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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.


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27.04.11 · 00:59 Uhr

Bestpreis- oder Hochpreisgarantie? Wo der Hausverstand irrt.

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 42

Ein Gastbeitrag von Dr. Albert Moik.

Eine große österreichische Supermarktkette bewirbt in letzter Zeit eine Auswahl seiner Produkte mit einer „Bestpreisgarantie". Im Wesentlichen garantiert dieser Supermarkt seinen Kunden folgenden Mechanismus:

In regelmäßigen Abständen werden von einer bestimmten Liste an Produkten die Preise bei relevanten Mitbewerbern überprüft. Falls ein gelistetes Produkte bei einem der Mitbewerber billiger ist, wird der Preis des entsprechenden Produktes auf den des günstigsten Konkurrenten abgesenkt. Sollte diese garantierte Preisanpassung bei einem Produkt nicht stattfinden, so wird jenen Kunden, die das entsprechende Produkt erworben haben, nach Vorlage eines Beleges die Preisdifferenz rückerstattet.

bestpreis.jpgNun stellt sich die Frage, zu welchem Ergebnis dieser Mechanismus tatsächlich führt. Unterstellt man, dass die Supermarktkette ihren Gewinn maximieren will und dass Kunden ein Produkt bevorzugt dort kaufen, wo es am billigsten ist, kommt man zu folgendem Ergebnis: Der von der Supermarktkette unter dem Namen „Bestpreisgarantie" eingeführte Mechanismus führt zu überhöhten Preisen.

Dies geht ausschließlich zu Lasten der umworbenen Kunden, denen weisgemacht werden soll, dass eine „Bestpreisgarantie" zu ihrem Vorteil sei. Denkt man diesen Ansatz weiter, so führt dies zu einem zusätzlichen systematischen Anstieg der Preise und somit zu einem Anheizen der Inflation. Ob dies im Interesse der umworbenen Kunden ist, sei deren Hausverstand überlassen.

Die Argumentation in Kurzform und beispielhaft:

Angenommen, zwei nahe nebeneinander gelegene Filialen der Supermarktketten Bolla und Hifer offerieren ein ähnliches Sortiment an Waren und konkurrieren damit um die lokale Kundschaft. Hifer verlangt für einen Liter Mineralwasser (Einkaufspreis € 0,40) der Sorte Alpengurgel € 1,25, Bolla hingegen € 1,19. Die Liebhaber von Alpengurgel strömen zu Bolla, weil es dort billiger ist. Unter normalen Umständen würde Hifer den Preis für Alpengurgel früher oder später absenken, etwa auf € 1,15, um selbst das lukrative Geschäft mit den Liebhabern von Alpengurgel zu machen. Daraufhin würde Bolla bald wieder gleichziehen oder diesen Preis sogar unterbieten. Diese Abwärtsspirale würde sich solange fortsetzen, bis der Verkaufspreis in die Nähe des Einkaufspreises gelangt und eine weitere Absenkung Verluste bringen würde. Dieser Vorgang nennt sich Wettbewerb und er ist hier wünschenswert (übrigens nicht nur für die Konsumenten, sondern für die Gesamtwirtschaft).

Gehen wir zurück zur Ausgangssituation. Hifer verlangt für einen Liter Alpengurgel € 1,25, Bolla hingegen € 1,19. Mit dem kleinen Unterschied, dass Bolla diese € 1,19 nun als „Bestpreis" garantiert. Nun hat Hifer keinen Anreiz mehr, diesen Preis zu unterbieten, da dies wegen der Bestpreisgarantie nicht zu einem höheren Marktanteil für Hifer führen würde - Bolla hat sich ja schließlich verpflichtet, jede Preissenkung sofort zu übernehmen. Stattdessen wird Hifer den Preis für Alpengurgel ebenfalls auf € 1,19 setzen und die beiden Konkurrenten teilen sich den Markt für Alpengurgel halbe-halbe auf - zu einem überhöhten Preis und frei von unangenehmem Wettbewerbsdruck.

Würden Bolla und Hifer heimlich vereinbaren, den Preis für Alpengurgel künstlich hochzuhalten, so wäre dies eine illegale Kartellabsprache. Die Bestpreisgarantie leistet dasselbe ganz legal - und der „Hausverstand" glaubt auch noch, er würde dabei profitieren!

 

Autor: Ulrich Berger· 42 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (42)

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 27.04.11 · 07:41 Uhr

Boller hatte jedoch zuvor die 1,19 € nur angeboten, weil er einen größeren Marktanteil haben wollte als Hifer - sonst wäre es klüger gewesen, den Preis von Hifer direkt zu übernehmen. Senkt Hifer nun auch auf 1,19 €, wird Boller, falls er noch eine ausreichende Gewinnspanne hat, den Preis weiter senken - und der Marktmechanismus funktioniert weiterhin ganz ausgezeichnet.

Kommentar-Direktlink rolak· 27.04.11 · 08:09 Uhr

Ok, den sich nur aus dem geographischen Kontext erschließenden Vokaltausch muß wirklich nicht jeder nachvollziehen können, aber die erstwörtliche Leseschwäche ist ein starkes Indiz, das in diesem Falle auch zuverlässig die Restqualität prognostiziert.

Kommentar-Direktlink Sebastian· 27.04.11 · 08:12 Uhr

...das sind ja revolutionäre Erkenntnisse!
Es reicht also, den Mitbewerber zu informieren, dass man ab nun ein bestimmtes Produkt zum Bestpreis verkaufen wird und schon wird der Konkurrent von jeglichem Versuch absehen, selbst billiger anzubieten. Der Kampf-Slogan "Bestpreisgarantie" erschüttert das Selbstvertrauen der Konkurrenz derart, dass sie kampflos auf Marktanteile verzichtet - selbst wenn hohe Margen zu lukrieren wären.
Revolutionär - wenn nicht sogar Nobelpreisverdächtig!
Als angewandter Betriebswirt werde ich diese Maßnahme sofort in die Tat umsetzen!

Kommentar-Direktlink georg· 27.04.11 · 08:18 Uhr

@Jörg Friedrich

Wenn Boller aufgrund der „Bestpreisgarantie" von Hifer sich darauf verlassen kann, dass Hifer jede Preissenkung, nach Möglichkeit, unmittelbar nachvollzieht, werden die es sich dreimal überlegen, ob sie sich auf einen potentiell ruinösen Wettbewerb einlassen oder ob sie es stattdessen lieber bei einer beiderseits gewinnbringenden Marktaufteilung belassen.

Das hängt natürlich auch davon ab, wie kämpferisch und siegesgewiss das Management von Boller drauf ist.

Kommentar-Direktlink Tim· 27.04.11 · 08:18 Uhr

Das ist eine rein theoretische Argumentation, die allerdings nur in einem perfekten Markt plausibel ist. In der Realität werden höhere/tiefere Preise desselben Produktes an einer anderen Verkaufsstelle oft gar nicht wahrgenommen oder sind den potentiellen Käufern in vielen Situationen egal.

Kommentar-Direktlink Markus· 27.04.11 · 08:50 Uhr

Die Preisgarantie hat gar nichts zu sagen. Ich als Kunde gehe auch zu den geschäften mit diesen "preisgarantie" natürlich mit einem Preis das schon Billiger ist aber trotzdem noch Bestellt werden muss.. Zu 99% wird der Preis nicht angepasst da man schon "billiger ist" dazu gehört auch die Grossen Elektronik ketten. Auch wenn mand as Porto abziehen würde. Der andere preis ist billiger.!!

Kommentar-Direktlink Joachim· 27.04.11 · 09:29 Uhr

Ich denke, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Ziel einer Bestpreis-Garantie ist es nicht, den Kunden zum Vergleich aufzufordern, sondern im Gegenteil, ihm zu versichern: "Wir sind immer billiger". Entsprechend wird solch eine Garantie auch fast immer von den Händlern gegeben, die eh die günstigsten sind. Die Kunden werden dennoch nicht alle zum Diskounter wechseln. Sie haben andere Gründe, bei dem etwas teureren Mitbewerber zu kaufen. Zum Beispiel kürzere Wege oder ein besseres Angebot an Frischwaren.

Kommentar-Direktlink Sascha Kowarcz· 27.04.11 · 09:45 Uhr

das scheint mir jetzt aber ein bissl simpel. die pure mikroökonomie gibt es halt nur am papier.

Kommentar-Direktlink Dominik· 27.04.11 · 10:43 Uhr

Ich denke schon, dass der Mechanismus selbst in der nicht-so-perfekten Praxis wie beschrieben läuft; interessant ist auch, dass Bolla ja einer zusätzlichen Preissenkung auch Marketingtechnisch schon ausweicht -- da die Bestpreis & Billig-Haus-Eigenmarke bei den üblichen Aktionen ausgenommen sind: "Diesen Fr. & Sa. minux x% auf [z.B.] Tiefkühlwaren mit Ausnahme Bestpreis und Billig-Haus-Eigenmarkenprodukten".

Abgesehen von den Aspekten, dass man sich a) nicht die Marge ruinieren will und b) psychologisch gesehen damit die Bestpreis und Hausmarke noch günstiger erscheint geht man damit c) eventuellen Konflikten mit der Konkurrenz aus dem Weg...

Was ich ja betriebswirtschaftlich spannend finde ist wie sich die Konkurrenz verhält. Speziell Hifer könnte die Jungs nämlich dank deutlich besserer interner Kostenstruktur brutalst und gezielt unter Druck setzen. Und ich glaube es würde nicht so gut ankommen, wenn plötzlich für einzelne Produkte keine Bestpreisgarantie mehr besteht, das kann man ja gleich wieder ausschlachten á la: "Bolla bietet nur Bestpreis wenn's in Wahrheit keiner ist"... Letztlich scheint aber niemand an einem offenen Konflikt interessiert zu sein :-)

Kommentar-Direktlink Basilius· 27.04.11 · 11:08 Uhr

@Markus

Zu 99% wird der Preis nicht angepasst da man schon "billiger ist" dazu gehört auch die Grossen Elektronik ketten.
Zu den "Billigeren" gehören aber gerade die großen Elektronikketten eben nicht. Deren Strategie ist es viel Geld in die Werbung zu stecken, die Mantra-artig immer wieder betont, daß man nicht blöd, sondern lieber geizig sein solle. Das wird dann auch mit den vielen Flyern bewiesen, in denen dann 25 Produkte zu einem tatsächlich günstigen Preis angeboten werden. Das Gesamte restliche Warenangebot, also die weiteren 6975 Artikel sind allerdings alles andere als günstig, sondern eher leicht über dem Preisniveau des gut sortierten Fachhandels, was aber nur auffällt, wenn man die restlichen Preise auch noch vergleicht, was im Laden dann eher nicht mehr so oft passiert. Dazu passt ja dann auch ganz gut, daß die großen Elektronikketten praktisch niemals einen vollständigen Internet-Web-Shop betreiben, in dem man leicht die Preise vergleichen könnte. Man muss schon selber in den Laden gehen. Gerade bei den kleineren Zubehörartikeln wird dann oft ziemlich krass der Preis angehoben. Schönes Beispiel ist ein DVD-Player, welchen man immer wieder mal bei Hifer oder ähnlichen kaufen kann. Kostet dann meist so etwas wie 50 Euro inklusive Verbindungskabel zum Fernseher, weil das ja nicht im Standardsortiment des Lebensmitteldiscounters verfügbar ist, der DVD-Player aber ohne nur schlecht betrieben werden kann. Selbiges Kabel kostet dann bei der Elektronikkette als notwendiges Zubehör nur noch "günstige" zusätzliche 12,95 Euro. Das Verhältnis ist da schon lustig.

Kommentar-Direktlink Conny· 27.04.11 · 11:25 Uhr

Ich denke, den psychologischen Effekt auf die Kunden sollte man nicht vernachlässigen. Der Kunde ist in der Regel eher träge bzw. hat nicht die Zeit, tatsächlich durch 10 Geschäfte zu rennen und zu vergleichen. Die tolle "Bestpreisgarantie" suggeriert nun, daß dem Kunden das lästige Vergleichen abgenommen wurde und man bei Bolla am günstigsten einkauft. Ob das tatsächlich der Fall ist, kann bezweifelt werden. Klar bekommen Kunden, die beweisen können, daß das Wasser ist woanders billiger, die Differenz zurück. In der Praxis ist das jedoch ein eher geringer Teil, die das tatsächlich tun.
Unterstützen kann die Blendung der Kunden dann noch damit, daß man in den Regalen überall tolle Schildchen an den Produkten verteilt, wo man drauf hinweist, daß hier wieder die "Bestpreisgarantie" zugeschlagen hat.

Für Hifer wäre es das sinnvollste, ebenfalls einen tollen Werbeslogan zu entwickeln anstatt die Preise zu senken, weil das nur ein kleiner Teil der Kunden wahrnehmen würde.

Kommentar-Direktlink Tim· 27.04.11 · 13:14 Uhr

@ Dominik

Ich glaube, diese Bestpreis-Strategien sind in der Praxis eine Art öffentliches Friedenssignal an Konkurrenten. Man macht dem Wettbewerber damit deutlich, daß man eben keinen Preiskampf wünscht. Wenn man sich auf sowas im Hinterzimmer einigt, hat man schnell das Kartellamt am Hals; wenn man es aber in der Werbung mit vermeintlich anderer Zielsetzung macht, kommt damit problemlos durch.

Kommentar-Direktlink Dominik· 27.04.11 · 13:49 Uhr

@Tim +1 :-)

Kommentar-Direktlink Interskeptor· 27.04.11 · 15:26 Uhr

@ rolak:
»Ok, den sich nur aus dem geographischen Kontext erschließenden Vokaltausch muß wirklich nicht jeder nachvollziehen können,«
Geografisch korrigierter Vorschlag für (D):
Plas und Uldi...
X-)

Kommentar-Direktlink Dominik· 27.04.11 · 15:29 Uhr

@Interskeptor Vokaltausch: Wohl eher Rawe und Eldi

Kommentar-Direktlink Steiner· 27.04.11 · 17:45 Uhr

Amazon hat seine Tiefpreisgarantie wieder abgeschafft, denn es ist eben nicht so dass der Anbieter hier am stärksten profitiert. Das kann passieren, muss aber nicht. Es ist wohl tatsächlich eine Frage des Größenverhältnisses. In einem Bezirk mag das noch klappen, in einer Stadt, einem Land oder gar dem Internet?

Kommentar-Direktlink Markus· 27.04.11 · 17:46 Uhr

Natürlich, der träge Kunde habe ich hier ausser acht gelassen. Die "preisgarantie" kann bei manchen Kunden den Gedanken hegen hier einzukaufen. Aufklärungsarbeit , Internetseiten und anderes hilft

Kommentar-Direktlink 1984· 27.04.11 · 18:23 Uhr

@Steiner:
Bei Amazon ist es ja wieder das online Geschäft. Genau da lassen sich wunderbar Preise vergleichen, während bei der Flasche Wasser im Uldi kein Mensch erstmal mit dem Smartphone nach einem günstigeren Anbieter sucht, um dann mit den Verkäufern zu diskutieren und irgendwas zwischen 1 und 10 cent gespart zu haben.

(p.s. was wird vor Ort eigentlich als Beweis für den günstigeren Preis akzeptiert? Gerade Webseiten lassen sich z.B. leicht anders darstellen oder gleich selbst aufsetzen).

Kommentar-Direktlink Albert Moik· 27.04.11 · 19:17 Uhr

@ alle Kommentare zu: Bolla wird nicht so handeln wie es die "Bestpreisgarantie" zulässt.

Auch wenn in der Werbung suggeriert wird, das bei Bolla Wasser am billigsten ist, so zeigt die Analyse, dass der verwendete und angepriesene Mechanismus zum Gegenteil führt; nämlich zu systematisch überhöhten Preisen. Ob das Management die Möglichkeiten zur Gewinnsteigerung ausnutzt oder doch philanthropisch agiert, hängt von deren Zielsetzung ab. Klar scheint jedoch, dass Erfolge von Rawe und Eldi eher auf dem Ausnützen von Gewinnpotential basieren als auf einer philanthropischen Grundeinstellung.

Bolla hat keinen unternehmerischen Grund niedrige Preise zu verlangen. Eigentümer, Aufsichtsrat und Investoren bleiben dem Management gegenüber meist nicht lange untätig wenn potentielle Gewinne systematisch nicht lukriert werden.

Auch bei nicht perfekten Marktbedingungen kommt man zu den selben Ergebnissen, besonders in einem Sektor in dem die Kostenstruktur relativ ähnlich ist.

@1984
Als Beweis muss die Rechnung für den Erwerb des Artikels und ein Werbeprospekt, Flyer oder Ähnliches was den billigeren Preis "beweist", vorgelegt werden

Kommentar-Direktlink Alex· 27.04.11 · 19:31 Uhr

Das ist ja schön und gut, was der Herr Doktor hier schreibt. Aber wo sind die Fakten? Gibt es denn keine Studien, die seine Meinung stützen, oder macht man so etwas in den Wirtschaftswissenschaften nicht? ;-)

Kommentar-Direktlink Albert Moik· 27.04.11 · 19:57 Uhr

@ Alex

Bildet man aus gängigen Artikeln die in einem Supermarkt erworben werden einen Warenkorb so ist der Preis in dem letzten sechs Monaten von etwas mehr als 42 € auf knapp 47 € angestiegen (Preisanstieg von ~10 %). In diesen Zeitraum fällt auch die "Bestpreisgarantie". Für genauere Zahlen empfehle ich das nationale Statistikamt oder das Preismonitoring des Konsumentenschutzes. Mit diesen Zahlen lässt sich ein Vergleich anstellen, der die Teuerung im Verhältnis zu Mitbewerbern darstellt.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 27.04.11 · 22:20 Uhr

Interessanter Gedanke.

Ich wäre eher auf den Gedanken angesprungen, dass doch eh keiner sich die Mühe macht, wegen ein paar cent die Belege zu sammeln.

Und selbst wenn es einer von 100 Kunden macht, kriegt er halt die cents, und gut ist. Der Stundenlohn ist - milde gesagt - relativ gering.

Sowas würde sich höchstens über Abmahnvereine oder so lohnen, wo Viele mitmachen. Oder als Flashmob oder so. Wobei es auch Leute gibt, denen ein halber Euro Stundenlohn reicht, zumal das Struktur und Ziel in den Tag geben kann.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 27.04.11 · 22:22 Uhr

xxx...

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 28.04.11 · 02:27 Uhr

Wer auf den ersten Webverweis, der auf Billa.Österreich zielt, klickt, kann folgendes erhalten:

Die Billa Bestpreis-Garantie gilt nur für die jeweils in den Filialen gekennzeichneten Markenartikel und bezieht sich auf die Verkaufspreise in den österreichischen Billa Filialen und die allgemein gültigen Verkaufspreise der Mitbewerber Adeg, Bipa, dm, Eurospar, Hofer, Interspar, Lagerhaus, Lidl, M-Preis, Magnet, Müller, Maximarkt, Merkur, Nah & Frisch, Norma, Penny, Schlecker, Spar, Sutterlüty, Unimarkt und Zielpunkt.

Nicht berücksichtigt werden Onlineangebote, Eröffnungsangebote, Abverkaufsangebote, regionale Angebote sowie Mitbewerberangebote, die einem sehr eingeschränkten Kundenkreis zugeordnet sind. Die Bestpreis-Garantie bezieht sich auf österreichweit gültige Preise, gleiche Markenartikel und gleiche Packungsgrößen. Wenn ein niedrigerer Preis eines Mitbewerbers bekannt wird, so senkt BILLA umgehend (im Regelfall ab dem nächsten Werktag) den eigenen Preis für die Dauer des Mitbewerberangebots.

Das heißt die Garantie bezieht sich auf namentlich genannte Mitbewerber - und wer die Sache ein wenig weiterdenkt, kann in der Tat zu dem Schluss kommen, dass in einem Marktsegment ein (nie so genannter) Verbund von Marktführern den Markt zu beherrschen sucht und ein geeignetes Instrument gefunden zu haben glaubt.

Die entstehenden Aufwände ("Premiumkunden" von Billa können nach Einkauf Rückforderungen in Centhöhe stellen, Abgleichsystem kompliziert, Billigpreissystem als Kartellversuch kann auch intern nicht kommuniziert werden wg. Erpressungspotential etc.) und Risiken sprechen gegen einen bewussten Versuch der Marktkontrolle.

Dr. Webbaer fühlt sich ein wenig an diesen Versuch erinnert und an Schweinchen Schlau. - Bedacht werden muss die skizzierte Möglichkeit natürlich!

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink s3basti8n· 28.04.11 · 20:04 Uhr

Große Handelsketten wird das nicht von irgendwelchen Preissenkungen oder Erhöhungen abhalten.
Bei kleineren Versendern findet das aber genau so statt wie beschrieben, da sehe ich öfters mal bei 3 oder sogar vier Mitbewerbern neben dem UVP den Hinweis auf die Bestpreisegarantie. das nütz mir als Kunde aber gar nix :(

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 29.04.11 · 05:18 Uhr

Sollte diese garantierte Preisanpassung bei einem Produkt nicht stattfinden, so wird jenen Kunden, die das entsprechende Produkt erworben haben, nach Vorlage eines Beleges die Preisdifferenz rückerstattet.
Toll. Dann steh ich bei Bolle, und zeige einen Beleg von Horten, dass ich dort nur 119¢ für 5 Flaschen Wasser gezahlt hätte, statt 125¢, und bekomme schon nach 30 Minuten vom Filialleiter feierlich 6¢ ausgezahlt, und anerkennend die Schulter geklopft womöglich. Die Garantie soll wohl die Vergleichsneigung der Verbraucher einschläfern - aber auch die Kartellfolgen zeitigen, obwohl Deutschland zeigt, dass man hier ohne solche Tricks zum gleichen Ziel kommt: Die Billigcola/Limo ist in den letzten Wochen synchron in Aldi, Lidl, Netto usw. von 29¢ auf 35¢ erhöht worden (mehr als 15%), der Kaffee in wenigen Monaten von 2,50 auf 3€ und jetzt auf 3,50, das Rapsöl von 80¢ über 1,10 auf 1,40 - Sonnenblumenöl analog zu 10¢ mehr. Und in allen großen Ketten synchron.

Kommentar-Direktlink Basilius· 29.04.11 · 09:17 Uhr

@Stefan W.
Ja, das ist ein Vorgang, welchen man bei den diversen Billig-Discountern recht regelmässig beobachten kann. Ich empfehle hier den totalen Ausstieg. Kaufe nur noch Premium-Produkte und schon gar nicht beim Discounter. Dann kann man sich das nervtötende Preisevergleichen und von Laden zu Laden hetzen ersparen, weil das Preisniveau stabil (und hoch) bleibt. Für die Nerven auf jeden Fall besser und Zeit spart man auch.
^_^

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 29.04.11 · 10:58 Uhr

Die Billigcola/Limo ist in den letzten Wochen synchron in Aldi, Lidl, Netto usw.(...)
Diese Synchronizität ist in der Tat verblüffend, wenn man keine Absprachen annehmen wollte - diese wären aus verschiedenen Gründen sehr problematisch -, dann darf davon ausgegangen werden, dass vorab mathematische Modelle implementiert sind, die in Abhängigkeit von Mitbewerberentscheidungen sehr zeitnah ebenfalls Preisänderungen vornehmen lassen.

Es wird also anzunehmenderweise in solchen Fällen nicht mehr lange debattiert und die Entscheidung steht vorab fest.

Was dann in der Tat eben auch dazu einlädt komplexere Kooperationsmodelle bei BILLA u.a. zu implementieren. - Also solche wie im Artikel angedacht; allerdings sieht Dr. W keine ausreichende Begründung. Bei 3 marktbeherrschenden Mitbewerbern könnte eine dreiseitig implementierte Billigpreisgarantie Sinn machen um die 10% in Schach zu halten, aber bei den bekannten österreichischen Verhältnissen?

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink TE· 03.05.11 · 00:07 Uhr

Logischer Fehlschluss 1:

Der Bestpreis garantiert dem Kunden, höchstens so viel zu verlangen wie die Konkurrenz, nicht genauso viel. Der Konkurrenz teilt man damit mit: ich gehe mindestens auf euren Preis runter, vielleicht sogar noch darunter.


Logischer Fehlschluss 2:

Warum sollten sich in der Alternative ohne Bestpreis die Konkurrenten ständig unterbieten? Gerade hier kann sich ja ein Gleichgewicht mit Preisunterschied einpendeln. Es gibt Supermarktketten, in denen alles etwas teurer ist als in anderen. Dafür sind sie sauberer, aufgeräumter, besser sortiert, netter oder machen mehr Werbung.


Author Profile Page Ulrich Berger· 03.05.11 · 00:36 Uhr

@ TE:

1. Der wesentliche Bestandteil der Garantie ist, dass sie Preissenkungen der Konkurrenten weitergeben. Das heißt, meist sind es dieselben Preise.

2. http://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand-Wettbewerb

Author Profile Page Ulrich Berger· 03.05.11 · 00:44 Uhr

@ Sascha Kowarcz:

Siehe http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mde.4090120405/abstract

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 03.05.11 · 13:58 Uhr

Ist es so, dass das Konzept der "best price guarantee" wirtschaftswissenschaftlich wenig erforscht ist und dass dieser Artikel soz. einen Meilenstein bildet?

Falls ja wäre der dünne Bezug auf tatsächliche (erhobene) Wirtschaftsdaten [1] nachvollziehbar,
MFG
Dr. Webbaer

[1] "Bildet man aus gängigen Artikeln die in einem Supermarkt erworben werden einen Warenkorb so ist der Preis in dem letzten sechs Monaten von etwas mehr als 42 € auf knapp 47 € angestiegen (Preisanstieg von ~10 %). In diesen Zeitraum fällt auch die "Bestpreisgarantie"."

Author Profile Page Ulrich Berger· 03.05.11 · 14:19 Uhr

@ Dr. Webbaer:

Welchen Artikel meinen Sie mit "dieser Artikel"?

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 03.05.11 · 14:25 Uhr

@Ulrich Berger
Den hiesigen Blogartikel.

Ist das Konzept der "best price guarantee" womöglich Neuland? - Der Schreiber dieser Zeilen hat ein wenig dbzgl. recherchiert und keine dbzgl. Publikation gefunden...

MFG
Dr. Webbaer

PS: Auch http://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand-Wettbewerb konnte nicht direkt hierzu eingeordnet werden. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mde.4090120405/abstract blieb unerreichbar bzw. sah kostenpflichtig aus. Gerne hierzu noch ein Hinweis!

Author Profile Page Ulrich Berger· 03.05.11 · 15:15 Uhr

Der hiesige Blogartikel ist in diesem Sinne eher kein Meilenstein. Bestpreisgarantien sind in den Wirtschaftswissenschaften keineswegs Neuland, sondern seit den späten 1980ern gut erforscht. Der Clou bei der Suche nach Studien ist, dass Bestpreisgarantien international als "price-matching guarantees" bekannt sind.

Der link http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mde.4090120405/abstract sieht vielleicht kostenpflichtig aus, doch das betrifft den Volltext, nicht das dortige Abstract, auf das ich die Aufmerksamkeit lenken wollte.

Ansonsten hilft auch http://scholar.google.at/scholar?hl=de&q=price+matching+guarantees

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 03.05.11 · 15:25 Uhr

Danke, sehr interessant, Kollusion ist ein spannendes Thema, Old Webbaer ist natürlich (auch hier) Laie. Danke auch für das Fachwort "Price-matching guarantees".

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink Albert Moik· 03.05.11 · 19:31 Uhr

@ Dr. Webbaer:

Um der theoretischen Aufbereitung auch aktuelle Daten beizufügen, habe ich auf der Seite der Arbeiterkammer Zahlen zum Preismonitoring entnommen:

http://www.arbeiterkammer.at/online/massive-teuerung-bei-lebensmitteln-60061.html

Auch wenn die Artikeln des Warenkorbs der Arbeiterkammer nicht deckungsgleich mit jenen auf die eine Bestpreisgarantie gegeben wird sind, kann dieser Warenkorb als ein Indikator angesehen werden.
Die Tatsache, dass der Supermarkt, der seine Artikel mit einer Bestpreisgarantie bewirbt, bei diesem Warenkorb selbst konzernintern werde absolut noch bzgl. der Preissteigerung am günstigsten ist, wirft die Frage auf, in wie weit diese Fakten mit der Bestpreisgarantie zusammenhängen.
Für eine genaue empirische Analyse fehlen mir jedoch die notwendigen Rohdaten.

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 04.05.11 · 15:04 Uhr

@Albert Moik
Danke für Ihre Erläuterungen. - Der Schreiber dieser Zeilen hat, http://scholar.google.at/scholar?hl=de&q=price+matching+guarantees berücksichtigend, nun verstanden, dass die Problematik bereits breites Interesse bei den Forschenden gefunden hat und weiterhin finden wird.

Übrigens auch interessant: Der wenig marktkundige Kaufinteressent wird durch Bestpreis-Garantien (zumindest gefühlt) in die Lage versetzt die Marktpreise zu kennen und seine Kaufentscheidung marktnah zu treffen. Hier ergibt sich womöglich das "Win-Win", wenn ein Anbieter ohnehin am unteren Rand der Preisbildung unterwegs ist, also soz. den letzten Schritt wagen kann.

Den vorletzten Absatz Ihrer Nachricht konnte nicht ganz gefolgt werden, also inwiefern jetzt die beobachten Preissteigerungen in Ö mit der Billa-Bestpreisgarantie korrelieren, macht aber im Moment nüscht, spannendes Thema!

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink frantischek· 09.05.11 · 12:58 Uhr

Die vom Billa sind ja sowieso ...!
Schon einmal die Preise von den Bio-Artikeln angeschaut?
Egal ob Wurmmist oder "Bio-Gemüsepflanzen" alles mindestens ums dreifache überteuert.
Nur weil der "Hausverstand"-... Bernd Moss so lieb dreinschaut in der Werbung?

Bitte keine justiziablen Beleidigungen!

Kommentar-Direktlink frantischek· 10.05.11 · 21:17 Uhr

Tschuldigung...

Kommentar-Direktlink René· 20.05.11 · 19:03 Uhr

Stefan W:"Die Billigcola/Limo ist in den letzten Wochen synchron in Aldi, Lidl, Netto usw.(...)"
Dr. Webbaer:"Diese Synchronizität ist in der Tat verblüffend, wenn man keine Absprachen annehmen wollte - diese wären aus verschiedenen Gründen sehr problematisch -, dann darf davon ausgegangen werden, dass vorab mathematische Modelle implementiert sind, die in Abhängigkeit von Mitbewerberentscheidungen sehr zeitnah ebenfalls Preisänderungen vornehmen lassen."

In Deutschland ist es wohl üblich, das ein Mitarbbeiter eines Unternehmens zum konkurrierenden Unternehmen geschickt wird, um Angebot und Preise aufzuschreiben. Wenn ich mich recht entsinne, wird das "C-Gang" genannt. Und das für mich verblüffendste war, als ich das erste mal davon erfuhr, das das beim Konkurrenten sogar telefonisch angemeldet wird.
Ob dies in jeder Branche der Fall ist, weiß ich natürlich nicht, da ich diesen Fall nur zwischen zwei Elektronik-Fachmärkten mitbekommen habe, als ich einen Freund bei ebendiesem "C-Gang" begleitet habe.

Kommentar-Direktlink Martin· 18.08.11 · 22:23 Uhr

!. Den kausalen Zusammenhang mit Preisabsprachen kann ich daraus nicht erkennen.
2. Die Preisgarantie ist ein Werbemittel, dass Agilität am Markt kommuniziert oder auch nur vortäuscht. Der Effekt ist eher: Kommen Sie täglich zu uns und sehen Sie sich täglich unsere Preise an (es könnte sich ja etwas geändert haben).
3. Es läuft aber auch einer möglichen (und gegebenenfalls dann sicherlich auch auf anderen Wegen) erfolgten Preisabsprache nicht entgegen und ist gut dazu geeignet den Straftatbestand inflationär in der Meinung der Kunden herunterzuspielen.

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