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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.


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29.07.10 · 21:25 Uhr

Wie die Granderwasser-Firma fünf Jahre lang eine wissenschaftliche Studie unterdrückte

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 30

Die "Wasserbelebung" nach Grander ist bekanntlich teurer und wirkungsloser Humbug aus der esoterischen Ecke. Das ist nicht nur das Ergebnis eines guten Dutzends wissenschaftlicher Studien, sondern auch einiger Gerichtsurteile.

Aber hier soll es nicht um die Wirkungslosigkeit des Granderwassers gehen, und auch nicht um den Skandal der Ordensverleihung an dessen Erfinder, sondern um eine besonders perfide Marketingstrategie der Granderwasser-Firma IPF. Die war nämlich vor einigen Jahren auf die Idee gekommen, ihre pseudowissenschaftlichen Belebungsgeräte Studenten für eine Diplomarbeit über die Wirkung des Wunderwassers zur Verfügung zu stellen.

Zum Beispiel Herrn Faißner, der anno 2000 eine wundersame Reduktion der Oberflächenspannung um 17% in Granderwasser fand, was vom Grander-Marketing prompt als wissenschaftlicher Beweis für die Wirkung gefeiert wurde. Leider wurde bald darauf klar, dass Herr Faißner einen methodischen Fehler begangen hatte, und das sensationelle Ergebnis konnte in mehreren Folgestudien nicht reproduziert werden.

Was aber tut man, wenn eine studentische Arbeit nicht die gewünschten positiven Resultate liefert? Immerhin steht die Diplomarbeit dann in mindestens drei öffentlichen Bibliotheken und kann von jedermann eingesehen werden. Ein Problem?

Kein Problem: Man lässt die Diplomarbeit einfach sperren!

Der § 86 (2) des Universitätsgesetzes 2002 besagt nämlich:

Anlässlich der Ablieferung einer wissenschaftlichen [...] Arbeit ist die Verfasserin oder der Verfasser berechtigt, den Ausschluss der Benützung der abgelieferten Exemplare für längstens fünf Jahre nach der Ablieferung zu beantragen. Dem Antrag ist [...] stattzugeben, wenn die oder der Studierende glaubhaft macht, dass wichtige rechtliche oder wirtschaftliche Interessen der oder des Studierenden gefährdet sind.
Zwar ist klar, dass ein negatives Ergebnis nicht die wirtschaftlichen Interessen der oder des Studierende gefährdet, sondern lediglich die wirtschaftlichen Interessen der Firma IPF, aber über solche subtilen Unterschiede wird im Unibetrieb oft großzügig hinweggesehen.

Wenden wir uns jetzt der Diplomarbeit von Frau Margit Höbling zu, die diese an der TU Graz mit freundlicher Unterstützung der Firma Granderwasser-Firma IPF bereits anno 2004 fertiggestellt hatte. Frau Hölbling hatte Granderwasser und als Kontrolle normales Leitungswasser mit sieben verschiedenen Methoden penibel untersucht und nach Unterschieden Ausschau gehalten. Hier die Resultate:

dipl_hoelbling_granderwasser.jpgKurz gesagt: Ein grandioses Nullresultat! Keine einzige der sieben Methoden lieferte einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Granderwasser und Leitungswasser. Kein Wunder natürlich, denn der einzige Unterschied zwischen Granderwasser und Leitungswasser ist der Preis - Granderwasser ist etwa um den Faktor 5.000 teurer.

Die Firma IPF wusste von dem Desaster freilich schon anno 2004. Doch erst seit dem Auslaufen der Sperre vor wenigen Monaten kann auch die interessierte Öffentlichkeit die Resultate jetzt einsehen.

Und jetzt das Sommerrätsel zum Mitraten: Was wird wohl die seit 2006 gesperrte Diplomarbeit von Herrn Maier ergeben, wenn sie 2011 freigegeben werden wird?

In der Wissenschaftswelt gilt die bewusste Unterdrückung von "unerwünschten" Daten und Ergebnissen als Wissenschaftsbetrug. In der Wirtschaftswelt gilt sie als clevere Marketingstrategie. Die Firma IPF und ihr Voodoo-Produkt sind von der Wissenschaftswelt so weit entfernt wie Wien vom Andromedanebel. Zu ihrem Glück.

 

Autor: Ulrich Berger· 30 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (3)

Wissenschaftsbetrug durch Unterdrückung · Forschungsmafia · 31.07.10 · 19:37 Uhr

Ungewöhnliche Form von Gefälligkeitsstudie: In Österreich kann man Diplomarbeiten mit unerwünschten Inhalten einfach sperren lassen. Da verkauft irgendwer für teuer Geld so magisches Hokus-Pokus-Wasser, sogenanntes „Granderwasser”, das an einem mit „In... ...mehr


Peinliches Testergebnis für belebtes Wasser · ScienceBlogs · 02.08.10 · 06:30 Uhr

Ist das nun dreist, naiv oder einfach nur ein gesundes Selbstbewusstsein? Man kann ja aus vielen Gründen über die Wasser-Gurus der Firma Grander schimpfen. Doch eines muss man ihnen zugute halten: sie glauben an ihr Produkt. Mit ihrem angeblich "belebt... ...mehr


Déjà vu: Wie die Granderwasser-Firma schon wieder fünf Jahre lang eine wissenschaftliche Studie unterdrückte · Kritisch gedacht · 14.07.11 · 19:30 Uhr

Überraschung ist das freilich keine, aber als ich vor ziemlich genau einem Jahr über eine "besonders perfide Marketingstrategie" der Granderwasser-Firma IPF berichtete, war es noch nicht 100%ig sicher.Wovon ist die Rede? Die Strategie der Granderwasser... ...mehr



Kommentare (30)

Kommentar-Direktlink michael· 29.07.10 · 21:44 Uhr

> Was wird wohl die seit 2006 gesperrte Diplomarbeit von Herrn Maier ergeben ?

Wohl leider keinen Verkaufsrückgang von Granderwasser.

Warum nicht eine Firma aufmachen, die bei Vollmond abgefülltes Wasser verkauft, und bewirbt mit: Wirkt genauso gut wie ein anderes Wasser (für die Hälfte des Preises). DIe Diplomarbeiten kann man dann benutzen, um nachzuweisen, dass kein Unterschied zu Granderwasser besteht.

Kommentar-Direktlink Gwendolan· 29.07.10 · 22:29 Uhr

In der Schweiz sprudelt der Eso-Quatsch sogar steuerfinanziert in öffentlichen Bädern:

http://videoportal.sf.tv/video?id=96a827e8-c605-4ad2-8217-d87655dfe860

Kommentar-Direktlink Oliver Schauer· 29.07.10 · 22:34 Uhr

Seit Jahren frage ich mich warum ich mein Geld mit ehrlicher Arbeit als Servicetechniker verdiene.Dabei könnte ich mit Lug und Esotrug Kohle ohne Ende scheffeln und bräuchte nicht mehr als Wasser und dubiose Filtersätze.Aber immer noch gilt der Grundsatz "Mit der Dummheit der Menschheit kann man mehr Geld verdienen als mit Erdöl und Drogen"

Kommentar-Direktlink Andreas Kyriacou· 29.07.10 · 22:43 Uhr

Mussten denn die drei vorgängig einer Sperrung vertraglich zustimmen um die Voodoo-Geräte einsetzen zu können oder liessen sie sich einfach kaufen? Lässt sich gegen eine solche Sperrung nicht klagen?

Kommentar-Direktlink Ender· 29.07.10 · 22:47 Uhr

DIe Diplomarbeiten kann man dann benutzen, um nachzuweisen, dass kein Unterschied zu Granderwasser besteht.
Klasse Idee, dagegen kann nun wirklich niemand etwas haben (außer IPF). xD

Kommentar-Direktlink radicchio· 29.07.10 · 23:07 Uhr

also ich hatte mal die idee, homöopathische globuli nach sternzeichen und modkalender zu verticken. man könnte die auch noch mit vollmondgranderwasser beleben. belebte vollmond globuli z.b. für den wassermann. krasser burner!!!

nur ist das zeug ja leider apothekenpflichtig …

Author Profile Page Tobias· 30.07.10 · 02:23 Uhr

Mich interessieren die gleichen Fragen wie Andreas Kyriacou.

Kommentar-Direktlink Andreas Kyriacou· 30.07.10 · 06:02 Uhr

@radicchio
Damit Du Deine Glaubuli als maximal ESO-zertifiziert anpreisen kannst, solltest Du als zu verdünnender Ausgangsstoff Bachblütenwasser nehmen — auch wenn die Idee geklaut ist.

Kommentar-Direktlink YeRainbow· 30.07.10 · 08:29 Uhr

mich hätte auch interessiert, wieviel sich die Firma die Sperung der Arbeiten kosten ließ.

Mehr Transparenz!
Damit man weiß, woher der Wind weht, und wes Lied der Brotfresser pfeift. Wes Brot ich eß...

Kommentar-Direktlink Bernd· 30.07.10 · 08:30 Uhr

Ich werde ein neues Wasser auf den Markt bringen und damit werben, dass es "mindestens so wirksam wie Granderwasser" ist, allerdings nach der Bernd-Methode hergestellt wird, die, wie allgemein bekannt, die Wassermoleküle einem nur äußerst geringen ... äh ... meridian-atmosphärischem Stress aussetzt. Interessenten?

Author Profile Page Ulrich Berger· 30.07.10 · 08:54 Uhr

@ Andreas, Tobias:
Wie das im Detail gelaufen ist, weiß ich leider auch nicht.

Kommentar-Direktlink Herbert Haas· 30.07.10 · 09:08 Uhr

Kleine Stichprobe, aber immerhin:

Ich war in den letzten 365 Tagen in 4 Hotels in Österreich (Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark). Alle 4 Hotels verwöhnten ihre Gäste mit granderisiertem Leitungswasser. In einem Hotel legte man uns zusätzlich Glücksteinchen aufs Nachtkasterl.

Das ist Wellness in Österreich! Da strahlt einem das Chakra aus dem A*rsch!

Kommentar-Direktlink wolfgang· 30.07.10 · 09:11 Uhr

aus der verbindlichen Dienstanweisung der MUW Good Scientific Practice (Ethik in Wissenschaft und Forschung)

Kapitel 1.7.4 Publikationspraxis

1.7.4.3 Die Publikation von in sich geschlossenen und nachvollziehbaren Arbeiten mit klarer Fragestellung wird erwartet.

Von nachträglicher Sperre steht da nichts drin.

Kommentar-Direktlink Marius· 30.07.10 · 09:35 Uhr

Andersrum muss man aber wohl davon ausgehen, dass IPF ohne die (hier missbrauchte) Sperrmöglichkeit wahrscheinlich gar keine Geräte an die Studenten verliehen hätte. So haben wir - wenn auch mit einigen Jahren Verzögerung - wenigstens überhaupt Resultate, die nicht mehr verheimlicht werden können.

Meiner Erfahrung nach wird solchen Sperranträgen übrigens praktisch ung'schaut stattgegeben. Ich erinnere mich noch an Kollegen, denen ihre Diplomarbeit einfach nur peinlich war (Plagiate?), und die sie deswegen unter nebulösen Vorwänden sperren ließen.

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 30.07.10 · 10:16 Uhr

Einfach einen Liter dieses Granderwassers kaufen, eigenes Wasser beleben, eigene Geräte bauen und verkaufen als 'mit Granderwasser' und 'nach Grandermethode'. Jedenfalls belebt.

Kommentar-Direktlink Andreas Kyriacou· 30.07.10 · 10:28 Uhr

@Stefan W.: am besten mit dem Slogan "doppelt so wirksam wie die Grandermethode" bewerben. Das wär ja nicht mal gelogen.

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 30.07.10 · 10:59 Uhr

So wie in der Homöopathie und anderen Voodoo-Wissenschaften nützt keine Diplomarbeit auch nur irgendwie, um die gläubigen Wasseranbeter zu bekehren.
An sich ist es ein Skandal erster Ordnung, wenn eine Universität derartige Diplomarbeiten überhaupt annimmt und durchführt.
Was denkt sich so ein Professor eigentlich, wenn er so einen Schwachsinn als Diplomarbeit zuläßt und dann auch noch vidiert?
Die Wundergläubigkeit ist allerdings in allen Kreisen der Bevölkerung vertreten. Von der Raumpflegerin bis zum Universitätsprofessor, vom Hilfsarbeiter bis hin zum Dipl. Ing., von der Verkäuferin bis zum Marketingleiter, von der Krankenschwester bis hin zum Primar - sie alle glauben an den Tiroler Wundersmann und an das bioinformierte Naß aus Jochberg.
Während Beneviste für sein Wassergedächtnis und Pons und Fleischmann eine saure Zitrone erhielten, bekam Grander das Ehrendingsbums für Wissenschaft und Kunst.
Und die Granderleute besäuseln munter an allen Ecken und Enden um ihre Gesundheit besorgte Menschen und erzählen diesen das, was nicht niedergeschrieben in den Prospekten zwischen den Zeilen von den Gläubigen geschaut wird.

Wollt ihr noch den alpenländischen Paradigmenwechsel zusammengefaßt lesen?

Kommentar-Direktlink soph· 30.07.10 · 13:26 Uhr

Bei jeder meiner Abschlussarbeiten unterzeichnete ich vor dem Beginn der Arbeit, dass ich mich verpflichte, einen Antrag auf Sperre einzureichen. AFAIK wurde das bei uns bei jeder Arbeit am Institut default verlangt, ohne, dass je über eine Notwendigkeit oder einen potenziellen Konflikt mit der wissenschaftlichen Öffentlichkeit nachgedacht wurde.

Die meisten unserer Abschlussarbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit Industriepartnern, d.h. waren 3.-mittelfinanziert. Wir bekamen aus dieser Finanzierung über einen Werkvertrag eine Bezahlung für die Arbeit.

Als negativ sahen wir an, dass wir diese Arbeit nicht als persönliche Referenz öffentlich stellen konnten. Im Gespräch mit den Verfassern veröffentlichter Arbeiten stellen die jedoch als Vorteil heraus, das wir alle Daten und Ergebnisse angeben konnten und nicht verklausuliert (im Hinblick auf Industriespionage) einbringen mussten, was die wissenschaftliche Auswertung deutlich schwieriger mache.

Insofern denke ich, ohne dass ich weitergehende Kenntnis über die Arbeiten habe, dass, ja, die Studenten vertraglich verpflichtet waren, eine Sperre zu beantragen, und ihre Arbeit auch "gekauft" war.
Andererseits sehe ich es als Zeichen der Integrität der Beteiligten (Diplomand/in und Betreuer), dass nicht so lange geforscht wurde, bis ein positives Ergebnis herauskam, auch wenn es sicher einen einschlägigen Druck der beauftragenden gegeben haben mag.

Grundsätzlich möchte ich jedoch anmerken, dass man sowohl als Student wie auch als Betreuer sehr wohl die Möglichkeit hat, ein Thema abzulehnen.

Kommentar-Direktlink nihil jie· 30.07.10 · 18:26 Uhr

ich sehe schon... ich muss hier abhilfe schaffen und mich in opposition zu den ganzen belebten dingen begeben.... ich werde mortale luft verkaufen *gg

Kommentar-Direktlink nihil jie· 30.07.10 · 18:29 Uhr

nachschlag:

natürlich eigenhändig erschlagen und in flaschen gezwängt... ;)

Kommentar-Direktlink schlappohr· 30.07.10 · 20:25 Uhr

An dem Institut, an dem ich arbeite, ist es gängige Praxis, dass bestimmte Diplom/Masterarbeiten erstmal ein paar Jahre in den Giftschrank kommen, bevor die Vollversion veröffentlicht wird. Dahinter stehen knallharte wirtschaftliche Interessen, weil die Studenten häufig Dinge zutage fördern, die der Konkurrenz nutzen könnten. Meistens handelt es sich um die Entwicklung bestimmter Verfahren oder Algorithmen. Rein vom geschäftsmäßigen Standpunkt kann ich die Forderung nach einer Sperrung seitens IPF also schon verstehen.

Allerdings geht es bei uns nicht um esoterisches Zeug. Ich frage mich, warum sich ein Hochschulprofessor bereiterklärt, eine Arbeit zu betreuen, wo er doch genau weiß, dass sie nicht veröffentlicht wird, wenn sie Granderwasser-Mist als solchen entlarvt. Ich glaube, das eigentliche Problem bei dieser Sache ist die Geldgier der Universitäten, die so dumm sind, sich auf einen Deal mit den Eso-Spinnern einzulassen.

Author Profile Page Ulrich Berger· 30.07.10 · 21:28 Uhr

@ schlappohr:

An sich finde ich es nicht verwerflich, wenn man als Dipl.thema esoterischen Unfug mit wissenschaftlichen Methoden testet. Kann ein gutes Training sein. Es hat sogar einen Vorteil: Wenn was überraschendes rauskommt, hat man mit großer Wahrscheinlichkeit einen Fehler gemacht und kann das Experiment wiederholen und gleichzeitig lernen es künftig besser zu machen.

Außerdem glaube ich kaum, dass die TU Graz von der Firma IPF Geld gesehen hat. Maximal die Studentin, wenn sie die Dipl.arbeit im Rahmen eines Werkvertrag angefertigt hat.

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 31.07.10 · 19:54 Uhr

Grander Technbik in Spitälern

http://grander.com/de/anwender/krankenh%C3%A4user

Kommentar-Direktlink Philippe Leick· 01.08.10 · 12:07 Uhr

Gerade war ich für ein Schachturnier zwei Wochen in der Schweiz (Biel) und habe dabei für meine Verhältnisse mehr als nur anständig gespielt. Im Eingangsbereich meines Hotels prangte Stolz eine Plakette, die darauf hinwies, dass dort Granderwasser verwendet wird. Vielleicht sollte ich also meine dogmatische Ablehnung überdenken...

Zur zeitlich befristeten Sperrung von Diplomarbeiten: ich arbeite in der Forschung eines Industrieunternehmens und habe dabei im Lauf der Jahre zahlreiche Diplomarbeiten betreut (Ingenieurswissenschaften, Universität bzw. Fachhochschule). Bei sensiblen Themen wird im Vorfeld mit dem Diplomanden und seinem betreuenden Professor eine passende Geheimhaltungsklausel vereinbart. Der Diplomand bekommt während seiner Arbeit, die in der Firma durchgeführt wird, eine Art Gehalt (nicht viel), Universität bzw. Professor bekommen definitiv kein Geld - das ist (zumindest bei uns) sogar strengstens verboten.
Im Prinzip haben die Gutachter der Hochschule jede Möglichkeit, das wissenschaftliche Niveau der Arbeit zu prüfen. Sie bekommen ja auch ein Exemplar mit allen Ergebnissen bzw. können unsere Labore besuchen und Rohdaten anfordern. Je nach Prüfungsordnung der Hochschule ist es manchmal notwending, zusätzlich eine "leicht zensierte" öffentliche Fassung der Arbeit zusammenzustellen. Gerade Fachhoschulen sind aber meistens sehr darum bemüht, den Indurstriepartnern entgegenzukommen und ihren Studenten das Leben nicht unnötig schwer zu machen.
Letzendlich kommt aber viel auf die Integrität aller Beteiligten an. Insofern gibt es aber kaum ein Unterschied zu wissenschaftlichen Arbeiten an einer Universität.

Es steht sicher ausser Zweifel, dass die Diplomarbeiten veröffentlicht worden wären, wenn das Ergebnis für das Granderwasser "besser" ausgefallen wäre. Wesentlich anders läuft es aber nirgends ab: Diplomarbeiten mit unspektakulären Ergebnissen verstauben in Bibliotheken, ohne dass die Fachwelt davon etwas erfährt, selbst wenn sie im Prinzip öffentlich zugänglich sind. Wenn dagegen "das richtige" herauskommt, sorgt der Professor dafür, dass eine Konferenz- oder Journal-Veröffentlichung daraus gemacht wird.

Kommentar-Direktlink Ronny· 02.08.10 · 08:08 Uhr

Ich sag nur eins: Wenn man Granderwasser angeboten bekommt, lautstark (so dass es alle hören) verweigern mit dem Hinweis, dass es krebserregend ist.

Es sagen zwar alle: das glaub ich nicht, aber der Griff ums Glas ist weit weniger stark :)

Kommentar-Direktlink schlappohr· 02.08.10 · 13:28 Uhr

@Ulrich Berger:

"An sich finde ich es nicht verwerflich, wenn man als Dipl.thema esoterischen Unfug mit wissenschaftlichen Methoden testet."

Das ist völlig in Ordnung, aber man darf solche Arbeiten natürlich nicht "von Gnaden" des Herstellers durchführen, denn er wird an der Widerlegung der Wirksamkeit kein Interesse haben. Es hätte dem Betreuer bzw. der Hochschule klar sein müssen, dass es wohl keine Veröffentlichung geben wird, wenn die DA das Ergebnis liefert, das sie liefern muss. Eine Sperrung einer DA mit Zweck, einen Betrug oder ein unmoralisches Verhalten einer Firma zu vertuschen, darf doch eigentlich nicht von einer Hochschule unterstützt werden.

Kommentar-Direktlink Christoph· 03.08.10 · 14:29 Uhr

Also, ich persönlich hätte eine solche Diplomarbeit mit Freuden angenommen ;-) Und am Ende hätte ich dick auf meine Homepage und jede Bewerbung geschrieben: "Ich habe eine Diplomarbeit über die Wirksamkeit von Granderwasser gemacht. Allerdings hat die Firma die Veröffentlichung der Ergebnisse verboten."

Und wenn man besonders guter Laune ist hängt man noch "Ich darf auch nicht darüber reden, ob es gesundheitschädigend ist oder nicht..." dran

Ich fürchte, damit kann man viel mehr Aufmerksamkeit erregen, als wenn man Fakten präsentiert.

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 03.08.10 · 17:00 Uhr

Das eigenartige an solchen Diplomarbeiten ist, daß in den Präambeln meist nichts drinnen steht, welche naturwissenschaftlichen Unvereinbarkeiten einem positiven Ergebnis entgegenstehen. Das heißt, es wird mit keinem Satz auf die jedem Naturwissenschaftler geläufigen Widersprüche hingewiesen.

Kommentar-Direktlink Philippe Leick· 04.08.10 · 00:02 Uhr

@ Dr. Berndt:

[...] es wird mit keinem Satz auf die jedem Naturwissenschaftler geläufigen Widersprüche hingewiesen.

Das war mir damals auch bei der Arbeit von Heike Larcher zum Thema Holopathie aufgefallen. Die Kapitel, in dem sie das Verfahren beschreibt, liest sich teilweise wie ein Werbeprospekt des Herstellers.
Irgendwo findet man schon Hinweise, dass z.B. die "wissenschaftliche Basis" fehlt, aber die sind meistens so allgemein gehalten, dass klar wird, dass sie zwar der Vollständigkeit halber drin sind, der Verfasser sich aber nicht mit den Details beschäftigt hat.

Es spricht nichts dagegen, auch höchst unplausible Behauptungen wissenschaftlich sorgfältig zu prüfen. Zu einer guten Methodik würde aber neben einer ordentlichen Versuchsdurchführung und Auswertung auch eine Diskussion der theoretischen Argumente gehören - also eine Übersicht der Behauptungen und eine Bewertung dieser Behauptungen anhand des heutigen Stands der Naturwissenschaften. Angesichts dessen, dass heutzutage skeptische Literatur ohne weiteres verfügbar ist, sollte das auch keine unzumutbare Aufgabe mehr sein.
Meiner Meinung nach sollte es auch Aufgabe der betreuenden Professoren sein, auf eine solche Diskussion zu bestehen.

Kommentar-Direktlink RickNick· 17.10.10 · 10:35 Uhr

Es wird ja einfach zu Belegen sein dass Granderwasser-Gläubige signifikant öfter an Krebs erkranken als Nichtgranderianer.

Ansatz: Granderleute glauben doch jeden Unfug und leben in ständiger Angst vor irgendwelchen Strahlen, Wellen, Schwingungen u. dgl. Dadurch ist ihre Psyche stark belastet und damit kommt der psychosomatische Kreislauf in Gang. Et voila: Granderwasser ist krebsfördernd. Empirisch nachweisbar, falls sich jemand die Mühe macht.

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