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20.08.08 · 08:05 Uhr
Computer schlägt Go-Profi - mit Vorgabe
Kategorie: Technik · Kommentare: 1
Das Brettspiel Go ist wesentlich komplexer als Schach und deshalb können Computer dort dem Menschen noch keine Konkurrenz machen. Die besten Programme spielen allenfalls auf Amateur-Niveau. So sorgte am 5.8. die Meldung, daß der holländische Supercomputer Huygens gegen Kim Myung Hwan (den Sieger des letzten US-Open) gewonnen hat, für einiges Aufsehen.
Verwendet wurde das Programm "MoGoTitan".
Die Nachricht relativiert sich aber etwas, wenn man weiß, daß Hwan dem Computer ein Handicap gewährte, nämlich vor Beginn der Partie neun Steine auf wichtigen Zentralfeldern zu platzieren.
Ich spiele kein Go und kann deshalb nicht einschätzen, wie viel dieses Handicap tatsächlich ausmacht. Auch die Kommentatoren bei Stefan Löffler sind nicht ganz einig.
Aus der SARA-Mitteilung: "Huygens, ein IBM Power 575 Hydro-Cluster-System, ist der neue niederländische nationale Supercomputer. Das System hat eine Spitzengeschwindigkeit von 60 Billionen Berechnungen pro Sekunde (Teraflop/s), 3328 Power6 Prozessorkerne mit 4,7 GHz, eine Gesamtspeicherkapazität von mehr als 15 TB und nahezu 1000 TB Festplattenkapazität. Das gesamte System befindet sich seit 1. August dieses Jahres in Betrieb. Mithilfe der engagierten Mitarbeiter von SARA konnte die Go-Anwendung innerhalb kürzester Zeit auf dem neuen System einsatzfähig gemacht werden."
Über mathematische Details erfährt man leider nur, daß Monte-Carlo-Suchverfahren eine Rolle spielen.
Bei Gobase kann man die Partie nachspielen.
(Der Kampf fand während des Go-Kongresses in Portland statt. Das Foto unten ist von einem anderen Go-Kongreß, paßt aber trotzdem.)

Quelle: http://schachblaetter.de/1450/16-08-2008/
Autor: Thilo Kuessner· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Stephane Lamy schreibt zum selben Thema auf
http://images.math.cnrs.fr/Un-ordinateur-medaille-Fields.html
"[...]
Die zentrale Idee des Programms ist grob wie folgt. Um in einer bestimmten Stellung einen Zug zu bewerten, spielt das Programm diesen Zug, beendet danach die Partie durch eine völlig zufällige Abfolge von schwarzen und weißen Zügen und merkt sich das Ergebnis. Das Programm wiederholt dies viele Male (sagen wir eine Million zufälliger Partien mit diesem ersten Zug) und die Bewertung des getesteten Zugs ist der Durchschnitt der Ergebnisse. Das Programm spielt dann den Zug, der die beste Note erhielt. Auf den ersten Blick erscheint es mir absolut erstaunlich, dass ein solcher Algorithmus (selbst mit ein paar Regeln heuristischer Vorauswahl für eine Liste "plausibler" Züge) erfolgreich sein kann. Und dennoch, es funktioniert!
In den Artikeln nennen die Experten dieses Vorgehen: Monte-Carlo-Methode.
[...]"