Klima, Ökologie und Nachhaltigkeit. Diese Schlagworte ziehen sich wie ein roter Faden durch das diesjährige Programm der Nobelpreisträgertagung. Doch wer glaubt, dass diese Themen nur deshalb auf der Tagesordnung stehen, weil man im Jahr 2009 nicht darum herumkommt über die Fragen des globalen Klimawandels zu sprechen, der irrt sich. Denn beim Treffen der Nobelpreisträger war die Ökologie bereits ein Thema, als niemand auch nur an die Gründung einer Grünen Partei zu denken wagte.

Für Graf Lennart Bernadotte war Umweltschutz ein Herzensanliegen.

Die Tatsache, dass in Lindau schon in den 60er Jahren über Umweltschutz diskutiert wurde, ist natürlich untrennbar mit der Person Graf Lennart Bernadottes verbunden. Dieser fungierte ja bereits bei den ersten Treffen der Nobelpreisträger als “Ehrenprotektor” und hatte sich in den Folgejahren sehr stark für den Fortbestand der Tagung eingesetzt. Und der Natur- und Umweltschutz war Graf Lennart Bernadotte nichts weniger als ein Herzensanliegen.

Graf Lennart Bernadotte als früher Umweltaktivist

Man tut Graf Bernadotte sicher nicht Unrecht, wenn man ihn als einen der Wegbereiter der Umwelt- und Ökologiebewegung bezeichnet. Denn sein Wirken erschöpfte sich bei weitem nicht im Umbau der Insel Mainau zu jenem Blumenparadies, wie es die Tourismusverbände verkaufen. Ihm ging es tatsächlich um die Sache: bereits 1961 initiierte er die “Grüne Charta von der Mainau“, die maßgebliche Forderungen des Natur-, Klima- und Wasserschutzes formulierte.

Und 1970, anläßlich der Eröffnung der 20. Nobelpreisträgertagung, nutzte er seine Rede zu folgendem Aufruf:

“Heute (…) ergeht an alle Wissenschaftler der Welt dieser Ruf: Machen Sie beim Wiederaufbau, bei der Pflege und Erhaltung einer gesunden und menschengerechten Umwelt mit!” *

Man darf also davon ausgehen, dass Graf Lennart Bernadotte – der 2004 starb – mit der diesjährigen Akzentsetzung auf ökologische Themen hochzufrieden gewesen wäre.

Die Podiumsdiskussionen am Mittwoch, wenn es um den Beitrag der Chemie bei der Erschließung erneuerbarer Energiequellen geht (“The Role and Future of Chemistry for Renewable Energy”) hätte genausoviel Beifall von ihm erhalten, wie die abschließende Diskussionsrunde am Freitag, wo der IPCC-Chef Prof. Rajendra K. Pachauri mit anderen Experten zum Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit (“Global Warming and Sustainability”) diskutiert.

Wie man sieht: Graf Lennart Bernadotte und die Lindauer Tagung waren – wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht – richtige Trendsetter.

Das Foto zeigt Lennart Bernadotte mit seiner Frau Sonja in den 70er Jahren (Bildquelle: Mainau GmbH):

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* Zitiert nach: Burmester, Ralph: Wissenschaft aus erster Hand. 50 Jahre Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau/Bodensee, S. 28

 » Marc Scheloske ist Sozialwissenschaftler und Redakteur von ScienceBlogs i-f5ff0970053afb8ff0e127c37c02b17c-Marc_45_sw.jpg

Kommentare (5)

  1. #1 Ludmila Carone
    Juni 19, 2009

    Also ich finde das Bild schrecklich. Was hat denn dieses Übelkeit erregendes kitschiges Altherren-Postkarten-Idyll bitte mit dem Text oder mit Wissenschaft oder Kultur zu tun? Überhaupt hat der Text irgendwie (sorry) wenig Substanz. Klingt arg nach Lobhudelei auf den guten Grafen.

  2. #2 Marc
    Juni 19, 2009

    @Ludmila:

    Also über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nimm das Photo einfach als ein Zeitdokument und dann ist gut.

    Abgesehen davon halte ich den Bezug zwischen Photo und Text für recht offensichtlich: es geht im Artikel um Graf Bernadotte, um dessen frühes ökologisches Engagement und darum, daß bereits in den 60er Jahren in Lindau die Umweltdiskussion geführt wurde. Und das Photo zeigt eben Graf Lennart Bernadotte. Finde ich jedenfalls irgendwie stimmig.

    Und mir ist ehrlicherweise auch ein wenig schleierhaft, was Du sonst daran auszusetzen hast. Beim Artikel handelt es sich um eine kurze Notiz, die man in 3 Minuten gelesen hat und dafür kommen – behaupte ich – doch einige Infos und Fakten rüber. Für eine differenziert-kritisches Porträt des Lebens und Wirkens von Graf Bernadotte habe ich gerade jedenfalls keine Zeit.

  3. #3 Georg Hoffmann
    Juni 22, 2009

    Wer will schon nicht minestens einmal im Leben so angehimmelt werde. Ludmilla, das Photo ist einsame Spitze. Die Brille, der Rollkragen, ihr Blick, hinter der Rose, in der Ferne der Burgfried. PHANTASTISCH!!!

  4. #4 Marc
    Juni 22, 2009

    @Georg:

    Eben. Diese Aspekte (Bildaufbau, Komposition, Aussage…) sind vollkommen unzureichend gewürdigt. Im Grunde ist das Photo ein Fall für unsere Kunstgeschichtlerin Christiane. 😉

  5. #5 Georg Hoffmann
    Juni 22, 2009

    Also, dass das mal klar ist, ich haette den Grafen Bernadotte gerne zum Nachbarn gehabt (vor allem weil ich dann neben dem Rosengarten wohnte), aber schaun wir mal noch genauer hin:
    Eine Hand in der Tasche (lässig, kein Stress), eine auf seiner Frau geparkt (meins!), gerad wie er sonst wintertags in der grossen Halle auf dem Eichenthron derer zu Bernadotte sitzend immer die Hand auf dem Kopf seines irischen Wolfshundsrueden hat ruhen lassen.
    Ihre Haende verschraenkt, leicht trotzig. Wahrscheinlich wienerte Sie gerade das Tafelsilber, da rief der Graf: “Baerchen, komm, wir muessen noch zum Shooting in die Rosenallee”. Ihre Haende sagen also: “Und wer muss heute abend wieder bis in die Puppen Tafelsilber wienern, egal, guck ich mal wieder mit meinem “Bernadotte, you are my heroe Blick”.