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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.
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10.06.10 · 15:35 Uhr
Akademische Schüßler-Salze?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 61
Dr. Fritz Pröll, Apotheker, an Prof. Dr. Otto Schmut, Biochemiker:
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schmut!
Auf Grund einer guten Beschreibung ihres Buchs "Salze, Zucker, Spurenelemente" in "Die Presse" habe ich neugierig ihr Werk gekauft. Ich gehe auf, nach meiner Meinung, einige Ungereimtheiten gar nicht ein, sondern möchte nur an einem Beispiel gleich auf den Punkt kommen:
Auf Seite 65 schreiben Sie über Silizium. Darunter auch Ihre Angabe von 20 - 30mg Tagesbedarf beim gesunden Menschen. Am Ende der Seite wird angeführt, dass auch in der Palette der Schüßler-Salze Silicium verwendet werden kann. Also ein Hinweis für den Laien.
Darf ich Ihnen folgendes Rechenbeispiel vorführen:
Im Schüßler-Salz Nr.11 "Silicea" ist die Substanz mit D 12 potenziert, das heißt: In 100g Schüßlersalz, das sind 400 Tabletten, ist 0,000 000 1 mg (!) Silicium enthalten. Ihre Empfehlung als Tagesdosis lautet auf ca. 20mg (!). Da müssen sie 80.000.000.000 (!!) Tabletten einnehmen, und das pro Tag!
Gratuliere zu solchen wissenschaftlichen Aussagen! Bisher habe ich den Titel Univ.Prof. für das Bollwerk gegen zeitgeistigen Unsinn gehalten, aber wie gesagt, nur bis jetzt - leider!
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen und zitiere noch eine einfache, aber sehr kluge Tante: "Selberdenken macht gescheit!"
Ihr Dr. Fritz Pröll
Prof. Dr. Otto Schmut, Biochemiker, an Dr. Fritz Pröll, Apotheker:
Sehr geehrter Herr Doktor Pröll,
vielen Dank für Ihre freundlichen Bemerkungen zu unserem Buch. Es ist auch nicht akademisch gebildeten Laien bekannt, dass die Wirkung von Schüßler Salzen nicht geklärt ist und man sich fragt, warum so geringe Spuren überhaupt wirken. So hätte ich Ihnen als akademisch gebildetem Apotheker zugetraut, zwischen dem Tagesbedarf eines Elements und der empfohlenen Dosis von Schüßler-Salzen unterscheiden zu können, wie es die von Ihnen zitierte Tante sicher könnte.
Es muss also doch ein Universitäts-Professor einen Akademiker darauf hinweisen, genau zu lesen und die Dinge nicht falsch zu interpretieren, sonst müsste man um die Menschen bangen, die Ihre Apotheke betreten.
Schönen Wochenstart
O. Schmut
[Beide mails sind hier mit dem Einverständnis der Autoren veröffentlicht.]
Herr Schmut meint also, es sei bekannt, "dass die Wirkung von Schüßler Salzen nicht geklärt ist und man sich fragt, warum so geringe Spuren überhaupt wirken".
Das erstaunt mich nun doch einigermaßen. Denn Schüßler-Salze liegen selbst in der CAM-internen Hierarchie im Erdkeller. Dort teilen sie sich mit Bachblüten und Homöopathie nach Körbler den Status von Therapiemethoden, die so offensichtlich esoterisch sind, dass man nicht einmal in CAM-Kreisen ernsthaft behauptet, sie würden besser wirken als Placebo.
Und dann diese unsägliche Schüßler'sche "Antlitzanalyse". Muss man derlei junk-Diagnostik heute noch ernsthaft diskutieren? Ich denke nicht.
Was treibt den Biochemiker Schmut dazu, solche Behauptungen über die "Biochemie nach Schüßler" aufzustellen?
Ich weiß es nicht, aber die Tatsache, dass fast ein Dutzend Seiten in seinem Buch mit völlig unkritischer Schüßler-PR der Stellvertretenden Vorsitzenden der Schüßler-Gesellschaft gefüllt sind (siehe Bild links), lässt in mir so eine gewisse Ahnung hochkommen.
Autor: Ulrich Berger· 61 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (2)
Einen in der Schüßel ? · austroscepticus · 11.06.10 · 00:11 Uhr
Wenn es acht-und-kracht. Und die Homöopathie versagt. Wen ruft ihr dann? Schüßler! Na gut, mit diesem Text kann man keine Hit-Single produzieren. Da müssen schon Geister oder ähnliches her. Aber es reicht allemal, sein Produkt von Apotheken verticken z... ...mehr
Profit durch Kundenverdummung am Beispiel Schüßler-Salze · Kritisch gedacht · 11.06.10 · 16:29 Uhr
Wer sich nach unserem letzten Beitrag über Schüßler-Salze ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, auf welcher Seite wohl die österreichische Apothekerkammer im Konflikt zwischen Ethik und Profit steht, der kann sich anhand von Ausschnitten aus der Öste... ...mehr
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Kommentare (61)
Was mich bei sowas immer interessiert: Glaubt er selber dran oder ist er ein zynischer Geschäftemacher? Da ich bei den meisten Menschen zunächst mal von guten Absichten ausgehe, vermute ich eher ersteres. Bildung schützt vor Aberglauben nicht. Jedenfalls nicht immer.
@Ulrich
"...lässt in mir so eine gewisse Ahnung hochkommen."
geschmiert, gekauft?
Ich wüsste zu gern, ob der Professor nur dreist oder gleich dummdreist ist.
(verlässt kopfschüttelnd die Kommentarspalte, mannmannmann-murmelnd)
antlitzanalyse … ich dachte, das gibts nur beim türsteher.
Ich hörte, dass so manche Patienten über mehrere Wochen 60 oder 80 Tabletten Schüßler Salze täglich futtern - die Dosierung ist nämlich von Biochemiker zu Biochemiker anders.
Analog zu den Piraten-Glaubuli denke ich spontan an bunte Schüßler-Salze in verschiedenen Geschmacksrichtungen - aber Mist, Jelly beans gibt es bereits...
Ein nettes Fundstück. Wie kommt man denn an so etwas Herr Berger?
Das ganze riecht aber schon sehr stark nach einer typischen Amigo-Vetternwirtschafts-Pharmafia-Verschwörung. Wenn Roche oder Bayer so etwas machen, dann ist ja der Aufschrei gewöhnlich (zu Recht!) ungeheuerlich. Da es hier aber ja lediglich um eine Abspaltungslehre der Homöopathen geht dürfte das ganze wohl weitestgehend versanden.
@ Minerva
Bunte Schüsslersalze, hm. Vielleicht gilt da ja auch das, was über M+Ms getuschelt wird: the green ones make ya horny...
Bin ich doch froh, kein Univ.Professor zu sein. Als Laie fällt es mir leicht, in meiner Vergangenheit "unobjektiv" natürlich zu graben, dabei kam heraus, dass mein Onkel, ein akad.gebildeter Arzt, schon vor Jahrzehnten diese wie er sagte kriminelle Energie einiger Professoren ebenso jedoch von Ärzten und Apothekern zu kanalisieren ist. Unter kanalisieren darf ich mir ja, als Laie, vorstellen, dass diese Typen in den Kanal gespült werden, dann wäre diese Sache, die man ja Causa nennt vorbei. Doch da es schon seit Jahrtausenden auch Erfahrungswissen in der Irre gibt, wird es wohl weitergehen, statt dass im medizinischen Bereich endlich aufgeräumt wird! Doch wir Österreicher sind halt wirklich Irrtumsanfällig, wie ein St.Pöltener Bischof einmal sagte, diese Irrtümer machen auch nicht vor Univ.Professoren halt.
P.S.: Die versursacher der sogenannten Finanzkrise, waren auch überwiegend akademisch gebildete Menschen. Neid und Gier tötet Mensch und Tier. (Urgroßmutter)
Ob Salze, Glaubuli oder Lichtfasten. Die erste Frage ist komischerweise nie OB das Zeug überhaupt funktioniert. Das wird anscheinend vorausgesetzt. Klar, sonst würde man doch kein Buch darüber schreiben. Logisch, oder? Wer schreibt schon Bücher über Dinge, deren Existenz nicht mal geklärt ist?
Die Ironie daran ist das Silicium darin, oder so ;-)
martin·
10.06.10 · 18:41 Uhr
Eben. Vor allem die Frage, wie einem das als „akademisch gebildeten Apotheker“ entgangen sein könnte, dass endlos verdünnter Hokuspokus überall in Fachpresse seit Jahrzehnten gefeiert wird und die evidenzbasierte Medizin aufgerollt hat! Als wenn die Wirkung fraglos bewiesen wäre. Das reality distortion field scheint bei dem Mann sehr ausgeprägt zu sein, sollte er an den Bockmist glauben, wovon ich ausgehe.Unfassbar, dass ein Professor nicht zuerst nach Beweisen fragt, wenn er irgendetwas unglaubliches hört. Ich zweifle langsam an meiner eigenen akademischen Bildung. ... seufz.
die arroganz, in der antwort noch mal herauszustreichen, dass man "universitätsprofessor" ist, erstaunt schon sehr.
und dass man offenbar universitätsprofessor werden kann, wenn man an esoterischen wunderzauber glaubt, ist immer wieder traurig.
Ich kann Herrn Schmut nur Mut zusprechen. Er soll sich von den Mainstream-Wissenschafts-Bulldozern nicht platt planieren lassen.
Im Übrigen sagen Titel wie Dr. oder Prof. nichts aus, das sieht man ja auch hier bei Scienceblogs.
H.O
Herr Ogmann, höre ich da ein wenig Verbitterung aus ihren Worten?
:D
@florian aigner
"und dass man offenbar universitätsprofessor werden kann, wenn man an esoterischen wunderzauber glaubt, ist immer wieder traurig."
Naja, was sind denn akademische Titel anderes als "esoterischer Wunderzauber" ?
Akademische Titel haben m.E. noch nie etwas über tatsächliche Kompetenz ausgesagt.
In 90% der "Lehrveranstaltungen" lernt man doch nichts was man sich nicht selber in der Universitätsbibliothek erarbeiten kann (Von Fachbereichen die Zugang zu bestimmter Technik erfodern mal abgesehen).
Klar is der Titel letztlich nichts anderes als ein Gesellen- oder Meisterbrief im Handwerk - Ein Nachweis darüber dass man sich bestimmtes, gefordertes Wissen angeeignet hat und es anwenden kann - Aber das sagt immer noch nichts über tatsächliche Kompetenz aus. Jeder der einen Führerschein hat, hat auch die zugehörige Prüfung bestanden. Deshalb ist aber noch lange nicht jeder der einen Führerschein hat auch ein guter Autofahrer...
@HO
Ist doch völlig wurscht, ob es ein "Mainstream-Wissenschaftler" (im Gegensatz zu...ja was denn eigentlich?) oder ein Zeitungsverkäufer ist, der dem Hrn. Prof. mitteilt, dass er irgendwie nicht ganz verstanden hat was es mit dem ominösen Begriff Wissenschaft auf sich hat und dass Magie ins Märchenbuch gehört.
@martin
Nah, nur ein Standardbeitrag :D
@koz
Erzähl das den Menschen, die autoritätshörig sind und bei der schlichten Erwähnung von Herr Professor/Doktor/Kommerzialrat/Minister auf die Knie fallen und alles kritiklos aufsaugen.
@H. Ogmann
Sie brauchen - zur Identifizierung der Biochemie nach Schüßler als absurden Quatsch -
keine akademischen Bulldozer, das kriegen Sie auch mit Allgemeinwissen hin.
Diese Therapie ist so grottendummdämlich, dass man sich schon als Anwender lächerlich macht, wer den ganzen Blödsinn auch noch propagiert, gehört in einem großen Kessel "Heiße Sieben" gut durchgegart, und dann unter Milchzucker begraben.
Als Ergänzung zu Ulrich Bergers Beitrag:
http://excanwahn.wordpress.com/2009/10/31/beschuslersche-biodingsbums/
@ excanwahn: :-))) genialer Artikel, hat eine Doppelverlinkung verdient!
http://excanwahn.wordpress.com/2009/10/31/beschuslersche-biodingsbums/
Wer als (angeblich) promovierter Biochemiker solchen Schmarren erzählt, hat sein Hirn auch in der 12. Potenz erhalten.
Ich habe hier einen Teil gelöscht. Bitte um Mäßigung! UB
und da frage mich eher, wie kann jemand behaupten er wissen welche dosis er empfehlen kann ohne ohne die kenntnis darüber zu besitzen wie es überhaupt wirkt ? so frei nach dem motto... "nehmen sie täglich halben liter gülle zur sich... ich weiss auch nicht wie es wirkt aber es wirkt... alle kotzen nämlich danach"
also zu so einem arzt möchte ich nicht hin müssen wenn ich krank werde.... nicht im traum :)
@H. Ogmann
mich würde jetzt an dieser stelle interessieren was Sie hier glauben erblickt zu haben ? meinen Sie vielleicht, dass der oft lockere, vielleicht etwas belustigender umgangston, oder sogar... gott behüte... ein anflug von puren menschlichen emotionen der hiesigen bloger, sie für einen akademischen titel unwürdig machen ? ich stelle diese frage, weil anderen zusammenhang kann ich, in bezug auf ihren kommentar, nicht erkennen. denn faktisch sind die ausfühungen der bloger durchaus korrekt. zumindest meine ich damit die bloger die sich hier öfters zur der thematik pseudowissenschaft und esoterik äussern. also nehme ich an, das von Ihnen nicht der wahrheitsgehalt angeprangert wird sondern wie es vorgetragen wird.
@nihil jie
Du grenzenloser Opimist, du!
Bis zu
hielt ich diese Schreiben für eine Art zeitgenössischen Filserschen Briefwexel.
auch hier eine wunderschöne werbesendung für schüssler-salze.
http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2010/0607/05_schuessler_salze.jsp
dafür zahlen wir gebühren.
protestmails bitte hier einwerfen:
gesundheit@wdr.de
Weh
teh
Eff
?
Hab mal dilletantisch eine Protestmail zusammengehackt. Bin auf die Antwort gespannt, obwohl ich ja gar keine Frage gestellt habe. Egal.
@Thomas J
hmmm... also ich halte mich da eher selbst für einen recht ungezügelten zyniker mit anflügen von misanthropie ;) aber ich bin für jede art positiver modifikationen meines ichs dankbar... bitte bitte schreib das mit dem optimisten noch ein mal... nur für mich *grins
@@Thomas J
und schon wieder nachschlag *tztz
ja lieber Thomas... und wenn ich so was höre wie "Du bist ein Optimist" dann fängt mein körper seine körpereigenen glücksglobuli an zu produzieren ;)
cool martin. so ähnlich hab ich das auch formuliert. in den zuschauerredaktionen geht man, soviel ich weiß, von einem faktor 1:5000 bei beschwerden aus. jede mail steht für 5000 unzufriedene zuschauer. ist quasi ein hebelprodukt *fg*
@martin
Super geschrieben :)
Ich war Mitglied einer Kommission die für die Akkreditierung von Fortbildung für Apotheker und Apothekerinnen zuständig ist.
Ich habe meine Mitgliedschaft zurückgelegt, weil auch Schüßlersalze, Homöopathie und dergl mehr für fortbildungswürdig gehalten wird.
Dr. Edmund Berndt
Atterseestraße. 57
A-4860 Lenzing
Österreichische Apothekerkammer
Spitalgasse 31
A-1091 WIEN Lenzing, am 30.03.2010
Sehr geehrter Herr Präsident Mag. Burgasser!
Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Mag. pharm. Dr. Körner!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der Akkreditierungskommission!
Nach reiflichen Überlegungen habe ich mich entschieden, meine Mitgliedschaft in der Akkreditierungskommission zurück zu legen.
Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass mein Bemühen, die Fortbildung frei von Unbildung zu halten, zu keinem Ergebnis führte. Meine bisher vorgebrachte Kritik bewirkte einzig, dass offenbar viel nachgedacht wurde, wie die so genannten alternativen, komplementären und ganzheitlichen Lehren und Mittel doch in die Fort- und Weiterbildung eingebracht werden können. Es ist evident, dass nunmehr als Fortbildung betrachtet wird, Inhalte, die größtenteils allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen spotten, unreflektiert zum Nachbeten als Bildung vorzutragen und mit Bildungspunkten zu belohnen.
Darin sehe ich grundsätzlich eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit unseres Berufes und einen nicht zu überbrückenden ethischen Konflikt.
So ist die Homöopathie – sie sei hier stellvertretend für die meisten alternativen, komplementären und ganzheitlichen Heillehren angeführt – heute als ein Hauptvertreter alternativer Medizin zu sehen. Sie ist das Paradebeispiel schlechthin einer vorgetäuschten Wirksamkeit, wofür Geld verlangt wird.
„Theoretisch“ hätte man zum Zeitpunkt ihrer „Erfindung“ noch behaupten können, daß Homöopathie echt wirkt. Aber heute kann diese Annahme als Rechtfertigung nicht mehr aufrecht erhalten werden. Schon vor 200 Jahren geriet die Homöopathie, wie jeder Pharmazeut weiß, in einen unauflöslichen Konflikt mit der Naturwissenschaft. Und heute, wo wir dank der Wissenschaft erfolgreicher und sicherer als jemals zuvor in Medizin und Pharmazie den Menschen helfen können, ist die Unwirksamkeit der Homöopathie augenscheinlich.
Von einer echten Wirksamkeit der Homöopathie, TCM, Bachblüten, Schüsslersalze usw. auszugehen, hieße also schlicht und einfach, die gesamte Naturwissenschaft neu schreiben. Sämtliche naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind grob falsch. Alle Nobelpreise sind nichtig. Die zahlreichen Ungereimtheiten und Widersprüche würden eine totale Revision aller naturwissenschaftlichen Tatsachen erzwingen. Die sogenannten Wirkungen, wie sie berichtet und beobachtet werden, können mit dem Wissenstand von heute durchaus zufriedenstellend und damit besser erklärt werden, als mit Mythen von unbekannten Kräften.
Wozu soll überhaupt irgend etwas studiert werden, wenn das im praktischen Berufsleben bedeutungslos ist? Wer heute kausale Wirkungen von Heillehren und Heilmitteln, wie diese für die Homöopathie, TCM, Ayurveda und dergl. mehr beschrieben werden, für echt „möglich“ hält, und daher das Anbieten von entsprechenden Mitteln dafür für notwendigen patientenfreundlichen Service erachtet, muss, so er konsequent ist, auch Unterstützung in Handlesen und Astrologie anbieten und auch die „Erkenntnisse“ dieser Pseudowissenschaften ins Apothekengeschäft integrieren. Das ist keine Übertreibung, denn in der Anthroposophie werden astrologische Aspekte berücksichtigt und die diagnostische Qualität der Gesichtsanalyse, die zum Verkauf der Schüsslersalze in den Apotheken praktiziert wird, ist gleich dem Handlesen. Am 16. April 2010 feiert man in den OÖ Apotheken den 2. Schüsslersalztag.
Die Wiederkehr der Hexerei und ihre Auswirkungen werden somit zum Thema. Auch Hexen und ein Exorzismus können „medizinisch“ gesehen genau so höchst erfolgreich wirken, wie alternative Heilmethoden und bedürfen eines pharmazeutischen Beiwerkes, das ebenfalls angeboten werden kann. Warum nicht wieder Hexensalben herstellen? Die gesellschaftliche Akzeptanz für derartiges war Jahrhunderte lang gegeben, und warum sollte es nicht wieder sein?
Wo liegt denn der Unterschied zwischen einer gesellschaftlichen Akzeptanz des Wallfahrens seinerzeit - worüber wir heute lächeln - und einer TCM, die neuerdings an der MED-Uni Wien angeboten wird?
Das gemeinsame Merkmal der Wirksamkeit einer himmlischen Gottesmutter, des göttlichen Qi der TCM und der vielbeschworenen Feinstofflichkeit, die als Pseudoerklärung für einen Wirkmechanismus der Homöopathie kursiert, ist, dass diese Begriffe nichts Existentes bezeichnen, aber in den Köpfen der Behandler und Behandelten existieren und derart die Wahrnehmung verändern, daß Unlogisches logisch erscheint.
Eine Fortbildung sollte bei der Erörterung dieser Widersprüche beginnen, tut es aber nicht. Die Widersprüche werden ausgeblendet und es wird geflissentlich verschwiegen, daß eine Wirkung in naturwissenschaftlich kausalem Sinn fehlt. Diese und andere wesentliche Informationen werden unterdrückt und man beteiligt sich so mehr oder weniger an einem Schwindelzirkus. Das dürfte auch vielen Apothekern und Apothekerinnen am Rande bewußt sein. Mit entsprechenden Scheinargumenten wird daher argumentiert, um das Geschäft damit zu rechtfertigen.
Allein, die Argumente sind schwach. Sie entbehren der Stichhaltigkeit und sind daher nichts als Ausreden. Sie beeindrucken Unwissende und Uninformierte und sind durchaus brauchbar, um sich gegenseitig Lauterkeit und Fachkundigkeit zu bescheinigen.
Ich verspüre das völlige Unverständnis, sich mit weithin unwirksamen Methoden ehrlich auseinanderzusetzen. Die Konsequenz jeder Diskussion kann doch nicht darin bestehen, krampfhaft alles und jedes ins Geschäft einzubauen und jede Art von Aufklärung in der Fortbildung auszuschließen. Wenn die Bereitschaft fehlt, über die Widersprüche ernsthaft nachzudenken und diese auch zu transportieren, werden andere darüber nachdenken, wozu Apotheker und Apothekerinnen überhaupt ausgebildet werden und im Gesundheitswesen gut sein sollen.
Eine Führungsrolle, und damit eine Anerkennung besonderer Leistungen im Gesundheitswesen, kann letztlich doch nur dann eingenommen und angestrebt werden, wenn man als Berufstand bereit ist, den immer mehr werdenden negativen Ergebnissen endlich Rechnung zu tragen. Dazu gehört im Rahmen der Fort- u. Weiterbildung, nachzudenken, wie die Kunden im weitesten Sinn darüber aufgeklärt werden könnten. Wer das ins Auge fasst, bietet den Patienten letztlich mehr und leistet im Gesundheitswesen besseres als angelernte Hilfsjournalisten der Disziplin Wellneßschreiberei.
Ich sehe eine Chance für die Zukunft der Apotheke nur, wenn man bereit ist, sich von der Renaissance des Aberglaubens zu distanzieren. Das geht sicher nicht von heute auf morgen, aber man sollte es beginnen und doch versuchen, den Patienten darüber einen reineren Wein als bisher einzuschenken. Nicht überall, wo Medikament draufsteht, ist auch Medikament drinnen. Nur wer bereit ist, darüber zu reden, wird sich von den vielen kleinen und großen Hamers im Gesundheitswesen unterscheiden.
Wir müssen darüber nachdenken, wie wir echtes Wissen weitergeben wollen, und nicht die ganze Energie darauf verwenden, den Kommerzkakao pseudomedizinischer Informationen aufzuwärmen. Die Vergabe von Fortbildungspunkten ändert an der Unwirksamkeit nichts!
Die Apotheken avancieren zu einer kostenlosen Plattform für jeden x-beliebigen Heilsbringer. Die Lobby der Homöopathieerzeuger, der Bachblütenmixer und Tablettenpresser von Schüsslersalzen mißbraucht auf schäbigste Weise den guten alten Ruf der Apotheken. Man fragt sich ernsthaft, wofür das institutionelle Bewußtsein einer sogenannten Apothekenqualität in der Bevölkerung einst mühsam erarbeitet wurde, wenn jetzt die Apotheken endgültig zu einem Hademar Bankhofer Outlet umgestaltet werden.
In diesem Sinne darf ich um Verständnis für meine Entscheidung bitten. Ich sehe eben keine Mehrheit, dieses Problem in Angriff nehmen zu wollen.
Ich bin mir durchaus bewußt, daß ich in der Praxis gezwungen bin, Kompromisse einzugehen. Aber ich wünsche mir nicht das Überhandnehmen von Kompromissen. Je größer das Ausmaß ist, um so unstatthafter wird es sein. Ein Fort- und Weiterbildung sollte das Ziel haben, die Zahl der Kompromisse zu senken und nicht eine Rechtfertigung bieten, diese kompromißlos auszuweiten.
Mit freundlichen Grüßen
Danke für die Blumen! :) Ein paar Rechtschreibfehler sind in der Eile dringeblieben und bekloppterweise hab ich auch vergessen, überhaupt die URL meines Blogs mitzuteilen ...
@ Dr. E. Bernd
Wow! Wie war die Reaktion? Konnten die Kollegen ihren Standpunkt immerhin nachvollziehen?
@Martin
Abgesehnen von wenigen gleichgesinnten Apothekern und Apothekerinnen
- relativ nullig!
Dr. Berndt: na, DIE Antwort der Angesprochenen möcht ich aber mal lesen.
Hexensalben. Das sollte den Irrsinn nun auch dem letzten Weichspüler klarmachen.
Hier geht's übrigens weiter...
http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/06/profit-durch-kundenverdummung-am-beispiel-schusslersalze.php
Die Ahnungslosigkeit der WDR-Redakteure (http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2010/0607/05_schuessler_salze.jsp) wird ganz am Ende des Beitrags nochmal sehr deutlich:
Lactoseempfindlichen werden statt Tabletten lieber Globuli (Zuckerkügelchen) angeraten.
Nachtrag:
Wie ich inzwischen erfuhr, basieren die Schüßler-Globulis auf Rohrzucker statt Lactose.
Da sag noch einer, die HÖ entwickelt sich nicht weiter ;-) Jetzt auch allergikerfreundlich...
Die sind sicher auch glutenfrei ;-)
...sollte es nicht eigentlich "Schüßler-Zucker" heißen ???
& zur Anlitzanalyse auch bekannt als "Irisdiagnose" :NATÜRLICH FUNKTIONIERT DAS!!!
& zwar ganz einfach:
1. man suche sich ein leichtgläubigen Patienten
(möglichst ohne schwere Vorerkrankung)
2. man schaut Ihr/Ihm ca. 2-3 min. tief in die Augen
(aber nicht so wie wenn man streit sucht sondern mehr analytisch & fachlich oder so)
3. man greife zu Stift & Papier und notiert sich was
(z.B. die eigene telfon nr. oder so -CAVE: patient darf das nicht lesen)
4. man diagnostiziere mit ernster aber gut gemeinter Miene:
"Liebe Frau /Herr ... ihre Darmflora ist im Arsch...
so, mit der aussage liegt man eigentlich fast immer richtig denn wenn sie mal nicht im Arsch ist kann man das einem wirklich ansehen nähmlich in Form einer Facies hippokratica bei der Blutvergiftung
wahlweise kann man dann noch sowas sabbeln wie:" ...um das homeostatische gleichgewicht zu erhalten verschreibe ich ihnen Schüßler, Bachblüten oder einfach nur ne dicke Rechnung & gute besserung
...es kann nur einen geben..
jaaa, aber das kann doch einen positiven effekt haben: der lactoseempfindliche nimmt das zeug und verträgt es nicht. also läst der (bestenfalls) die finger davon.
@radicchio: jaaa, aber diese Pfuscher sagen dem armen Kerl, dass wäre die Erstverschlimmerung.
Anlitzdiagnose ist nicht Irisdiagnose.
Beide ist jedoch Pseudo und Humbug.
mir war so als ob...
sorry
Ist es nicht so, das gerade die Homeop. Medizin mit Ihren Spurenanteil in einer Tablette die unerklärliche-undefinierbare Wirkung ausmacht? Ein Beispiel am eigenem Leib: Ich habe nach 2 Antibiotikakuren noch immer eine sehr starke Bronchitis gehabt und mir ging es schlechter nach den 2 Runden Antibiotika als vorher. Mein HNO Arzt gab mir dann ein kleines Tablettenröhrchen und sagte zu mir 3 mal täglich 6 Kügelchen im Mund zergehen lassen. Ich sagte zu Ihm was das ist und er meinte nur ein Homeop. Mittel in den der Wirkstoff nur in jeder 1000´sten Tablette nachgewiesen sei, aber trotzdem würde es der schnellen Heilung helfen. Ich sagte zu Ihm: "Toll ich bin Student der Wirtschaftswissenschaften und somit mit Zahlen ein wenig vertraut, das nehme ich nicht denn die Chance der Heilung ist gleich Null" Er meinte das er es auch nicht erklären könnte, sonder das ich es einfach mal probieren solle, und wenn es nicht besser wird dann sollte ich in 3 Tagen wieder kommen. Na und nun dürft Ihr Schlaumeier mal raten. Richtig: nach 2 Tagen war ich wieder Fitt wie ein Turnschuh, ich überbewerte diese Heilung nicht aber vertraut habe ich dem Mittelchen auch nicht aber scheinbar muss es doch was bewirkt haben?!
LG Chris (Teilzeitstudent der Wirtschaftswissenschaften in Hagen)
@ Chris:
scheinbar muss es doch was bewirkt haben?!
Nein, muss es nicht. Sie begehen den post-hoc-ergo-propter-hoc Fehler, auf dem fast alle Heilanekdoten beruhen. Sie können nicht ausschließen, dass es doch die Wirkung der Antibiotika war, oder der natürliche Krankheitsverlauf.
Eine Bronchitis kann Wochen!!! dauern. Es ist leider so, daß im Zuge des allgemeinen Meinungsdruckes Ärzte dazu neigen, den Patienten, damit diese bei längeren Genesungsphasen nicht "davonlaufen", dazu neigen, ihre Patienten "homöopathisch" zu beschäftigen.
Natürlich besteht die Tatsache noch, dass es keinerlei Beweis für die Wirkung der Schüssler Salze gibt, doch solange Menschen durch diese Mittel gesund werden, sei es durch die Salze oder das eigene Immumsystem, was die Krankheit bekämpft hat - wird es Anhänger dieser Alternativen (gesunden) Medizin geben. Da versuch ich doch lieber - natürliche Homöopathie anzuwenden, als meinen Körper gleich mit Chemie zu vergiften.
Dennoch ein interessanter Artikel!
@Thomas
Da versuch ich doch lieber - natürliche Homöopathie anzuwenden, als meinen Körper gleich mit Chemie zu vergiften.
Was an der Homöopathie ist ihrer Meinung nach "natürlich"?
Worin genau besteht für sie der Unterschied zwischen "natürlich" und "Chemie"?
Und wer zum Teufel hat ihnen zu einer "Vergiftung" geraten?
@Thomas,
1. Sie sollen doch nicht gleich die ganze Tablettenpackung auf einmal einnehmen!
2. Was ist an "Arsenicum" oder "Nux vomica" (Strychnin=Rattengift) denn bitte ungiftig?
3.Wieso schmeissen sie Geld für überteuerten Trauben/oder Milchzucker heraus statt einfach die Natur/das Immunsystem/Ihren Körper seine Arbeit machen zu lassen?
Zuviel davon über?
@Muddi & theBlowfish
Falscher Fehler.Einmal seinen Namen anklicken. Sieht so aus, als ob der kassiert, indem er überteuerte industriell hergestellte Zuckerkügelchen als "gesunde" Medizin und "natürliche" Homöopathie verscherbelt.
Schaade, dass der Beitrag schon ein Jahr alt ist, sonst hätte ich Chris seine wundersame Heilung durch die geheimnisvolle Kraft der Globuli so prima erklären können...
Es tut mir leid, ich hab wohl ein wenig forsch geantwortet. Schauen Sie sich doch bitte mal meinen Link an
http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/unser-taeglich-gift-warum-wir-immer-kraenker-werden
Und durchstöbern Sie bitte diese Seite.
Iiiiiiiigitt, da brauchte ich nicht lange zu stöbern um über Berge von Bullshit und sogar Antisemitismus zu stolpern. Danke nein!
Warum ist Scheisse braun? Weil braun schon immer scheisse war. Und bloss weil Millionen Fliegen Scheisse fressen, muss ich das noch lange nicht, denn ich bin keine Schmeissfliege.
Bitte schön....
Damit ist es das an Diskussion für mich gewesen.
In Thomas link findet man z. B. solche Perlen:
"schwarze Helikopter", "Orgon", "Wissenschaft am Ende", "Allheilmittel gegen Krebs ... "Bullshit ist ein schwaches Wort dafür. Wer sowas glaubt, glaubt auch an Schüßler Salze ...
@ Thomas
Es tut mir leid, ich hab wohl ein wenig forsch geantwortet.
Nein. Sie haben noch auf keine einzige Frage geantwortet.
Hallo.
Wie nimmt man die Schüssler Salze ein?
In Wasser aufgelöst oder einfach so lutschen?
Besten Dank und weiterhin alles gute!!!
Werbelinks modifiziert
10 kg im Block aufn Kopp kloppen. So fest wie geht. (Bei Reklamebots krisch isch Tourette.)
Nein tatia, nimm Bullet nicht ernst.
Du nimmst 125 Gramm der Salze und löst diese mit 2 Esslöffel Milch & 3 Esslöffel Zucker auf.
Danach gibst du sie in die Spezielle Schlüsslersalzsäpfchenform und frierst diese für ca. 10 Stunden ein.
Danach hinten rein und 4 Tage nicht groß aufs WC gehen!
@ Bullet:
Ich bin fürs anale Einführen eines einzelnen Megaglobus. Da wird dann wenigstens der Placeboeffekt ordentlich gefüttert (was so weh tut, muss einfach helfen).
@Dr. E. Berndt, 11.6.2010
Meine Hochachtung!