Blog durchsuchen
Profil
Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
Letzte Einträge
Kommentare
- miesepeter3 · 25.05.12 · 14:24 Uhr 200 Jahre Medizingeschichte
- geciktirici · 25.05.12 · 13:41 Uhr nature und die Traditionelle Chinesische Medizin
- Olli · 24.05.12 · 19:01 Uhr Zum Gähnen - aber echt cool!
- Stefan R. · 24.05.12 · 08:57 Uhr Sind Top-Frauen nicht komisch?
- Jabroni · 23.05.12 · 22:08 Uhr Was Geozentrik und Schöpfung mit Steuern zu tun haben ...
Blogroll
Kategorien
Archiv
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- Oktober 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
Blog-Index
- 3vor10
- Alles was fliegt
- Alles was lebt
- Amerikanische Begegnungen
- And the water seems inviting
- Andererseits
- Arte-Fakten
- Astrodicticum Simplex
- Bastelblog
- Beauty full Science
- blooDNAcid
- Chemisch gesehen
- Columbus Gastblog
- Darwinjahr
- Das Labortagebuch
- Deutsches Museum
- Diax's Rake
- Die andere Bildung
- Durchschaut
- E-Mobility
- Echolot
- Ein bisschen dunkel
- ErklärFix
- evolvimus
- For Women in Science
- Frischer Wind
- Geo? Logisch!
- Geograffitico
- Gesundheits-Check
- Hier wohnen Drachen
- Hinterm Mond gleich links
- Historikertag
- Iconic Turn Gastblog
- Ihre Forschungsfrage
- Kommunikation der Zukunft
- Komplett Komplex
- Kritisch gedacht
- Kritische Masse
- Kulisse
- Kunst-en-Blog
- Lob der Krankheit
- Mahlzeit
- Mathlog
- Medlog
- Mutterwitz
- naklar
- Nanojugend
- Neurons
- Neuropädagogik
- Nobel Faces
- Nobelpreisträgertreffen
- Panorama
- persona grata
- Plazeboalarm
- Primaklima
- Schule macht Zukunft
- Science meets Society
- ScienceBlogs Podcast - Wissenschaft zum Mitnehmen
- SciencePicture
- SocioKommunikativ
- Spielblog
- Stromtierchen
- Testblog
- Testnnf
- Testumgebung
- Tiefes Leben
- TwOpinion
- VDE MedTech
- Von Bits und Bytes
- weatherlog
- WeiterGen
- Wissen schafft Kommunikation
- Wissenschaft und Wiedervereinigung
- Wissenschaftsfeuilleton
- Zahlenbilder
- Zeittaucher
- zoon politikon
- Zukunftstechnologien
- [sic]
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
14.07.11 · 19:24 Uhr
Bekenntnisse eines "Plagiators"
Kategorie: Politik · Kommentare: 16
Und damit meine ich mich. Und nein, dies ist keines dieser vorauseilenden, händeringenden Mea-culpa-Geständnisse, sondern lediglich meine persönliche Reflexion zum Thema "Abschreiben", in die ein Vierteljahrhundert journalistischer Tätigkeit einfließen - eine lange Zeit, in der auch ich zumindest einmal öffentlich als Plagiator bezeichnet wurde.
Aber ehe ich auf dieses Beispiel (und noch ein paar andere Anekdoten aus meinem Berufsleben) eingehe, will ich doch erst mal eine generelle Kritik loswerden:
Ich denke nicht, dass "Plagiat" der richtige Begriff ist für die Verfehlungen der Guttenbergs, Koch-Mehrins, Pröfrocks, Chatzimarkakis' und wie sie sonst noch heißen mögen. Ich lehne mich hier mal weit aus dem Fenster, aber meines Wissens sind Quellennachweise und Zitiervorschriften in der Wissenschaft nicht dazu gedacht, irgend ein "geistiges Eigentum" eines Autors zu schützen - es geht primär darum, die Herkunft von Daten und Erkenntnissen transparent zu machen, damit man sie gegebenenfalls prüfen oder in ihrer Entstehung nachvollziehen kann.
Beispiel: Wenn ich in einer wissenschaftlichen Arbeit die Einwohnerzahl der Bundesrepublik mit 81,772 Millionen angebe, ohne die Quelle zu nennen, dann habe ich ja nicht die geistigen Eigentumsrechte des Statistischen Bundesamtes verletzt, sondern schlicht und ergreifend unsauber gearbeitet. Denn ohne Quellenangabe ist die Zahl wertlos, weil nicht nachprüfbar. Und wenn ich behaupten würde, dass US-Vierteldollarmünzen in 53,4 Prozent der Fälle mit George Washingtons Profil nach oben landen, ohne zu erwähnen, dass ich dies in einem Selbstversuch mit 500 Münzwürfen ermittelt habe, dann habe ich mich zwar bei niemandem als bei mir selbst bedient - aber dennoch eine wissenschaftlich unhaltbare Behauptung aufgestellt.
Oder, um es mal noch provozierender zu sagen: Von wem eine wissenschaftliche Erkenntnis stammt, ist längst nicht so wichtig wie die Information, wie sie/er zu dieser Erkenntnis gelangt war. Die Gesetze der Planetenbewegung hätten auch dann noch ihre Gültigkeit gehabt, wenn Galileo sie vor Kepler veröffentlicht hätte (und dazu vielleicht in Keplers Aufzeichnungen geschnüffelt hätte). e=mc2, unabhängig davon, ob nun Einstein oder Max Planck zu diesem Ergebnis gekommen wäre. Aber entscheidend bleibt, dass man weiß, wie Kepler, wie Einstein zu ihren Resultaten kamen. Und wenn sie auf Erkenntnisse und Daten von anderen (in Keplers Fall zum Beispiel die Planetenvermessungen von Tycho Brahe) zurück gegriffen haben, dann will man das auch wissen - Quellennachweise sind ein elementarer Teil der wissenschaftlichen Beweisführung, und zwar nicht wegen irgendwelcher geistiger Eigentumsrechte (um die man sowieso immer Streiten kann - wir arbeiten hier in einem Medium namens Internet, das mit der Parole "Information must be free" popularisiert wurde), sondern aus wissenschaftlichen Gründen. Wer also Quellen verschweigt und Zitate nicht kenntlich macht, der ist auch dann noch unfähig, einen akademischen Titel zu führen, wenn er nicht "plagiiert" hat. Und das droht bei dieser Plagiatsdebatte unterzugehen.
So, nun aber zum versprochenen "Outing" meiner selbst als Pagiator. Dazu muss ich erst mal weiter ausholen: Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Arbeiten wird der Quellennachweis im Journalismus nicht immer stringent gehandhabt. Erstens gibt es oft genug Fälle, in denen Quellen nicht genannt werden können - sei es, um die Quelle vor Repressalien zu schützen; sei es, um die Exklusivität der eigenen Story (und deren Fortsetzungen) zu bewahren - oder manchmal auch nur, weil die Quelle darum bittet, nicht genannt zu werden. Manchmal gibt es zudem keine "Quelle" - wenn die Bundeskanzlerin oder der amerikanische Präsident eine Rede hält, die auf allen großen Fernsehsendern live übertragen wird, dann ist es letzlich egal, ob ich sie via CNN, ARD oder im Pressesaal der Vereinten Nationen auf den Monitoren betrachtet habe. Wenn Schalke gegen Bremen 4:0 gewinnt, dann ändert es am Ergebnis nichts, ob ich es im Stadion miterlebt, am TV-Schirm verfolgt oder im Radio gehört habe. Mit anderen Worten: Der Journalist sollte die Fakten prüfen - und der Leser sich dann darauf verlassen können, dass es stimmt.
Aber natürlich werden auch im Journalismus Quellen genannt: Wenn ich Barack Obama aus einem Interview der New York Times zitiere, dann muss ich das auch angeben - weil die nämlich andere Fragen stellen würde, als wenn es ein Interview mit Fox TV gewesen wäre. Und wenn ich in der Washington Post ein nettes Zitat vom sprichwörtlichen "Mann auf der Straße" gefunden habe, das ich gerne verwenden will, dann schreibe ich selbstverständlich, wo ich es her habe. Aber anders als beim wissenschaftlichen Zitieren begnüge ich mich eben mit einer Quellenangabe - "erklärte Obama in einem Interview mit der New York Times" - im Lauftext; Ort, Datum und Seitenangabe sind zumindest in Printausgaben nicht üblich (und aus Platzgründen auch nicht praktisch); auch das Wiederholte Rückverweisen auf diese Originalquelle - sowit der Bezug aus dem Text sowieso klar ist - würde den Artikel icht gerade lese(r)freundlich machen. (Bei Online-Texten ist das übrigens einfacher - hier kann und sollte man selbstverständlich auf die Quelle verlinken.)
"Selbstverständlich" habe ich eben geschrieben - und nach meinem Selbstverständnis ist das auch so. Aber hier beginnt nun das "Outing": Nicht jeder teilt diese Auffassung. Ich habe mit KollegInnen und RedakteurInnen gearbeitet, die solche Details für überflüssig halten und entweder gar nicht erst hinschreiben oder, beim Redigieren, wieder rausnehmen (und ja, das ist mir leider sehr oft passiert). Selbst bei Artikeln, die online erscheinen, werden solche Links nicht selten eliminiert. Ich weiß, dass ich mich dem Vorwurf der Komplizenschaft nicht einfach entziehen kann, so lange ich für und mit solchen Medien arbeite - aber diesen Stein werfe bitte nur der oder die, die noch nie im Interesse ihrer Existenz und ihres Lebensunterhalts einen ethischen Kompromiss eingegangen sind...
Nun aber zurück zum konkreten Plagiatsvorwurf, der gegen mich erhoben wurde. Ist ganz lehrreich - sowohl für Journalisten im Online-Zeitalter, als auch für alle, die schnell mal die Plagiatskeule rausholen wollen, wenn sie Übereinstimmung zwischen zwei Aussagen gefunden haben. Leider existiert die Seite mit Original-Blogeintrag, in dem dieser FOCUS-Online-Artikel über die Reaktion der New Yorker auf George W. Bushs Wahlsieg über John Kerry 2004 als "Plagiat" zerpflückt wird, nicht mehr. Aber aus dem Gedächtnis weiß ich zumindest noch, dass mir mindestens in drei Punkten das Plagiieren vorgehalten wurde:
1. Ich hatte meine Story unter anderem an Bushs bescheidenem Wahlergebnis in Manhattan aufgehängt und selbiges mit den gleichen Wert angeführt, der auch in allen New Yorker Tageszeitungen stand: knapp 16,7 Prozent. Aber deswegen "stammte" diese Zahl nicht aus den Zeitungen, sondern sie war von der Wahlkommission (die am Morgen nach der Wahl die Ergebnisse nach Stimmbezirken, Stadtvierteln etc. aufgeschlüsselt publiziert hatte) veröffentlicht worden. Zugegeben: Nach der wissenschaftlichen Zitierweise wäre es - siehe oben - nicht korrekt, selbst amtliche Resultate (oder meinetwegen auch: den Endstand eines Fußballmatches) ohne Quellenangabe zu nennen. Aber im Journalismus gelten, wie gesagt, weniger strenge Regeln.
2. Das Beispiel mit den Busladungen von Wahlhelfern, die nach Pennsylvania gereist waren (was ich selbst übrigens im Jahr 2008 auch gemacht habe - allerdings nicht im Bus, sondern mit Freunden im Auto) war auch überall, z.B. in der New York Times, zu lesen. Aber abgeschrieben war es trotzdem nicht - meine Quelle waren zwei Freundinnen und ein Freund, die sich noch am Sonntag vor der Wahl auf den Weg nach Pennsylvania gemacht hatten.
3. Der dritte Vorwurf hingegen traf schon besser: Ich hatte in der Tat im 5. Absatz eine Filmproduzentin wörtlich zitiert - das Zitat stammte jedoch aus der New York Times, was in diesem Absatz nicht kenntlich war. ABSCHREIBER! PLAGIATOR! Ja, mea culpa. Ursprünglich hatte ihm ein weiter unten platzierter Absatz - in dem die New York Times als Quelle genannt wurde - vorausgehen sollen. Doch aus irgend einem Grund - den ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann, denn dieser nach hinten verschobene Absatz hätte tatsächlich weiter oben viel besser hingepasst - hatte ich beim Überarbeiten geglaubt, dass das Zitat des Psychiaters weiter hinten mehr Kraft hätte. Und ich kann dafür nicht mal einer Redakteurin oder einem Redakteur die Schuld geben: in der Abgabeschluss-Heltik hatte ich ganz alleine und ohne fremde Hilfe vergessen, dass ich dann auch die Attribution (die vorher einigermaßen klar war, zumindest nach journalistischen Gepflogenheiten) entsprechen umpfriemeln müsste.
Was am Resultat natürlich nichts ändert: Der Quellennachweis war unterhalb meiner eigenen und der generell journalistisch vertretbaren Standards, und niemand ärgert sich darüber mehr als ich, auch fast sieben Jahre später noch. Der Plagiatsvorwurf (eigentlich: Vorwurf der ungenauen Quellenangabe) schmerzt, selbst wenn ich Argumente habe, mich zu verteidigen. Und deswegen - genau deswegen - kann ich es eben nicht die Nonchalance nachvollziehen, mit der sich die überführten Politiker hier aus den Affären ziehen wollen.
Autor: Jürgen Schönstein· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Gibt es ein "generisches Maskulinum"?Hier wohnen Drachen· 11.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
Blogticker
- Geschenke!Hinterm Mond gleich links· 25.05.12
- Wenn die Sonne den Asteroiden schubstAstrodicticum Simplex· 25.05.12
- Topologie von Flächen CCXXIMathlog· 25.05.12
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr

Kommentare (16)
Moin...
Bei den kritisierten Doktorarbeiten haben die Plagiateure meiner Meinung nach genau das gemacht, was sie schon eine ganze Weile machen:
Sich mit der Arbeit die andere gemacht haben schmücken, Ergebnisse die Andere erarbeitet haben als ihre eigenen ausgeben. Pardon.... ich denke das die Damen und Herren ein charakterliches Problem haben. Diese Leute leben schlicht und einfach parasitär von der Arbeit anderer Leute. Und das nicht nur bei einer wissenschaftlichen Arbeit. Das scheint mir eher die Lebenseinstellung dieser Leute zu sein...
Gruß
Oli
Nun ja, der Unterschied ist wohl hier, dass man in dem Fall das Plagiat glaubwürdig als "Fehler gemacht" bezeichnen kann - und Fehler macht bekanntlich jeder und wenn man sie zugibt und daraus lernt umso besser. Bei 70% einer Dissertation kann man das zwar noch behaupten (q.e.d.), aber es ist nicht glaubwürdig.
Als auch journalistisch arbeitender stimme ich Ihnen übrigens auch insofern zu, dass ich mir wünschen würde, dass manche meiner Kollegen das mit den Quellen etwas genauer nähmen und sich hier eher die Wissenschaft zum Vorbild machen.
Aber zum zitieren hätt ich ja noch eine Anmerkung, weil ich da selbst schon festgestellt habe, dass die Wissenschaftsgemeinde da nicht stringent argumentiert: Manche sind nämlich der Ansicht, wie Sie es ausführen, man solle die Stelle zitieren, "wo man es herhat" - damit der Leser nachvollziehen kann, wie der Schreiber sich informiert hat. Andere wiederum sind aber der Ansicht, man solle lieber Originalquellen zitieren, egal wo man es selbst herhat.
Sehr gut sieht man das etwa an der Debatte über Wikipedia-Quellen. Ich selbst wäre der Ansicht, wenn ich eine Information aus der Wikipedia habe, dann gebe ich auch die Wikipedia als Quelle an, auch wenn ich die Originalquelle nochmal überprüfe - mir ist aber bspw. von Betreuern meiner Studienarbeit empfohlen worden, in dem Fall in der Wikipedia die Originalquelle zu nehmen, weil Wikipedia-Links als Zitat ungeeignet sind.
... ob man bei der Einwohnerzahl der Bundesrepublik die Quelle nennen muss und in welcher Form, hängt allerdings auch vom Kontext ab. Bei der im Blog genannten genauen Zahl mit drei Nachkommastellen wird man in wissenschaftlichen Zusammenhängen vor allem wissen wollen, aus welchem Jahr diese Zahl stammt und ob das eine Stichtagsbevölkerung ist oder eine mittlere Bevölkerung, dazu gehört dann fast zwangsläufig die Quellenangabe. Wenn man dagegen von "ca. 82 Mio. Einwohnern" spricht, ist das Allgemeinwissen und eine Quellenangabe verzichtbar. Auch triviale Feststellungen wie "In den letzten Jahren wird verstärkt darüber debattiert, ob es einen Klimawandel gibt" oder "Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist in den letzten 100 Jahren deutlich angestiegen" muss man nicht mit drei Referenzen belegen. Das überflüssige Referenzieren von Banalitäten ist auch schlechte Wissenschaft.
Was Wikipedia angeht: Grundsätzlich sollte man, wo möglich, Primärquellen und nicht die Sekundärliteratur zitieren, bei schwer beschaffbaren Primärquellen ggf. in der Form "Meyer 1932, S. 15, zitiert nach Müller 2005, S. 20). Bei Wikipedia kommt hinzu, dass es bisher eher einen einer Zeitungsmeldung vergleichbaren Status hat, nicht den einer wissenschaftlichen Quelle, aber das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.
Der erste Teil dieses Beitrags ist mal wieder ein echt schwaches Stueck Journalismus. Ein Aspekt wurde herausgegriffen, mit unpassenden Beispielen illustriert und alles andere ignoriert.
Folgendes ist anzumerken: Quellenangaben dienen eben nicht nur und auch nicht primaer der moeglichen Ueberpruefung von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wissenschaft ist ein Belohnungssystem mit der Waehrung Anerkennung (Robert Merton). Wer da unsauber arbeitet, untergraebt einen wichtigen Pfeiler des Systems. Es ist sehr wohl wichtig von wem eine Erkentnis stammt, denn Annerkennung und Ruhm sind wichtige Gruende, dass ueberhaupt publiziert wird. Wenn es dem Wissenschaftler nur um neue Einsichten ginge, brauechte er sich den Peer-review Prozess ja nicht antun.
Dann ist da natuerlich noch der offensichtliche Umstand, dass man eine Doktorarbeit nicht schreibt, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu verbreiten, sondern um nachzuweisen, dass man wissenschaftlich arbeiten kann.
Zuletzt gibt es ja auch noch Woerterbuecher und man koennte sich ja mal die eine oder andere Definition durchlesen, bevor man ueber die Bedeutung von "Plagiat" spekuliert. Oder wenn es denn keine Spekulation ist, waere es hilfreich zu wissen, wie der Autor zu seiner Einschaetzung gelangt ist, sonst "hat er sich zwar bei niemandem als bei ihm selbst bedient - aber dennoch eine wissenschaftlich unhaltbare Behauptung aufgestellt".
Bete zwei "Vaterunser" und drei "Gerüßet seist du Maria" mein Sohn, und dir wird verziehen. Es ist eine lässliche Sünde....
Warum man Maria einrußen soll, entzieht sich mir irgendwie.
Als Bußübung fürs ans Bein pinkeln, zitier ich gleich reumütig:
@schnablo
Ist sie das? Die Anerkennung ist sicher ein Aspekt, wie sich ja auch an all den wissenschaftlichen Preisen erkennen lässt. Aber sie ist nicht der Inhalt, der Zweck der Wissenschaft. Danke, ich empfehle ein Gleiches ...Ich hab diesen Artikel mal von dem blog DE PLAGIO aus mal geteasert. :-)
"niemand ärgert sich darüber mehr als ich"
PLAGIATSALARM
und jetzt rede dich nicht raus, dass sei eine absichtsvolle Anspielung gewesen, und in Oxford würde man so was immer machen.
Hallo,
ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man die Arbeiten (bzw. die entsprechenden Stellen in den Arbeiten) nicht als Plagiate bezeichnen soll. Wikipedia definiert ein Plagiat als "die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes.". Und das beschreibt exakt das, was bei den genannten Politikern passiert ist.
Deine entsprechenden Erklärungen laufen meines Erachtens auf die Frage hinaus, ob das Problem in der Überprüfbarkeit der Aussagen oder in dem Fehlen eigener Gedanken liegt.
Das ist ein stark naturwissenschaftlich geprägter Gedanke. In den Naturwissenschaften sollte es immer möglich sein, objektive Ergebnisse zu erzeugen. Damit steht auch die Richtigkeit des Ergebnisses im Vordergrund.
In den Gesellschaftswissenschaften werden jedoch eher subjektive Interpretationen geschaffen. Die wissenschaftliche Leistung besteht hier nicht in dem Finden des einen, richtigen Ansatzes, sondern in dem Aufzeigen einer neuen Interpretationsmöglichkeit. Insofern ist es hier weitaus relevanter den Urheber des Gedankens zu nennen.
Ein anderer und von dem Wissenschaftsgebiet unabhängiger Punkt ist die Frage nach dem Mehrwert einer Arbeit. Ist dieser Mehrwert nicht groß genug, dann reicht die Arbeit nicht für eine Promotion.
Die Herren und Damen Plagiatoren haben in ihrer Arbeit vorgetäuscht einen Mehrwert zu liefern, was sie jedoch faktisch nicht getan haben. Entfernt man die plagiierten Stellen, so ist der Mehrwert der Arbeit nicht ausreichend für das Bestehen. Aus diesem Grund ist es nicht nur wichtig wie die Erkenntnis entstanden ist, sondern auch ob sie neu ist und damit von wem sie stammt.
@Hanno
Idealerweise findet man die Originalquelle (auch gerne über Wikipedia), sucht eine Kopie (als PDF oder gedruckt) und zitiert dann die Originalquelle. Natürlich ist das eine Menge Arbeit, und gerade wenn ein Artikel einen anderen zitiert gibt es dafür ja das indirekte Zitat (zB Autor, Jahr in Autor, Jahr Seite). Der Korrektor der Seminararbeit erkennt sowieso die meisten nicht ausgewiesenen indirekten Zitate - wenn im Kursreader ein Artikel vorkommt in dem ein 50 Jahre altes Buch zitiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit eines nicht ausgewiesenen indirekten Zitates sehr hoch ;)
@Jürgen
Der Inhalt und Zweck der Wissenschaft mag die Erkenntnis sein, aber die Wissenschaftler sind trotzdem von Zitaten abhängig. Meine Universität hat eine klare Zielvorgabe für Wissenschaftler, nämlich eine gewissen Anzahl von Veröffentlichungen mit einer gewissen Anzahl von Zitationen. Idealerweise werden natürlich sehr gute Artikel auch oft zitiert, aber in vielen Fachbereichen sind die Zitationen die Messlatte für Erfolg, Anstellung und Beförderung - nicht nur (oder mehr?) der Inhalt. Das muss ich nicht gut finden, aber mein Gehalt bestimmt es trotzdem...
@MartinB
Das musste ich jetzt wirklich erst mal googeln ;-)
@alle
Ich will doch niemandem vorschreiben, ob er/sie nun das Wort "Plagiat" gebrauchen darf oder nicht. Das geht am Kern dessen vorbei, was ich geschrieben habe: Mir ging's darum zu betonen, dass unkorrektes - oder nicht vorhandenes - Zitieren selbst dann noch gegen die wissenschaftlichen Regeln verstößt, wenn dabei nicht plagiiert, also kein "geistiges Eigentum" verletzt wird. Und dass Quellennachweise mehr sind als "nur" Respektsbezeugungen für die Arbeit anderer.
@Schönstein
- geht Richtung Gemeinmachung mit bestimmten Zeugen aus dem Spektrum der "Liberals". Sowas wäre auch rechtlich relevant, sofern tatbestände berührt worden wären. - Und wie Sie hier für die New Yorker sprechen, tss, tss, ...Den Bezug zum Plagiatswesen hat Dr. W nicht ganz verstanden, dieses ist auszuschließen genauso wie Mängel bei der Quellenarbeit, aber das hier -
MFG
Dr. Webbaer
schnablo·
15.07.11 · 22:45 Uhr
Darueber liesse sich streiten, aber es spielt hier keine Rolle. Sinn und Zweck der Wirtschaft ist sicher nicht das Geld, was jedoch nicht heisst, dass Diebstahl deswegen keine negativen Auswirkungen auf sie haette.Es wäre schön, hier mal wieder etwas zu lesen statt des ewigen "Ich hab ein Leberwurtstbrot gegessen, man, wie ist das toll".....
Sorry, aber die Trolle sind momentan eher die Beitragsschreiber..... siehe Jörg..
Also ist es nur ein kleines Vergehen... oder Nachlässigkeit, wenn Quellenangaben zu Herkunft fehlen...?!
Das macht den Lesern oder Kontrollierern der Arbeit/textes nur dann schwierigkeiten, wenn sie von aller Sach- und Fachkentnis frei sind (nd sich diesbezüglich auf Quellensuche begeben müssen). Entsprechende fachwissende sollten eh wissen, worum es sich handelt, bei dem, was ein Doktorand niedergeschrieben hat.
Dabei aber sie es wohl wichtig, seine eigenen Schlüsse und Erkenntnisse aus der Zusammenstellung ertsens zu beschreiben und zweitens zu belegen, dass dafür eine wissenschaftliche Basis in Form von allgemeiner Erkenntnis vorliegt. Und dazu benötigt man dann eine Quellenangabe....
Also wohl nur ein Formfehler? Der aber durch die Prüfung der Arbeiten nicht hätte durchgehen dürfen, wenn ihnen die Quellenangabe wichtig gewesen wäre.
Dann mögen wohl die Nacheichungen der relevanten Quellenangaben für die Doktorarbeiten ausreichen, damit sie diesbezüglich gültig und Rechtmässig seien. Was nichts mit dem eigendlichen Inhalt und Aussagekraft zu tun hat.