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Martin Bäker ist Physiker.
Er hat in Hamburg studiert und über die Simulation von Elementarteilchenprozessen promoviert. Seit 1996 erforscht er an der TU Braunschweig das mechanische Verhalten moderner Werkstoffe.
Wie Cäsar über sich in der dritten Person zu schreiben, findet er ein wenig seltsam.
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01.10.11 · 15:01 Uhr
Der Neutrino-Tunnel
Kategorie: Politik · Kommentare: 31
Wie sind die Neutrinos eigentlich vom CERN nach Italien gekommen? 700 Kilometer durch festes Gestein? Aber nein, keine Sorge. Dank der italienischen Bildungs- und Forschungsministerin wissen wir es jetzt besser.
In einer Pressemitteilung lobte sie die Entdeckung und erklärte, dass Italien einen großen Beitrag zum Tunnel vom CERN nach Gran Sasso geleistet hat.
Ist ja auch naheliegend, oder? Der Tunnel hat laut Ministerin übrigens 45 Millionen Euro gekostet.
Fragt man sich, wo das Geld tatsächlich geblieben ist...
Und man fragt sich vielleicht noch zwei Dinge:
1. Welche Qualifikation braucht man als Forschungsministerin?
2. Wenn man schon keine Ahnung hat, sollte man Pressemitteilungen nicht durch irgendwen angucken lassen, der was davon versteht?
Einen Screenshot der (inzwischen anscheinend nicht mehr existierenden) Seite findet ihr übrigens hier. Auch der Tagesspiegel berichtete anscheinend.
Autor: MartinB· 31 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (31)
^^dat jibbet in real? Kenn ich nur als steinalte (und konstruierte) Anekdote, bei der eine ältere Dame nach der hingebungsvoll von Grund auf erklärenden Führung durch das Kraftwerk fragt, wer denn eigentlich die kleinen Löcher in den Draht bohre, durch die dann nachher die Elektronen flössen.
Aber in real? *schüttel*
@MartinB:
ich glaube, daß hier immer nur der Tunnel in Gran Sasso selbst gemeint ist, in dem das Experiment aufgebaut wurde...
da stellt sich für mich noch eine andere Frage... wer hat denn die Träger bezahlt die die Neutrinos von CERN nach Gran Sasso durch den Tunnel getragen haben ??? *gg
@SCHWAR_A
Da steht aber (in der Übersetzung, vielleicht kann ja jemand Italienisch)
"Italy has contributed to the construction of the tunnel between CERN and Gran Sasso Laboratories,"
Der Text sagt nur aus, dass Italien zu der Konstruktion eines Tunnels beigetragen hat, der irgendwo auf der Strecke CERN-Gran Sasse verortet ist. Die Tunnelenden müssen am CERN und an Gran Sasso liegen. ^^
@SCHWAR_A
"Alla costruzione del tunnel tra il Cern ed i laboratori del Gran Sasso..."
übersetzen wir ganz zwanglos so:
"Zur Konstruktion des Tunnels zwischen ["tra il"] Cern und den Gran-Sasso-Laboratorien..."
hahahaha
@tritonus:
...genau so hab' ich diesen Text auch übersetzt - die dahinterstehende Idee, ein kompletter Tunnel, ist aber eine krasse Mißinterpretation der tatsächlichen italienischen Worte, bei denen sonst immer vom Experiment OPERA gesprochen wird, das in einem "Tunnel" stattfindet, der in Richtung CERN ausgerichtet ist...
Der Italiener sagt zu einem "unter die Erde verlegten Einkaufszentrum" auch "Tunnel"...
Neutrinos fliegen vom Cern nach Gran Sasso. Italien gräbt einen Tunnel.
...außerdem kann ich gut verstehen, daß Laien (insbesondere Forschungsminister) instinktiv denken: "Wenn ich mit der Lichtgeschwindigkeit vergleiche, brauche ich auch Licht - also muß da ein Tunnel sein"; oder so...
@SCHWAR_A
Aber wenn das im Italienischen ganz glasklar wäre, dann wäre es seltsam, dass sie die Seite vom Netz genommen haben, oder?
Bunga, bunga!
Wie hat die Dame ihren Job bekommen?
Danke mein Bier hat sich beim lachen auf dem Bildschirm verteilt ...
WeiterGen, 17:52 Uhr:
Mehr kann man dazu kaum sagen. :D
Bitte ein "?" setzen oder das "nicht" streichen.
Auch wenn die Aussage klar ist, veriwrrt es.
@PeteH
Stimmt. (vielleicht sollte ich meine Texte durch jemanden angucken lassen, der was davon versteht?)
Von der Physik der Neutronis und der SRT verstehe ich nicht viel, aber stand nicht irgendwo, dass der String-Theorie zufolge die Neutrinos durch andere Dimensionen tunneln könnten? Vielleicht hat Italien ja einen solchen Tunnel gebaut? Schließlich wurden vor einiger Zeit in Italien unbekannte politische Dimensionen entdeckt, aus dem Bunga-Bunga-Universum.
@JK
"Vielleicht hat Italien ja einen solchen Tunnel gebaut? "
Na klar. Deswegen wissen wir auch nix davon. Und der Tunnel ist ne Abkürzung gegenüber der Luftlinie, nicht schlecht, sollte man patentieren.
@WeiterGen/Odysseus
Da kann man noch viel mehr zu sagen:
HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA
Waren mir zuwenige HAs ;-).
Das ist fast so schön wie der Kreationist, der dahinter gekommen ist, dass die Evolution eine enorme externe und fortwährende Energiequelle benötigt - zum Beispiel ein zentrales Gestirn wie die Sonne. Mmmh, nein, das hier ist noch schöner. Wer weiß, was die Italiener noch gebaut haben. Vielleicht die Krümmung der Raumzeit?
Man kann awesomestnerd einfach nicht genug Tribut zollen. Hier ist er: Der besagte Kreationist.
awesomestnerd gibt es auch im Original und als zitierfähige Konserve.
Und bzgl der Bautätigkeit der Italiener hat Rarehero recht: Schon als die noch Römer hießen, beglückten sie uns mit zahlreichen Modellen zum Gravitationspotential der Erde.
Missing link zwischen den extra Dimensionen des Bunga-Bunga-Universums und der String-Theorie nachgewiesen: der String-Tanga! Siehe dazu Berlusconi, S.: The female universe and the string theory, Italian Journal of Poppo della Liberta 2009 (13), Seite 1 - Seite O.
"Schneller als Lichtgeschwindigkeit"
Ist es überhaupt angebracht in der Wissenschaft von objektiver Erkenntnis zu sprechen? Handelt es bei wissenschaftlichen Aussagen nicht um Aussagen mit hypothetischen Charakter und dieser Charakter wird doch an die nächste Hypothese weitergegeben. Ist die Wissenschaft nicht ein Glaubenskonstrukt.
Gibt es soetwas wie objektive Erkenntnis überhaupt.
@Schmidt
Falls das ernstgemeinte Fragen sind, empfehle ich die Lektüre dieser Artikel:
http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/12/physik-und-geist-dialog-uber-zwei-weltsysteme.php
http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2011/01/denken-in-modellen.php
Kurze Antwort: Wissenschaftliche Fakten kann ich genau so sicher wissen wie ich weiß, was ich gerade zum Mittag gegessen habe.
@MartinB
Nein nicht wirklich. Ich habe selbst aber noch ein paar erkenntnistheoretische Lücken.
Vielen Dank für den Link! Les ich durch.
"Wissenschaftliche Fakten kann ich genau so sicher wissen wie ich weiß, was ich gerade zum Mittag gegessen habe."
Ist ein Axiom nicht auch immer eine Annahme die man nicht beweisen kann. Geht man in der Wissenschaft nicht von einer hypothetischen Realität aus.
Welche wissenschaftliche Tatsachen gibt es jetzt wirklich? Woher können wir wissen, dass unser Wissen im wissenschaftlichen Sinnen in hundert Jahren nicht falsch ist/war.
MfG
@ Schmidt: "Woher können wir wissen, dass unser Wissen im wissenschaftlichen Sinne in hundert Jahren nicht falsch ist/war":
Das können wir nicht in einem absoluten Sinne wissen. Aber Theorien hängen ja nicht nur an angenommenen Axiomen (ohnehin sind viele Wissenschaften/Theorien mangels konsequenter Formalisierung gar nicht axiomatisiert), sondern sie müssen sich auch empirisch bewähren, indem die aus einer Theorie abzuleitenden Hypothesen durch Beobachtungen bestätigt werden. Manches wird in einem Maße bestätigt, dass es zur "wissenschaftlichen Tatsache" im Sinne Ludwik Flecks wird, d.h. es wird zu langweilig, um es immer wieder neu zu untersuchen. Dazu gehört heute sicher die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist. Das wird kein vernünftiger Mensch mehr als untersuchungswürdige "Hypothese" betrachten und Forschung dazu fände keinen Finanzier mehr. Manches, was als derart sicher angenommen wird, kann aber durch unerwartete Beobachtungen auch wieder infrage gestellt werden - wobei dann oft erst einmal die Verlässlichkeit der Beobachtung hinterfragt wird. Genau das passiert jetzt mit der SRT und der Neutrinomessung: Die SRT ist so oft und so gut bestätigt worden, siehe MartinBs Ausführungen, dass sie mehr oder weniger als "wissenschaftliche Tatsache" gilt und jetzt erst einmal eher die theoriekritische Beobachtung hinterfragt wird. Der Begriff "objektive Erkenntnis" hat in diesem Sinne also durchaus seine Berechtigung, quasi synonym zu "gut bewährter empirischer Erkenntnis" (sofern es nicht um Mathematik geht). Es geht nicht um absolutes Wissen, das gibt es zumindest in den empirischen Wissenschaften nicht.
"Geht man in der Wissenschaft nicht von einer hypothetischen Realität aus. "
Genauso wie mein Mittagessen, sag ich ja. Ich kann nicht 100% beweisen, dass ich nicht in Wahrheit ein Hirn im Tank bin oder dass mich nicht ein Gott vor 5 Minuten mit allen Erinnerungen geschaffen hat oder oder oder. Trotzdem gehe ich davon aus, dass ich tatsächlich heute Mittag drei leckere Fischsorten gefuttert habe.
Mit der Wissenschaft ist es ähnlich - wenn ich meine Beobachtungen als real akzeptiere, dann ergeben sich wissenschaftliche Fakten genauso wie alltägliche.
"Woher können wir wissen, dass unser Wissen im wissenschaftlichen Sinnen in hundert Jahren nicht falsch ist/war."
Jetzt musst du dich fragen, was du mit "Wissen" meinst - du musst Fakten von Theorien trennen (auch in 100 Jahren wird es richtig sein zu sagen, dass heute Dinge nach unten fallen, aber vielleicht haben wir un 100 Jahren eine umfassendere Theorie der Schwerkraft, die die ART nur noch als Grenzfall enthält.)
@MarinB
@JK
Danke!
45 Mio für einen 700km Tunnel? Was haben die Schweitzer mit dem Gotthard-Basis-Tunnel falsch gemacht? (von S21 gar nicht erst zu reden)
Tausend und eins Märchen der Physik. Neutrino- Märchen
Die Sache mit den Neutrinos ist deswegen so interessant, weil sie beispielhaft zeigt wie die Bildung der Mythen und Märchen in der Physik entsteht.
Lieber Herr Cwirko, Ihre ellenlangen Texte haben hier nichts verloren. Falls jemanden interesiert, warum sich alles nur durch den "gravitativen Hintergrund" erklären lässt (egal ob Vogelsterben, das Verhalten von Monden oder Neutrinos) kann er ja Ihren link anklicken, den lasse ich hier netterweise stehen.