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15.05.08 · 20:48 Uhr
Wer glaubt an den Klimawandel?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 3
Das Pew Research Center hat eine Studie darüber veröffentlicht, wieviel Prozent der Amerikaner (sortiert nach Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Bildung, Parteipräferenz, geographischer Herkunft, Urbanität) die Erderwärmung für ein ernstes Problem halten.
Die Ergebnisse der Studie 'A Deeper Partisan Divide Over Global Warming' findet man hier.
Eines der Ergebnisse ist, daß unter Amerikanern ohne College-Abschluß 31% der Republikaner-Wähler und 52% der Demokraten-Wähler die Erderwärmung für ein großes vom Menschen verursachtes Problem halten. Bei Amerikanern mit College-Abschluß sind es 19% der Republikaner-Wähler und 75% der Demokraten-Wähler.

Also: je höher die Bildung, desto stärker hängt die Meinung von der politischen Überzeugung ab.
Eigentlich hätte man ja gedacht, daß es umgekehrt sein sollte.
Autor: Thilo· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (1)
Verrate mir, wenn Du wählst und… » Politische Präferenzen und die Einstellung zum Klimawandel | Werkstattnotiz LIXXXX · Wissenswerkstatt · 20.05.08 · 14:58 Uhr
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Kommentare (3)
Sehr interessant und sehr überraschend. Ich muß mir die Ergebnisse noch genauer ansehen. Auf den ersten Blick fällt mir für diesen Befund keine Erklärung ein.
Wenn man sich die weiteren Ergebnisse (Danke für den Link) ansieht, so fällt ebenfalls auf, daß es keinen Gender-Bias zu geben scheint. Männer und Frauen sind gleich skeptisch bzw. nicht-skeptisch, ob die Klimaerwärmung nun anthropogen ist. Eindeutig ist allerdings die Sache was die Generationen betrifft: nur gut 1/3 der Senioren glaubt an eine Verursachung durch den Menschen. Bei den unter 30-jährigen sind es fast doppelt so viele.
Die Bemerkung mit "Je höher die Bildung..." halte ich doch für sehr ungenau, da schließlich nur zwischen "mit" oder "ohne" College-Abschluss unterschieden wird. Dies besagt m.E. praktisch nichts über die Bildung aus, sondern höchstens, dass die Eltern ihren Kiddies Abschluss und Titel bezahlen konnten. Was an durchschnittlichen Colleges unterrichtet wird, hat nichts mit Bildung zu tun (das Klischee der Sex & Sauf-Jahre ist gar nicht so weit von der Realität entfernt), und ich ersehe auch nicht, warum ein Bachelors in Häkelkursen oder Gender-Astrologie die Urteilskraft wesentlich stärken sollte.
Übrigens halte ich dies für kein sehr neues Phänomen. Parallel dazu erzielen schließlich auch die Erweckungspredigten a la Obama höchsten Zuspruch bei den College-Kiddies, denen offenbar egal ist, wieviel Substanz hinter dem "Yes We Can"-Abdudeln steht. Bildung schützt nicht vor Herdentrieb.
Wir haben übrigens ein klassisches Beispiel in der deutschen Geschichte: Die einzige Schicht, in die die nationalsozialistische Ideologie 1933 nicht in der Breite vorgedrungen war, war das klassische sozialdemokratische Arbeitermilieu - das in solchen Statistiken auch als "ungebildet" auftauchen würde. Die Leute hatten aber Realitätssinn und vermutlich einen härteren Bildungsanspruch in ihren Zirkeln und Abendschulen als die modernen Colleges, wo es vor allem um Netzwerkknüpfung und Heiratsmarktbildung zwischen Sprossen besserverdienender Familien geht.
Das deutsche universitäre Milieu ist hingegen zu einem großen Teil früh mit den Nazis mitgegangen, insbesondere die Masse der Studis.
Der Unterschied zwischen Obama und 1933 ist natürlich, daß die Erweckungspredigten von 1933 ein Gemeinschaftsgefühl auf Kosten von Minderheiten herstellten, während Obama für sich wirbt „Ich habe Verwandte, die aussehen wie Bernie Mac, und ich habe welche, die aussehen wie Margaret Thatcher.'"
(Ob Charisma und Begeisterungsfähigkeit mehr wert sind als z.B. die politische Erfahrung Clinton's ist natürlich noch eine andere Frage.)