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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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16.11.11 · 03:30 Uhr

Sexverbot in Florida?

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 7

Arbeitstiere, Gewohnheitstiere, tierisch gut Draufseiende, aufgepasst: In Florida müsst Ihr künftig sexuell enthaltsam leben. Wenn man den seit 1. Oktober in Kraft getreten Artikel 126 des Tierschutzgesetzes in Florida, der Sex mit Tieren verbietet (Originaltitel: An act relating to sexual activities involving animals; creating s. 828.126, F.S.; providing definitions; prohibiting knowing sexual conduct or sexual contact with an animal; prohibiting specified related activities; providing penalties; providing that the act does not apply to certain husbandry, conformation judging, and veterinary practices; providing an effective date), streng auslegt, dann ist Sex auch für Menschen verboten. Denn unter "animal" versteht man (ich zitiere hier mal die Encyclopedia Britannica) any of a group of multicellular eukaryotic organisms (i.e., as distinct from bacteria, their deoxyribonucleic acid, or DNA, is contained in a membrane-bound nucleus). Mehrzellige Eukaryoten - darunter fallen auch wir Menschen. Und wenn Sex mit mehrzelligen Eukaryoten in Florida verboten ist, dann hört der Spaß auch für Menschen auf. Wörtlich.

Der Blogger Andrew von Southern Fried Science, ein Biologe, macht sich hier über das sicher gut gemeinte, aber wissenschaftlich unausgegorene Gesetz lustig. Und wird von einem Kommentator darauf hingewiesen, dass andernorts im Tierschutzgesetz doch klar definiert wird, was ein Tier (im Gegensatz zum Menschen) sei:

... the word "animal" shall be held to include every living dumb creature.
Hmm, das wird ja auch nicht besser: Kein Sex für "dumpfe Kreaturen"? Na, da kenne ich auch noch ein paar Leute, die sich auf eine freudlose Zukunft vorbereiten sollten.

Natürlich besteht, wie die Rechtsexperten betonen, keine Gefahr, dass der Tier-Begriff dieses neue Gesetzespassus - ebenso wenig wie das ganze Tierschutzgesetz - auf Menschen ausgeweitet wird. Doch andererseits: Wenn man sich schon die Mühe macht, so ein Gesetz zu formulieren, und zudem einem Gewerbe - nämlich der Juristerei - anhängt, wo spitzfindige Auslegungen das Brot und die Butter der Betreibenden sind, dann könnte man auch mal einen halben Gedanken daran verschwenden, eine biologisch klarere Definition einzufügen. Wie wär's mit "non-human animals?"

 

Autor: Jürgen Schönstein· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (7)

Kommentar-Direktlink Wolf· 16.11.11 · 10:37 Uhr

Nun ja, im Sinne des Kreationismus ist der Mensch ja gar kein Tier, sondern direktamundo von "Gott" erschaffen (obwohl ich mich daran nicht mehr so genau erinenere ;-P)
Also -> keine Gefahr!

Ach ja: Erster

Kommentar-Direktlink Jaque Van Roek· 16.11.11 · 11:03 Uhr

Wo wir schon bei juristischen Spitzfindigkeiten sind: Die Juristerei ist kein Gewerbe in ihren eigenem Sinne.

Author Profile Page Chris· 16.11.11 · 11:06 Uhr

Ob da jetzt auch so eine Welle von Abmahnungen kommt, weil sich gewisse Juristen da eine Marktlücke erhoffen? Zur Geburt gibt es dann eine Abmahnung/Anzeige für die Eltern, weil sie nachweislich gegen das Gesetz verstoßen haben?

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 16.11.11 · 12:03 Uhr

Im Bible-Belt sind mit Menschen gewiss keine Tiere gemeint und mit Tiere keine Menschen...

Demnächst sollte man vielleicht immer "Tiere (gemeint sind explizit keine Menschen)" schreiben. BTW: In D ist die Zoophilie, sofern nicht andere Rechtsvorschriften berührt sind, seit 1969 straffrei. Die Produktion entsprechenden Schrift- und Bildmaterials aber nicht, nur der Besitz. Vielleicht bedarf es hier Anpassungen?

Kommentar-Direktlink zuppi· 16.11.11 · 13:43 Uhr

Es wird auch in Florida sicherlich eigene Vorschriften für sexuelle Kontakte zwischen Menschen geben. Und im Recht zählt im Zweifelsfall die konkretere Bestimmung. :)

Kommentar-Direktlink BreitSide· 16.11.11 · 17:13 Uhr

Zählt da auch der schriftliche Verkehr mit WebBären dazu? Dabei soll man sich ja ganz böse Sachen holen. Augenkrebs ist da noch das Wenigste...

Kommentar-Direktlink alex· 17.11.11 · 15:07 Uhr

In Florida aka Miami sind sowieso schnell mal die scheinwerfer von den polizeiquads auf dich gerichtet, wenn man nach sonnenuntergang mit einer frau mal am strand entlangspaziert. Da kommt man schnell in so szenen die man von Filmen kennt ^^

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