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Vom 28.9. - 1.10.2010 fand in Berlin der 48. Deutsche Historikertag statt. Der größte geisteswissen-schaftliche Kongress Europas mit rund 4000 Teilnehmern stand in diesem Jahr unter dem inhaltlichen Motto „Über Grenzen".

In diesem Blog berichtet ein Autorenteam aktuell von der Tagung. Das Blog dient zugleich auch als offizielles Presse-Informationsportal.

Ausserdem gibt es hier Impressionen der Tagung, einen Pressespiegel und kurze Buchrezensionen.

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30. Dezember 2010

Grenzen der antiken Gewalt

Kategorie: Alte Geschichte·Deutsche Postings

In der von Werner Riess (Chapel Hill) und Martin Zimmermann (München) geleiteten Sektion „Grenzen der Gewalt - Definition, Repräsentation und Einhegung eines universalen Phänomens in antiken Kulturen" (1.10.2010) wurden überlieferte Gewaltbilder verschiedener Quellentypen der griechischen und römischen Geschichte einander gegenübergestellt. Dabei ging es nicht nur um einen Vergleich der antiken Herangehensweisen an die Gewalt und die vielfältige Auseinandersetzung mit dieser in Literatur, Kunst und weiteren Quellengattungen, Medien und Kontexten, sondern auch um die Frage, inwieweit die antiken Vorstellungen von Gewalt mit dem aktuellen „westlichen" Gewaltbegriff kompatibel sind.

Von Christian Jung

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Autor: Christian Jung· 30.12.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

17. Oktober 2010

Grenzen des Rechts und der individuellen Freiheit im Nationalstaat

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Geistes- & Sozialwissenschaften·Neue Geschichte

Bericht zum Panel „An den Grenzen des Nationalstaates. Staatsbürger und Staatenlose zwischen Heimatlosigkeit und Weltbürgertum"

von Elena Allendörfer

220px-Stamps_of_Germany_(Berlin)_1988,_MiNr_826.jpg„Der Verlust der Menschenrechte findet also nicht dann statt, wenn dieses oder jenes Recht, das gewöhnlich unter die Menschenrechte gezählt wird, verloren geht, sondern nur, wenn der Mensch den Standort in der Welt verliert, durch den allein er überhaupt Rechte haben kann und der die Bedingung dafür bildet, dass seine Meinungen Gewicht haben und seine Handlungen von Belang sind."

(Foto Wikipedia: Hannah Arendt auf einer Briefmarke der Dauermarkenserie "Frauen der deutschen Geschichte", Deutsche Bundespost Berlin 1988)


Bereits zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges beschäftigte sich die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975), Verfasserin der obigen Worte und moralische Bezugsperson im Kommentar von Prof. Dr. Dieter Gosewinkels innerhalb der Sektion „An den Grenzen des Nationalstaates" mit der historischen Auswirkung von Gewalt auf die rechtliche Verfasstheit von Personen.

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Autor: Christian Jung· 17.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

16. Oktober 2010

Spaziergang durch eine dunkle Epoche der deutschen Geschichte

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Geschichtsdidaktik·Neue Geschichte

Die Gedenkstätte Berliner Mauer ist der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung - mitten in der Bundeshauptstadt. Auf dem 1,3 Kilometer langen und 4,4 Hektar umfassenden Gelände an der Bernauer Straße befindet sich das letzte komplett erhaltene Stück eines gewaltigen Zeitzeugnisses: der Berliner Mauer.

Von Christine Buch

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Am 13. August 1998 wurde das nationale Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung von der heutigen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht. 1994 hatte die Bundesregierung hierzu einen Wettbewerb ausgelobt. Insgesamt 259 Konzepte wurden von verschiedenen Bewerbern eingereicht. 1995 entschied man sich, den Entwurf von Kohlhoff&Kohlhoff aus Stuttgart zu realisieren. Bei dem Denkmal handelt es sich um zwei massive Stahlwände, die ein 70 Meter langes original erhaltenes Stück der Grenzanlagen umschließen. Es ist im Hintergrund des Fotos zu sehen. (Fotos: Christine Buch)


Die Bernauer Straße an der Grenze zwischen den Berliner Stadtbezirken Wedding und Mitte war ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Bau der Mauer und seine Folgen für die Bewohner der geteilten Stadt wurden hier besonders dramatisch erlebt. Die Geschichte dieser Straße zeigt exemplarisch die Auswirkungen des Mauerbaus: die Zerstörung von Stadtraum und Lebenswegen, die Trennung von Familienangehörigen und Freunden. Und sie dokumentiert die Versuche, der Diktatur durch Flucht in den Westen zu entkommen.

Dr. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer, führte während des Historikertags durch den bereits fertiggestellten Bereich des Areals und erklärte das Konzept hinter der Ausstellung.

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Autor: Christian Jung· 16.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

15. Oktober 2010

Grenzräume. Dimensionen der Berliner Mauer (1961-2010)

Kategorie: Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Neue Geschichte

Wenn sich der 48. Deutsche Historikertag unter dem Motto „Grenzen" präsentiert und zudem in eben jener Stadt abgehalten wird, die wie keine andere geprägt ist vom Schicksal ihrer jahrzehntelangen Trennung, dann darf ein Thema natürlich nicht fehlen: die Berliner Mauer.

Mauer Foto 2.JPG


Von Christine Buch

Ihr und ihren - räumlichen wie geistigen - Dimensionen widmete sich eine ganze Sektion des Historikertages, die passenderweise im Tagungsraum der Gedenkstätte Berliner Mauer abgehalten wurde. Die Erinnerungsstätte, die zurzeit eine erhebliche Erweiterung erfährt, verzeichnet kontinuierlich steigende Besucherzahlen. „2001 zählten wir 67.000 Besucher, im Mauerjahr 2009 waren es 371.000!", freute sich Dr. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer.

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Autor: Christian Jung· 15.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

Zionismus: der bessere Nationalismus?

Kategorie: Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Neue Geschichte

Der Zionismus kann als eine Spielart des Nationalismus verstanden werden, der die Eigenschaft hat, nicht national zu sein. Dieses scheinbare Paradoxon verfliegt, wenn man bedenkt, dass geographische, politische und kulturelle Grenzen sich im Zusammenhang mit diesem Begriff unmöglich ziehen lassen. Der Zionismus ist eine Ideologie, die in vielerlei Hinsicht Grenzen überwand, im gleichen Zuge aber auch die Vertreter dieser Ideologie vor die Herausforderung stellte, die Definition des Zionismus möglichst präzise zu halten.

Von Christina Thenuwara


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Chanukkaleuchter. (Foto: chrisandre / pixelio.de)


Wie und ob diese Gratwanderung insbesondere in Bezug auf den deutschen Raum gelungen ist, wurde in der Sektion „Nationalismus, Internationalismus und Transnationalismus im deutschsprachigen Zionismus" auf dem Historikertag analysiert.

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Autor: Christian Jung· 15.10.10 · 09:00 Uhr· 0 Kommentare

14. Oktober 2010

Forschung schreitet fort. Über die Gemeinsamkeiten von Klöppelkursen, „Grenzland-Tourismus" und 9/11

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Geschichtsdidaktik·Neue Geschichte

Zum Thema „Innerdeutsche Grenze" ist besonders in den vergangenen Jahren intensiv geforscht worden. Es handelt sich um einen hochemotionalen Forschungsgegenstand - behaftet mit einer Fülle von Leiderfahrungen, die bis in die heutige Zeit Nachwirkungen zeigen. Umso wichtiger erscheint die Notwendigkeit, eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung zu leisten. Auch um den über 1.000 Todesopfern, die die deutsch-deutsche Grenze forderte, gerecht zu werden. Daher erstaunt es weniger, dass die Grenze als Gegenstand und Konstruktion verstärkte Aufmerksamkeit in der Geschichtswissenschaft erfuhr.

Von Christine Buch


Foto 1.JPG

Die Sektion zur „innerdeutschen Grenze als Realität, Narrativ und Element der Erinnerungskultur" zog am 30. September 2010 viele Interessierte an. Die Leitung übernahm Carl-Hans Hauptmeyer, Historiker an der Universität Hannover.


„Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt."
Georg Simmel, Soziologie des Raumes

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Autor: Christian Jung· 14.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

13. Oktober 2010

Ansichts-Sachen. Fremd- und Selbstwahrnehmung des „Islam" in Bildmedien

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Geschichtsdidaktik·Kultur·Politik  ·  Kommentare: 94

Über den Islam wird viel diskutiert in diesen Tagen. Spätestens seit Mitte August der Spiegel und die Bild-Zeitung Auszüge aus Thilo Sarrazins neuem Buch „Deutschland schafft sich ab" veröffentlichten, kocht die Debatte hoch. „Du dreckiger Muslim!" gehört heute zu den meistgebrauchten Schimpfwörtern unter Jugendlichen (Quelle: Der Spiegel, Nr. 35/2010, S.126).

Von Christine Buch

„Du dreckiger Muslim!" gehört heute zu den meistgebrauchten Schimpfwörtern unter Jugendlichen. Welches Islambild vermitteln unsere Medien?

Laut einer Umfrage, die am Freitag (1. Oktober 2010) vom Deutschlandradio ausgestrahlt wurde, sind knapp 60% der im Westen lebenden Deutschen und 75% der im Osten der Bundesrepublik Lebenden der Meinung, die Einwanderung von Türken habe zu negativen Folgen geführt. Der geplante Bau eines islamischen Zentrums in unmittelbarer Nähe des Ground Zero sorgte kürzlich auch in den USA für heftige Auseinandersetzungen - in der Schweiz war im vergangenen Jahr eine Volksabstimmung gegen Minarette erfolgreich durchgeführt worden.

In der Öffentlichkeit wird also heftig diskutiert. Vor allem über eine vermeintliche Gefährlichkeit des Islam, die sich insbesondere in der außerordentlichen Gewaltbereitschaft, die diese Religion angeblich auszeichne, zeige.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 13.10.10 · 14:30 Uhr· 94 Kommentare

11. Oktober 2010

Die "dunkle" Seite der Europäisierung: Antiliberale Europakonzeptionen

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte·Politik  ·  Kommentare: 4

Eine der letzten Sektionen des 48. Historikertages in Berlin beschäftigte sich am Freitagnachmittag mit dem "dunklen" Europa - antiliberalen Konzeptionen zur Formierung einer europäischen Gemeinschaft.

Europa_Liberal.jpgVon Maria Neumann & Erik Swiatloch

Schon der Beginn des Panels versinnbildlichte solche Schattenseiten - in diesem Fall geschichtswissenschaftliche Schattenseiten, nämlich das mangelnde Verständnis von Technik. Die Mikrophone fielen nach wenigen Minuten aus, das an die Wand projizierte Bild war viel zu klein und die Filmmusik dröhnte aus dafür nicht vorgesehenen Laptoplautsprechern. Namensschilder für die RednerInnen des Podiums fehlten auch hier, wobei diese ohnehin bei keiner Veranstaltung vorzufinden waren, sofern die ReferentInnen nicht selbst handschriftlich ebensolche angefertigt hatten. Doch diese anfänglichen Verzögerungen und technischen Missstände sollen die gelungenen Vorträge der ReferentInnen nicht in den Schatten stellen.

Jeder Prozess, sei es die Konstitution einer Staatengemeinschaft oder die regelmäßige Austragung eines wissenschaftlichen Kongresses, erleidet eben auch Rückschläge und auf dem Historikertag in Berlin waren neben diesen gewiss zahlreiche Fortschritte und innovative Ansätze und Momente zu beobachten und zu erleben.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 11.10.10 · 10:45 Uhr· 4 Kommentare

09. Oktober 2010

Wissenschaftliche Erkenntnis oder publikumsorientierter Verkaufsschlager?: Zur Zukunft der „Public History"

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Geistes- & Sozialwissenschaften

Im bundesdeutschen Fernsehen werden täglich Dokumentationen und Spielfilme mit historischen Inhalten gesendet. Das heimische Sofa wird dabei Ausgangspunkt für Geschichtsreisen, die in das alte Ägypten oder das mittelalterliche Mainz, nach Waterloo anno 1815 oder eben in das Berlin des Jahres 1989 führen. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls waren im vergangenen Jahr vor allem die historischen Ereignisse des Herbstes 1989 außerordentlich präsent. Ausstellungen, Tagungen und vielfältige Buchpublikationen legten hiervon ebenso ein Zeugnis ab wie die breite Berichterstattung in den Printmedien. Der Geschichtsmarkt boomt nach wie vor und Geschichte gilt als ungemein populär.

Mauerfall.jpgVon Angela Siebold, Martin Stallmann und Carlos A. Haas

Mittlerweile ist es ein lohnenswertes Ziel der Geschichtswissenschaft, über das Fachpublikum hinaus gehört zu werden. Die mediale Präsenz von Geschichte wird dabei von Historikern mit Freude und Sorge gleichzeitig betrachtet - ist doch das öffentliche Interesse an der Geschichte ein willkommener Legitimationsschub für ihre Disziplin; gleichzeitig wirft es aber die Frage auf, wer hier über Geschichte spricht. Denn nur, weil es um Geschichte geht, heißt das noch lange nicht, dass Historiker sprechen: Bisweilen erscheint es so, als bestimmten vielmehr die Zeitzeugen oder Journalisten die allgemeine Sicht auf die Vergangenheit.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 09.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

08. Oktober 2010

Museen als Lernorte für Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt

Kategorie: Deutsche Postings·Kultur

Obwohl museale Einrichtungen als "Lernorte" den Schulunterricht attraktiv ergänzen können, reicht es nicht aus, Schülerinnen und Schüler einfach "ins Museum zu schicken". Stattdessen erfordert ein schulischer Museumsbesuch geeignete museumspädagogische Materialien sowie eine ausreichende Vorschulung sowohl seitens der Lehrer als auch seitens der Museumsmitarbeiter. In Sachsen-Anhalt hat man hierfür einen eigenen Weg gewählt.

Ein Gastbeitrag von Annette Adelmeyer, Siegfried Both, Susanne Kopp-Sievers und Christian Reinboth

Da sich Museen zuallererst als Bildungseinrichtungen verstehen, sind Schulklassen seit jeher eine wichtige Zielgruppe, die es in besonderem Maße zu umwerben gilt. In Sachsen-Anhalt wird die Zusammenarbeit von Schulen und Museen seit Mitte der 1990er Jahre systematisch von einer Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.V., des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung von Sachsen-Anhalt (LISA, nicht zu verwechseln mit L.I.S.A.) und des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt vorangetrieben.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 08.10.10 · 14:30 Uhr· 0 Kommentare

Entgrenzung und Begrenzung der Gewalt: Annäherungen an eine Morphologie tödlicher Zonen im Europa des 20. Jahrhunderts

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte  ·  Kommentare: 2

Gewalt ist für jeden Menschen immer eine Möglichkeit. Da jede Grausamkeit vorstellbar ist - und als Vorstellung Potential hat, zur Realität zu werden - ist es spannend zu untersuchen, in welchen Zusammenhängen die Menschen stehen, die sich zu Gewalt verhalten. Eine Untersuchung der Räume der Gewalt muss dabei, so Jörg Baberowski in seiner Einleitung, weniger eine Ursachenforschung sein. Vielmehr muss es um die konkreten Gelegenheiten und Situationen gehen, in denen Gewalt entsteht. Thematisiert werden soll dazu die Alternativlosigkeit des Verhaltens von Menschen zu Gewalttätern. Oft sind es weniger moralische Vorstellungen, die zu Gewalt führen, sondern gerade die Abwesenheit von freien Entscheidungsmöglichkeiten. Es geht also um die Möglichkeitsräume von Menschen, ob Handelnde oder Passive, in Gewaltsituationen.

Auschwitz.jpgVon Daniel Rübel

Felix Schnell zeigte dies am konkreten Beispiel des Russischen Bürgerkriegs. Dort lässt sich gut beobachten, dass Räume, in denen Gewalt geschieht, zwar mit räumlichen oder politischen Grenzen zusammenfallen können, aber nicht müssen. Das soziale Verhalten reicht schon aus, um einen Gewaltraum entstehen zu lassen. In der Ukraine zwischen 1917 und 1921, dem Hauptschauplatz des Krieges, waren die Grenzen in ständiger Verschiebung.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 08.10.10 · 12:30 Uhr· 2 Kommentare

Europa transnational

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Politik

Wie kann man eine transnationale Geschichte Europas schreiben? Was bedeutet der Begriff transnational im Kontext der Zeitgeschichtsforschung? Und wie lassen sich aus transnationaler Perspektive Territorialisierungsprozesse in Europa erfassen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Panel „Territoriale Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen: Eine transnationale Geschichte Europas."

Europa_Karte.jpgVon Angela Siebold

Das Ziel der beiden ersten Vorträge, gehalten von Matthias Middell und Michael Geyer, war es zunächst, einen diachronen Vergleich zweier unterschiedlicher Zeitabschnitte der europäischen Geschichte anzustrengen, nämlich der Zeit der Französischen Revolution einerseits sowie der Jahre 1970-2010 andererseits. Beide Phasen, die eine als gewaltsame, die andere als friedliche Periode, verkörperten Transitionsphasen im Aufbruch zu neuen Raumordnungen, in denen verdichtete Identitätsräume verhandelt worden seien. In solchen Perioden seien in Europa institutionelle und prozedurale Formen des inneren Zusammenhangs, also der transnationalen Verflechtung entwickelt worden.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 08.10.10 · 09:30 Uhr· 0 Kommentare

07. Oktober 2010

Homo portans - Eine Kulturgeschichte des Tragens

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion

Das interdisziplinäre, epochenübergreifende Projekt der Mannheimer Universität „Homo portans" befasst sich mit dem für uns selbstverständlichen sowie vielfältigen Zustand des „Tragens". Untersucht wird, wie sich dieser Vorgang auf die Menschheit auswirkte und sich über die Zeit entwickelte. Von Beginn ihrer Geschichte an trugen die Menschen ihre Kinder, Waren, Besitztümer, Schmuck und Symbole. Das Projekt leistet also Grundlagenforschung zur kulturgeschichtlichen Evolution des Menschen.

Von Gina Fuhrich

Karl Siegbert leitete die Vortragsreihe mit einer umfassenden Zusammenfassung über die vielfältigen Bedeutungen des Zustands des Tragens ein, der omnipräsent im menschlichen Leben ist. Allerdings ist der Transport schwerer Dinge, so Siegbert, hauptsächlich Frauensache, da auf sie das Schwere abgewälzt wird. Tragen an sich steht also auch in Verbindung mit der Sozialstruktur und der Hierarchisierung einer Gesellschaft. Überdies tragen Menschen nicht nur materielle Last, sondern auch psychische. Die Religion ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig.

* Screenshot der Website zum Forschungsprojekt
Homo-Portans.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 07.10.10 · 16:00 Uhr· 0 Kommentare

Clan-Strukturen als Faktor sozialistischer Führungspolitik

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte·Politik  ·  Kommentare: 2

Bis heute ist die Verteilung hoher politischer Posten oft von sozialen Netzwerken und persönlichen Beziehungen abhängig. Dass es Clan-Strukturen auch im staatssozialistischen Osten zu Zeiten des Kalten Krieges gab, stellte die von Jens Gieseke moderierte Sektion am Freitagmorgen dar. Dabei ging es jedoch nicht nur um Posten und Ämter, sondern auch um innerparteiliche und zwischenstaatliche Beziehungen.

Von Philipp Meller

Welche Rolle spielten Clan-Strukturen bei der Vergabe von Posten in den ehemaligen sozialistischen Staaten Osteuropas und inwieweit unterliefen sie dabei die offiziell propagierten Hierarchien?

Jens Gieseke, Projektleiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, führte mit kurzen Überlegungen in die Problematik der Sektion mit dem Titel „Clan-Strukturen und Policy-Akteure. Die Machtzentralen der staatssozialistischen Parteien zwischen Poststalinismus und Perestroika" ein. Indem Gieseke behauptete, die äußere Homogenität der hierarchischen Strukturen sei nur eine Requisite der staatlichen und parteiinternen Organisationen, warf er bereits eine nicht unumstrittene These in die Runde der versammelten Referenten. Weiter umriss der Leiter der Sektion eine der Hauptfragen des Vormittags: Welche Rolle spielten Clan-Strukturen bei der Vergabe von Posten in den ehemaligen sozialistischen Staaten Osteuropas und inwieweit unterliefen sie dabei die offiziell propagierten Hierarchien?

* Die Referenten und der Leiter der Sektion „Clan-Strukturen", Jens Gieseke (rechts), Foto: Philipp Meller
Clan-Strukturen.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 07.10.10 · 11:00 Uhr· 2 Kommentare

Krisenwahrnehmungen und gesellschaftlicher Wandel in den 1970er und 1980er Jahren in transatlantischer Perspektive

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte·Politik

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA einer massiven Belastungsprobe ausgesetzt waren. Die Verweigerung der Gefolgschaft im Irak-Krieg 2003 durch die rot-grüne Bundesregierung führte zu Verstimmungen solchen Ausmaßes, dass in vielen Medien von einem einzigartigen Phänomen gesprochen wurde. Nie zuvor in der gesamten Nachkriegsgeschichte sei es zu einem derartigen Konflikt gekommen.

Von Carlos A. Haas

Das Historikertags-Panel „Krisenwahrnehmungen und gesellschaftlicher Wandel in den 1970er und 1980er Jahren in transatlantischer Perspektive" machte deutlich, dass es sich bei der Krise zu Beginn des 21. Jahrhunderts weder um ein singuläres Ereignis handelte, noch die konkrete politische Situation als deren alleiniger Auslöser anzusehen ist. Vielmehr sei das transatlantische Verhältnis noch nie völlig krisenfrei gewesen. Den 1970er Jahren käme hierbei die Rolle einer Epochenwende zu, was dann in den 1980er Jahren zu qualitativen Änderungen geführt habe.

* Die NATO bildet den sicherheitspolitischen Kern des transatlantischen Verhältnisses. Hier ein Foto des NATO-Gipfeltreffens zum 50. Jahrestags des Bündnisses 1999.
NATO_Gipfel_in_Washington_1999.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 07.10.10 · 08:00 Uhr· 0 Kommentare

06. Oktober 2010

Grenzen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte  ·  Kommentare: 1

Ein spannender Vortrag zu den Grenzen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg fand am Freitag, den 01.10.10, unter der Moderation von Dr. Felix Ackermann (Frankfurt/O.) im bis auf den letzten Platz besetzten HS 1205 statt. Die Sektion am Freitagmorgen stellte für mich den Höhepunkt der auf dem Deutschen Historikertag besuchten Veranstaltungen dar: sie zeigte auf eindrucksvolle Weise, was Geschichte mit unserer Gegenwart zu tun hat bzw., dass das Nachdenken über unsere Vergangenheit auch unsere Zukunft mitgestaltet. Gleichzeitig zeigten die jungen Historiker eindrucksvoll, wie Europa weiter zusammenwächst. Aber greifen wir dem Ergebnis nicht vor.

Von Bernhard Schell

Die Sektion wurde von Dr. Felix Ackermann moderiert. Er machte deutlich, dass der Prozess der Erinnerung eine kulturwissenschaftliche Neuausrichtung in Gang bringt. Mit dem Ableben der Erlebnisgeneration besteht zudem die Notwendigkeit, das Erfahrene in den zukünftigen Generationen zu verankern. Dabei muss aber vermerkt werden, dass der Integrationsprozess in der Europäischen Union keine homogene Erinnerungskultur kreiert, sondern sich diese Erinnerungskultur auf nationaler Ebene ereignet.

* Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, inzwischen Teil der bundesdeutschen Erinnerungskultur.
Holocaust_Mahnmal_Berlin.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 06.10.10 · 18:30 Uhr· 1 Kommentar

Poster für die wissenschaftliche Öffentlichkeit

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften

Auch auf dem 48. Historikertag wird dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Gelegenheit geboten, sich einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Wie vor zwei Jahren in Dresden, vor vier Jahren in Konstanz und - zum ersten Mal in der Geschichte des VHD - vor sechs Jahren in Kiel können Doktorandinnen und Doktoranden ihre Dissertationsprojekte im Rahmen einer Poster-Session präsentieren. Aus einer Vielzahl von Bewerbungen haben es schließlich 37 Nachwuchswissenschaftler geschafft: ihre Poster hängen im zweiten Stock der Dorotheenstraße 24. Eine Jury kürte die drei besten Teilnehmer, die am Abend des 30. September im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums Preise verliehen bekamen.

Niels_Petersen.jpgVon Martin Stallmann und Carlos A. Haas

Das Medium Poster birgt spezifische Probleme, bietet aber auch Vorteile. Aus den Naturwissenschaften kommend und seit einigen Jahren zunehmend in den Geisteswissenschaften beachtet, liegt sein größter Vorzug unbestreitbar in der Breitenwirkung, die es entfalten kann. Sitzen in Vorträgen vielleicht 100 Zuhörer, so ist es - zumindest theoretisch - möglich, dass eine vielfache Menge an Interessierten die Poster sieht und so einen Einblick in die jeweiligen Arbeiten erhält. Das Medium Poster eignet sich also als Multiplikator, was gerade für junge Wissenschaftler von entscheidender Bedeutung sein kann.
* Das Foto zeigt Niels Petersen bei der Preisverleihung.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 06.10.10 · 16:00 Uhr· 0 Kommentare

Globalgeschichte im Goldgräberrausch

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Kultur

Selbst der größte Veranstaltungsraum des Gebäudes reichte nicht aus, um den vielen Interessierten Platz zu bieten, die sich auf spannende Vorträge zu einem neuen Trend der Geschichtswissenschaft freuten. In der Sektion „Neue Wege der Globalgeschichte" sollte die Frage diskutiert werden, warum Globalgeschichte so wichtig, Nationalgeschichte aber dennoch nicht unwichtig ist. Außerdem wollten Sektionsleiter Andreas Eckert und die Referenten Dominic Sachsenmaier und William O'Reilly sowie Matthias Middell mit seinem Kommentar das unübersichtliche Feld der Globalgeschichte ordnen. Leider konnten Jürgen Osterhammel und Shalini Randeria nicht teilnehmen, weshalb Sebastian Conrad und Hagen Schulz-Forberg die Gelegenheit erhielten, über die Eckpunkte ihrer Thesen zur Globalgeschichte zu reflektieren.

Von Thomas Geier und Philipp Meller

In seiner Einleitung konnte Andreas Eckert vom Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität Berlin von einem Aufschwung der Globalgeschichte berichten. Ihre immer größere Popularität schlage sich vor allem in der häufigen Erwähnung in Zeitschriften und Journalen nieder. Eine generelle Definition des Begriffs wollte er allerdings nicht geben.

* Blick in den überfüllten Hörsaal der Sektion "Neue Wege der Globalgeschichte" (Foto: Philipp Meller)
Globalgeschichte.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 06.10.10 · 14:00 Uhr· 0 Kommentare

Infrastrukturen der Macht

Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion

Technische Infrastrukturen sind schon seit geraumer Zeit ein Thema innerhalb der Technik- und auch der Wirtschaftsgeschichte. Genese und Effekte großtechnischer Systeme des 18. und 19. Jahrhunderts stehen hier im Mittelpunkt des Interesses. Zuletzt zeigten allerdings auch die Allgemeinhistoriker größeres Interesse an diesen Fragestellungen, wobei hier auch Infrastrukturen des vorindustriellen Zeitalters thematisiert werden.

Von Maximilian Schell

Die Sektion Infrastrukturen der Macht wurde durch einen kurzen Vortrag von Jens Ivo Engels (Darmstadt) mit konzeptionellen Überlegungen zum Verhältnis von Macht und Infrastruktur eröffnet. Prof. Dr. Helmuth Schneider (Kassel) referierte anschließend über den Zusammenhang von politischer Herrschaft und Wohlfahrt im Bezug auf die Infrastruktur des Imperium Romanum. Er bezog sich nur auf die materielle Infrastruktur, also Straßen, Brücken und Kanäle. In der Antike wurde bei der Infrastruktur zwischen öffentlichen Bauwerken wie Verteidigungsanlagen, Heiligtümern oder Bauwerken des öffentlichen Nutzens, z.B. Häfen oder Brücken, und privaten Bauten unterschieden.

* Ein Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana, die das Straßennetz in spätrömischer Zeit zeigt.
TabulaPeutingeriana.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 06.10.10 · 11:30 Uhr· 0 Kommentare

Über Grenzen? - Deutliche Unterrepräsentation von Frauen auf dem Historikertag

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings  ·  Kommentare: 1

Inmitten der steinernen Zeugnisse europäischer Geistesgeschichte ist im ehrwürdigen Saal des Pergamonmuseums in der historischen Mitte Berlins der 48. Historikertag feierlich zu Ende gegangen. Das in der ehemals geteilten Stadt gestellte Thema „Über Grenzen" erfuhr in den zahlreichen, häufig interdisziplinär geführten Diskussionen eine räumliche Grenzüberschreitung, lag der Fokus doch nicht auf der rein nationalen Geschichtsdeutung.

Die Sektionen der Tagung waren an erster Stelle männlich geführt und auch besucht. Häufig glichen die Podien einer reinen Männerrunde.

Ein Zwischenruf von Nicole Güther

Dennoch, in der Frage der Geschlechtergleichheit ist kein Durchbruch geglückt. Die so zwangsläufig rückblickende wie zukunftsweisende Tagung zeigte die andauernde, offensichtliche Unterrepräsentation von Frauen in der Wissenschaft auf. Die Sektionen der Tagung waren an erster Stelle männlich geführt und auch besucht. Häufig glichen die Podien einer reinen Männerrunde. Obgleich seit nunmehr dreißig Jahren über die Hälfte der Studenten weiblich ist, lichtet es sich weiterhin in den höheren Hierarchien universitären Lebens. Geradezu ironisch erscheint die Wahl einer weiblichen Akademikerin als Festrednerin. (Hier unser Bericht über den Vortrag von Lorraine Daston.)

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 06.10.10 · 08:00 Uhr· 1 Kommentar

05. Oktober 2010

Wirtschafts-Wissenschaft: Zur Geschichte einer Disziplin zwischen Theorie und Praxis

Kategorie: Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Neue Geschichte  ·  Kommentare: 4

„If you are so smart, why aren't you rich?" Mit diesem Satz illustrierte Jan-Otmar Hesse eine zentrale Frage der in dieser Sektion geführten Debatte: Denn was kann eine mathematisierte und theoretisierte Wirtschaftswissenschaft zur Beantwortung praktischer ökonomischer Fragen eigentlich beitragen? Zu zeigen, inwiefern diese Frage nach der Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft die Geschichte der ökonomischen Disziplin durchzog, war das Ziel dieser Sektion auf dem 48. Historikertag.

Seit der Finanzkrise befinden sich die Wirtschaftswissenschaften in einer Legitimitätskrise.

Von Albrecht Franz

Wenn sich die Wirtschaftswissenschaftlerin Esther-Mirjam Sent zu Beginn ihres Vortrages mit einem Hauch von Ironie dafür entschuldigt, Ökonomin zu sein, so liegt das an der gegenwärtigen Legitimitätskrise eines Fachs, das die Finanzkrise nicht zu prognostizieren vermochte - trotz komplexer theoretisch-mathematischer Modelle, deren Geltungsanspruch oft weit über das Ökonomische hinausgeht. Auch Roman Köster, der die Sektion einleitete, kam nicht umhin, auf die Häme zu verweisen, die derzeit in Teilen der Presse über die Wirtschaftswissenschaft ausgeschüttet wird: Zu offensichtlich ist die Diskrepanz zwischen dem wissenschaftlichen Anspruch, komplexe Regeln und Mechanismen der Wirtschaft abbilden und erklären zu können, und der Unfähigkeit, fundamentale Zäsuren derselben vorherzusehen. Diese Kluft zwischen Theorie und Praxis in den Wirtschaftswissenschaften bildete den zentralen Angelpunkt der Diskussion in der Sektion „Grenzgänge zwischen Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften".

* Das Bild zeigt Jan-Otmar Hesse, der über den Geldtheoretiker Albert Hahn spricht (Foto: Albrecht Franz)
Jan-Otmar_Hesse.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 18:30 Uhr· 4 Kommentare

Geschichtliche Recherchen mit Herzblut: Schülerpreisträger im Gespräch

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings  ·  Kommentare: 2

Im Rahmen des 48. Historikertages in Berlin wurde zum ersten Mal in der Geschichte dieser Tagungen ein Schülerpreis verliehen, der zusammen mit der Körber-Stiftung die Ehrung für besondere Leistungen von Schülern sein soll. Das Thema des Wettbewerbs lautete: „Helden: verehrt - verkannt - vergessen". Dabei wurden Giovanna-Beatrice Carlesso und Rahul Kulka für ihre besonderen Leistungen bei ihren Recherchen geehrt.

Rahul_Kulka.jpgIm Anschluss an die Preisverleihung stellten sich die beiden Preisträger den Fragen von Klaus Körmös und Maximilian Schell. (Das Foto rechts zeigt Rahul Kulka zusammen mit Dr. Simone Lässig vom VHD.)

ScienceBlogs: Erst einmal herzlichen Glückwunsch, Rahul. Was für ein Gefühl ist das, als Schüler einen Preis im Rahmen des Historikertags zu bekommen?
Rahul: Für mich ist es eine große Ehre und es erfüllt mich mit Stolz. Das Besondere an dem Abend ist, dass ich eine Auszeichnung von Akademikern bekommen habe und sie mir so ihre Anerkennung ausdrücken.

SB: Was war deine Motivation, bei diesem Wettbewerb mitzumachen?
Rahul: Ich fand das Wettbewerbsthema spannend und Berlin und seine Geschichte verkörpert das Thema für mich vollkommen.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 16:30 Uhr· 2 Kommentare

Ökonomien der Aufmerksamkeit im 20. Jahrhundert. Eine transnationale Perspektive auf Techniken der Messung, Vermarktung und Generierung von Aufmerksamkeit

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte

Immer wieder werden wir als Bürger mit Umfragen konfrontiert. Wir müssen Auskunft geben über unsere politische Meinung, unseren bevorzugten Weingeschmack, unseren Stromanbieter oder unser Haustier. Aber wie funktionieren diese Umfragetechniken und was passiert mit den ausgewerteten Daten? Wie wirken sich die ausgewerteten Statistiken auf Politik, Medien und Sozialstruktur aus?

Statistik2010.jpgVon Gina Fuhrich

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden in der Sektionsveranstaltung von Malte Zierenberg, Bernhard Fulda, Christiane Reinecke, Kerstin Brückweh sowie Anja Kruke Publikumsforschung, Umfragetechniken, Auswertung und Verwendung der Daten und der Markt für Meinungsforschung genauer analysiert.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 14:45 Uhr· 0 Kommentare

Grenzüberwindungen in der DDR und Osteuropa

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte

Um 20 Uhr versammeln sich täglich viele Menschen vor dem Fernseher, um die neuesten Nachrichten in der Tagesschau zu betrachten. Seit nunmehr 58 Jahren berichtet die Tagesschau bereits. Auch zu Zeiten der DDR wurde die älteste deutsche Nachrichtensendung auf beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze gesehen. Die Bürger der DDR informierten sich über die westdeutschen Medien und reisten - so formulierte es der Historiker Stefan Wolle - allabendlich kollektiv aus. Die realen Grenzanlagen der DDR zu überwinden, war hingegen ein lebensgefährliches und schwieriges Unterfangen. Der Weg in den Westen durch einen Antrag zur ständigen Ausreise aus der DDR* - wie der Ausreiseantrag offiziell hieß - war durchaus langwierig und zum Teil mit Schikanen verbunden.

Von Sebastian Gehrig und Martin Stallmann

Das von Helge Heidemeyer (Berlin) organisierte Panel „Grenzen überwinden - Die Systemgrenzen sprengende Kraft von Opposition und Widerstand in der DDR" diskutierte die Rolle von Grenzüberwindungen und grenzüberschreitenden Kontakten von Oppositionsgruppen für den Zerfall der DDR und die Transformation Osteuropas am Ende der 1980er Jahre. Die Sektion wurde von Gerhard A. Ritter geleitet, der in seinem Einführungsvortrag erste Problemkreise für die Vorträge und die Diskussionen skizzierte. Laut Ritter gehe es vor allem um die Überwindung von Grenzen im nationalstaatlichen Sinne. Dabei müssten Kontakte von DDR-Bürgern nach Osten und Westen und deren Bedeutung für Oppositionsbewegung in den Blick genommen werden.

* Antragsformular zur Ausreise aus der DDR
Ausreiseantrag_540.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 13:15 Uhr· 0 Kommentare

Zonen der Grenzüberschreitung

Kategorie: Deutsche Postings

Vor einem kleinen Kreis stellte die Sektion spannende Grenzen unter dem Aspekt "Arbeiten an Grenzen in der Moderne" vor, wobei sie Grenzen als transitorische Räume auffasste. Sie ging dabei auf verschiedene „Räume" wie Städte, Kanäle, Lager und Bunker ein.

Ellis_Island.jpgVon Julia Naßutt

Was passiert in den Zonen der Grenzüberschreitungen - und was passiert mit diesen Räumen? Eine Fragestellung, die dem Fachpublikum am Donnerstagvormittag in diesem Panel auf anschauliche Weise erläutert wurde. Unter der Moderation von Frau Prof. Dr. Monika Dommann (Basel) näherten sich Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Geschichte und Architektur dem Thema aus verschiedenen Perspektiven. (* Das Foto rechts zeigt eine Familie mit Blick auf die Freiheitsstatue Anfang des 20. Jhs.)

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 11:00 Uhr· 0 Kommentare

„That's History" - Über texanische Geschichtsverdrossenheit und die Grenzen der Universität

Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings

Im Rahmen der Abendveranstaltung des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands am Donnerstagabend im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums hielt Lorraine Daston, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte Berlin, den Festvortrag. Darin wies sie zunächst auf die besondere Bedeutung der historischen Grenzziehungen für die Stadt Berlin hin.

Lorraine_Daston.jpgVon Angela Siebold

Jedoch seien trotz dem Ende der deutschen Teilung neue Grenzen entstanden, die sich auf anderen Ebenen bewegten, wie etwa im ökonomischen, kulturellen oder sogar im kulinarischen Bereich.

Grenzauflösungen, so Daston, bedeuteten immer auch das Ziehen neuer Grenzen, die nötig seien, um die Welt zu definieren, zu kategorisieren und ihr einen Sinn zu verleihen. Die Aufgabe der Historiker sei es dabei, herauszufinden, warum und wie Grenzen entstehen und verschwinden - seien es politische Grenzen oder subtilere Grenzen wie die zwischen Geschlechtern oder zwischen dem privaten und dem öffentlichen Bereich. Auch bei der universitären Disziplinarität handele es sich um Grenzziehungen, die jedoch nicht nur Abgrenzung, sondern auch die Definition bestimmter Kompetenzen und Fähigkeiten bedeuteten.
* Foto rechts: Lorraine Daston mit Prof. Dr. Werner Plumpe (VHD)

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 05.10.10 · 08:00 Uhr· 0 Kommentare

04. Oktober 2010

Population growth and depopulation

Kategorie: Englische Postings·Neue Geschichte

Pendle.jpgThe last day of the 48. Deutscher Historikertag at Humboldt University in Berlin in 2010 saw members of the Jacobs University Bremen and the Max Planck Institute for the History of Science present their new approaches to analyse the global transfer of techniques of population control in the 20th century to a small academic audience. The interdisciplinary method - in this case, demography, history, history of science, biology, and sociology - was stimulating and inspiring.

By Julia Naßutt

The panel was introduced by Dr. Veronika Lipphardt (Berlin) and Dr. Corinna R. Unger (Bremen), who also chaired the discussion.
* Interational picture language by Otto Neurath

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 04.10.10 · 22:00 Uhr· 0 Kommentare

Geschichtslehrpläne ohne Inhalte? - Eine Veranstaltung, die gemischte Gefühle hinterließ

Kategorie: Deutsche Postings·Geistes- & Sozialwissenschaften·Geschichtsdidaktik

Zu fortgeschrittener Stunde fand im Rahmen des 48. Deutschen Historikertages eine vielbeachtete Podiumsdiskussion des Deutschen Geschichtslehrerverbandes (VGD) unter der Leitung von Ulrich Bongertmann (Rostock) statt. Als Diskutanten unterstützen ihn Dr. Wolfgang Geiger (Frankfurt a.M.), Rolf Ballof (Braunschweig), Dr. Rolf Brütting (Dortmund), Dr. Peter Droste (Jülich), Willi Eisele (Wolfratshausen) und Walter Helfrich (Speyer). Sie alle sind Mitglieder des Arbeitskreises „Bildungsstandards Geschichte" des Geschichtslehrerverbandes.

Aktueller Entwurf des VGD (PDF zum Ausdrucken): Bildungsstandards Geschichte (Sekundarstufe I)

Schiefertafel.jpgVon Bernhard Schell. Mit Anmerkungen von Friederike Gund und Klaus Körmös.

Seit Pisa kommen die Lehrpläne an den deutschen Schulen nicht zur Ruhe. Das schlechte Abschneiden war auch für das Fach Geschichte der Anlass, den Lehrplan einer Revision zu unterziehen. Im Jahr 2006 hatte der Verband einen ersten Entwurf für mögliche Standards unter dem Titel „Bildungsstandards Geschichte - Rahmenmodell Gymnasium, 5. - 10. Jahrgangsstufe" publiziert. Der bundesweite Anspruch dieser Standards gab zu intensiven Diskussionen Anlass, die auch auf dem Historikertag ihren Widerhall fanden. Der Leitgedanke eines länderübergreifenden Kerncurriculums musste inzwischen fallengelassen werden. Einige Bundesländer haben nämlich ihre Lehrpläne veröffentlicht und dabei bewusst auf Inhalte verzichtet, da dies Fachkonferenzen und letztlich jedem Fachlehrer überlassen werden soll.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 04.10.10 · 17:30 Uhr· 0 Kommentare

Grenzziehungen. Projektionen nationaler Identität auf Migranten in europäischen Städten nach 1945

Kategorie: Deutsche Postings·Neue Geschichte·Politik

Die Bedeutung der Nation bei der Kategorisierung von Migranten in vermeintlich homogene Gruppen und damit die Verwendung nationaler Zugehörigkeit als Distinktionsmerkmal ist von zentraler Bedeutung und könnte in vielfältigen Kontexten behandelt werden.

Von Angela Siebold

Das von Bettina Severin-Barboutie geleitete Panel auf dem Historikertag setzte sich mit diesem Thema im Kontext europäischer Städte auseinander. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Einfluss nationale Zuschreibungen auf städtische Strukturen aufweisen; die Stadt sollte dabei nicht nur als aufnehmender Raum, sondern als Akteurin und Produzentin von Strukturen und Grenzziehungen aufgefasst werden. Auch wenn dieser Aspekt in allen Vorträgen etwas in den Hintergrund rückte, lieferte das Panel einen vielfältigen Einblick in die Bedeutung nationaler Fremd- und Selbstzuschreibungen im Migrationskontext.

* Protestierende Immigranten ohne (offizielle) Papiere im April 2008 in Paris
Immigranten_Demo.jpg

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 04.10.10 · 14:00 Uhr· 0 Kommentare

Die „Zukunftsmusik" des Mittelalters. Geschichte hat Zukunft

Kategorie: Deutsche Postings·Mittelalter  ·  Kommentare: 1

In einem kleinen Kreis begann der Vortrag „Über menschliche Grenzen hinweg: Der Traum vom Fliegen im Mittelalter" von Prof. Dr. Oliver Auge. Eingangs zeigte Prof. Auge auf, dass das Motto „Geschichte hat Zukunft" eine hoffnungsvolle Prognose ist. Schließlich wird damit ausgedrückt, dass Geschichte als Geschehenes immer eine Zukunftsperspektive aufweist, sozusagen die Zukunft enthält.

Leonardo_da_Vinci_helicopter.jpgVon Friederike Gund

Passend zum Thema Grenze wählte Prof. Dr. Auge sein Thema: der Traum vom Fliegen. Hierzu bedarf es der Auseinandersetzung mit verschiedenen Bereichen: der Technik-, Religions- und Kirchengeschichte sowie der Literaturgeschichte. Die wichtigste Frage, die man sich dabei stellt, ist, welche Techniken man in der Vergangenheit zum Fliegen verwendete und ob das Fliegen damit überhaupt möglich war.
* Die Skizze zeigt die Flugspirale von Leonardo da Vinci.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 04.10.10 · 11:00 Uhr· 1 Kommentar

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