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Martin Bäker ist Physiker.
Er hat in Hamburg studiert und über die Simulation von Elementarteilchenprozessen promoviert. Seit 1996 erforscht er an der TU Braunschweig das mechanische Verhalten moderner Werkstoffe.
Wie Cäsar über sich in der dritten Person zu schreiben, findet er ein wenig seltsam.

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15.03.11 · 09:00 Uhr

Gibt es die dunkle Energie?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 82

Wir befinden uns im Jahr 2011. Die ganze Kosmologengemeinde wird von der Idee der dunklen Energie beherrscht... Die ganze Gemeinde? Nein! Ein von fantasievollen Forschern bevölkertes Forschungsinstitut hat angefangen, der Idee der dunklen Energie Widerstand zu leisten.

Dass das Universum sich ausdehnt, ist ja ein alter Hut (und wird inzwischen schon in Liedtexten verarbeitet). Vor etwa zehn Jahren (1998) hat man allerdings eine überraschende Entdeckung gemacht: Die Ausdehnung des Universums beschleunigt sich anscheinend. Wenn etwas beschleunigt wird, dann braucht man dazu irgendetwas, das für die Beschleunigung sorgt. Aus dieser Überlegung wurde die Idee der "dunklen Energie" geboren. Heute gehört die dunkle Energie quasi zum Standard-Repertoire der Kosmologie. Aber gibt es die dunkle Energie wirklich?

Was dunkle Energie ist, hat natürlich Florian schon mal ausführlich erklärt. Hier noch einmal die Geschichte in Kurzfassung - aber ein Klick auf Florians Erklärung ist sicher auch hilfreich:

Die Astronomen verwenden eine bestimmte Art von Supernova-Explosionen (Supernovae vom Typ Ia), die die Eigenschaft haben, immer genau gleich abzulaufen und deshalb auch immer dieselbe Helligkeit zu haben. Diese Supernovae sind sozusagen "Standardkerzen". Wären sie alle gleich weit weg, dann würden sie auch alle genau gleich hell aussehen. Genauso wie ein Autoscheinwerfer immer dunkler erscheint, je weiter das Auto weg ist, ist es auch mit den Supernovae. Und da man weiß, wie hell sie tatsächlich sind, kann man aus ihrer scheinbaren Helligkeit ihre Entfernung berechnen.

Zusätzlich kann man auch das Lichtspektrum der Supernovae analysieren. Dank des bekannten Doppler-Effekts verschieben sich die Spektrallinien im Lichtspektrum, je schneller sich die Supernovae von uns entfernen. Weil sich das Universum ausdehnt, verändert sich auch die Wellenlänge des Lichts, während es von der Supernova zu uns unterwegs ist. Das ist die kosmologische Rotverschiebung. (Die ich peinlicherweise mit dem Doppler-Effekt durcheinandergewürfelt habe - schäm - danke an Andreas Müller von den KosmoLogs, der mich unten auf diesen Schnitzer aufmerksam machte.)

Und wenn man nun unterschiedlich helle Supernovae anguckt und ihre Spektren vermisst, dann kann man daraus ableiten, wie schnell sich das Universum ausdehnt - je dunkler eine Supernova, desto weiter ist sie weg und desto früher wurde das Licht ausgesandt, je weiter die Spektrallinien verschoben sind, desto mehr hat sich das Universum ausgedehnt, seit das Licht ausgesandt wurde.

Dieses Bild (hier geklaut) zeigt oben die Supernova-Helligkeit, unten die Abweichung von einer diagonal verlaufenden Geraden im oberen Bild, aufgetragen gegen die Rotverschiebung (und damit letztlich gegen die Geschwindigkeit der Ausdehnung):
supernovahz_highzhub_col_bothbig.gif
Die drei eingezeichneten Kurven (leider nicht so klar zu erkennen) entsprechen unterschiedlichen Modellen - das mit ΩΛ=0 ist das ohne dunkle Energie. Man sieht (na gut, mit bloßen Auge sieht man das nicht wirklich, aber eine statistische Analyse zeigt), dass es nicht zu den Beobachtungen passt. Die Daten lassen sich aber mit der Annahme erklären, dass die Ausdehnung des Universums sich beschleunigt.

Irgendetwas beschleunigt also die Ausdehnung des Universums. Dieses "Etwas" nennt man dunkle Energie. Das klingt zunächst mal weit hergeholt, deshalb suchte man nach weiteren Bestätigungen, dass es so eine dunkle Energie tatsächlich geben könnte. Die fand man bei der Analyse der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Hintergrundstrahlung ist ja gewissermaßen ein messbares Überbleibsel des Urknalls. Messungen von Schwankungen in der Hintergrundstrahlung können deshalb Aufschluss darüber geben, welche Struktur das Universum relativ "kurz" nach dem Urknall (als das Universum begann, durchsichtig zu werden) hatte. Auch diese Messungen lassen sich mit theoretischen Überlegungen nur dann in Einklang bringen, wenn man dunkle Energie annimmt.

(Achtung: Die dunkle Energie bitte nicht mit der dunklen Materie verwechseln, das ist was völlig anderes...)

Auch wenn niemand eine Idee hat, was die dunkle Energie eigentlich sein soll: Es gibt für sie auf jeden Fall gute Argumente. Wenn da jemand ankommt und sagt "alles Quatsch", dann ist erstmal Vorsicht geboten.

ResearchBlogging.orgEin solcher "Jemand" ist David Wiltshire. Nach seinen Ideen wurde hier neulich irgendwo in den Kommentaren gefragt (leider weiß ich nicht mehr wo und von wem, auf jeden Fall danke für den Tipp), und daraufhin neugierig geworden, habe ich ein bisschen über seine Ideen gelesen. Anfangs war ich skeptisch.

Beim Lesen des ersten papers wurde ich noch skeptischer. Der Untertitel "Einstein's unfinished revolution" lässt ja Arges befürchten - "Ich bin der neue Einstein", oder wie? Der Abstract beginnt mit den Worten "I argue that Einstein overlooked an important aspect of the relativity of time" ('Ich behaupte, dass Einstein einen wichtigen Aspekt der Relativität der Zeit übersehen hat'). Äh - na klar. An einem Mangel an Selbstbewusstsein scheint der Autor nicht zu leiden.

Aber immerhin - seine paper wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht, auf Konferenzen vorgetragen und sogar bei nature fand ich eine kurze Erwähnung. Völlig abstrus sollte die Idee also nicht sein. Also, schauen wir doch mal, was Wiltshire für eine Idee hat.

Und die Grundidee seiner Hypothese ist bestechend einfach: Wir wissen, dass das Universum nicht homogen ist. Galaxienhaufen sind im Universum nicht gleichmäßig verteilt, sondern liegen entlang von "Wänden", mit verhältnismäßig leeren "Blasen" dazwischen. (Unsere Galaxis sitzt auch in so einer Wand.) Dieses Bild hier zeigt eine Simulation der Struktur des Universums, die Struktur, von der ich hier rede, sieht man am besten auf dem mittleren Bild:
milleniumSimulation.jpg
(Entnommen aus dem paper "Simulating the joint evolution of quasars, galaxies and their large-scale distribution".)

Innerhalb der "Wände" ist die Massendichte natürlich viel höher als dazwischen. Und hier sieht Wiltshire ein entscheidendes Problem herkömmlicher kosmologischer Modelle. Die nehmen nämlich an, dass die Materie im Universum gleichmäßig verteilt ist.

Wiltshire aber sieht das anders: In den Gebieten mit hoher Materiedichte ist auch die Raumzeit anders gekrümmt als in den Gebieten dazwischen. Das sorgt dafür, dass in diesen Bereichen die Ausdehnung des Universums langsamer abläuft. Denn nach der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) dehnt sich das Universum ja nicht einfach überall mit derselben Geschwindigkeit - je mehr Materie da ist, desto langsamer dehnt sich der Raum aus.

Herkömmliche Modelle des Universums berechnen den Einfluss der Materie, indem sie sie gleichmäßig als eine Art "Staub" im Universum verteilen. Dann ist das Universum homogen und seine Ausdehnung auch. Kurz nach dem Urknall war das noch richtig. Aber dann bildeten sich die oben gezeigten Strukturen heraus - die Ausdehnung des Universums wurde ungleichmäßig. Und die ungleichmäßige Ausdehnung hat noch eine weitere Konsequenz: Berechnet man die mittlere Materiedichte, so nimmt diese natürlich mit der Ausdehnung des Universums mit der Zeit ab - es entsteht ja "neuer Raum", aber keine neue Materie. In einem Modell mit ungleichmäßiger Ausdehnung sieht die Abnahme der Dichte aber anders aus, weil sich die Leerräume eben besonders schnell ausdehnen.

Noch ein weiterer Effekt kommt hinzu: Nach der ART kann die Raumzeitkrümmung, die ja Energie enthält, selbst auch als Quelle weiterer Raumzeitkrümmung dienen. (Hallo Niels et al: Ja, ich bin inzwischen sicher, dass das so ist.) Allerdings ergibt sich in der ART das Problem, dass man die Energie nicht ohne weiteres lokalisieren kann, weil sie eben in der Raumzeitkrümmung steckt, also über einen bestimmten Raumbereich "verschmiert" ist. Dies erhöht die Raumzeitkrümmung in den materiereichen Gebieten weiter.

Um aus dieser Idee echte Physik zu machen und die Konsequenzen abschätzen zu können, muss man das Modell natürlich quantitativ formulieren. Das ist ziemlich knifflig, und zwar genau wegen der ungleichmäßigen Ausdehnung. In einem Modell mit homogener Ausdehnung des Universums kann ich ohne Probleme einen "aktuellen" Zustand des Universums definieren - die Ausdehnung ist überall dieselbe, also ist die aktuelle Ausdehnungsgeschwindigkeit gleichzeitig ein Maß für die Zeit. In Wiltshires Modell ist das aber nicht so einfach.

Um dieses Problem zu lösen, greift er ziemlich tief in die mathematische Trickkiste (und geht damit "etwas" über meinen Horizont hinaus). Er definiert spezielle Bezugsflächen an den "Rändern" der materiereichen Gebiete, die den schönen Namen "finite infinity" (endliche Unendlichkeit) bekommen, weil sie das mathematische Äquivalent zu einer unendlichen Entfernung von einer isolierten Masse in einer ansonsten flachen Raumzeit darstellen. Diese "Ränder" verbinden die Leerräume und die materiereichen Räume.

Mit dem Konzept der "finite infinity" lässt sich auch das Problem der nicht lokalisierten Gravitationsenergie - wenn ich es richtig verstehe - lösen, indem über die materiereichen Gebiete gemittelt wird. Ehe ich jetzt hier aber dank meines gesunden Halbwissens völligen Unsinn schreibe, verweise ich lieber auf die Veröffentlichungen... Schauen wir uns lieber an, was aus Wiltshire Ideen folgt.

Insgesamt ergibt sich als eine wichtige Konsequenz, dass die Zeit wegen der höheren Raumzeitkrümmung in den materiereichen Gebieten deutlich anders verläuft als in den Leerräumen: Während bei uns (nach Wiltshires Modell) das Universum erst etwa 14,7 Milliarden Jahre alt ist (etwa 1 Milliarde Jahre mehr als nach den üblichen homogenen Modellen), würde es für jemanden, der die ganze Zeit in einem der Leerräume gesessen hat, mit mehr als 18 Milliarden Jahren deutlich älter erscheinen. Weil die Zeit auch auf großen Längenskalen an verschiedenen Punkten des Universums unterschiedlich schnell verläuft, spricht Wiltshire von eine "Timescape"-Modell. (In Analogie zu "landscape"-"Landschaft" also etwa "Zeitschaft", klingt im Deutschen aber ziemlich dämlich.) Und genau diese ungleichmäßige Ausdehnung ist der Grund für die scheinbare Beschleunigung der weit entfernten Galaxien. Denn der Abstand zwischen Supernova und uns ändert sich im Wiltshire-Modell anders als in homogenen Modellen, und damit ändert sich auch die Beziehung zwischen Rotverschiebung und Helligkeit.

Das Timescape-Universum ist also etwas komplizierter als nach den üblichen Modellen. Dafür kommt es ohne dunkle Energie aus. Ob das Modell etwas taugt oder nicht, können aber nur Beobachtungsdaten zeigen.

Wie gut schneidet das Modell im Vergleich zur "dunklen Energie" ab? Wiltshire hat verschiedene Beobachtungsdaten zu erklären versucht. Die oben gezeigten Daten der Supernovae lassen sich tatsächlich im Modell nachrechnen, ohne dass man eine "dunkle Energie" benötigt. Dieses Bild (analog zum unteren Teilbild der Supernova-Daten, die ich oben gezeigt habe) zeigt die Supernova-Daten und als durchgezogene Linie die Vorhersage von Wiltshires Modell (mit angepassten Parametern):
supernovaWiltshire.jpg

Der Beschleunigungseffekt ist also nur ein Scheineffekt, tatsächlich verläuft (im Modell) die Ausdehnung des Universums in allen Bereichen gebremst - wenn auch in den Leerräumen weniger gebremst als in den materiereichen Gebieten. Auch die Beobachtungsdaten der Kosmischen Hintergrundstrahlung können im Modell anscheinend korrekt wiedergegeben werden - hierfür habe ich allerdings keine besonders übersichtliche Grafik finden können, auf der man das sofort sieht.

Wiltshire argumentiert sogar, dass er mit seinem Modell einige Probleme herkömmlicher Modelle lösen kann, beispielsweise die sogenannte Lithium-Anomalie (das gemessene Verhältnis der beiden Lithium-Isotope Li-6 und Li-7 entspricht nicht den Vorhersagen der üblichen kosmologischen Modelle) - im Wiltshire-Modell ist etwas mehr Zeit seit dem Urknall vergangen und die auf die Zeit kurz nach dem Urknall zurückgerechnete Materiedichte hat etwas andere Werte, so dass sich andere Verhältnisse für die damals stattgefundenen Kernprozesse ergeben.

Insgesamt könnte Wiltshires Modell also eine ernstzunehmende Alternative zur "dunklen Energie" sein. Das Modell ist konzeptionell einfach (mathematisch allerdings nicht, ächz) und auch von daher attraktiv. Seine Vorhersagen sind nicht identisch, passen aber zu den bisherigen Messdaten und können vielleicht sogar einige Werte besser erklären. Welches der beiden Modelle richtig ist, wird die Zukunft zeigen, wenn bessere Messdaten vorliegen. Vielleicht wird die "dunkle Energie" bald ebenso verschwinden wie es vor 100 Jahren der Äther tat - eine Idee, die eine Zeit lang ein gutes Modell war, sich letztlich aber nicht bewährt hat.


Wiltshire hat eine Menge Veröffentlichungen geschrieben. Diese hier scheint mir die verständlichste (was aber nur relativ zu sehen ist):

WILTSHIRE, D. (2009). FROM TIME TO TIMESCAPE -- EINSTEIN'S UNFINISHED REVOLUTION International Journal of Modern Physics D, 18 (14) DOI: 10.1142/S0218271809016193

Auf seiner Homepage findet man weitere Veröffentlichungen und Links auf ein paar populärwissenschaftliche Artikel (die auf ähnlichem Niveau sind wie meiner hier). Es gibt auch ein FAQ zu seinen Ideen, das allerdings auch nicht ganz leicht zu lesen ist.

Auch Andreas Müller von den Kosmologs hat schon über Wiltshires Ideen gebloggt.

 

Autor: MartinB· 82 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (82)

Kommentar-Direktlink BerndB· 15.03.11 · 09:59 Uhr

Eine faszinierende Theorie. Klingt für mich auch erstmal irgendwie einleuchtend,
da ja die Masseverteilung ja offensichtlich nicht homogen ist.

Kommentar-Direktlink KommentarAbo· 15.03.11 · 11:10 Uhr

...

Kommentar-Direktlink SCHWAR_A· 15.03.11 · 12:34 Uhr

@MartinB:
"Faszinierend!" Leider wieder hinter einer 'Bezahlschranke'...

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 12:43 Uhr

@SCHWAR_A
Schick mir ne mail - zu privaten Zwecken darf ich ja eine Kopie verteilen.

Kommentar-Direktlink miesepeter3· 15.03.11 · 13:29 Uhr

@Martin B.

Wenn das Universum sich in Teilen unterschiedlich schnell ausdehnt, warum "reißt" es dann nicht an den Grenzen zwischen sich schnell und langsam bewegenden Teilen?

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 14:16 Uhr

@miesepeter
Die Raumzeit kann nicht "reißen" (außer vielleicht an schwarzen Löchern). stell es dir wie eine Gummihaut vor - wenn du einen länglichen Luftballon aufpustest, dann dehtn ersich erst an einem Punkt stark aus, dann breitet sich das nach außen aus. Die Dehnung ändert sich auch beim universum ja nicht sprunghaft, sondern allmählich - im Innern der Materiebereiche am kleinsten, in den Leerräumen am größten.

Kommentar-Direktlink SCHWAR_A· 15.03.11 · 14:59 Uhr

@MartinB:
"im Innern der Materiebereiche am kleinsten, in den Leerräumen am größten."

Für eine Zeitspanne von Milliarden Jahren würde sich aber durchaus eine gewaltige 'Delle' in der 'Gummihaut' ergeben, oder nicht? Ist der Gradient evt. bereits vergleichbar mit der Umgebung um eine Masse bestimmter Größe?

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 15:21 Uhr

@SCHWAR_A
Das Universum ist in den leeren Bereichen etwa 40% "älter" - bei halbwegs konstanter Ausdehnung also auch 40% größer, wenn ich das richtig verstehe. Dass man das sinvoll mit der Krümmung durch eine Masse vergleichen kann, glaube ich nicht, weil - wenn ich das paper richtig verstehe - die Krümmung dort negativ ist.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 15.03.11 · 15:56 Uhr

@MartinB: Was ich hier nicht verstehe: die ganzen Leute, die Simulationen zur Strukturbildung im Universum machen (Millenium-Simulation usw.), berücksichtigen doch genau die ganzen Inhomogenitäten in ihren Rechnungen. Warum ist denen also dieser angeblich so offensichtliche Effekt nie aufgefallen?

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 16:07 Uhr

@Bjoern
Weil die - wenn ich wiltshire richtig verstehe - die Strukturbildung vor einer homogenen Raumzeit rechnen - die Gleichungen der ART werden da nicht gelöst.
Und sooo offensichtlich ist der Effekt nicht, weil man intuitiv ja denken würde, dass das bisschen Materie keinen nennenswerten Einfluss hat - es ist der dreifach-Effekt, auuf den muss man erstmal kommen: Dilatation durch Materiedichte, Dilatation durch Gravtitationsenergie (wird wohl sonst immer vernachlässigt, weil nciht so klar ist wie man das rechnen soll, deswegen ja die "finite infinity"), geringere Bremsung der Ausdehnung in den leeren Bereichen.

Aber im nachhinein sind clevere ideen doch eh immer einfach, oder?

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 15.03.11 · 16:58 Uhr

Ich hatte kürzlich einmal über einen Artikel geschrieben, bei dem darum ging, dunkle Energie unabhängig von ihrem Expansions-Beschleunigungs-Effekt nachzuweisen. Interessant wäre, wie sich diese Arbeit zu den hier dargestellten verhält.

Kommentar-Direktlink roel· 15.03.11 · 17:18 Uhr

@MartinB phantastischer Artikel. Seitdem ich über dunkele Energie gelesen habe, hatte ich meine Zweifel daran.
Das paper ist glaube ich hier http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/0912/0912.4563v1.pdf legal erhältlich.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 15.03.11 · 17:27 Uhr

@MartinB:

Weil die - wenn ich wiltshire richtig verstehe - die Strukturbildung vor einer homogenen Raumzeit rechnen - die Gleichungen der ART werden da nicht gelöst.
Soweit ich mich erinnere (ist ca. 10 Jahre her, dass ich mich mal damit beschäftigt habe), betreiben die im Wesentlichen Störungsrechnung für die Gleichungen der ART, wobei die homogene Raumzeit halt die 0.Ordnung wäre. Also werden die Gleichungen der ART in gewissem Sinne schon gelöst - zwar nur näherungsweise, aber alleine die Tatsache, dass die Ergebnisse der Simulationen so gut mit den Beobachtungen übereinstimmen, deutet ja wohl schon darauf hin, dass die Näherung gut ist!

Und sooo offensichtlich ist der Effekt nicht, weil man intuitiv ja denken würde, dass das bisschen Materie keinen nennenswerten Einfluss hat - es ist der dreifach-Effekt, auuf den muss man erstmal kommen: Dilatation durch Materiedichte, Dilatation durch Gravtitationsenergie (wird wohl sonst immer vernachlässigt, weil nciht so klar ist wie man das rechnen soll, deswegen ja die "finite infinity"), geringere Bremsung der Ausdehnung in den leeren Bereichen.
Wie gesagt, ich erinnere mich nicht mehr sooo genau daran - aber ich würde schon sagen, dass diese Effekte alle bei der Näherung schon mit berücksichtigt werden...

Kommentar-Direktlink stone1· 15.03.11 · 17:42 Uhr

Danke für diese faszinierende Analyse. Ich hatte bei http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/02/den-urknall-gab-es-wirklich-teil-2-das-licht-aus-der-vergangenheit.php stone1· 04.03.11 · 17:13 Uhr auf das Timescape-Modell hingewiesen, hätte aber nicht damit gerechnet, so rasch einen Artikel darüber hier vorzufinden. Sehr anschaulich erklärt, man darf auf weitere interessante kosmologische Erkenntnisse gespannt sein.

Aus irgendeinem Grund mochte unser Spamfilter diesen Kommentar nicht, sorry. Und nochmal danke für den Hinweis auf Wiltshire

Kommentar-Direktlink Andreas· 15.03.11 · 17:48 Uhr

Das Alter des Universums will man doch mit einigen verschiedenen Methoden herausgefunden haben. Wurde bei der Vermessung zum Beispiel mit Hubble Homogenität vorausgesetzt?
Aber das Modell klingt unglaublich logisch. Und wenn es die dunkle Energie los wird, umso besser.

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 17:57 Uhr

@Bjoern
Hier ein Zitat aus dem Wiltshire-paper (und danke für den link darauf, rolak)

Numerical simulations of cosmic structure made on large supercomputers today assume only Newtonian gravity in the background of an expanding homogeneous universe, whose expansion rate is given by that of a Friedmann–Lemaıtre-Robertson–Walker (FLRW) model put in by hand. The deceleration of the local
expansion is not directly coupled to the motion of the mass particles, as it would
be in Einstein’s equations.

Danach wird das wirklich nicht mitgerechnet.

@Andreas
Bei der Vermessung mit Hubble bekommt man ja zunächst mal Rotverschiebungsdaten als Funktion der Entfernung (bei den Supernovae). Um daraus ein Universumsalter zurückzurechnen, wird tatsächlich ein homogenes Modell angesetzt.

@JF
Kann ich nicht beurteilen - ich verstehe die Idee des von Ihnen behandelten papers auch nicht - gravitativ gebundene Systeme erfahren ja keine Ausdehnung.

Kommentar-Direktlink rolak· 15.03.11 · 18:36 Uhr

öhm, danke für die Blumen MartinB, aber ich gedenke sie -etwas vermehrt- weiter an die richtige Adresse zu schicken: roel.

die verständlichste (was aber nur relativ zu sehen ist)
Nichts gegen den schönen Artikel - aber das ist der krönende Abschluß :-)

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 18:47 Uhr

Uuups,, 'schuldigung roel (was habt ihr auch so ro-e Namen...)
Was den krönenden Abschluss angeht - das war nicht mal beabsichtigt.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 15.03.11 · 19:01 Uhr

@MartinB:

Hier ein Zitat aus dem Wiltshire-paper.........Danach wird das wirklich nicht mitgerechnet.
Stimmt. Ich hab' noch mal nachgelesen (hatte irgendwo vergraben noch was dazu rumliegen), und Wiltshire hat tatsächlich recht: man betreibt im Wesentlichen Newtonsche Gravitationstheorie vor dem Hintergrund eines (homogenen) expandierenden Universums.


Aber: wenn das so gar nicht stimmt - wieso stimmen die Ergebnisse der Simulationen dann so gut mit den Beobachtungen überein?

Kommentar-Direktlink Andreas· 15.03.11 · 19:42 Uhr

@Bjoern

Aber: wenn das so gar nicht stimmt - wieso stimmen die Ergebnisse der Simulationen dann so gut mit den Beobachtungen überein?
Pech? Oder die Simulationen simulieren nichts, worin sich beide Modelle unterscheiden und was man bisher modellunabhängig überprüfen könnte.

Kommentar-Direktlink MartinB· 15.03.11 · 20:18 Uhr

@Bjoern
Hab ich so verstanden: Die Supernovae sitzen ja alle nur in den materiereichen Bereichen, die anderen sind ja leer. Deswegen äußert sich der Effekt eben nur in der Rotverschiebung als "dunkle Energie". Vom sich anders ausdehnenden leeren Raum sieht man ja nichts.

Kommentar-Direktlink Florian W.· 15.03.11 · 20:41 Uhr

Ich hätte da auch mal eine dumme Frage: Wenn das Universum schon seit ein paar Millionen Jahren schon nicht mehr expandieren würde, würde man dies auf der Erde überhaupt mitbekommen? Wenn man eine Galaxie vermisst, die Milliarden Lichtjahre weit weg ist, hat man doch nur das Indiz, dass sich damals mit der hohen Geschwindigkeit entfernt hat, aber das muß doch heute gar nicht mehr der Fall sein?

Author Profile Page MartinB· 15.03.11 · 20:59 Uhr

@FlorianW
Theoretisch wohl ja - praktisch müsste dann aber jemand ganz kräftig auf die Universumsbremse getreten haben, denn die Messdaten schon aus einigen Millionen Lichtjahren Entfernung zeigen die Expansion ja noch deutlich. Es gibt also keinen Grund, das anzunehmen (genauso könnte morgen die Schwerkraft aufhören zu wirken).

Habe übrigens gerade den Link auf die Hubble-Originalarbeit gefunden, siehe Tabelle 2. Seine Entfernungswerte gehen bis zu 2 Megaparsec (das sind also etwa 6.5Millionen Lichtjahre) - alerdings sind alle seine Entfernungen etwa um einen Faktor 2,5 oder so falsch:
http://www.pnas.org/content/15/3/168.full.pdf+html

Kommentar-Direktlink Arnd· 16.03.11 · 10:01 Uhr

In der Online-Ausgabe von Bild der Wissenschaft gibt es auch grade einen Artikel über eine neue Bestätigung der dunklen Energie: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313174.html

Wird das irgendwelche Auswirkungen auf die Theorie von David Wiltshire haben?

Kommentar-Direktlink cimddwc· 16.03.11 · 10:03 Uhr

Schöner Artikel (wie immer) – und interessantes, immer wieder aktuelles Thema: "Passenderweise" vermelden die bdw-News heute einen "Punktsieg für die Dunkle Energie" aufgrund genauerer Messungen der Hubble-Konstante mit der neuen Hubble-Kamera durch Adam Riess (und der muss ja richtig gerechnet haben ;) )...

Kommentar-Direktlink adenosine· 16.03.11 · 10:03 Uhr

Reicht es denn, wenn ein Modell wie die dunkle Energie plausibel ist? Wie viele plausible Alternativmodelle können in den nächsten 100 Jahren entwickelt werden? Hängt diese Zahl nur von der Antzahl der Leute ab, die auf diesem Gebiet arbeiten? Wie wahrscheinlich ist es, dass in 100 Jahre die dunkle Energie noch die plausibelste Erklärung ist?

Kommentar-Direktlink cimddwc· 16.03.11 · 10:05 Uhr

2 Minuten zu langsam... :)

Kommentar-Direktlink Andreas Müller· 16.03.11 · 10:07 Uhr

Lieber Martin

Zunächst hätte ich einen ganz wichtigen Einspruch:
Der Grund für die kosmologische Rotverschiebung ist NICHT der Doppler-Effekt, sondern eine sich ausdehnende Raumzeit. Das kann man nur mit Einsteins ART erklären, aber nicht Newtonsch.
Es drei Arten von Rotverschiebungen (kosmologische Rotverschiebung, Doppler-Rotverschiebung, Gravitationsrotverschiebung) und der wesentliche Beitrag in der Kosmologie kommt von einer expandierenden FLRW-Raumzeit. Doppler-Rotverschiebungen sind rein kinematisch und wären Newtonsch erklärbar. Klar, gibt es Doppler-Beiträge von Eigenbewegungen, die sich als Blauverschiebung (z.B. bei der Andromedagalaxie; lokaler Effekt) oder Rotverschiebung äußern können, aber diesen Doppler-Anteil kann man bei hochrotverschobenen Quellen vergessen. Daher bitte um Korrektur.

Wiltshires Arbeiten sind schon 2007 erscheinen (siehe http://arxiv.org/abs/0709.2535) und ich hatte darüber vor gut drei Jahren in meinem Blog (http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/einsteins-kosmos/relativitatstheorie/2007-12-18/dunkle-energie-blo-einbildung) berichtet. Neu ist dieser Ansatz ohnehin nicht, da es bereits kosmologische Modelle ohne Dunkle Energie von Rocky Kolb gab, die 2005 veröffentlicht wurden.

Neu ist hingegen an der Geschichte, dass man gerade dieses "Blasen-Modell" mit aktuellen HST-Daten widerlegt haben will. Adam Riess vom STScI wird dazu einen letter Anfang April vorlegen, den wir uns anschauen sollten. Siehe die 2 Tage alte Pressemeldung: http://www.sciencedaily.com/releases/2011/03/110314174924.htm

Beste Grüße,
Andreas
(KosmoLogs - Einsteins Kosmos)

Kommentar-Direktlink Arnd· 16.03.11 · 10:09 Uhr

Die dunkle Energie ist wenn ich es richtig verstanden habe schon eine elegante Erklärung. Sie wird auch als "negative" Energie angesehen. Wenn man die dunkle Energie, die dunkle Materie und alle normale Materie addiert kommt man auf eine Gesamtmasse, die exakt 0 sein könnte (so genau kann man das noch nicht sagen). Damit könnte dieses unser Universum einfach aus einer Quantenfluktuation entstanden sein. Sehr schön erklärt wird dies von Lawrence Krauss hier: http://www.youtube.com/watch?v=7ImvlS8PLIo

Wenn's nun dunkle Energie doch nicht gibt, dann wird die Erklärung für das Bestehen unseres Universums deutlich schwieriger.

Kommentar-Direktlink MartinB· 16.03.11 · 10:41 Uhr

@Andreas
Aargh - du hast natürlich recht. Werde ich heute abend korrigieren. (Danke für den Hinweis - kopfschüttel, wie konnte das passieren?)

@Andreas, arnd,cimddwc
Die Pressemitteilung enthält aber eine Merkwürdigkeit: "an enormous bubble of relatively empty space eight billion light-years across "
8 Milliarden Lj ist wesentlich mehr als nach Wiltshires Modell, wenn ich das richtig verstehe. Ob das Modell damit ausgeschlossen ist, weiß ich nicht.
Aber lustig, dass das genau jetzt rauskommt.

Kommentar-Direktlink BerndB· 16.03.11 · 10:44 Uhr

Leider ist bei dem Modell mit dunkler Energie bis jetzt noch nicht verstanden, was sie genau ist. Allerdings zeigtsie sich praktischerweise automatisch in Einsteins Konstante.

Wenn man denn nur von außerhalb unseres Universums daraufschauen könnte.

Kommentar-Direktlink BerndB· 16.03.11 · 10:51 Uhr

Zur neuen Hubble-Messung: Soweit ich das verstanden habe, geht es darum, dass die lokale Gruppe selbst nicht IN einer der Blasen liegen kann.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 17:17 Uhr

@Andreas Müller:

Der Grund für die kosmologische Rotverschiebung ist NICHT der Doppler-Effekt, sondern eine sich ausdehnende Raumzeit.
Letzteres stimmt zwar - aber wie der Kosmologe Ned Wright erklärt, kann man's trotzdem auch mit dem Dopplereffekt erklären:
http://www.astro.ucla.edu/~wright/doppler.htm (ganz unten)

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 17:21 Uhr

@adenosine:

Reicht es denn, wenn ein Modell wie die dunkle Energie plausibel ist?
Nein, natürlich nicht. Wie jedes physikalische Modell / Hypothese müssen Vorhersagen gemacht werden und diese dann mit Beobachtungen verglichen werden. Bisher passen die gemachten Beobachtungen zu den Hypothesen - mal schauen, wie's in 10 Jahren aussieht, wenn wir z. B. die Daten von WFIRST haben...
http://wfirst.gsfc.nasa.gov/


Wie viele plausible Alternativmodelle können in den nächsten 100 Jahren entwickelt werden? Hängt diese Zahl nur von der Antzahl der Leute ab, die auf diesem Gebiet arbeiten? Wie wahrscheinlich ist es, dass in 100 Jahre die dunkle Energie noch die plausibelste Erklärung ist?
Die Geschichte der Physik zeigt sehr schön, dass es nicht möglich ist, auf diese Fragen irgendeine sinnvolle Antwort zu geben - außer natürlich: "man weiss es nicht!"

Kommentar-Direktlink MartinB· 16.03.11 · 17:33 Uhr

@Bjoern
Aber die Erklärung mit der Rotverschiebung ist doch insofern falsch, als sich zur Zeit der Aussendung die entsprechende Galaxie noch "langsamer" bewegt hat, oder verstehe ich da was falsch?

@Arnd
Das mit der Quantenfluktuation kann ich immer nicht nachvollziehen - ven Zeit und Raum beim Urknall entstanden sind - was soll denn da fluktuieren? Und wie "fluktuiert" etwas, wenn es keine Zeit gibt? Da versagt meine Anschauung immer völlig.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 18:57 Uhr

@MartinB: Ich bin sicher kein Experte für Kosmologie - aber wenn ich Ned Wright richtig verstehe, dann kann man aus der Rotverschiebung, als Doppler-Shift interpretiert, direkt ablesen, wie sich die Entfernung der Galaxie zu uns zeitlich ändert - sprich: ihre (jetzige!) Geschwindigkeit. Dass diese Geschwindigkeit zum Zeitpunkt der Aussendung des Lichts noch anders war, macht da nichts aus.

Kommentar-Direktlink MartinB· 16.03.11 · 18:59 Uhr

@Bjoern
Ja, o.k. - aber dann ist die physikalische Erklärung als Doppler-Effekt ja nicht sinvoll, auch wenn es rechnerisch passt.
Werd ich ändern, aber wahrscheinlich erst morgen...

Author Profile Page MartinB· 16.03.11 · 19:27 Uhr

Hat mir doch keine Ruhe gelassen, ich hoffe, jetzt ist es geflickt.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 19:27 Uhr

@MartinB:

aber dann ist die physikalische Erklärung als Doppler-Effekt ja nicht sinvoll,
Wieso? Ich find's sogar sinnvoller, wenn man die jetzige Geschwindigkeit erhält, statt der zur Zeit der Ausssendung.

Author Profile Page MartinB· 16.03.11 · 19:29 Uhr

@Bjoern
Die Anschauung verstehe ich nicht. Beim Doppler-Effekt ist die Geschwindigkeit der Quelle entscheidend - wenn der Krankenwagen hinterher beschleunigt, wird das lalü-lala auch nicht plötzlich frequenzverschoben...?
Wahrscheinlich verstehe ich genau gar nicht, was du meinst.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 20:38 Uhr

@MartinB: Guter Punkt. :-)

Kommentar-Direktlink walim· 16.03.11 · 22:23 Uhr

Habe ich grade als Meldung gefunden. (Mit Literaturverweis)
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313174.html
Oder war das schon erwähnt?

Kommentar-Direktlink Bjoern· 16.03.11 · 22:30 Uhr

@walim: Ja, wurde von Arnd schon vor mehr als 12 Stunden erwähnt...

Kommentar-Direktlink walim· 16.03.11 · 22:33 Uhr

Jetzt sehe ich es auch. Danke.

Kommentar-Direktlink Andreas Müller· 16.03.11 · 22:39 Uhr

@MartinB
Danke für die Korrektur. Mir war das wichtig, weil diese falsche Vergleich seit Jahrzehnten Verwirrung stiftet. Sogar in einigen Lehrbüchern zur Kosmologie stand das falsch drin...
Denn es erweckt den Eindruck, dass sich Galaxien vor dem Hintergrund einer statischen Raumzeit bewegen. Das ist aber falsch. Die Raumzeit ist dynamisch (sie expandiert) und damit werden auch scheinbar feste Distanzen wie Gummibänder auseinander gezogen. (Übrigens gibt es auch eine kosmologische Zeitdilatation - wird gerne vergessen: Das bedeutet, dass Uhren vor Ort einer Supernova Ia schneller ticken, als wir das - rotverschoben - in großer Entfernung auf der Erde beobachten. Auf der Erde beobachtete Lichtkurven von SN Ia erscheinen damit breiter als sie vor Ort - im Ruhesystem - emittiert wurde. Auch das ein Effekt der ART, der Newtonsch nicht erklärt werden kann. Forscher wie Adam Riess, die solche SN Ia-Lichtkurven beobachten, müssen daher diesen Effekt berücksichtigen.)

@Bjoern
Ich halte ja sehr viel von Ned Wright (er war bei den Missionen COBE u. WMAP zur Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung beteiligt), aber mit dem von Bjoern genannten Link tut er sich keinen Gefallen. Natürlich kann man durch rein formale Multiplikation der (dimensionslosen) Rotverschiebung z einer Galaxie mit der Vakuumlichtgeschwindigkeit c eine Geschwindigkeit v erhalten. Aber, Leute, macht es Sinn dies als eine Fluchtgeschwindigkeit der Galaxie zu interpretieren, wenn sich der Raum zwischen Galaxie und Erde ausdehnt? Machen da Geschwindigkeitsdefinitionen wirklich Sinn? Ich denke nicht.
Die Spektroskopiker rechnen ganz gerne mit der Rotverschiebung "im Geschwindigkeitsraum", also mit dem v = cz, aber man sollte dies nur als Rechengröße nehmen, wenn man mal eine solche Dimension m/s braucht und nicht als Fluchtgeschwindigkeit interpretieren.

Also vergesst diese Geschwindigkeiten in der Kosmologie und nehmt nur das z.

Beste Grüße,
Andreas

Kommentar-Direktlink H.M.Voynich· 17.03.11 · 00:27 Uhr

@Andreas Müller:
"Denn es erweckt den Eindruck, dass sich Galaxien vor dem Hintergrund einer statischen Raumzeit bewegen. Das ist aber falsch. Die Raumzeit ist dynamisch (sie expandiert) und damit werden auch scheinbar feste Distanzen wie Gummibänder auseinander gezogen."

Läßt das sich meßtechnisch unterscheiden, oder ist es "nur" eine Konsequenz des Standardmodells?

Kommentar-Direktlink Maxim· 17.03.11 · 12:49 Uhr

Hier ist auch ein Artikel, der oben dargestellten Hypothese zu widersprechen scheint.
http://www.weltderphysik.de/de/4245.php?ni=2562
Originalarbeit: http://arxiv.org/abs/1103.2976

Kommentar-Direktlink MartinB· 17.03.11 · 13:08 Uhr

@Maxim
Wenn iche s richtig verstehe, gibt es zwei Varianten dieser Modelle - die mit den Gigaparsec-großen Löchern und die vom Wiltshire-typ.
Was solche "Widerlegungspaper" angeht, bin ich immer etwas skeptisch - bei dunklen-Energie-Modellen steht ne Armada von Physikerinnen bereit, um die parameter an neue beobachtungen anzupassen, bei den Alternativmodellen nicht - mag ja sein, dass man da auch ein paar Zahlen anpassen kann...

Kommentar-Direktlink Andreas Müller· 17.03.11 · 13:41 Uhr

@H.M.Voynich
Das Standardmodell ist ja nicht ein Fundamentalmodell, das die Kosmologen aus Bequemlichkeit und Faulheit aufgrund seiner Einfachheit gewählt haben, sondern es ist ein wohl motiviertes Modell, das sehr gut gleich mehrere, voneinander unabhängige astronomische Beobachtungen erklärt.

Die Dynamik der Raumzeit und hierbei speziell die Expansion wird nämlich direkt durch folgende Beobachtungen nahe gelegt:
-Fluchtbewegung weit entfernter Galaxien (Hubble-Effekt; entdeckt in den 1920er Jahren)
-die Existenz der und die Eigenschaften von der kosmische Hintergrundstrahlung (entdeckt 1965)
-die Lichtkurven weit entfernter explodierender Weißer Zwerge (Supernovae Typ Ia; entdeckt 1998)
-das Wachstum der großräumigen Strukturen (in seiner Bedeutung erst in den letzten ca. 10 Jahren entdeckt)

Die Beweislast für eine expandierende Raumzeit und damit den Big Bang ist demnach erdrückend. "Zu allem Überfluss" passt die beobachtete Häufigkeit der leichtesten chemischen Elemente im Kosmos ganz hervorragend zu einem Szenario eines heißen, dichten, sehr frühen Kosmos, der in den ersten drei Minuten nach dem Urknall diese Elemente im ersten Fusionsreaktor, den die Welt gesehen hat, erzeugt hat.

Jede Alternative zum kosmologischen Standardmodell alias Lambda-CDM alias FLRW-Kosmos muss all diese Befunde mindestens genauso gut erklären. Und das ist nicht in Sicht.

Etwas detaillierter habe ich das in einem Blog post hier beschrieben:
http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/einsteins-kosmos/allgemein/2008-04-15/der-urknall-5-gr-nde-daran-zu-glauben

Fakt ist also, dass andere Raumzeiten als die expandierende Friedmann-Lemaitre-Robertson-Walker-Metrik die Beobachtungen in ihrer Gesamtheit nicht zufriedenstellend beschreiben. So kam man gerade auf das mächtige kosmologische Standardmodell.
Ich möchte einräumen, dass auch dieses nicht allumfassend ist und Fragen offen lässt, z.B.:

-Was ist die Natur der Dunklen Energie?
-Woraus besteht Dunkle Materie?
-Was ist die Natur der frühesten Ausdehnungsphase, der sog. Inflation?

Daran wird natürlich geforscht. Bei der Dunklen Energie werden derzeit große Anstrengungen unternommen (z.B. mit den Experimenten HST, WMAP, PLANCK, PanSTARRS, Dark Energy Survey, bald vermutlich auch Euclid, WFIRST), um ihre Eigenschaften messtechnisch zu ermitteln. Wichtige Kenngrößen sind dabei der sog. w-Parameter und dessen Abhängigkeit von der Rotverschiebung (im Prinzip von der Zeit), w' = dw/dz. Aktueller Befund ist w = -1 und w' = 0 (natürlich mit Fehlerbalken), was genau der Einsteinschen kosmologischen Konstanten ("Lambda")" entspricht, die Einstein 1917 (aus anderen Gründen) erfand - dazu gerne mehr in meinem Web-Lexikon unter http://www.wissenschaft-online.de/astrowissen/lexdt_w03.html#eos

Beste Grüße,
Andreas

Kommentar-Direktlink MartinB· 17.03.11 · 14:40 Uhr

@Andreas
Ich bin ja selbst kein Experte, aber Wiltshire behauptet ja, dass sein Modell diese Dinge so gut erklären kan wie das Lambda-CDM-Modell und auch noch ein paar Probleme löst.
http://www2.phys.canterbury.ac.nz/~dlw24/universe/

Ich behaupte ja auch nicht, dass er recht hat - aber ich fand es interessant, dass es doch Alternativen zur dunklen Energie gibt - außer MOND kannte ich keine. Und wie gesagt: beim Standardmodell stehen heerscharen von Expertinnen bereit, um im Zweifel nach Modellvarianten zu suchen, wenn mal was nicht passt; bei Alternativmodellen suchen nur wenige nach Lösungen. Mag ja sein, dass man Wiltshires Modell auch anpassen kann.

Kommentar-Direktlink Andreas Müller· 17.03.11 · 15:49 Uhr

@MartinB
Ich finde Wiltshires Idee ist nicht ohne Reiz, deshalb habe ich auch damals das Thema "verbloggt"; auch um zu zeigen: Leute seid offen für Alternativen in der Wissenschaft.
Wäre es nicht fantastisch, wenn wir die rätselhafte Dunkle Energie ganz einfach los wären wie den Weltäther des 19./frühen 20. Jahrhunderts? Das Rätsel lösen, indem man das Rätsel aus der Welt verbannt?

Wiltshires Website, die Du verlinkt hast, ist sehr gut aufgezogen (insbes. der FAQ) und lesenswert. Es hilft das zu tun, was einen guten Wissenschaftler auszeichnen sollte: Nicht voreingenommen sein und die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Was und wie messe ich eigentlich? Und welche Schlüsse muss ich ziehen? (s. z.B. FAQ Frage 2 und die SN Ia)

Ich schlage vor, dass wir uns mit diesem "Hirnfutter" dazu in Ruhe Gedanken machen und vor allem das bald (Anfang April) erscheinende Paper von Adam Riess mit HST-Daten zu Gemüte führen. Vielleicht gibt es dann ja neue Erkenntnisse.

Beste Grüße,
Andreas

PS:
Milgroms MOND war ursprünglich nur eine Alternative zur Forderung einer Dunklen Materie - unter ästhetischen Gesichtspunkten ist MOND keine schöne Theorie (zugegeben keine wiss. Falsifikation) und die ursprüngliche Version ist meines Wissens vom Tisch. In Gestalt der neueren MOND-Derivate wie TeVeS soll man da auch die Dunkle Energie los werden können. Auch diese Forschung wird abseits des Mainstream aktuell verfolgt.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 17.03.11 · 17:12 Uhr

@Andreas Müller:

Die Dynamik der Raumzeit und hierbei speziell die Expansion wird nämlich direkt durch folgende Beobachtungen nahe gelegt:...
Ich würde noch "Tolman-Tests" hinzufügen (Helligkeit von Galaxien in Abhängigkeit der Rotverschiebung). Und natürlich deutet auch die Tatsache, dass wir eine obere Grenze für das Alter von Sternen haben, stark darauf hin, dass das Universum ein endliches Alter hat (was fast zwangsläufig bedeutet, dass es expandiert hat). Dazu kommt noch, dass die Sternpopulationen in Galaxien bei hoher Rotverschiebung ein deutlich geringeres Alter haben. Und dass Galaxien bei hoher Rotverschiebung deutlich anders aussehen (kleiner und irregulärer) als die in unserer Umgebung. und und und...

Kommentar-Direktlink Andreas Müller· 17.03.11 · 17:26 Uhr

@Bjoern
Die Rotverschiebung von Galaxien äußert sich sowohl in einer Verschiebung von (z.B.) Spektrallinien der Galaxien zum Roten, als auch in einer Abnahme der Helligkeit der Galaxien. Das ist untrennbar miteinander verbunden und beide Effekte werden von Astronomen genutzt, um Rotverschiebungen spektral ("spectral-z") oder photometrisch ("photo-z") zu bestimmen (und sollten idealerweise zum gleichen z führen). Ich will sagen: Die Helligkeit kann nicht als unabhängiger Beobachtungstest für die Expansion herangezogen werden.

Das Alter des Universums ist ein sehr vager Parameter, um etwas über die Raumzeit auszusagen. Was man machen kann, sind Tests, dass man bestimmte Modelle des Universums ausschließen kann, z.B. diejenigen, die zu jung sind - ist aber mehr ein Konsistenzcheck.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 17.03.11 · 17:54 Uhr

@Andreas Müller: Betreffend "Helligkeit der Galaxien" meinte ich folgende Paper:
http://www.talkorigins.org/faqs/astronomy/bigbang.html#lubin2001

Kommentar-Direktlink H.M.Voynich· 17.03.11 · 18:07 Uhr

@Andreas Müller:
Danke für die Antwort, aber ich sollte meine Frage wohl etwas präzisieren:
Das naive Alternativmodell "Urknall IM Raum" - also Raum ist schon vorhanden und die Teile fliegen einfach nur außeinander - also Dopplereffekt statt Raumdehnung - wie genau können wir dieses widerlegen?
Ist es bereits zur ART inkompatibel, oder ist da noch mehr nötig?

Kommentar-Direktlink Bjoern· 17.03.11 · 18:53 Uhr

@H.N.Voynich:

Das naive Alternativmodell "Urknall IM Raum" - also Raum ist schon vorhanden und die Teile fliegen einfach nur außeinander...Ist es bereits zur ART inkompatibel, oder ist da noch mehr nötig?
Du meinst eine expandierende (gefüllte) Kugel, außerhalb der Vakuum ist? Das ist meines Wissens zwar mit der ART prinzipiell kompatibel (im Prinzip bräuchte man da wohl eine ähnliche Metrik wie beim Kollaps eines Sterns zum Schwarzen Loch, nur zeitlich umgedreht), mit Beobachtungen aber nicht (selbst wenn man voraussetzt, dass diese Kugel so groß ist, dass wir ihre Ränder nicht sehen können - sonst wäre das Modell natürlich offensichtlich ganz einfach falsifizierbar).


Solche Modelle wurden meines Wissens auch schon recht ausführlich von ernsthaften Kosmologen studiert (finde leider gerade keine Quellenangaben, auch wenn ich mir sicher bin, darüber schon mal was gelesen zu haben) - und außerdem gab es übrigens auch Kreationisten, die ein solches Modell benutzt (oder besser gesagt, missbraucht ;-) ) haben, um zu argumentieren, dass die Erde in Wirklichkeit doch erst einige tausend Jahre alt ist... (im Prinzip mit falsch verstandener Zeitdilatation).

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 10:18 Uhr

Was passiert eigentlich am Rande des Universum, wenn neuer Raum entsteht. Was sagen hier die verschiedenen Theorien?

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.03.11 · 10:42 Uhr

@roel
Die Frage stellt sich nicht, da das Universum keinen "Rand" hat - es ist entweder geschlossen (wie eine Ballonoberfläche) oder offen und unendlich.

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 10:49 Uhr

@MartinB Ich gehe von der geschlossenen Version aus. Was passiert an der äußersten äusseren Ballonoberfläche?

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.03.11 · 11:04 Uhr

??
Verstehe ich nicht. Es gibt nur die Fläche, die ist zweidimensional (beim Ballon), da ist kein Punkt mehr oder weniger außen als der andere. Du darfst dir die Fläche nicht mit einer Dicke vorstellen und du solltest sie dir auch nicht in einen höheren raum eingebettet vorstellen. Beides führt in die Irre, siehe meine Raumzeitkrümmung-Serie.

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 11:32 Uhr

@MartinB Ich denke im Moment nur etwas nach. Da ich ja kein Physiker bin, ist das ganze nicht ganz so einfach für mich darzustellen. Bei Astrodicticum Simplex und bei blooDNAcid bin ich jetz 2-mal mit Äußerungen über das Nichts konfrontiert worden, die ich beide als nicht richtig verstehe. Ich denke das das Nichts nur ausserhalb unseres Universums existiert und das unser Universum in das Nichts expandiert. Überall wo Raum ist gibt es kein Nichts. Und mich interessiert im Moment der Übergang zwischen Nichts und Raum. Ich stelle mir das z.Zt. so vor, dass sobald Materie in Kontakt mit dem Nichts kommt sie sich automatisch ausdehnt. Ich denke, dass dabei Energie freigesetzt wird (wie die genau entsteht habe ich noch keine Idee, kommt aber noch). Aus dieser Energie kann Materie entstehen usw. Das ist jetzt vielleicht der größte Mist, aber das Nichts und die Entstehung des Universums lassen im Moment meine Gedanken nicht los.

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.03.11 · 12:52 Uhr

@roel
"Ich denke das das Nichts nur ausserhalb unseres Universums existiert und das unser Universum in das Nichts expandiert."
ich halte das für eine sinnlose aussage - damit man in etwas hineinexpandiere kann, muss dieses etwas ein Raum sein und istd amit kein Nichts. Wenn das Nichts kein Raum ist, dann kann man damit auch nicht in Kontakt kommen - es gibt weder eine Ortskoordinate, die man im "Nichts" festlegen könnte, noch könnte man sich dem "Nichts" irgendwie annähern.

Die anderen Aussagen zum Nichts habe ich z.T gelesen, soweit ich mich erinnere, fand ich sie aber nicht überzeugend. Zusagen, dass das "Nichts" außerhalb unseres Universums existiert, halte ich auch für unsinnig - Nichts kann nicht existieren, weil es keine Eigenschaften hat und somit seine Existenz niemals festgestellt werden könnte.

Es ist ansonsten wirklich sinnvoll, sich von der Vorstellung, der Raum müsse irgendwo hineinexpandieren, vollkommen zu lösen. Aber selbst wen er das tut, ist dieses etwas eben kein "Nichts", sondern ein höherdimensionaler Raum.

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 13:32 Uhr

@MartinB Schade, ich sagte ja es fällt mir schwer es richtig darzustellen. Ausgehend vom Urknall sind die Dimensionen entstanden. Vor dem Urknall gab es keine Dimensionen. Jedenfalls habe ich das so verstanden. Wenn es aber vor dem Urknall keine Dimensionen gab, kann der Raum nicht in einen höherdimensionalen Raum expandieren - den gibt es da noch gar nicht. Der ist erst am entstehen (wieviele Dimensionen sei mal dahingestellt). Wenn aber Raum und Zeit mit dem Urknall anfangen zu existieren und sich ausdehnen dann können Sie nur in das Nichts sich ausdehnen (es ist ja nichts anderes da). Nichts hat keine Materie, keine Energie und ist auch nicht messbar und sobald Materie mit Nichts in Kontakt kommt löst es sich auf. Ich weiß das ist jetzt nicht richtig dargestellt, aber stellen Sie sich den ersten Lichtstrahl vor: wohin strahlt er, wenn der Raum erst entsteht?

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.03.11 · 13:47 Uhr

"Der ist erst am entstehen"
Nein. Nach den aktuellen Theorien (außer vielleicht irgendwelchen String-M-Brane-sonstwas-theorien, da kenne ich mich nicht aus) ist das Universum nicht in einen höherdimensionalen Raum eingebettet. Der Raum dehnt sich einfach aus, aber in nichts "hinein". Der Raum selbst dehnt sich aus - was vorher einem Meter auseinander war, ist jetzt zwei Meter auseinander. Die Metrik ändert sich, ohne irgendwelche hyperräume.
(Ich sage nicht, dass es die nicht geben kann, ich sage nur, dass es sie nicht geben muss, damit die Urknalltheorie funktioniert.)

"Sobald Materie mit Nichts in Kontakt kommt"
Wie kann man mit "nichts" in Kontakt kommen? Dazu müsste das "nichts" ja irgendwo sein, dann ist es kein "nichts" mehr, sondern ein raum.

Dein "Nichts" scheint mir eine Art Hyperraum zu sein - den brauchen die Theorien zur Zeit nicht, aber selbst wenn es ihn gäbe, wäre er kein "nichts".

"stellen Sie sich den ersten Lichtstrahl vor: wohin strahlt er, wenn der Raum erst entsteht? "
??? Ein Lichtstrahl kann nur im Raum sein, der kann nicht in einen entstehenden Raum hineinstrahlen, sowas gibt es nicht. Der Raum dehnt sich aus, die Abstände zwischen zwei Punten wachsen, aber auch vorher war zwischen den beiden Punkten schon ein Abstand, er war nur kleiner.

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 14:53 Uhr

@MartinB Aus Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Urknall "Der Urknall soll den Anfangspunkt der Entstehung von Materie und Raumzeit darstellen. Da physikalische Theorien aber die Existenz von Raum, Zeit und Materie voraussetzen, lässt sich der eigentliche Urknall mit ihnen nicht beschreiben. Nach dem Urknall soll in Phasen die heutige physikalische Welt entstanden sein. Bestandteil der Theorie ist auch eine dauerhafte Ausdehnung des Universums. ... Die beobachtete Auseinanderbewegung der Galaxien ergibt zurückgerechnet einen Zeitpunkt, an dem diese auf ein enges Raumgebiet konzentriert waren."

Ich denke im Moment ziemlich ähnlich wie der Artikel in Wikipedia: Die Galaxien bewegen sich auseinander in ein ausdehnendes Universum und sie kommen ursprünglich aus einem engem Raumgebiet. Ursprünglich existiert kein Raum, keine Zeit und keine Materie. Der Punkt an dem wir uns heute räumlich im Universum befinden befinden, war vor sagen wir mal 12 Milliarden Jahren noch nicht da.

Kein Raum, keine Materie und keine Zeit. Das ist meine Definition von Nichts. Ich weiß man kann es physikalisch schwer beschreiben, weil alles beschreibbare nicht zutrifft, aber das Problem hat meine Theorie vom Nichts nicht alleine: "Da physikalische Theorien aber die Existenz von Raum, Zeit und Materie voraussetzen, lässt sich der eigentliche Urknall mit ihnen nicht beschreiben" (Wikipedia).

Kommentar-Direktlink perk· 25.03.11 · 16:16 Uhr

Ich denke im Moment ziemlich ähnlich wie der Artikel in Wikipedia: Die Galaxien bewegen sich auseinander in ein ausdehnendes Universum und sie kommen ursprünglich aus einem engem Raumgebiet. Ursprünglich existiert kein Raum, keine Zeit und keine Materie. Der Punkt an dem wir uns heute räumlich im Universum befinden befinden, war vor sagen wir mal 12 Milliarden Jahren noch nicht da.

das was du über die galaxienausdehnung schreibst, klingt falsch, es ist nicht so, dass da 2 effekte vorhanden sind.. es gibt nur die ausdehnung des universums (und die ist dergestalt, dass zwischen allen beliebigen punkten der abstand proportional zu ihrem bisherigen abstand wächst), da weit entfernte galaxien nicht mit uns gravitativ gebunden vorliegen gibt es keine kraft die den abstand "on the fly" korrigieren würde und so nimmt ihr abstand von uns kontinuierlich zu (ohne dass sie sich was ihre koordinatenposition im raum angeht bewegen würden)

demzufolge ist es auch quatsch zu behaupten unsere derzeitige koordinate hätte nicht existiert.. klar gabs die schon, sie war nur näher an den nachbarpunkten dran

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.03.11 · 18:21 Uhr

@roel
Ich muss perk recht geben, du missverstehst den Wiki-Artikel. Der Raum dehnt sich aus und nimt dabei die Galaxien mit. Die Galaxien "fliegen" selbst nicht, deshalb hat ja Andreas so - berechtigt - gegen meine Erklärung mit dem Dopplereffekt protestiert.

"Kein Raum, keine Materie und keine Zeit. Das ist meine Definition von Nichts."
O.k. - dann ist dieses Nichts aber niemals physikalisch erfassbar - denn dazu müsste man irgendwie damit wechselwirken (auch ein sich "in das Nichts hinein" ausdehnender Raum wäre so eine WeWi), und dazu müsste das "Nichts" Eigenschaften haben und irgendwie lokalisierbar sein.

Kommentar-Direktlink roel· 25.03.11 · 21:39 Uhr

@perk "ohne dass sie sich was ihre koordinatenposition im raum angeht bewegen würden" Aber der Raum dehnt sich, und dadurch bewegt sich (wenn ich das richtig verstehe) unsere Galaxie vom Zentrum weg. Also ist unsere Galaxie nicht mehr dort wo sie war.

@MartinB Etwas gutes hat der ganze Widerspruch, ich mache mir um so intensiver Gedanken. Das ist aber dann auch mein letzter Versuch hier. Also was ja fälschlicher Weise oft als Nichts beschrieben wird ist das Vakuum. Dem Vakuum fehlt ziemlich viel Materie aber es beinhaltet trotzdem Materie. Ist hoffentlich egal für diesen Vergleich. Wenn Sie im Vakuum ein Gas frei setzen, wird sich dieses Gas ziemlich gleichmäßig verteilen und den Raum ausfüllen. Stellen Sie sich jetzt bitte statt des Vakuums Nichts und statt des Gases Materie vor. In meiner Theorie wird die Materie das Nichts auf sehr radikale Weise auszufüllen. Daher vergrößert sich der Raum, weil die Materie einfach das Nichts versucht auszufüllen, so wie das Gas das Vakuum ausfüllt. Das Vakuum ist immer im Raum begrenzt, das Nichts begrenzt den Raum.

Kommentar-Direktlink perk· 25.03.11 · 23:22 Uhr

Aber der Raum dehnt sich, und dadurch bewegt sich (wenn ich das richtig verstehe) unsere Galaxie vom Zentrum weg.
es gibt kein zentrum unsere galaxie fliegt auf den virgo haufen zu und die durch gravitative wechselwirkungen bisher angesammelten beschleunigungen haben dazu geführt das wir zzt mit ca 630 km/s relativ zum mikrowellenhintergrund fliegen

die expansion bewirkt keine geschwindigkeit relativ zum mikrowellenhintergrund, sie bewirkt nur scheinbare geschwindigkeiten zwischen 2 beobachtern da der (metrische)abstand zwischen ihnen mit der zeit wächst (wenn sie nicht durch kräfte gebunden sind)

In meiner Theorie
nein kaminfeuersophistereien sind keine theorien..

Kommentar-Direktlink MartinB· 26.03.11 · 09:58 Uhr

@roel
"Stellen Sie sich jetzt bitte statt des Vakuums Nichts...vor"

Ich kann mir "Nichts" nicht vorstellen, außer ich höre auf zu denken.

"Nichts" kann man auch nicht "ausfüllen", denn damit man etwas füllen kann, muss es schon eine Ausdehnung haben un dlokalisierbar sein. Wenn Teilchen X das Nichts ausfüllt, dann muss man ja sagen können: "X erreicht jetzt das Nichts", dazu muss man das Nichts lokalisieren können. Ohne Lokalisierung kann ich nicht sagen, ob X "im Nichts" ist und Y nicht.

Und noch einmal: Die Vorstellung, das Universum würde ich "in irgendetwas hinein" ausdehnen, ist durch keine physikalische Erkenntnis gedeckt und die ART kommt ohne sie aus.

Kommentar-Direktlink roel· 27.03.11 · 13:30 Uhr

@MartinB Leider kann ich nicht so gut erklären, wie du es kannst. Ich bin nochmal ein Stück weiter gekommen. Nichts ist eine andere Dimension. Also bewege ich mich gedanklich in den von dir erwähnten Hyperräumen. Ich will das ganze jetzt nicht hier ausweiten, sondern schreibe es erstmal strukturiert auf und stelle es mit Formeln dar. Es kann sein, dass ich für die ein oder andere Formel einen Tip brauche, wie das darzustellen ist. Kann ich mich dann dazu per e-mail melden? Zum Vorstellungsvermögen: Mit der Haut sieht man Nichts.

Kommentar-Direktlink MartinB· 27.03.11 · 13:45 Uhr

@roel
"Nichts ist eine andere Dimension."
Wenn es eine Dimension ist (siehe auch Florians alten Eintrag "Was ist eine Dimension") dann ist es nicht "Nichts". Finde ich eine unglückliche Begriffsvermischung.

Aber Vorsicht ist geboten: Inwieweit man das Universum in einen Hyperraum einbetten kann, haben andere schon untersucht - soweit ich weiß braucht man zur Einbettung einer 4-dimensionalen gekrümmten Minkowski-Raumzeit mindestens 6 Dimensionen, aber ich bin kein Differentialgeometrie-Experte, das wäre Thilo.
Auf die Schnelle hab ich das hier gefunden:
http://arxiv.org/pdf/gr-qc/9907040
vielleicht hilft das weiter?

Kommentar-Direktlink roel· 27.03.11 · 15:44 Uhr

@MartinB "Finde ich eine unglückliche Begriffsvermischung." Ja! In diesem Zusammenhang habe ich mich von dem Begriff "Nichts" verabschiedet. Diese zusätzliche Dimension können wir nur nicht nachweisen, deshalb hatte ich ursprünglich gedacht es wäre "Nichts". Vielen Dank für den Link.

Kommentar-Direktlink roel· 05.04.11 · 11:34 Uhr

@perk "unsere galaxie fliegt auf den virgo haufen zu" Haben Sie einen guten Link hierzu?

Kommentar-Direktlink perk· 05.04.11 · 15:29 Uhr

hmm der das bestätigt oder wo man mehr darüber lernt?
die aussage zu bestätigen ist recht leicht, die aussage hat in der wikipedia 2 referenzen und das galaxies and cosmology buch von combes macht nen guten eindruck, hab grad mal bei google books reingeschaut .. da steht halt nur dass es so ist und was beobachtet wurde.. aber nicht sehr ins detail gehend.. weil es ja auch keine soo große spannende sache ist.. sondern recht klar und offensichtlich ist, dass wir aufs zentrum unseres superhaufens zufliegen ;)
hier auf seite 353

Kommentar-Direktlink roel· 05.04.11 · 16:34 Uhr

@perk Vielen Dank! Klar ist das keine große und spannende Sache, wenn man sich damit auskennt. Ich habe mich bis jetzt nie intensiver mit dem Universum beschäftigt. Es fing eigentlich erst an als ich "the grand design" gelesen habe, und mir dabei ein, zwei Gedanken kamen. Seit dem finde ich alles spannend, was mit dem Universum zu tun hat.

Kommentar-Direktlink Niels· 05.04.11 · 17:41 Uhr

@perk
Um mal den Erbsenzähler zu spielen: Unsere Galaxie ist Teil des Virgo-Haufens und fliegt auf das Zentrum des Virgo-Haufens zu.

@roel

Klar ist das keine große und spannende Sache, wenn man sich damit auskennt.

Ich find das eigentlich ziemlich spannend. Der Virgo-Haufen fliegt auf den Hydra-Centaurus-Superhaufen zu, alle Superhaufen in der Nähe einschließlich uns fliegen wiederum auf den sogenannten Großen Attraktor zu.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Attraktor
Der Große Attraktor fliegt dann mit uns anscheinend auf etwas Unbekanntes zu, möglicherweise auf etwas außerhalb des beobachtbaren Universums.
http://en.wikipedia.org/wiki/Dark_flow
The authors (Alexander Kashlinsky, F. Atrio-Barandela, D. Kocevski, and H. Ebeling) suggest that the motion may be a remnant of the influence of no-longer-visible regions of the universe prior to inflation.
[...]
Said Kashlinsky: "At this point we don't have enough information to see what it is, or to constrain it. We can only say with certainty that somewhere very far away the world is very different than what we see locally. Whether it's 'another universe' or a different fabric of space-time we don't know."

Das kann natürlich sehr gut großer Bullshit sein, die Schlussfolgerungen von Kashlinsky sind ein bisschen arg gewagt, aber langweilig ist das eigentlich nicht. ;-)

Kommentar-Direktlink roel· 05.04.11 · 17:54 Uhr

@niels Auch vielen Dank. Besonders für den Kommentar von Kashlinsky.

"alle Superhaufen in der Nähe einschließlich uns fliegen wiederum auf den sogenannten Großen Attraktor zu" - Gibt es Beobachtungen, dass zwei Haufen aufeinander treffen?

Kommentar-Direktlink perk· 05.04.11 · 20:55 Uhr

nope niels.. krümelkacken geht so:

unsere galaxie ist teil der lokalen gruppe, die ist teil des virgo superhaufens
und eine andere gruppe in diesem superhaufen ist der virgohaufen und wir fliegen innerhalb des virgosuperhaufens auf den virgohaufen zu ;)

Kommentar-Direktlink Niels· 06.04.11 · 15:12 Uhr

@perk
Hast gewonnen, so ist es richtig. ;-)

Kommentar-Direktlink Niels· 06.04.11 · 15:59 Uhr

Nachtrag:
Unsere Galaxie ist Teil des Virgo-Superhaufens und fliegt auf das Zentrum des Virgo-Superhaufens, also auf den Virgo-Haufen, zu.

Kommentar-Direktlink anfänger· 06.01.12 · 14:59 Uhr

wow sehr interessanter blog eintrag .. auch die diskussion im kommentar bereich war sehr interessant. danke!

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