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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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11.05.11 · 04:32 Uhr
Amor mit Parteibuch
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 7
Liebe macht vielleicht blind - aber nur für Äußerlichkeiten, wie es scheint. Wenn es um Weltanschauung und vor allem um Politik geht, scheint der sprichwörtliche Amor erst mal die jeweiligen Partei- und Kirchenbücher zu prüfen. Wissenschaftler in den USA und Australien - namentlich: John Alford (Rice University), John Hibbing University of Nebraska-Lincoln), Peter Hatemi (University of Sydney), Nicholas Martin (Queensland Institute of Medical Research) und Lindon Eaves (Virginia Institute for Psychiatric and Behavioral Genetics) - haben in einem Paper, das in einer der kommenden Ausgaben des Journal of Politics erscheinen soll, eine deutliche Präferenz bei der Partnerwahl für politisch gleichgesinnte Männer/Frauen festgestellt.
Das Paper "The Politics of Mate Choice" (Das Politische an der Partnerwahl) selbst soll, wie gesagt, erst noch erscheinen. Aber in dieser Presseaussendung wird schon ein bisschen über die Partnerpräferenzen verraten: Auf einer Skala zwischen Null (keine Übereinstimmung) und Eins (perfekte Übereinstimmung), auf der für 5000 US-Ehepaare ermittelt wurde, was sie im Hinblick auf körperliche Eigenschaften (z.B. dünn/dick), Charaktereigenschaften (gesellig/introvertiert etc.) und politischen Einstellungen bei der Partnerwahl für wichtig haben, landet körperliche Kompatibilität nur irgendwo zwischen 0,1 und 0,2; auch Persönlichkeitsmerkmale spielen kaum eine Rolle (zwischen 0 und 0,2). Am meisten kam es ihnen auf die politischen Einstellungen an: Diese erreichen einen Skalenwert von 0,6 - nach der Regelmäßigkeit des Kirchgangs (0,7) der höchste im ganzen Partnerwahl-Sortiment.
It turns out that people place more emphasis on finding a mate who is a kindred spirit with regard to politics, religion and social activity than they do on finding someone of like physique or personality.
Es zeigt sich, dass Menschen mehr Gewicht darauf legen, einen gleichgesinnten Partner im Hinblick auf Politik, Religion und gesellschaftliche Aktivität zu finden, als darauf, der ihnen körperlich oder hinsichtlich Persönlichkeit ähnlich ist. (John Alford)
Das könnte nun erst mal ein amerikanisches Kuriosum sein (dass eine gleiche Hingabe zum Kirchgang das wichtigste Kriterium bei der Partnerwahl ist, wäre vermutlich in anderen westlichen Nationen nicht nachvollziehbar - aber das ist, wie ich hier ausdrücklich betonen muss, meine Meinung, für die ich außer subjektiven Eindrücken keine Belege habe). Aber es ist plausibel, dass politische Präferenzen nicht nur die Partnerwahl, sondern das gesamte soziale Umfeld prägen (stärker vermutlich als Körpergröße oder Temperament) und damit die Wahrscheinlichkeit, eine/n politisch gleichgesinnte/n PartnerIn zu finden, sowieso vergleichsweise hoch ist. Aber laut der Studie ist diese "soziale Homogamie" (also die Wahl des Partners aus der eigenen sozialen Gruppe) dennoch nur von untergeordneter Bedeutung. Und nein, die Idee, den Partner oder die Partnerin im Laufe der Ehe umzudrehen, sollte man sich auch besser abschminken:
Similarly, the researchers found little support for interspousal persuasion, the notion that partners tend to adapt to one another's political beliefs over time.
Mit anderen Worten: Auch wenn es vielleicht Beispiele für erfolgreiche "Mischehen" gibt - mir fiele spontan nur noch das Ehepaar James Carville/Mary Matalin ein, nachdem der 25 Jahre währende (und generell als glücklich eingeschätzte) Paarlauf von Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver nun ein Ende gefunden hat - scheint es für den Bestand der Ehe nützlicher zu sein, sich erst mal der politischen Überzeugungen des/der Angebeteten zu vergewissern. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich politischer Einklang findet ... (in Abwandlung von Friedrich Schiller, Die Glocke)
Foto: Jason Hutchens (Sydney), via Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Nun, dann hoffe ich inständig, dass Ihre Frau sich auch dem linkslinken rotgrünmarxistischen P.C.-Gutmenschenbessertum zugehörig fühlt. In diesem Sinne alles Gute weiterhin.
nun ja... eine zb. konservative, streng religiöse und fremdenfeindliche lebensgefährtin hätte ich auf keinen fall gerne um mich herum. das solche menschen sich an sich schon in einem bestimmten dubiosen politischen umfeld bewegen herumtreiben in dem ich selbst nicht verkehre werde ich wohl eher so eine nicht kennenlernen. aber auch wenn... wird aussortiert. ich denke mir umgekehrt wird es genau so sein. also was soll der geiz ? :)
...
@Jürgen Schönstein
Wenn man bei den SB die religösen und weltanschaulichen (u.a. politischen) Diskussionen verfolgt, wundert mich das Ergebnis keinen Augenblick. Selbst all die Wissenschaftler und all die Wissenschaftsorientierte, die sich so üblicherweise hier tummeln, verlieren bei diesen Themen ganz schnell jede Contenance; in diesem Zusammenhang sei an die Sprachdiskussionen erinnert.
Jemanden zu heiraten, mit dem/der ich jeden Tag eine GeG-Diskussion führen müsste, wäre in der Tat die biblische Hölle. (Wenn sie/er/es fett, dürr, zu klein, zu groß und überhaupt hässlich wären, kann man einfach das Licht ausmachen und kann ich mich mit ihm/ihr nicht vernünftig unterhalten, bleiben immer noch der TV, der PC oder der Spaziergang mit dem Hund.)
Dr. Webbaer·
11.05.11 · 13:41 Uhr
In der Tat keine Überraschung. Die beiden demokratietypischen Grundaufstellungen sind ja ganz grob "Mehr Eigenverantwortung, Staat setzt Rahmenbedingungen mit dem Ziel die Gesamtheit voranzubringen!" und "Mehr Gerechtigkeit, Staat verwaltet die Gerechtigkeitsformen und deren Umsetzung am besten!" - und diese sind entgegengesetzt.Wenn dann noch Specials wie ein verquerer Ökologismus oder andere politische Esoterika hinzukommen, dann sagen sich Mann und Frau (oder Mann und Mann oder Frau und Frau oder Etwas und Etwas) nach der üblichen Zeit der Prüfung womöglich kein Wort mehr, höhö.
BTW, sind die Kinder der Schwarzeneggers jetzt eigentlich Demokraten oder Republikaner?
MFG
Dr. Webbaer
Hm... kann es sein, dass die "metaphysische" und die "politische" Weltanschauung stark ineinander verwoben sind, in der Art, dass die politische Haltung umso eingeengter ist, je eingeengter die metaphysische ist, und umgekehrt? Einem strenggläubigen Katholiken, der von der Jungfrauengeburt bis zur fleischlichen Auferstehung Jesu alles für tatsächlich wahr hält, ist eine sozial-liberale politische Haltung ja kaum zuzutrauen. Zum weit verbreiteten agnostischen Atheismus ("keine Ahnung, ob es Gott gibt, ich glaub nicht, ist mir aber auch nicht wichtig") passt dann wieder eine verschwommene politische Haltung zwischen Sozialismus und Liberalismus bei gleichzeitigem politischem Desinteresse. Radikale Antitheisten (so es diese denn gibt) könnten dagegen eine politische Haltung haben, die der humanistischen "goldenen Regel" wiederspricht (Etwa: Das Menschenrecht auf freie Religionsausübung ist Blödsinn, Religionen müssen bekämpft werden, notfalls mit Gewalt). Bzw. auf antidemokratische Ideen kommen, etwa in der Art, dass nicht die Mehrheit entscheiden soll, sondern generell diejenigen mit dem meisten Fachwissen. Dazu passt auch meine persönliche Erfahrung, dass ein Ökologismus, der über den Humanismus gestellt wird, sehr häufig mit esoterischen "Gaia"-Ideen und solchen Sachen einher geht - und in radikaler Ausprägung sogar dem Faschismus nahesteht, weil sie sich für die besseren Menschen halten! (Vielleicht deshalb das Phänomen "braune Esoterik"?)
Naja, jedenfalls scheint es mir sehr naheliegend, dass man keine Beziehung zu jemandem haben kann, der in beiden Bereichen eine grundlegend andere Haltung hat. Letztlich würde man sich damit ja dauerhaft selbst widersprechen - wer erträgt das schon? Eine völlige Übereinstimmung ist aber auch irgendwie problematisch... man findet kaum Diskussionsthemen. ;)
Redfox·
12.05.11 · 18:57 Uhr
Hör auf, ich werd noch schwul.