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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.
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10.12.08 · 19:46 Uhr
Neue Evidenz für Homöopathie? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!
Kategorie: Medizin · Kommentare: 15
Nun ist es also passiert. In der renommierten Medizinzeitschrift The Lancet ist vor wenigen Wochen eine Studie erschienen, die neue Evidenz für die Wirkung der Homöopathie liefert!Wirklich? Nein, natürlich nicht. Aber was will uns dann die Schlagzeile dieser Pressemeldung suggerieren, die Mitte November in die Welt gesetzt wurde?
Urheber der irreführenden Pressemeldung war der Betriebswirt und PR-Beauftragte in Sachen Homöopathie Claus Fritzsche, laut Eigenangaben Spezialist für die "Vermarktung von erklärungsbedürftigen Produkten an Geschäftskunden". Hier geht es also offensichtlich um PR und Stimmungsmache, nicht um Wahrheit oder wenigstens wissenschaftliche Redlichkeit. Was aber steckt nun dahinter? Ein klein wenig Licht ins Dunkel bringt die Zusammenfassung von Fritzsches Pressemeldung, die behauptet:The Lancet - Neue Evidenz für die Wirkung der Homöopathie
Zwei neue Studien widerlegen die von der medizinischen Fachzeitschrift THE LANCET 2005 aufgestellte These, Homöopathie beruhe allein auf Placeboeffekten.Aha. Wir kommen der Sache näher. Es geht also wieder einmal darum, die als "Shang-Studie" oder "Egger-Studie" bekannte Publikation zu diskreditieren, also jene vielzitierte und in Homöopathenkreisen verhasste Metaanalyse der Homöopathie, die eine Arbeitsgruppe rund um Shang und Egger 2005 im Lancet publizierte. Dazu passt auch der Titel des Blogpostings, das uns Fritzsche parallel zu seiner Pressemeldung servierte:
The Lancet & Homöopathie: 2 Studien weisen auf grobe Fehler der Meta-Analyse von Shang et al. 2005 hinIst wenigstens diese Kurzversion richtig? Wie sich herausstellt: Nein. Sie ist ebenso irreführend wie der Titel der Pressemeldung.
Worum geht es genau? Dazu ein kurzer Rückblick:
Die Egger-Metaanalyse hatte 110 homöopathische Studien mit ebensovielen konventionellen Studien zu denselben Indikationen verglichen und folgendes gefunden:
21 homoeopathy trials (19%) and nine (8%) conventional-medicine trials were of higher quality. In both groups, smaller trials and those of lower quality showed more beneficial treatment effects than larger and higher-quality trials. When the analysis was restricted to large trials of higher quality, the odds ratio was 0.88 (95% CI 0.65-1.19) for homoeopathy (eight trials) and 0.58 (0.39-0.85) for conventional medicine (six trials).Da das Konfidenzintervall (CI) für das odds ratio (OR) der großen und qualitativ hochwertigen Homöopathiestudien von 0,65 bis 1,19 reicht, also den Wert 1,00 einschließt, kann die Nullhypothese ("Homöopathie hat keine über Placebo hinausgehende Wirkung") auf dem 5%-Niveau nicht abgelehnt werden. Mit anderen Worten:
This finding is compatible with the notion that the clinical effects of homoeopathy are placebo effects.In der erweiterten scientific community erzeugte die Veröffentlichung dieser Studie etwa den Nachhall eines umfallenden Sacks Reis in China. Medizinische Statistiker hatte also gezeigt, dass geschütteltes Wasser so gut wirkt wie Wasser - so what?
Bei den Homöopathen dagegen herrschte Weinen und Wehklagen. Acht Jahre lang hatten Sie stets triumphierend die Metaanalyse von Linde et al (1997) zitiert, die zum Schluss gekommen war, die Placebohypothese könne die Daten nicht erklären. Und deren Schlussfolgerung Klaus Linde selbst später mehrfach relativiert hatte - was Homöopathen geflissentlich zu ignorieren pflegten und pflegen, ebenso wie sämtliche anderen systematischen reviews, die zu einem für die Homöopathie ungünstigen Resultat gekommen waren.
Nachdem die Phase des Wehklagens vorbei war, schritten die Homöopathen zum Gegenangriff. Zwei besonders gewitzte homöopathische Ärzte, A. L. B. Rutten und C. F. Stolper, wussten schon Anfang 2006 zu berichten, "'Proof' against homeopathy in fact supports homeopathy". Diese Botschaft ihres Leserbriefs durch handfeste Daten zu untermauern, beschäftigte sie anscheinend die nächsten zwei Jahre. Das Ergebnis erschien vor wenigen Wochen in der Zeitschrift Homeopathy und trägt jetzt den weniger reißerischen Titel "The 2005 meta-analysis of homeopathy: the importance of postpublication data".
Aber wie das so ist mit Homeopathy und ähnlichen Homöopathie-Zeitschriften: Kaum jemand nimmt sie ernst, außer Homöopathen natürlich. Der Grund dafür ist unschwer zu erraten. Es handelt sich zwar um Fachzeitschriften, aber nicht um wissenschaftliche Zeitschriften. Ihre Aufgabe ist es, die Frohbotschaft der Homöopathie zu verkünden, und ihr peer-review Verfahren sorgt dafür, dass auch junk-science das Licht der Druckerpresse erblicken darf, die in einem halbwegs anständigen Journal nur müde belächelt würde. In den Worten von Chris Lee von Ars Technica:
Homeopathy is not science. The journal has a negative scientific value because it does not distribute scientific knowledge, but rather disseminates wishful thinking about reality. It is the very essence of anti-science.Ein wichtiger Kritikpunkt an der Egger-Studie in der Arbeit von Rutten und Stolper war folgender:
Cut-off values for larger trials were inexplicably different for homeopathy (n=98) and conventional medicine (n=146). This suggests post-hoc hypothesizing.Rutten und Stolper grübeln also darüber nach, warum die Mindestteilnehmerzahl, die die Egger-Studie für "larger trials" verlangt hatte, bei Homöopathie und bei konventioneller Medizin unterschiedlich groß war. Sie halten das für "unerklärlich" und folgern daraus, dass Eggers Team post-hoc, also erst im Nachhinein, diese Schranken festgelegt hatten, um das gewünschte Homöopathie-feindliche Ergebnis zu erhalten. Ein wahrhaft schwerwiegender Vorwurf, den man nicht leichtfertig machen sollte, wenn man dafür nicht gute Gründe hat.
Nun, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Shang et al hatten klar und transparent festgelegt, dass Studien mit einem Standardfehler (SE) im untersten Quartil als "groß" definiert werden:
Das weiß im Grunde natürlich auch Dr. Rutten, und deswegen tat er sich mit Rainer Lüdtke, Diplom-Statistiker bei der Veronica-Carstens-Stiftung, zusammen und produzierte eine Zweitverwertung seiner Re-Analyse der Egger-Studie. Diese erschien in einer seriösen Zeitschrift, dem Journal of Clinical Epidemiology, und trägt den Titel The conclusions on the effectiveness of homeopathy highly depend on the set of analyzed trials. So weit, so wenig überraschend. Schließlich war genau das der Punkt, den Shang et al aufgezeigt hatten: Alle 110 Studien zusammen, ohne Qualitätsgewichtung, scheinen eine klare Wirksamkeit der Homöopathie zu zeigen. Streicht man die methodisch schlechten Studien, so zeigt das OR der 21 verbleibenden hochqualitativen Studien einen kleineren, aber immer noch statistisch signifikanten Effekt für die Homöopathie. Betrachtet man nur mehr die verlässlicheren - weil "großen" - Studien (entsprechend dem vorab festgelegten Kriterium eines Standardfehlers im untersten Quartil), so verschwindet dieser Effekt ebenfalls. Je "besser" die betrachtete Menge der Studien also ist, desto schwächer die spezifische Wirkung der Homöopathie. Extrapoliert man das gedanklich zu sehr großen und methodisch exzellenten Studien, so landet man bei einem OR von 1 und damit einer Wirkung von null.
Was also zeigen Lüdtke und Rutten wirklich? Nun, das ist interessant: Obwohl sich Lüdtke und Rutten natürlich bemühen, ihre Daten so zu interpretieren, als hätte die Egger-Studie irgendwelche Fehler gemacht, zeigen diese Daten nichts davon. Das Verblüffende ist: Ignoriert man die einseitige Interpretation von Lüdtke und Rutten und fokussiert man auf das, was ihre nackten Daten zeigen, so sieht man eine eindrucksvolle Bestätigung der Egger-Studie.
Ein Beispiel: Homöopathen hatten lange spekuliert, dass Egger et al ihre Parameter möglicherweise erst im Nachhinein so festgelegt hatten, dass die am Ende eingeschlossenen großen und methodisch guten Homöopathiestudien keine Signifikanz aufweisen. Die Daten von Lüdtke-Rutten zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Wie aus der Beschreibung der folgenden Abbildung aus ihrem Papier hervorgeht, kann man zu den acht großen Studien bis zu fünf kleinere mit einschließen, bevor der small study bias zuschlägt und das OR signifikant wird.

Es wird noch deutlicher: Verwendet man eine alternative statistische Methode (Metaregression), so verschwindet jegliche Signifikanz in den 21 hochqualitativen Studien:

Hier die Schlussfolgerungen in den Worten der Autoren:Our results do neither prove that homeopathic medicines are superior to placebo nor do they prove the opposite. This, of course, was never our intention, this article was only about how the overall results--and the conclusions drawn from them--change depending on which subset of homeopathic trials is analyzed. As heterogeneity between trials makes the results of a meta-analysis less reliable, it occurs that Shang's conclusions are not so definite as they have been reported and discussed.Mit anderen Worten: Die Resultate der Egger-Studie sind "weniger definitiv" als sie "berichtet und diskutiert wurden". Was für eine dramatische Erkenntnis! Das Geraunze bezieht sich recht eindeutig auf das begleitende Editorial, in dem der Lancet 2005 etwas pathetisch vom "Ende der Homöopathie" sprach. Dass dieses nicht kommen würde, war allen Beobachtern aber in Wahrheit auch vorher schon klar.
Fazit: Die Lüdtke-Rutten Studie ist eine Randnotiz, deren Daten die Erkenntnisse der Egger-Studie weitgehend stützen. Sie ist alles andere als ein Aufreger.
Wie kommt es dann, dass Claus Fritzsche in seinem Blog Purzelbäume schlägt vor Aufregung? Sehen Sie sich das hier nur einmal an:
Sollten sich erste Gerüchte bestätigen, dass die Forschergruppe um Prof. Dr. med. Matthias Egger, Aijing Shang und Kollegen die Ergebnisse nicht kommentieren will (d. h. Rutten, Stolper und Lüdtke ihrerseits keine Fehler nachweist), so hätten die neuen Publikationen die Qualität eines wissenschaftlichen Erdbebens der Stärke 9. Frei nach Charles Francis Richter: Zerstörung (einer von The Lancet konstruierten Legende) in Bereichen von tausenden Kilometern.Etwas unaufgeregter betrachtet der Wissenschaftsjournalist Francis Segdemore die Sachlage:
Egger would be a fool to comment on such patent nonsense spun by a PR agency.Nocheinmal O-Ton Fritzsche:
Die negativen - für die Placebo-These ausschlaggebenden - Ergebnisse von Shang et al. 2005 werden laut Rutten und Lüdtke primär durch eine einzige selektierte Studie beeinflusst.Und hier die Worte von Lüdtke-Rutten:
Shang's negative results were mainly influenced by one single trial on preventing muscle soreness in N=400 long-distance runners.Bemerken Sie den subtilen Unterschied? Wo Lüdtke-Rutten von einer "einzelnen Studie" sprechen, ortet Fritzsche eine "selektierte Studie". Dabei klingt der Vorwurf der Datenselektion mit, also wissenschaftliches Fehlverhalten. Anhaltspunkte dafür? Keine. In den PR-Agenturen sitzen die Schmutzkübel eben locker.
Falls Sie jetzt mutmaßen, dies sei lediglich eine böswillige Interpretation meinerseits, weil die "selektierte" Studie ja schließlich eine der nach den Kriterien von Shang et al ausgewählten (= "selektierten") acht großen und hochqualitativen Studien sei, dann passen Sie auf, wie es bei Fritzsche weiter geht:
Das heißt nichts anderes, als dass das von The Lancet 2005 proklamierte »Ende der Homöopathie« auf einem Selektionsbias und einer durch eine einzige (!) Studie verursachten Verzerrung basiert. Was für ein Kracher!Ja, da kracht es allerdings ganz gewaltig - in mindestens einem Hirn...
Und hier schließlich die Daten:
Wie
deutlich zu sehen ist, erreicht man mit Metaanalyse nicht einmal
annähernd einen p-Wert von 0,05, wenn man eine einzelne Studie aus den
acht ausschließt. Mit dem Verfahren der Metaregression kommt man den 5%
zumindest nahe, wenn man die Vickers-Studie zum Muskelkater ignoriert.
Und? Eine Metaanalyse hat schließlich die Aufgabe, existierende Studien
zu bewerten und zusammenfassend zu beurteilen. Dass die Existenz einer
hochqualitativen und großen negativen Studie wie der von Vickers für
jene, die sich sehnlichst ein positives Resultat gewünscht hätten, ein
Ärgernis darstellt, ist nicht weiter überraschend. Das Argument "wenn
es die Vickers-Studie nicht gäbe, dann wäre das Resultat der
Metaanalyse beinahe positiv", ist allerdings etwas dürftig. Wie Bob
Park es vielleicht formuliert hätte:If things were different, things would not be the way things are.Am Ende muss ich Herrn Fritzsche aber doch noch verteidigen: Das Unkraut ist nicht zur Gänze auf seinem Mist gewachsen. Vielmehr hat es den Anschein, als habe er die Studien, um die es geht, gar nicht gelesen. Oder nicht verstanden. Offenbar hat er nämlich seine Informationen schlicht aus jener verzerrenden Pressemeldung des Elsevier-Verlags (zu dem The Lancet, Homeopathy und das Journal of Clinical Epidemiology gehören) abgeschrieben, die den schlichten und ebenso falschen Titel New evidence for Homeopathy trägt. Diese Pressemeldung, die für einen Fachverlag eher peinlich ist, beginnt mit den Worten
Two new studies conclude that a review which claimed that homeopathy is just a placebo, published in The Lancet, was seriously flawed.Wie wir inzwischen wissen, ist das Unsinn - von "seriously flawed" kann überhaupt keine Rede sein. Aber man sollte bedenken, dass der Elsevier-Verlag keine wissenschaftliche Einrichtung ist, sondern ein für überteuerte Fachzeitschriften berüchtigtes kommerzielles Unternehmen, das hin und wieder auch ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Integrität für die eigenen Produkte die Trommel rührt.
Das mediale Getöse in und aus Homöopathenkreisen entpuppt sich am Ende also wieder einmal als weitgehend inszenierter PR-Gag.
Aber überrascht das eigentlich noch jemanden?
Andere Stimmen:
Francis Sedgemore: "New evidence for homeopathy"?
Science-Based Medicine (David Gorski): Fun with homeopaths and meta-analyses of homeopathy trials
NeuroLogica Blog (Steven Novella): Homeopathy Still Sucks
Hawk/Handsaw (Paul Wilson): Shang study remains firmly in the water - More meta-analysis delight - I know I said life was too short... - Science by press release (epic fail) - Homeopathy paper published (hier)
[Nachtrag, 12.12.2008:]
Um auf klare faktische Fehler hinzuweisen, habe ich gestern im H.-Blog von Claus Fritzsche und in einem englischsprachigen Blog jeweils einen kurzen Kommentar hinterlassen. Beide Kommentare wurden von den Blogbetreibern gelöscht. Soviel zur in Homöopathieblogs herrschenden Diskussionskultur...
Die von mir gemachten kritischen Anmerkungen über den Verlag Elsevier hat Fritzsche - allerdings ungewollt - bestätigt. Fällt Ihnen bei diesem Ausschnitt aus seinem Posting etwas auf? ;-)

Autor: Ulrich Berger· 15 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (15)
Vielleicht sollten die Homöopathen, anstatt sich über solche Sachen zu freuen, lieber mal mit der Frage beschäftigen, wie ihre Wundermedizin eigentlich wirkt?
Aber da nicht jeder statistische Auswertungen so versteht oder verständlich machen kann wie hier gezeigt, sehen sie natürlich eine große Chance, der Öffentlichkeit wieder eins unterzujubeln. Wie Kreationisten, die Fossilien ignorieren und als Fälschungen darstellen, arbeiten sie auch nicht FÜR ihre Theorie, sondern GEGEN anderslautende.
Selbst wenn die Studie unzuverlässige Daten hätte, würde Homöopathie dadurch auch noch nicht besser.
http://p-pricken.de/2008/12/homoopathie/
Toll, dass Sie sich die Mühe machen, die methodischen Feinheiten und statistischen Details zu erläutern - die Homöopathie-Glaubensgemeinschaft werden die fehlerhaften Schlagzeilen weit eher beeindrucken als Ihre wissenschaftlich exakte Argumentation. (Schon allein deshalb, weil deren Komplexität überfordert.)
Frustriert Sie eigentlich die schwierige Kommunizierbarkeit wissenschaftlicher Standards oder ist dieser Umstand ohnehin Ihr tägliches Brot?
MfG Rose
Ganz hervorragend, sehr beeindruckende Analyse. Linktipp:
http://www.gwup.org/themen/texte/homoeopathie/
Zu Fritzsche uns seinen Verbalattacken auf die GWUP sei auf
http://www.gwup.org/themen/texte/skeptikerpuc/gwupkritik1.html
verwiesen.
Ich hoffe der Text hier wird von vielen gelesen, sehr spannend.
Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel. Schade nur, dass rose vermutlich recht hat und diejenigen, für die das Verstehen (!) solche Ausführungen wirklich wichtig wäre, diese entweder erst gar nicht lesen - oder nicht verstehen - oder falls doch (was allerdings ein Mindestmaß an wissenschaftlichem Verständnis voraussetzen würde) als Antwort nur wieder mit dem Totschlagargument "aber ich hab es doch selbst erlebt" kommen... und dabei vergessen, dass selbst Erlebtes eben _keine_ wissenschaftlich fundierte statistische Größe ist ;-)
Wann immer die Homöopathen mit einem Beweis für Homöopathie ankommen, ist Stimmung wie bei einem Krimi: "Was haben die jetzt wieder falsch gemacht?"
So eine Fehlersuche ist sehr unterhaltsam.
Der Herr Fritzsche? Ach, den nehmen wir gar nicht wahr. Er zieht durch die Foren und macht Lärm, aber Sinnvolles ist von dem nicht zu hören. Wie auch? Von Homöopathen? :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-)
Daß es für einen sehr großen Teil (TAUSENDE!) homöopathischer Mittel keine Arzneimittelprüfung gibt, lassen die Homöopathen gern unter den Tisch fallen. Verkaufen und anwenden tun sie diese Mittel aber gern. Bringt ja dickes Geld. Daß sie dabei gegen die Grundlagen der Homöopathie vestoßen, wen kümmert das schon? Hahnemann ist tot und Kritik ist sowieso verboten.
Seit Jahren im WWW:
http://www.ariplex.com/ama/ama_amp.htm
Die Homöopathen fürchten diese Webseite wie der Teufel das Weihwasser. Gegen diese Seite gibt es keine Gegendarstellung, nicht einmal einen Muckser. Weil sie wahr ist. :-)
Faszinierend. Der Begriff Placebo-Effekt ist allerdings für mich eher abwertend. Wenn es diesen Effekt gibt, und das eingenommene eigentlich keine Wirkung hat, so muss die heilende Wirkung entweder aus dem kranken Körper selbst kommen, oder aus nicht gemessenen anderen Umständen. Bei entsprechend großen Testgruppen spricht einiges für das "Potenzial zur Selbstheilung".
Ich möchte dann also die Frage an die Wissenschhaft stellen, ob sie, unabhängig der stark reglementierten Verfahren zur Findung von Mitteln gegen Krankheiten, systematisch erkunden kann, wie wir unser Potenzial zur Selbstheilung weiterentwickeln können?
Findet denn beim Placebo-Effekt wirkliche eine "Selbstheilung" statt? Ist es nicht eher so, dass der Kranke sich einfach nur besser fühlt - z.B. durch körpereingene Schmerzblocker? Die Ursache der Krankheit ist doch weiterhin da
also ich finde man soll als Arzt den Plazeboeffekt durchaus nutzen. Einfühlsamer Umgang mit Menschen die zb Angst vor Injektionen haben, wenn man sich mit denen kurz unterhält tut der Stich kaum weh. Funktioniert bei Impfungen bei Kindern ganz gut- natürlich besser nach Vorarbeit durch die Bezugsperson.
@ Ulrich- Homöopathe und gewisse Medizinjournalisten haben da immer mal wieder Evidenzprobleme.
Evident ist, dass ich lebe- sonst würde ja mein Karma hier tippen- meine Lebenserfahrung ist, dass ich unsterblich bin. Ist soweit richtig, aber keine Evidenz. Ein so ein Pech aber auch.
@Zitat Frank, Ich möchte dann also die Frage an die Wissenschhaft stellen, ob sie, unabhängig der stark reglementierten Verfahren zur Findung von Mitteln gegen Krankheiten, systematisch erkunden kann, wie wir unser Potenzial zur Selbstheilung weiterentwickeln können?
Jeder vernünftige Arzt wird Ihnen sagen: Gesunde Ernährung, Bewegung und weniger Stress. Das reicht im Normalfall um ihre Selbstheilkräfte in Schwung zu halten.
@Zitat Cavon Findet denn beim Placebo-Effekt wirkliche eine "Selbstheilung" statt? Ist es nicht eher so, dass der Kranke sich einfach nur besser fühlt - z.B. durch körpereingene Schmerzblocker?
Erstmal, oft reicht es aus sich einfach nur besser zu fühlen um vermeintliche Krankheitssymptome zu bekämpfen.
Weiters stellt sich die Frage ist: Was verstehst man unter Selbstheilung ?
Wenn man die Krankheiten ansieht die typischerweise mit Homöopathika 'behandelt' werden wie z.B: chronische Schmerzen oder grippale Infekte dann kann sich der Körper da durchaus selbst heilen. Chronische Schmerzen kommen oft von falscher Körperhaltung oder einseitigen Belastungen, schließt man die aus, dann ist der Schmerz bald wieder weg. Bei grippalen Infekten greift die körpereigene Abwehr ein und entfernt das Übel.
Bei Schmerzen wegen Abnutzung oder Unfällen dagegen kann man kaum mehr etwas gegen die Ursache etwas machen, aber selbst da ist Sport sicher ein gutes Mittel um die Schmerzen lindern (Stärkung der Muskeln).
Was mich interessiert ? Wie ist eigentlich derzeit der Status bei Psychosomatik ? Ist dies ein anerkannter Fakt ? Da lese ich sowohl pro als auch kontra. Für mein Empfinden ist der Zustand der Psycho oft massiv für körperliche Beschwerden verantwortlich, aber beim herumsurfen sieht man keine so klare Linie.
@ Rose:
Frustriert Sie eigentlich die schwierige Kommunizierbarkeit wissenschaftlicher Standards oder ist dieser Umstand ohnehin Ihr tägliches Brot?
Tägliches Brot trifft es ganz gut ;-)
Nein - mir ist klar, dass ich damit eine relativ kleine Zielgruppe bediene. Aber die liegt mir dafür umso mehr am Herzen.
Hallo Ulrich,
die Zielgruppe ist dafür auch dankbar.
Als ich Froböses Quantenschwurbelei in Welt-online gelesen hatte, tat mir das richtig weh. Weniger die Quantenschwurbelei als solche, sondern vielmehr die Tatsache, dass sowas inzwischen auch über überregionale Zeitungen verbreitet wird.
Sehen zu können, dass es dazu wohlinformierten, kompetenten und deutlichen Widerspruch gab, war eine sehr erfreuliche Erfahrung.
mfg georg
Ich wusste, dass da was faul ist. Mir fehlt aber der wissenschaftliche Hintergrund, um den Durchblick zu bewahren. Allerdings gibt es auch für Laien gewisse Indizien, die es erleichtern 'den Braten zu riechen'. Das fängt schon damit an, wenn man Google verwendet und sämtliche Treffer, die sich auf eine Gegendarstellung der Egger-Studie berufen, ausschließlich von Homöopathie-Befürwortern stammen, gleichzeitig aber keine einzige seriöse Seite aus Wissenschaftskreisen sich dafür ausspricht. Danke für die ausführliche Aufklärung, wenn auch schwierig zu lesen für mich. Werde diesen Blog hier gleich mal in meine Lesezeichen aufnehmen. Viele Grüße von einem Befürworter der Vernunft und Wissenschaft.
Dass man sich nicht auf Zusammenfassungen oder Abstracts verlassen, sondern wissenschaftliche Arbeiten komplett lesen sollte, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Aber die Lockerheit, mit der "wissenschaftliche" Zeitschriften aus dem Bereich der komplementären Medizin mit Zitaten und Schlussfolgerungen umgehen, erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Es ist keine Seltenheit, dass in Zusammenfassungen (oder Pressemeldungen, wenn wir schon dabei sind) etwas steht, was in keiner Weise aus dem Artikel hervorgeht. Oder das hinter einem Zitat etwas völlig anderes steckt als das, was der Autor zu glauben scheint...
Natürlich muss man überall in der Wissenschaft Quellen kritisch lesen. Aber in dem gigantischen Ausmaß, wie man bei der alternativen Medizin Überraschungen erlebt, habe ich das in der Physik bzw. den Ingenieurwissenschaften noch nicht gesehen. Bei weitem nicht.
Es ist jedenfalls nicht das erste mal, dass vollmundige oder großspurige Ankündigungen sich alleine durch komplettes Lesen der Originalarbeit in Luft (oder, äh, Wasser) auflösen.
Kliniken sollten gesund machen
Zum Nachtrag vom 12.12.08: wg eines Quellensuchens (zu dem) kam ich wieder mal dort vorbei und es ist -evtl wg der bekannten Leseschwäche gegenüber Fakten- immer noch unentdeckt. Falls es das irgendwann mal werden sollte, gibt es ⇒hier das in flagranti-Photo ;-)