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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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07.04.11 · 06:48 Uhr
US-Wahlen sind schlecht fürs Klima
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 10
Indirekt und um die Ecke betrachtet, jedenfalls. Ein aktuelles Paper mit dem Titel Local Warming - Daily Temperature Change Influences Belief in Global Warming, das in Psychological Science erschienen ist, belegt den anekdotisch sowieso schon beobachtbaren Zusammenhang zwischen dem aktuellen, lokalen Wetter und der Bereitschaft, einen globalen Erwärmungstrend (= Klimawandel) zu akzeptieren: Wenn's kalt ist, dann neigen die Menschen eher dazu, den Klimawandel abzulehnen.
Forscherinnen und Forscher des Center for Research on Environmental Decisions, das der New Yorker Columbia-Universität angegliedert ist, hatten rund 1200 Personen in den USA und Australien befragt, um herauszufinden, wovon ihre Zustimmung oder Ablehnung des globalen Klimawandels abhängt. Wichtigster Faktor hierbei ist die politische Einstellung. Personen, die sich selbst eher links von der Mitte sehen, halten die globale Erwärmung, und vor allem, dass sie von Menschen verursacht ist, für glaubhafter; Konservative wie beispielsweise die amerikanischen Republikaner lehnen diese Sichtweise eher ab. Auch das Geschlecht kann eine Rolle spielen - es sind eher die Männer als die Frauen, die den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel bezweifeln.
Aber fast so wichtig wie die Politik (und weitaus wichtiger als das Geschlecht) ist ... das aktuelle Wetter. Wenn es darum geht, seinen eigenen Glauben in den Klimawandel auf einer Skala zwischen 1 und 4 einzuordnen, dann kann ein als überdurchschnittlich warm oder auch kalt empfundener Tag die eigene Einstellung um einen ganzen Punkt verschieben. Die Kombination aus politischer Überzeugung und aktuellen Wetterverhältnissen scheint alle um Details bemühten Informationsversuche zu übertrumpfen:
Global warming is so complex, it appears some people are ready to be persuaded by whether their own day is warmer or cooler than usual, rather than think about whether the entire world is becoming warmer or cooler. (...) By way of analogy, when asked about the state of the national economy, someone might look at the amount of money in his or her wallet, a factor with only trivial relevance.
Gobale Erwärmung ist so komplex, dass es scheint, als ob manche Leute sich lieber davon überzeugen lassen, ob ihr eigener Tag wärmer oder kühler als gewöhnlich st, als darüber nachzudenken, ob die Welt insgesamt wämer oder kühler wird. (...) Das ist etwa so, als ob jemand auf die Frage nach der nationalen Wirtschaftslage das Geld in seinem oder ihrem Geldbeutel nachzählt, ein Faktor, dem nur triviale Bedeutung zukommt.
Ye Li, Postdoc am Center for Decision Sciences der Columbia Business School und federführender Autor des Paper.)
Was ja auch heißt, dass die Zustimmung oder Ablehnung politischer Maßnahmen zum Klimaschutz ebenfalls von der aktuellen Wetterlage abhängen kann. Und hier kommt nun der Bogen zu den amerikanischen Wahlen: Die finden nämlich per Gesetz immer am zweiten Dienstag im November statt. Und wenn ich jetzt mal schaue, was ich als Wetterinformation für den vergangenen 2. November (Wahltag 2010) finde, dann zeigt sich, dass die Höchsttemperatur in New York beispielsweise mit 10˚ Celsius um 4˚ unter dem Durchschittswert für diesen Tag lag, die Nachttemperatur mit 2˚ C um fünf Grad unter dem normalen Minimum. Ohne jetzt eine komplette Wetteranalyse des vergangenen Wahltages bieten zu können (auch in Michigan waren, wie diese Zusammenfassung des Wetterdienstes in Grand Rapids zeigt, die ersten Novembertage eher kühl) - dass die Chance auf unerwartet kühle Tage im November relativ groß ist, scheint in jedem Fall plausibel. Hatte ich vergessen zu erwähnen, dass die Republikaner mit ihrer Anti-Klimaschutz-Agenda als die Sieger aus dieser Wahl hervor gegangen waren? Scheint so, als ob das Wetter wirklich mal einen (umweltpolitischen) Klimawandel bedingt haben könnte ...
Autor: Jürgen Schönstein· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (10)
Ach du meine Güte. Jetzt wird's peinlich.
Was das Weltuntergangsszenario durch den Klimawandel angeht, können die Klimawissenschaftler mit den Untergangspropheten aller Religionen mithalten.
Das sehe ich ähnlich. Die Klimaprognosen sind derart düster, das wir im schlechtesten Fall in den kommenden 100 Jahren aussterben. Wer´s glaubt!
Hehe, wieder ein fetter Köter für die Klimatrolls. Gleich 3 auf einen Haufen. Musste halt mal jeder seine Pee-Mail absetzen.
Sehr interessant die Charakterisierung der typischen Klimaleugner: männlich, eher rückständig, geistig kurzsichtig, begrenzter Horizont...
@ BreitSide
Leider tendieren die meisten Klimaforscher zu Weltuntergangsszenarien, so etwas kann ich nicht ernst nehmen. Es gibt keine wirklich rationale Diskussion über die Folgen des Klimawandels, sondern Kastrophenszenario wie "Eine unbequeme Wahrheit".
@Randifan: sagt wer? Der Klimatroll?
Der ORF berichtet (trollfrei) über die Überzeugungskraft der Temperatur:
http://science.orf.at/stories/1680696/
Die WELT dagegen bietet unter der Story Platz für die üblichen Kommentare:
http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13104045/Aktuelles-Wetter-praegt-Einstellung-zum-Klimawandel.html
Ist vielleicht ein bisschen weit um die Ecke gedacht, aber trotzdem sehr interessant!
Die Demokratie ist heutzutage nun einmal die vorherrschende Regierungsform. Doch in der konkreten Durchführung kommen große Probleme auf, die im Prinzip heutzutage nicht aufkommen sollten. Nun wird auch in mehreren Arabischen Ländern die Demokratie eingeführt, die Probleme entstehen auch hier. Und wer kommt dafür auf? Selbstverständlich der Steuerzahler. Als Beispiel schaut man sich nur mal die riesigen Werbekampagnen an. Anstelle Wähler (die übrigens für den Fortbestand der Parteien verantwortlich sind) sachlich mitzuteilen welche Ziele sie haben, und was sie dafür tun beabsichtigen, verprassen sie Unmengen an Druckerfarbe und Papier, oder reisen mit riesigen Wahlständen umher. Anstatt den Staat mit diesen Geldern zu unterstützen, sorgen sie dafür, dass Firmen, sogar noch teilweise Ausländische, viel Geld mit der Lethargie des Deutschen Staatsbürgers einbringen. Lasst uns handeln! Ich drucke Plakate gegen solche Verschwendung.
Ach man, Wetter ist nicht Klima, wann begreifen das endlich alle?! Ist auch schön zu beobachten. Dieser Sommer war so schlecht, dass viele Menschen die globale Erwärmung direkt wieder abgeblasen haben. tztztz