Blog durchsuchen
Profil
Stefan Jacobasch arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Berlin und betreibt u.a. Scienceticker.info
Letzte Einträge
- Lindas Rückkehr5 Kommentare· 30.08.09
- Scheinheilige Logos21 Kommentare· 11.08.09
- Tolle Presse3 Kommentare· 12.07.09
- Hmm, lecker: "Mogel-Schinken"!5 Kommentare· 03.07.09
- Biosafenet vor ungewisser Zukunft1 Kommentar· 02.07.09
Kommentare
- Mario Steuck · 21.05.12 · 16:31 Uhr Du bist selbst schuld
- Tequila · 03.05.12 · 16:53 Uhr Tequila: Trinken oder zu Diamanten machen?
- Volker Jakobi · 29.03.12 · 19:07 Uhr Lindas Rückkehr
- Simon · 06.11.11 · 13:43 Uhr Zahlenspiele um den Fleischverzehr
- Nicolas · 04.01.11 · 12:26 Uhr Zwang zu gesundem Leben
Blogroll
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
18.02.09 · 16:15 Uhr
Werteverfall
Kategorie: Kultur · Kommentare: 7
Die F.A.Z. träumt von einer Zeit, in der die Butter noch wertvoll war. Warum eigentlich?
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien gestern ein geradezu verzweifelter Ausruf: "Diesen Spottpreis hat die Butter nicht verdient". Der Autor kommt nach einem Gang durch den Supermarkt zu der Erkenntnis, ein Stück Butter sei mittlerweile wieder für 65 Cent zu haben. "So können wir die nächsten Tage unsere Brote fast zum Nulltarif mit einem leckeren Belag versehen." Glücklich scheint er darüber nicht zu sein.
Der Artikel träumt sich zurück auf einen "kleinen Bauernhof im Bayerischen Wald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges", wo die Butter noch in Handarbeit gewonnen wurde und in den Augen der Konsumenten entsprechend wertvoller war. Harte Arbeit, ehrliches Handwerk, gute alte Zeit. Schließlich muss der Text aber doch einräumen: "Unsere Butter des Jahres 2009 für 65 Cent schmeckt keinesfalls schlechter. Das muss man ehrlicherweise eingestehen."
Das bittere F.A.Z.-Fazit: "Das Superhirn des Superorganismus bestimmt, was gerade wertvoll ist. Butter ist es nicht, Kaugummi schon. Am wertvollsten sind Produkte, die keine sind, Festgeldanlagen etwa oder Bundesschatzbriefe." Das ist nicht unwitzig für ein Blatt, das in schöner Regelmäßigkeit Festgeldanlagen und Bundesschatzbriefe wärmsten empfiehlt.
Ich habe ja den Verdacht, dass der Autor in seinen rührseligen Zeilen weniger an die Landwirtschaft und den Lebensmittelhandel denkt, sondern an den Verfall von etwas anderem ehemals Wertvollem: dem Journalismus selbst. Nichts beschäftigt Schreiberlinge zur Zeit stärker. Kann man die gedruckte Zeitung retten? Lässt sich online Geld eintreiben? Sollen Blogger um Spenden bitten?
Ist Journalismus vielleicht wie Butter? Mit einer Menge Arbeit verbunden, jedoch dem stetigen Preisverfall ausgeliefert? War nicht auch im schreibenden Gewerbe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Welt noch in Ordnung, als eine freie Presse frisch aufgebaut werden konnte und die Menschen gern Gedrucktes lasen?
So schauen wir Schreiberlinge denn dieser Tage voll Mitleid auf die Bauern und erkennen in ihnen erschreckt unsere eigene Zukunft....
Autor: Stefan Jacobasch· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Der NRW Wahlkampf - eine Analyse mit Noten.Primaklima· 14.05.2012
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr

Kommentare (7)
Wer wie Reinhard Wandtner das Ergebnis vieler Menschen Arbeit wegen ihres Preises und aus Nostalgie als wertlos betrachtet, sollte meiner Meinung auf nicht so viel Mitleid hoffen wie die Bauern.
Naja, anders als der Journalismus wird die Butter zwar immer billiger, aber immerhin können wir noch sicher sein, dass Butter drinsteckt. In der Lebensmittelverarbeitung gibt es Qualitätsmanagement, Hygienevorschriften, Kennzeichnungsrichtlinien und die ISO 9001. Was gibt es bei Zeitungen?
Will sagen, gerade der Print-Journalismus hat inzwischen ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das haben alle anderen Journalisten zwar auch, aber die haben wenigstens Musik, bunte Bilder und so. Wir haben nur die sorgfältig recherchierte und von jeglichen Wirtschaftsinteressen unbeleckte ausgezeichnete Qualität des gedruckten Wortes anzubieten. Bitte einmal hohl lachen.
@ Fischer
Butter wird geschmiert, Journalismus aber Gott sei Dank niemals und unter gar keinen Umständen.
Es würde der Glaubwürdigkeit der Printjournalisten schon helfen, wenn sie wie Blogger mit Quellenangaben arbeiten würden. Aber wie oft liest man: "aus informierten Kreisen", "laut Insiderwissen" oder "ein Freund; Mitarbeiter; Kollege von"...
@ Tim:
Das war selbst nach meinen Maßstäben ziemlich gemein... ;-)
Soll er halt Demeter-Butter kaufen. Da darf er dann auch wieder 2,50 Euro investieren. Warum die so viel teurer ist, kann ich ihm dann auch gerne mal erklären.
Was macht die Butter der Anthroposophen-Marke so hochpreisig?