Blog durchsuchen
Profil
Bert Ehgartner ist Wissenschaftsjournalist, Dokumentarfilmer und Autor mehrerer Sachbücher zu Gesundheitsthemen ("Das Medizinkartell" mit Kurt Langbein, Piper 2003, "Die Lebensformel", Piper 2006). Sein aktuellstes Buch "Lob der Krankheit - Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein" erschien kürzlich im Verlag Lübbe.
Näheres auf: www.ehgartners.info
Letzte Einträge
- Aluminium - Die Evidenz6 Kommentare· 01.12.08
- "Aluminium muss raus aus Impfstoffen!"37 Kommentare· 28.11.08
- Jeder fünfte Brustkrebs heilt von selbst17 Kommentare· 25.11.08
- Neues Diagnose-Verfahren bestätigt Hirnschäden bei ADHS 72 Kommentare· 22.11.08
- Ärzte als Komplizen der Konzerne0 Kommentare· 17.11.08
Kommentare
- HeinzDetlef · 11.09.10 · 10:54 Uhr Neues Diagnose-Verfahren bestätigt Hirnschäden bei ADHS
- Andreas Kallmeyer, Kalllmeyer Naturheilpraxis · 02.07.10 · 08:57 Uhr Statine als Balsam für kranke Blutgefäße
- Konrad · 16.10.09 · 18:07 Uhr Verbieten wir die Vitamine!
- Klaus · 26.08.09 · 14:29 Uhr "Aluminium muss raus aus Impfstoffen!"
- Ziergras · 10.08.09 · 07:02 Uhr „Wir haben wenig Alternativen"
Kategorien
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
23.09.08 · 06:15 Uhr
Eine "Patienteninitiative" als Trojaner
Kategorie: Medizin·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 1
Über mehrere Wochen schaltete die Initiative "Der Österreichische Patient" zahlreiche ganzseitige Inserate in den wichtigsten Zeitungen, um eine möglichst frühzeitige Therapie der Rheumatoiden Arthritis einzufordern. Nun deckte "Transparency International" auf, dass es sich dabei in Wahrheit um eine verdeckte Werbekampagne des US-Konzerns Wyeth für das Präparat Enbrel handelt.
In der ersten Phase der Anzeigen-Kampagne wurden wichtige "Player" des österreichischen Gesundheitssystems direkt angesprochen und mit den Folgekosten konfrontiert, die bei Rheumapatienten anfallen. Im Schnitt, heißt es, summieren sich diese Kosten für Krankenstände, Operationen und Krankenhausaufenthalte pro Patient auf jährlich 21.768 Euro. Dies könnte durch den frühzeitigen Einsatz neuer Arzneimittel geändert werden.
Und dann folgt in Balkenlettern die Frage, z.B. an Franz Bittner, den Chef der Wiener Gebietskrankenkasse:
WIE SIEHT IHRE LÖSUNG DAFÜR AUS, HERR BITTNER?
Die Antworten der damit konfrontierten Kammer- und Kassenfunktionäre ist vom Tenor recht einhellig: klar, doch, logisch! früher behandeln ist sinnvoll, wenn man damit Leid und Geld gleichzeitig sparen kann.
Oder im Originalton, wieder von Franz Bittner:
Gerade bei rheumatoider Arthritis ist ein früher Therapie beginn ent - scheidend, da die schwerwiegendsten Schäden in den ersten beiden Erkrankungsjahren entstehen. Hier gilt es, alte Denkmuster zu entsorgen und ihnen die tatsächliche Kostenwahrheit fair gegenüberzustellen. Natürlich ist der möglichst frühe Einsatz moderner Medikamente zuerst einmal kostenintensiver. Aber was man sich ersparen kann, neben Leid für die Betroffenen, sind die Folgekosten durch Krankenstände, Operationen, Prothesen, Krankenhausaufenthalte etc.
Wer sich über die Urheber dieser doch recht aufwändigen oder teuren Kampagne informieren wollte, wurde auf zwei Patientenorganisationen verwiesen: die Rheumaliga und die Initiative "Der Österreichische Patient".
Andrea Fried, Chefredakteurin der Österreichischen Krankenhauszeitung und Mitglied des Beirates von "Transparency International", deckte nun in einem Editorial des aktuellen HTA-Newsletters des Wiener Ludwig Boltzmann Institutes auf, dass es keineswegs Patienteninitiativen waren, die diese Kampagne finanziert haben, sondern der US-Konzern Wyeth, der die Wiener Werbeagentur Welldone dafür mit einem kolportierten Auftrags-Etat von rund 300.000 EUR bedachte.
Auffällig ist die Herkunft der Initiative "Der Österreichische Patient". Dabei, so Fried,
...handelt es sich um eine Kooperation der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) und dem Verein Altern mit Zukunft - beide enge Partner und Kunden der Werbeagentur Welldone, wo sich auch die Kontaktadresse der Initiative "Der Österreichische Patient" befindet.
Andrea Fried findet es höchst eigenartig, warum Versicherer (wie z.B. Franz Bittner) ausgerechnet pharmagesponserte Inserate brauchen, um auf eine vermeintlich schlechte Versorgung von PatientInnen hinzuweisen. "Sollte es hier wirklich Mängel geben", schließt Fried, wären statt Inseraten wohl eher Handlungen gefragt.
Interessant ist neben dem finanziellen auch der fachliche Hintergrund der Kampagne.
Dem Auftraggeber Wyeth geht es offensichtlich darum, den Umsatz seines Medikamentes Enbrel (Wirkstoff Etanercept) zu erhöhen.
So wie Humira (Adalimumab) oder Remicade (Infliximab) gehört Enbrel zu den TNF-Blockern. Es handelt sich dabei um gentechnisch hergestellte Proteine, die in den Kreislauf der Immunreaktion eingreifen uu damit das - bei Rheuma aus dem Ruder gelaufene - autoaggressive Potenzial zu reduzieren.
Enbrel kostet für die in der Praxis üblichen Drei-Monats-Kur pro Patient fast 5.000 EUR und ist derzeit, so wie die anderen beiden Präparate, bei therapieresistenter mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis zugelassen.
"Für eine frühere oder breitere Anwendung", sagte mir der Stockerauer Rheuma-Experte Burkhart Leeb, "gibt es jedoch derzeit noch viel zu wenig Daten. Ich wäre da sehr vorsichtig."
Zumal die Nebenwirkungen, obzwar selten, so doch sehr ernsthaft sein können.
Im Austria Codex werden diese so zusammengefasst:
Lokale Reaktionen, Infektionen (auch schwerwiegend), unspezifische Symptome, Lupus, Allergien, Blutbild, sehr selten ZNS entmyelinisierende Ereignisse
Seit kurzem wird zudem ein höheres Krebsrisiko diskutiert (Zitat aus: a-t 2006; 37: 59-60):
Auch der Verdacht, dass sie Lymphome und andere Krebserkrankungen auslösen können, ist bislang nicht ausgeräumt. Die Störwirkungen sind biologisch plausibel, da TNF α an der Abwehr von Infektionen und bösartigen Erkrankungen beteiligt ist. Eine Auswertung der in randomisierten klinischen Studien und offenen Verlängerungsphasen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis unter Etanercept, Infliximab und Adalimumab dokumentierten Lymphome ergibt, jeweils bezogen auf eine hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare "Normalbevölkerung", für Etanercept ein relatives Risiko von 2,31 (95% Konfidenzintervall [CI] 0,85-5,03), für Adalimumab von 5,52 (95% CI 2,6-10,0) und für Infliximab von 6,35 (95% CI 1,7-16,3).
Autor: Bert Ehgartner· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
Enbrel· Marketing· Medikamente· Pharmaindustrie· Reumatoide Arthritis· Transparency International· Werbekampagne· Wyeth
Kommentar schreiben
Top5
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Vahrenholts kalte Sonne, Svensmarks kosmische Strahlen und der KlimawandelAstrodicticum Simplex· 10.02.2012
- Die Praxis der "Alternativmedizin": Ein Insider berichtetKritisch gedacht· 08.02.2012
- Kein Platz für junge Wissenschaftler - Das Problem der fehlenden JuniorpositionenAstrodicticum Simplex· 31.01.2012
- Wie ich Wissenschaftler wurde und warum ich heute keiner mehr binAstrodicticum Simplex· 01.02.2012
Top5
- Vahrenholts kalte Sonne, Svensmarks kosmische Strahlen und der KlimawandelAstrodicticum Simplex· 10.02.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Sonderrechte für Religiöse?blooDNAcid· 01.02.2012
- World Skeptics Congress 2012 in BerlinKritisch gedacht· 06.02.2012
- Die dunkle Materie ist keine ErfindungAstrodicticum Simplex· 07.02.2012
ScienceBlogs.com
- The Festival Recognizes Our First "Featured Fan"!The Festival will be here in April and we thought ...USA Science and Engineering Festival: The Blog· 11.02.2012 · 14:22 Uhr
- Great Plains Emerging Diseases ConferenceI ...Aetiology· 10.02.2012 · 14:25 Uhr
- Awful House transportation bill forgets that transit benefits drivers, tooThe House of Representatives Natural Resources Committee has approved what ...The Pump Handle· 10.02.2012 · 11:16 Uhr
- Independence Days Challenge Update #1I won't usually publish ID updates here but I did ...Casaubon's Book· 10.02.2012 · 11:02 Uhr
- Just in Time for Valentine's Day: The Science Behind the KissBy Larry Bock Founder and organizer USA Science Engineering Festival ...USA Science and Engineering Festival: The Blog· 10.02.2012 · 10:00 Uhr

Kommentare (1)
Da sieht man mal wodurch der schlechte Ruf der Pharmaindustrie (irgendwo zwischen Waffen- und Ölindustrie) begründet ist.
Patienten, Doktoren, häufig auch Journalisten, Person des öffentlichen Interesses, Krankenkassen
alle lassen sich für die Sache der Pharmaindustrie einspannen und fördern
den Verkauf überteuerter Wirkstoffe, die es nicht selten 100-600 mal billiger auf dem Markt gibt.
Der einzige Verlierer dabei ist der Patient. Der muss jegliche Korruption mit seinem Geld unterstützen, da man ihm keine Versicherungsalternaive bietet.