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10.05.09 · 09:45 Uhr
Banker in die Schulen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 5
"Traders to Teachers" - New Jersey schult arbeitslose Banker in Schnellkursen zu Mathe-Lehrern.
Die NYT berichtet über das neue Projekt "Traders to Teachers", in dem arbeitslose Finanzberater zu Mathe-Lehrern umgeschult werden.
Die Teilnehmer (die meisten wohl zwischen 40 und 50 und mit Uni-Abschlüssen in 'finance' oder 'accounting') werden in 3-monatigen Intensiv-Kursen auf ihren neuen Job vorbereitet.
Der Erfolg soll überwältigend sein, in den ersten 2 Tagen gab es schon mehr als 200 Anfragen. Obwohl die Lehrer-Gehälter nur etwa halb so hoch sind wie die Durschnittsbezahlung im Finanzsektor.
Die Zeitung berichtet über eine Informationsveranstaltung: "On a recent afternoon, dozens of potential candidates filed into a lecture hall in Montclair for orientation. Most appeared to be at least 40. Many were dressed in business attire, and kept one eye on their BlackBerrys. [...] Afterward, Maureen Quinn, 46, a former financial analyst who has been substitute-teaching in Tenafly, her hometown, said she needed an algebra refresher. "I think I need to study," she said."
Autor: Thilo· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Und viel nützlicher sind die Leute dort auch! Wenn nur ein Viertel der Trader Gefallen an der Arbeit in der Schule findet, wäre viel gegen den Lehrermangel getan. Warum nicht auch in Deutschland?
Ahnung von mathematik werden die Leute wohl haben, aber ob sie auch akzeptable Pädagogen sind?
Was mich an diesem Artikel aber am meisten wundert ist, dass die Leute im Finanzsektor nur doppelt so viel Geld "verdient" haben wie Lehrer.
Eher ein katastrophales Signal: Die Zocker, die den Karren an die Wand gefahren haben, können immer noch auf einen sicheren Job an der Schule hoffen. Dabei dürfte evident sein, dass ihnen genau die ethischen Grundlagen fehlen, die nötig sind, um Kinder und Jugendliche zu bilden.
(Notabene bezweifle ich aus meiner Erfahrung heraus auch, dass sie über die nötigen mathematischen Voraussetzungen verfügen. In der "Finanzmathematik" hatte sich in der letzten Zeit vor der Krise z.T. die unschöne Kultur entwickelt, dass Diplom- und Promotionsabschlüsse in Rekordzeit und in inflationären Mengen verteilt wurden (man kann hier nicht mehr von "erworben" reden), damit die Jungeliten möglichst schnell mit dem formal nötigen Abschluss an die fetten Tröge der Banken durften. Als kickback gab es dann "Drittmittel aus der Wirtschaft" für die Professorinnen und Professoren. Qualitätsbewusstere Forschungsgebiete mussten sich die hohen Abschlusszahlen und kurzen Studienzeiten der Finanzzocker vorwerfen lassen - und institutsintern wurde dergleichen dann gerne als Hebel benutzt, um eigene Machtbasen auszubauen. Mathematikkenntnisse? Manchmal recht dünn, wenn man nachbohrte).
Jedenfalls wäre unbedingt vorzubauen, dass diese Leute, nachdem sie jetzt an den Banken abgesahnt haben, jetzt den Steuerzahler nochmals plündern und der nächsten Generation ein Rollenvorbild dahingehend sind, dass selbst extrem verantwortungsloses Handeln höchst lukrativ ist. Strafrechtlich werden natürlich die wenigsten zu belangen sein, aber zumindest sollten sie umlernen müssen.
Als Symbol ist es natürlich eine schreckliche Abwertung des Lehrerberufs (leider tragen Vertreter des Standes das Ihrige bei), ihn quasi zum Auffangbecken für gescheiterte Zocker zu degradieren.
@rank zero: Es ist doch nicht jeder Banker ein Zocker. Momentan werden ja auch viele Banker arbeitslos, die nicht in den Bereichen, die die aktuelle Krise verursachten, gearbeitet haben. Also bitte keine Verallgemeinerungen!
Es war natürlich zugespitzt, ich grenze das gerne ein auf die Leute, von denen im Artikel die Rede ist:
und die ``former financial analysts", die zwar ihre hochgestochenen Analysen teuer verkauften, aber wundersamerweise eine Auffrischung in Schulalgebra brauchen.
Ich wundere mich nur, dass man Bankern in diesem Programm nachsieht, elementare Schulkenntnisse nicht mehr abrufen zu können, und für sie die Meßlatte tiefer legt als für jeden, der sich anderweitig für diesen Beruf qualifizieren müsste.