die Jungs hier haben das schon ausgeführt: http://xkcdsucks.blogspot.com/2011/03/comic-870-false-advertising.html
Versucht doch mal, Webetexte zu finden, in dem diese "bis zu X und mehr"-Formel tatsächlich vorkommt. So viele sind das nämlich nicht. Nicht alles, was gratis ist, will das Geld tatsächlich wieder hereinbekommen; Ich habe erst diese Woche eine Lesung mitveranstaltet, die für die Besucher gratis war - und wir haben trotzdem Werbung dafür gemacht. Der dritte Teil ist sowieso trivial. In Bulk zu kaufen ist immer billiger. Dass sich die Kosten letztendlich nach dem Verbrauch richten ist irgendwo auch trivial.
Ich will niemandem den Spaß an XKCD verderben, aber doch darauf hinweisen, dass die gefühlte soziopolitische Relevanz nicht ganz mit der Realität harmoniert. Für observational humor, der tatsächlich tatsächliche Phänomene beschreibt, möge ich die PhD-Comics oder smbc empfehlen.
PS: Danke Sim, marco, redfox für den Hinweis auf Alpecin :)
@Schuft:
Siehe meinen Link von vorgestern.
http://fickr.org/post/156352465
xkcdsucks behauptet gleich mal als erstes, der Slogan würde in freier Wildbahn gar nicht vorkommen - widerlegt.
@Schuft
http://xkcd.com/723/
http://tinyurl.com/4ogt96k