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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.
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18.10.09 · 14:18 Uhr
Manuel Horeths Bungee Jump
· Kommentare: 15
Auf ORF-1 läuft seit einiger Zeit jeden Freitag „Der Mentalist". Eine Trickzauberer-Show mit Manuel Horeth, einem recht geschickten Zauberkünstler, der stets ein ironisches Schmunzeln im Gesicht trägt.
Aber manchen Zusehern verursachen Horeths Kunststücke Gänsehaut. Vielleicht weil viele nicht mitbekommen haben, was er in der ersten Sendung gesagt hat: Seine Kunst bestehe aus „normalen Zaubertricks, gemischt mit Psychologie und Suggestion". Nein, Herr Horeth hat nicht ernsthaft behauptet, übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen. Dafür danke. Nur der ORF übertreibt gern ein wenig:
„Manuel Horeth hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Er liest nicht nur Gedanken, er blickt auch in die Zukunft und verursacht bei seinen faszinierenden Auftritten Gänsehaut beim Publikum. 'This man is absolutely mindblowing and I love his Austrian charme!' sagt der Vater aller Mystifier, Uri Geller, über Manuel Horeth. In der ORF-Hauptabendshow wird Manuel Horeth, der Mentalist, das Handeln von Menschen beeinflussen, in ihr Unterbewusstsein dringen und Prophezeiungen machen, die schließlich auch tatsächlich eintreffen und unglaubliche Phänomene vollbringen." Naja...
Nicht wenige Skeptiker sind Hobby-Zauberer, auch ich. Und es gehört zur Zauberer-Ehre, Tricks grundsätzlich nicht zu verraten. Deshalb möchte ich das auch hier nicht tun - lediglich als Randnotiz anmerken, dass ich nicht alle Tricks Horeths durchschaue. Nur ca. 50%, wie etwa die vor großem Publikum präsentierte schriftliche Vorhersage eines Fußballspiel-Ergebnisses. So simpel - und doch so effektiv!
Aber einen „wunderbaren" Effekt können Sie vielleicht selbst erraten. Großartig verkündete die adrette Sprecherin, heute gehe es „um Leben und Tod". Manuel Horeth ließ eine Passantin zwischen drei Bungee-Jumping-Gummiseilen wählen. Nur eines sei in der richtigen Länge, sagte er ihr. - Zuerst fiel das erste Gewicht - groß mit „75kg" beschriftet - vom Kran. Es prallte auf. Das Seil war zu lang - wenn das Horeth gewesen wäre...?!
Dann sprang der Zauberer selbst - und gleichzeitig fiel das zweite Gewicht - ebenfalls groß mit „75kg" beschriftet. Ein Wunder: Manuel Horeth überlebte. Das 75kg-Gewicht prallte am Boden auf.
Meine Rätselfragen an Sie:
- Wie schaffte er es, dass die unbeteiligte Dame das richtige Gummiseil fand?
- Spielte „der Mentalist" wirklich „Russisches Roulette", wie der ORF schreibt?
- Und: Steht auf den großen Hanteln der Jahrmarkt-Muskelprotze wirklich immer das richtige Gewicht? ;-)
Enttäuschend, oder?! Ja, wer nicht ent-täuscht werden möchte, der will getäuscht werden...
Autor: Erich Eder· 15 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (15)
Erich,
Ich habe die Sendung nicht gesehen. Gibt es vielleicht einen YouTube oder ähnlichen Link?
Aber wenn du uns schon mit dem Hinweis falscher Gewichte verwöhnst:
- vielleicht waren alle Seile für Horeth gleich geeignet und die angeblichen 75-kg-Massen in Wirklichkeit deutlich schwerer?
- natürlich wäre es genau so möglich, dass die angebliche Passantin eingeweiht war.
Für mich ist Zauberkunst etwas, das nur live funktioniert. Für Erfindungsreichtum und Geschicklichkeit von Zauberkünstlern habe ich große Bewunderung. Aber im Fernsehen bin ich es gewohnt, von allerlei Spezialeffekten getäuscht zu werden. Wenn im Fernsehen jemand Tricks vorführt, die genau so gut durch Computer erzeugt werden könnten, oder wenn nicht der Zauberkünstler, sondern der Kameramann dafür sorgen könnte, dass wir den entscheidenden Handgriff nicht sehen, dann geht der (pardon) Zauber verloren.
Bin zwar kein Physiker, aber kann es sein, dass Luftwiderstand bei Bungie eine Rolle spielt?
vielleicht hat Manuel vor dem Sprung viele Bohnen gegessen, sein Bauch war aufgebläht und hat ihn ähnlich wie einen Gas-Luftballon etwas nach oben gezogen - also Glück gehabt, dass er nicht zu viel davon gegessen hat und davongeflogen ist ;-)
Die Gewichte waren wohl nicht gleich schwer. Das eine enthielt 75kg Blei, das andere 75kg Federn.
Wurden denn die Gewichte voher live gewogen, oder waren die Aufschriften die einzigen Anhaltspunkte?
Hugo,
Luftwiderstand spielt schon eine Rolle. Die Details sind ziemlich kompliziert (der Luftwiderstand hängt u.a. davon ab, ob jemand mit dem Kopf nach unten fällt oder sich nach Art der Fallschirmspringer breit macht). Aber bei einem Sprung aus zum Beispiel 100 m Höhe kann man ihn noch halbwegs vernachlässigen.
Steht doch schon im Beitrag. Die Gewichte waren einfach schwerer, als der Zauberer.
Viele Dinge finde ich ganz toll, vor allem, wenn ganz normale Menschen nicht über Leben und Tod von Manuel Horeth entscheiden müssen. Das finde ich echt eine Frechheit und ganz schlimm!!!! (Bungy-jumping)!
g.r.
Eine viel einfachere Erklärung: Beide Seile waren kurz genug; an einem sprang Horeth runter, das andere wurde gegen ein langes Seil für den 75kg-Sack ausgetauscht. Die Kamera zeigte ja minutenlang nur Horeth und die an sein Seil geklammerte Dame.
Naja so furchtbar übertreibt der ORF auch nicht. In die Zukunft blicken ist z. B. garnicht so schwierig. Mit einem simplen Busfahrplan kann ich das mit ein paar Minuten Unsicherheit auch.
Bei einer kurzen Kameraeinstellung hatte ich den Eindruck, als ob die beiden Kräne unterschiedlich hoch wären. Dann wäre bei gleichem Gewicht und gleich langen Seilen Manuels Kran immer sicher.
So etwas könnte man bei Kameraaufnahmen besonders gut verschleiern wenn aus den richtigen Winkeln gefilmt wird, und direkt von unten fällt den Zeugen ein geringer Unterschied auch nicht auf.
Sehr geehrter Herr Eder,
".... dass ich nicht alle Tricks Horeths durchschaue. Nur ca. 50%,...."
Sie sind Wissenschaftler u. durchschauen nur ca. 50 % von Manuels Tricks. Ich bin kein Wissenschaftler und war live bei einer Show von Horeth dabei - und ich wurde gemeinsam mit meiner Freundin zu einem Experiment auf die Bühne gerufen. Was ich anfänglich nicht wusste, es ging um das Voodoo-Experiment.
Als meine Freundin mit einer Nadel in die Puppe stach, riss es mich regelrecht vom Sessel - einerseits tat es ordentlich weh, andererseits war auch der Schreck sehr groß. Sogar die Stelle des Einstiches auf der Puppe passte mit meiner Schmerzempfindung überein.
Schon irgendwie unheimlich, oder? Irgendwie wäre es interessant, wie dieser "Trick", was ich nicht glaube, dass es einer ist, zu erklären ist. Ich glaube, dass wir alle enorme geistige Fähigkeiten haben, die wir aber viel zu wenig nutzen.
@ Michael:
Ich bin zwar nicht Erich Eder, aber der Trick mit dem Voodoo-Sessel, in dem eine versteckte mechanische Vorrichtung den Sesselsitzer bei Bedarf piekst, ist ja wirklich ein alter Hut.
• Ich habe beim Sessel geschaut, - da war nichts zu sehen, außerdem war das ein Holzklappsessel, wo es schwer wäre was zu integrieren
• die Energie, die ich gespürt habe, ist außerdem schwer durch einen Trick hervorzurufen, oder?
• meine linke Hand hat sich auch wie von selbst (fast fremdgesteuert) erhoben....
Vielleicht sollte man auch nicht alles als Trick herunterspielen.
@ Michael:
Ein guter Zauberkünstler kann auch einen Holzklappsessel so präparieren, dass man diesem nichts ansieht. Dass sie den Sessel während der Show einer eingehenden Untersuchung unterzogen haben, wage ich zu bezweifeln (selbst ohne dabei gewesen zu sein). Und die "Energie" war grad vorhin noch Schmerz und Schreck...
Video hier: http://burgenland.orf.at/magazin/imland/erleben/stories/416428/
BTW: Herr Horeth ist ja nicht doof: Wenn er die magischen Kräfte wirklich hätte, dann hätte er sich längst schon bei Randi die Million abgeholt und wäre weltberühmt, statt "weltberühmt in Österreich".
Vor ein paar Jahren hat ein Betrügerduo einem Fuhrwerker 30000 € in abgenommen. Die guten Zauberer hatten dem Unternhemer erklärt, daß sie aus kleinen Scheinen große Scheine erzaubern könnten.
Der Einsatz war einfach. Nachdem sie erfolgreich aus einem 100er einen 500er in der Badewanne mit schwarzen Wasser gemacht hatten, überließ man den Gaunerduo beim nächsten Mal einen ganzen Einkaufsack mit 100er. Erst nachdem die Gauner weg waren durfte in den Sack mit den 500er hineingeschaut werden. Aber es war dann nut mehr echtes Zeitungspapier drinnen. Die begabten Mentalisten hat das erste mal gut und das zweite mal bös gezaubert. Und niemand hat gesehen woher die das Zeitungspapier genommen haben.