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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.


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30.06.10 · 23:14 Uhr

Emotionscan: Stellungnahme aus der Ö3-Redaktion

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 16

Es geschieht nicht allzu oft, dass die von uns an dieser Stelle oft harsch kritisierten Medienmenschen zugeben, Fehler gemacht zu haben. Umso erfreulicher die folgende öffentliche Stellungnahme von Gudrun Stindl aus der Ö3-Redaktion zum Fall Emotionscan.
Ulrich Berger

==================

Vielen Dank für die konstruktive Kritik! Die Kritik gebührt vor allem mir. Martina Rupp, die ja auch in der Kommentaren zur Kritik erwähnt wird, sollte im Sinne der "Anklage" frei gesprochen werden.

Drei Dinge möchte ich gerne sagen:

1. Ich stehe dazu, über Emotionscan berichtet zu haben.

2. Leider ist strukturell am Sender ein Fehler passiert: Der Beitrag wurde mit einer unkritischen Moderation präsentiert. Ich hatte eine andere geschrieben. Senderintern habe ich mit meinen Kollegen gesprochen und sie gebeten, in Zukunft Rücksprache mit mir zu halten. D.h. es stimmt: die Anmutung der Story war pro Emotionscan, obwohl es ursprünglich als reine Info darüber geplant war, dass es dieses Gerät gibt. So wie man ja auch darüber berichtet, dass es Astrologie gibt, ohne notwendigerweise zu bewerten, ob das Humbug ist oder nicht.

3. Es ist richtig: einen unabhängigen Experten zu befragen hätte der Story gut getan. Der Blick von außen hat gefehlt. Sorry!

Gudrun Stindl, Ö3

 

Autor: Ulrich Berger· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Tags: · ·

Kommentare (16)

Kommentar-Direktlink fatmike182· 30.06.10 · 23:46 Uhr

Wie fest muss man mit dem Zaunpfahl jetzt noch auf das Funkhaus draufschlagen, dass das Ende von Punkt 2) rational betrachtet wird?

Finde es extrem couragiert, dass sich die Redakteurin so äußert. Allerdings erklärt dieses Missgeschick noch nicht, wie der Beitrag auf die Website gewandert ist, oder?
Dass damit Esoterik aus ö3 ausgewandert ist, muss man leider auch bezweifeln - aber ein großer Schritt in die richtige Richtung

Kommentar-Direktlink Robert· 30.06.10 · 23:53 Uhr

In der Tat selten so ein Eingeständnis. Kommt vom ORF zur Richtigstellung vielleicht noch eine angemessene "Neubesprechung", die sich diesmal auf nachvollziehbare Ansichten und Fakten stützt ?

Zu Emotionscan gibt es auch einen Artikel bei EW:

http://esowatch.com/ge/index.php?title=Emotionscan

Kommentar-Direktlink Herbert Haas· 01.07.10 · 07:44 Uhr

Finde ich erfrischend ehrlich, Danke Frau Stindl!

Kommentar-Direktlink wolfgang· 01.07.10 · 09:03 Uhr

So wie man ja auch darüber berichtet, dass es Astrologie gibt, ohne notwendigerweise zu bewerten, ob das Humbug ist oder nicht.

Das wär aber mal gut zu bewerten die abendlichen Astrohours mit Gerda Rogers gehen derartig auf den Geist, dass es kaum zu beschreiben ist.
Da könnte man vernünftiger doch mal über Exoplaneten, Meteoriten etc pp berichten.

@Ulrich
Bitte mach die Gudrund zur Gudrun, vielleicht ist sie ja nicht rund?
Aber immerhin, das ist so eine Art finanzloser Gebührenersatz.

Kommentar-Direktlink Roland K.· 01.07.10 · 09:48 Uhr

Respekt!

Kommentar-Direktlink Philipp· 01.07.10 · 11:44 Uhr

Die Entschuldigung unter 3 mag ja so in Ordnung sein, aber Punkt 2 finde ich reichlich merkwürdig. Frau Stindl stellt also unkritisch ein Gerät vor, und nur die Anmoderation sollte kritisch sein. Egal ob mit oder ohne kritische Anmoderation, der Beitrag selber bleibt Werbung für das Gerät dieses Herstellers (daher greift mMn der Vergleich mit Astrologie nicht, denn das ist eine "Dienstleistung", die von verschiedenen Dienstleistern angeboten wird, nicht das Produkt eines speziellen Herstellers wie in diesem Fall). Es mag ja sein, dass dieses Vorgehen im "Verbraucherjournalismus" alltäglich ist, aber besser, oder professioneller, macht das die Sache auch nicht. Und Journalisten, die über etwas berichten ohne zu erwähnen, dass es Humbug ist, obwohl sie wissen, dass es Humbug ist, da Rollen sich mir so ein bißchen die Zehennägel hoch.

Kommentar-Direktlink excanwahn· 02.07.10 · 12:37 Uhr

Zitat: D.h. es stimmt: die Anmutung der Story war pro Emotionscan, obwohl es ursprünglich als reine Info darüber geplant war, dass es dieses Gerät gibt. So wie man ja auch darüber berichtet, dass es Astrologie gibt, ohne notwendigerweise zu bewerten, ob das Humbug ist oder nicht.(...)


Der Journalist Hanns Joachim Friedrichs gilt als Mahner in Sachen journalistischer Ethik: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“.

Dieses Ansinnen bezieht sich auf das here Gebot der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Was er damit sicher nicht gemeint hat, ist eine unkritische Berichterstattung, geschweige denn die völlig Neutralität der Schreiberzunft.

Insoweit muß man der Redakteurin an Herz legen, sich nicht als menschlicher Nachrichtenticker zu definieren, sondern Standpunkte zu beziehen und kritische Haltung zu demonstrieren!

Journalistische Arbeit bedeutet eben nicht, nur den Rezipienten zu informieren, sondern vielmehr, ihm die Einordnungen der Information und die Positionierung zu eben dieser zu ermöglichen.


Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 05.07.10 · 09:07 Uhr

Diese Antwort ist für mich typisch. Es wurde mal gerade zugegeben, parteilich berichtet zu haben. Aber wie schon ausgeführt, was ist das für eine Parteilichkeit?
Wenn man Moderatoren, Journalisten und Sendungsproduzenten etc. auf die Zehen tritt und ihnen aufzeigt, daß sie in welcher Hinsicht auch immer Mist gebaut haben und Humbug etc. als "Wahrheit" verkauft haben, dann ziehen sich diese Leute such die neutrale Berichterstattung zurück. O-Ton - wie berichten nur, wir bewerten nichts !!!

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 05.07.10 · 20:23 Uhr

Medien leben davon, daß sie konsumiert werden. Reichweite ist, was zählt. Der leider schon verstorbene Philosoph Neil Postman hat dies alles in seine Büchern ganz klar und einfach herausgearbeitet. Ich glaube er prägte den Begriff INFOTAINMENT. Es ist im Grunde völlig egal, worüber berichtet wird, es muß nur neu und aufregend sein. Der Inhalt ist blunzbuckelwurst. Der Bildungsauftrag ist lediglich eine Erfindung, um (Zwangs-)Gebühren einheben zu können.
Der Job verlangt die Erzielung von Reichweite und nicht Erkenntnisgewinn.

Kommentar-Direktlink h.t.· 06.07.10 · 19:56 Uhr

@ Dr.E.Berndt

Seien sie nicht so ungerecht. Dieser Tatsache verdanken sie als Apotheker ihren materiellen Wohlstand.
Apotheken leben zu einem guten Teil davon, dass sie Zeugs verkaufen, das Menschen von der Pharma und auch Alternativ-Medizin Produzenten über die Medien aufs Auge gedrückt werden.
Dabei ist es ihnen wahrscheinlich auch blunzbuckelwurst ob das SInn macht oder nicht, wenn nur die Kassa stimmt. Als Ausrede kann man immer noch den sogenannten Kontrahierungszwang anführen.
Die sogenannte Sorge um die Gesundheit ist lediglich eine Erfindung, um ordentlich abcashen zu können.
Der Job verlang die Erzielung von Umsatz und nicht von vernünftigem Umgang mit Medikamenten oder dem was sich als solches gibt. Nicht wahr?


Kommentar-Direktlink S.S.T.· 06.07.10 · 20:31 Uhr

@h.t.
A. Wilfert rides again.

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 06.07.10 · 22:08 Uhr

@h.t.
So einfach wie sie sich das denken, ist es nicht!
Wenn es mir blunzbuckelwurst wäre, diskutierte ich nicht und hätte auch kein Buch geschrieben!
Leider sind aber die Rahmenbedingungen ungerecht. Während die Vorschriften für "echte Arzneimittel" mit jedem Tag mehr und strenger werden, gilt für alternative, komplementäre und ganzheitlich Mitte nur das Umsatzrecht! Kein Patientenschutz weit und breit.

Kommentar-Direktlink michael· 06.07.10 · 22:20 Uhr

Da hab ich doch statt 'blunzbuckelwurst' 'blutzuckerwurst' gelesen.

Während die Vorschriften für "echte Arzneimittel" mit jedem Tag mehr und strenger werden, gilt für alternative, komplementäre und ganzheitlich Mitte nur das Umsatzrecht! Kein Patientenschutz weit und breit.

Beklagen Sie das bitte nicht zu laut. Sonst verklagt die Pharma Industrie unsere Regierungen wegen Diskriminierung vor den Europäischen Gerichtshof.

Kommentar-Direktlink h.t.· 06.07.10 · 23:37 Uhr

@ Dr.E.Berndt

Kann ich nicht ganz nachvollziehen. Was wichtig ist sind Regelungen über Bekanntgabe von Kontraindikationen und sogenannte Nebenwirkung, was eigentlich schon sprachlich eine Verharmlosung ist weil Nebenwirkungen nichts anders sind als Arzneimittelkrankheiten.
Ein Beispiel dafür. Es gibt grosse Langzeitstudien über Protonenpumpenhemmer die eindeutig darauf hinweisen, dass diese "Medikamente" auf lange Zeit gefährlich sind
für Knochenfestigkeit und ähnliches. Sie werden trotzdem häufig verkauft. Seit kurzem braucht man nicht einmal mehr ein Rezept dafür.

Und dort wo ich mich ein wenig auskenne, bei der Homöopathie, sitzt die Wissenschaft sowieso in der Falle. Weil etwas was nichts enthält (die Hochpotenzen)ja wohl auch keine Nebenwirkungen haben kann, ausser denen in ihrer Kassa.
Also muss man auch Niemanden schützen davor.
Ich glaube das das nicht so ist, aber sie müssen sich schon ziemlich anstrengen um mit Homöopathie zu schaden.
Wie auch immer, sie verdienen an beiden. Ich vergönne es ihnen auch, nur denke ich dass es auch in der Apothekerschaft mehr Menschen geben sollte, die, Kontrahierungszwang hin oder her, gemäss ihrem Gewissen Medikamente die sie für gefährlich halten, nicht verkaufen sollten oder wie im Falle der Homöopathie, die sie offensichtlich für Blödsinn halten, die Menschen von ihrer Ansicht unterichten. Aber da siegt wohl das Streben Gewinn zu machen.
Das ganze ist eine vom Geld des Sozialstaats, von Angst und Desinformation geölte Maschine, bei der so manche goldene Nase verdient wird, ohne dass es den Menschen wirklich nützt, im Gegenteil vielen Menschen schadet das was hier verscherbelt wird. Zu allermindest ihrem Geldbeutel.
Aber pecunia non olet und man kann sich ja dann in einem Buch darüber künstlich beschweren. Und noch einmal verdienen. Ist doch clever.

Kommentar-Direktlink notatall· 07.07.10 · 09:51 Uhr

"""" D.h. es stimmt: die Anmutung der Story war pro Emotionscan, obwohl es ursprünglich als reine Info darüber geplant war, dass es dieses Gerät gibt. So wie man ja auch darüber berichtet, dass es Astrologie gibt, ohne notwendigerweise zu bewerten, ob das Humbug ist oder nicht."""""

Wenn dem so ist, dass eine Produktvorstellung gleichzusetzen ist mir einer Information über Astrologie, habe ich für PR-Aktivitäten meiner Produkte sinnlos Geld ausgegeben. Für mich ist das ganz einfach eine "Schleichwerbung" da es offenbar kein vergleichbares Produkt gibt! Astrologie im Gegensatz dazu ist eine rein hypotetische Vorstellung einer Weltanschauung/Philosophie, nicht auf ein Produkt spezifiziert! Für jene die den Begriff "Anmutung" nicht kennen, dieser Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anmutung
Auch Geomanten muten, ebenso Leute die ein Pendel verwenden, auch alle Energetiker und sonstigen Scharlatane muten. Das geben die auch auf ihren Homepages und Unterlagen explizit an. Das fehlte mir bei der Sendung, dass es keine Wirkung objektiv (nach wissenschaftlichen Kriterien!)nachweisbar gibt!

Machen Sie einfach eine Sendung über Scharlatanerie und Quacksalberei, das wäre mutig!!!!!

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 07.07.10 · 14:33 Uhr

@h.t. und michael
Ich habe das ganz laut beklagt und darüber ein Buch geschrieben!
Offenbar ist ihnen das auch nicht recht und so ergehen Sie sich in dummen Diffamierungen, ohne sich eingehend informieren zu wollen!
Das Nachbeten zeitgeistiger Vorurteile und Verschwörungstheorien ist keine intellektuelle Glanzleistung.

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