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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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14.02.12 · 15:50 Uhr
Der Mammut-Schwindel: Ein Nachtrag
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 22
Dass das angebliche Mammut in Sibirien, das im Internet - und auch auf den Seiten von BILD.de - die Runde machte, nicht das ist, was es zu sein vorgibt, hatte ich hier ja schon geschrieben. Aber die Sache ist doch noch ein bisschen härter: Während ich bisher nur angenommen hatte, dass es sich um einen Scherz handelt, bei dem ein zweideutig interpretierbares Video (ich hatte auf einen Bären mit einem Lachs im Maul getippt) durch bewusste Ausschnitts-Auswahl und gezielt nachbearbeitete Unschärfe "umgedeutet" wurde, scheint es sich doch um einen handfesten Schwindel zu handeln. Die Huffington Post hat hier den Urheber des Original-Flussvideos ausfindig gemacht - und erstens ist das Video, wie man es von heutiger Aufnahmetechnik erwarten kann, gut fokussiert, zweitens ist kein Bär oder Mammut oder sonst eine Kreatur in diesem Video zu sehen (die also nachträglich einkopiert worden sein musste). Und drittens wurde diese Aufnahme von dem angeblichen "Experten für paranormale Phänomene" Michael Cohen schlichtweg geklaut. Hier erst mal die beiden Videoclips zum Vergleich:
Der Dokumentarfilmer Lou Petho hatte die (stille) Szene im Sajangebirge fur eine Doku ueber seinen Grossvater gemacht, der 1915 aus einem russischen Kriegsgefangenenlager entflohen war. Wie Michael Cohen an den Ausschnitt gekommen war, ist nicht erklärt, aber er selbst hat gegenüber der HuffPost nur eine hahnebüchene Erklärung bereit:
"I just looked at this footage and all it proves is that someone filmed the same spot at another time. While this new revelation does open up the prospect that this might well be a hoax at this stage, it is not conclusive and might simply be a case of the same spot being filmed twice. I was only given sketchy details regarding this footage. And it is interesting to note that if, indeed, a mammoth was filmed, it occurred in the Irkutsk region -- an area of intense paranormal activity.
Ich habe mir die Aufnahme gerade angesehen und sie beweist nur, dass jemand den gleichen Standort zu einem anderen Zeitpunkt gefilmt hat. Auch wenn diese neue Enthüllung die Möglichkeit eröffnet, dass es sich um einen Schwindel handelt, ist es zu diesem Zeitpunkt nicht schlüssig und könnte einfach nur ein Fall sein, in dem der gleiche Ort zweimal gefilmt wurde. Ich habe nur skizzenhafte Details hinsichtlich der Aufnahmen enthalten. Und es ist interessant festzustellen, dass für den Fall, dass doch ein Mammut gefilmt wurde, dies in der Irkutsk-Region geschah - einer Region mit intensiver paranormaler Aktivität."
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Angeblich hat er nur ganz unklare Angaben über das Video und dessen Herkunft - ist sich aber sicher genug, dass er seinen eigenen Copyright-Stempel draufpacken kann. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Videos zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, bei exakt den gleichen Wasserständen und Lichtverhältnissen von zentimetergenau dem gleichen Standort und in exakt gleicher Objektivausrichtung und -Höhe gemacht wurden, ist - das kann man wohl auch ohne weitere statistische Analyse schon mal feststellen - exakt Null.
Den Bären hat Cohen möglicherweise aus diesem Clip geklaut (ich bin kein Videoexperte, aber es gibt ein paar Momentaufnahmen, die - geklont, verkleinert und verzerrt - sehr gut passen würden):
Autor: Jürgen Schönstein· 22 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (22)
Dr. W ergänzt gerne zur Thematik "Sibirien-Mammut", dass die letzten Mammuts auf dieser Insel ihr Dasein fristeten: http://de.wikipedia.org/wiki/Wrangelinsel
Zudem wurden in Sibirien in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder Mammut-Skelette gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Wollhaarmammut#Funde_mumifizierter_Wollhaarmammutkadaver
MFG
Dr. Webbaer
PS: Nette Tiere btw
Das ist ja dreist.
Vermutlich hat er einfach einen Elefanten reinkopiert, die laufen auch durch Flüsse.
Ich würde sagen, Herr Cohen wird alt und braucht das Geld ;)
Ach ne..!
Ich hatte auch eher mit einer Falschinterpretation eines nicht-HD videos gerechnet (ich glaub, so ungefähr sieht ein Video mit meiner Schnellschuss-Olympus aus, wenn ich zu weit weg stehe vom Objekt und dann eben reinzoomen müsste). Aber ein handfester Schwindel?! Da fragt man sich dann schon wie viel so Esoterik-Fuzzis tatsächlich komplett erfinden obwohl sie's besser wissen.
Naja, aber erfinden war ja schon bei den in, da machen sich aber ganz offensichtlich und bewusste Leute über die Esoteriker lustig. Trotzdem glauben nocht immer Leute dran.
Wir sollten mal eine gemeinsame SB Aktion machen, irgendwas herstellen/machen wo die Esoteriker meinen es sei "echt", dann vermarkten wir den Medienrummel, verteilen das Geld und sagen hinterher dass es alles Blödsinn war. Hat jemand eine Idee?
ach je... und jetzt im spam hängengeblieben. Vielleicht als direkter Link: "Kornkreise" fehlt in dem Satz oben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kornkreis
Ernsthaft, ich sehe in dem Video (in der vergrösserten Zeitlupensequenz) nach wie vor einen Elefanten. Da das Objekt ohnehin in den Film hineinkopiert wurde, wäre der Fälscher doch auch blöd gewesen, wenn er ein anderes Tier dafür genommen hätte. Schliesslich sollte das Objekt nicht wie ein Bär, sondern wie ein elefantenartiges Tier aussehen.
Rainer
Ist doch eindeutig ein Mammut im letzten Video, dass zuerst seinen Rüssel verloren und dann wieder gefunden hat. ;-)
Vor Jahren geisterte mal ein Video von einem angeblichen Einhorn durch die Netzwelt. Das da:
http://www.youtube.com/watch?v=ouzu3gFaECk
War ein gut gemachter Fake einer Werbeagentur ;-)
http://www.shortnews.de/id/689994/Werbeagentur-steckt-hinter-Schweizer-Einhorn-Video
@Alice: Aufpassen, sowas entwickelt leicht eine Eigendynamik.
So einen Scherz haben sich auch schon mal glaubich 2 Engländer gemacht mit einer absichtlich gefaketen Ufosichtung. Nachher waren Hunderte der sicheren Meinung, genau dieses Ufo auch gesehen zu haben.
@BreitSide:
Das ist bei den Kornkreisen ja genauso. Wir müssen halt nur die Eigendynamik auch richtig vermarkten. ;)
Das erinnert mich an eine Frage, die mal Florian gestellt hatte: Warum sind den alle sog. UFO-Videos, trotz guter Kameratechnik heutzutage, immer noch "verschwommen" und unscharf?
Ich denke mal, es geht einfach darum, einen Schwindel zu inzinieren bzw. die Leute, die generell solche unscharfen Bilder ins Netz stellen, keine oder nur wenig Ahnung von Film- oder Fototechnik haben.
Ich selber kenne mich mit Bildaufbau, Belichtungszeiten usw. aus, da ich selber gerne fotografiere, komischerweise hatte ich dadurch noch nie eine "mysteriöse" Aufnahme gehabt.
@Alice: Vielleicht eine Teekanne in einer Umlaufbahn des Mondes ...
Diese Sache mit den Mammuts ist schon sehr lustig. Diese esoterischen Spinner lassen sich doch immer wieder was neues einfallen.
Was mich an Jürgen Schönsteins Überlegungen jedoch stört, ist seine leichtfertige Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten. Er schreibt:
"Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Videos zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, bei exakt den gleichen Wasserständen und Lichtverhältnissen von zentimetergenau dem gleichen Standort und in exakt gleicher Objektivausrichtung und -Höhe gemacht wurden, ist - das kann man wohl auch ohne weitere statistische Analyse schon mal feststellen - exakt Null."
Das sehe ich nicht so. Der Wasserstand scheint etwa Normal-Pegel zu sein, die Lichtverhältnisse sind "bewölkt", beides ist nicht so selten. Und wenn ein Fotograf seinen Kamerastandpunkt wählt, so hat er dafür gute Gründe (z.B. das Motiv kommt von hier aus am besten zur Geltung; von hier aus sieht man die Strommasten nicht; es gibt eine ebene Stelle, wo man das Stativ hinstellen kann; oder sonst was). Diese Gründe gelten natürlich auch für andere Fotografen, so dass es doch recht wahrscheinlich ist, dass sie den selben Standpunkt wählen. Die Wahrscheinlichkeit dürfte also deutlich größer als "exakt Null" sein.
Hier noch ein Nachtrag:
Die Wahrscheinlichtkeit, das Bilder von der Saarschleife "von zentimetergenau dem gleichen Standort und in exakt gleicher Objektivausrichtung und -Höhe gemacht wurden, ist - das kann man wohl auch ohne weitere statistische Analyse schon mal feststellen - "
fast 100%.
http://www.google.com/search?q=saarschleife&hl=de&prmd=imvns&source=lnms&tbm=isch&ei=xno7T8DpCYyj-gar3pCtBw&sa=X&oi=mode_link&ct=mode&cd=2&ved=0CBIQ_AUoAQ&biw=1088&bih=753
Scotty·
15.02.12 · 11:52 Uhr
Also die Lichtverhältnisse unterscheiden sich bei den Aufnahmen von der Saarschleife deutlich, wenn die Fotos nicht identisch sind! Aber vielleicht kann ja jemand auf zwei Bilder verlinken, welche die ca. 0% Wahrscheinlichkeit in Frage stellen.Es stimmt schon dass die Aufnahmen verdammt ähnlich aussehen, die verschwommene und die echte. Gleiches Licht, gleiche Bewölkung, gleicher Winkel. Und es ist ja bewiesen dass er geschummelt hat, also sind jegliche Überlegungen über Wahrscheinlichkeiten obsolet.
@Ex-Esoteriker:
So der Experte bin ich nicht, aber ich mach auch gern lustige Sachen mit Fotos. Hab mal vor Ewigkeiten in einer der besseren Sendungen im ZDF (glaub ich??) was über die wissenschaftliche Erklärung von Geistern gesehen, Geister auf Fotos bringen ist ja nun sehr einfach (geht auch immer nur nachts, aus praktischen Gründen). Hab ich dann glatt mal ausprobiert. Muss mal suchen gehen, wo ich das Foto hab, 2 Personen je zweimal aufm Bild mit den VLTs in Hintergrund und alle "vier" Personen als Geister, *huhhuhh* :)
(ob ich das mal vermarkten soll?? ich bin wohl zu doof für sowas, ich hab das nur mal auf ein Konferenzposter als Hintergrundbild gepappt, kein Wunder dass das mit dem grossen Gehalt nie was wird! ;) )
Also ich habe tatsächlich gleich gesehen, das kennst du doch? - Ich bin mit ein paar Freunden 2005 den Irkut hinuntergepaddelt, hier geht es zum Durchbruch durch den letzten Gebirgsriegel, bevor der Irkut 100 km später in die Angara mündet. Eine schöne Stromschnelle - die "Bolschaja" - war ein lustiger Tanz mit unseren Schlauchkayaks.
Und was soll ich sagen - jeden Abend gabs Steak vom Grill, von den Mammuts, die wir tagsüber am Ufer mit Pfeil und Bogen erlegt hatten. Ein bisschen zäh, aber mit reichlich Wodka nachgespült gings ;-))
Das genügt mir eigentlich schon.
"eine Region mit intensiver paranormaler Aktivität" beginnt meistens mehrere Millimeter unter den Haarwurzeln eines Esoterikers.
@JKatins Es geht hier ja nicht nur um generelle Ähnlichkeiten von Bildern, sondern um 100-prozentige Übereinstimmung im Aufnahmewinkel (= Standort, Objektivhöhe und -Winkel), Lichtverhältnissen und - soweit durch die "Weichzeichnung" noch erkennbar - Bildinhalten. Die Lichtverhältnisse sind beispielsweise vom Sonnenstand (=Tageszeit), Jahreszeit und Bewölkungsbedingungen abhängig, und es ist praktisch unmöglich, dass zwei zu verschiedenen Zeitpunkten entstandene Aufnahmen in all diesen Punkten identisch sein können. Dazu hätte das "zweite" (fiktive) Team unmittelbar nach dem ersten filmen müssen. Wie das geschehen kann, ohne dass auch Petho dieses Mammut gesehen hätte (oder auch Team 2 begegnet wäre), ist nicht zu erklären.
Aber es gibt noch mehr: zum Beispiel die Farbtemperatur der Aufnahmen, die u.a. von der Kamera bzw. deren Objektiven, sowie vom Filmmaterial bzw. dem verwendeten Chip abhängen (mach' einfach mal zwei Digitalaufnahmen mit zwei verschiedenen Kameras unter ansonsten gleichen Bedingungen, und Du wirst sehen, was ich meine).
Das dritte "Fingerabdruck"-Element ist die exakte Kameraposition, die unter anderem auch von der Größe des Kameramannes und selbst der Montagevorrichtung der Kamera auf dem Stativ abhängt. Es ist halt eine Sache, wenn man ein großes Objekt (das Matterhorn, meinetwegen, oder den Eiffelturm, oder eben auch die Saarschleife) etwa im gleichen Winkel einfängt wie Tausende anderer Fotografen, die den gleichen Standort (manchmal, für Touristen, sogar per Schild markiert) gewählt haben. Es ist eine ganz andere, wenn selbst solche nahen Details wie die Kieselsteine am Flussufer oder die Wellen-Schaumkrönchen, in exakt der gleichen relativen Position zueinander liegen - das entspricht einem leichten Kopfwackeln, und das kriegt nicht mal ein professioneller Hollywood-Kameramann freihändig hin.
Tja, und dann eben die Schaumkrönchen und die Kieselsteine: Ein starker Regenguss, ein watender Elch (oder auch eine Bisamratte am Ufer), oder einfach - bei einem Flussbett aus Geröll - ein bisschen Zeit genügen, um diese deutlich genug zu verändern.
Okay, eines dieser Übereinstimmungselemente - die Kameraausrüstung, beispielsweise - könnte zufällig sein. Aber alle? Dazu muss ich nicht lange rechnen, um die Unmöglichkeit zu erkennen. Und Deine Saarschleifen-Bildauswahl bestätigt das ja - alle Fotos sind hinreichend verschieden, dass Du sie leicht voneinander unterscheiden kannst.
Zitat:"Dazu hätte das "zweite" (fiktive) Team unmittelbar nach dem ersten filmen müssen."
Quatsch... es war zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle... nur um eine Paralelldimension verschoben wo halt noch die Mammuts rumtollen... Quantendingeskirchen und so ;)
Gruß
Oli
@JKatins: die Aufnahmen zeigt einen Fluß. Einen verdammten FLUSS! Wenn du mal versucht hast, ein Foto nachzustellen, dann weißt du, wie schwer es ist, auch nur ein Haus zweimal exakt gleich zu fotografieren, wenn du dir vor Ort keine Markierungen gemacht hast.
Jetzt zum Fluß:
In zwei *verschiedenen* Filmen exakt dieselben Schaumkronen auf dem fließenden Wasser aufzunehmen, hat bereits eine negative Wahrscheinlichkeit.
da hat halt ein paranormales Kamerateam gedreht - die beherrschen die Duplikatur perfekt, die sind auch nicht allein, weil einer allein kann nicht so de***ert sein.