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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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10.08.11 · 04:10 Uhr

Einsteins Schlechter-Schüler-Mythos

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 3

Vorschaubild für Einstein_14x48.jpgIch bin heute gleich mehrfach an diesem Poster vorbei gekommen, das an Bushäuschen in Manhattan hängt (weil's geregnet hat, hab' ich kein eigenes Foto gemacht). Und natürlich ärgere ich mich darüber, dass hier der Mythos weiter kolportiert wird, Albert Einstein sei ein schlechter - oder zumindest ein mittelmäßiger - Schüler gewesen. Dazu hat ja Christian in seinem Blog Frischer Wind schon ausführlich geschrieben; mehr als dass Einsteins Zeugnisse ziemlich gut waren (aber in der Schweiz die beste Note die 6 ist, was wohl die deutschen Betrachter verwirrt haben dürfte), muss ich hier nicht mehr sagen.

Aber das ist nur der vordergründige Anlass meines Verärgertseins. Als ich wissen wollte, wer hinter dieser Kampagne - es gibt eine ganze Menge anderer, wohlmeinender Motive - steckt, fand ich erst mal diese Webseite der Foundation for a Better Life. Aber wer steckt hinter dieser Stiftung? Der erzkonservative Milliardär Philip Anschutz und seine Familie.

Na gut, Anschutz steckt sein eigenes Geld in diese Aktion, und seine Stiftung nimmt keine Spenden an. Ist also sein Privatvergnügen, und wer sollte schon was dagegen haben, wenn er auf seine Kosten die Menscheit zu mehr Selbstvertrauen, zu mehr Optimismus, mehr Leidenschaft, mehr Innovation und natürlich mehr Frieden ermuntern will? Aber ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen: Anschütz ist nicht irgend ein Philantrop, sondern ein religiös konservativer. Und auch das wäre noch weitgehend im grünen Bereich, doch der Ölmilliardär ist, wie der britische Independent heraus gefunden hat (und wie ich hier gelesen habe), auch eine der Personen hinter dem kreationistischen Discovery Institute und ein Spender gleich mehrerer Organisationen, die gegen die Gleichstellung von Homosexuellen agieren.

Was Einstein zum Thema Homosexualität zu sagen hätte, darüber wage ich hier nicht mal zu spekulieren (solche Gerüchte kann man dabei wohl getrost ignorieren - Einsteins Biografie ist da ziemlich klar); aber von kreationistischer Seite vereinnahmt zu werden, das hätte er sich wohl deutlich verbeten. Und wir sollten dies hiermit auch tun, ihm zu Ehren.

 

Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink Arnd· 10.08.11 · 09:18 Uhr

Ok, Anschütz mag ein Kreationist sein. Aber die Kampagne, zumindest das Bild was du gepostet hast, ist doch sehr in Ordnung. Ich sehe ein dass man das kritisch betrachten sollte. Aber man sollte sich auch nicht zu einer ad Hominem Argumentation verführen lassen. Solange die Fundies sowas nettes machen bekommen sie von mir keine Steine zwischen die Füße geschmissen. Lass ihn doch.

Kommentar-Direktlink JB· 10.08.11 · 10:11 Uhr

Einige Werte fehlen in der Kampagne auffällig, allen voran Toleranz / Leben und leben lassen und die Gemeinschaft-Werte beziehen sich häufig auf Familie und Nation.

@Arnd: Das habe ich zuerst auch gedacht, aber es ist ein alter Trick zuerst allgemeine Aussage zu machen, denen kaum jemand widersprechen kann und dann langsam kontroversere Werte einfließen zu lassen. Und wenn sich jemand gegen die Kampagne ausspricht, kann man ihm vorwerfen, gegen allgemein als gut empfundene Werte zu agitieren und selbstsüchtig zu sein. Ich denke, Vorsicht ist angebracht.

Zu dem Bild: Ich weiß ja nicht, ob Einstein so glücklich darüber wäre, ausgerechnet mit diesem Bild in die Geschichte eingegangen zu sein.

Kommentar-Direktlink jitpleecheep· 10.08.11 · 20:29 Uhr

@Arnd:

Ich verstehe nicht, was in Ordnung oder sogar nett daran sein soll, Leuten "Selbstbewusstsein" zu geben, in dem man ihnen vortäuscht, dass sie ein Genie sein können, ohne etwas dafür zu tun.
Alle* Leute, die wirklich wirklich gut in irgendetwas sind, haben auch hart daran gearbeitet.

*) Zumindest die überzeugende Mehrheit...

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