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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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14.02.11 · 17:28 Uhr

Beichten per iPhone-App? Noch nicht ganz ...

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 2

Confession-app.jpgErst mal vorweg, falls sich jemand wundert, warum in einem Wissenschaftsblog überhaupt der Begriff der "Beichte" im katholischen Sinn auftaucht: Die Frage, ob und wie Beichte eine Form der Psychotherapie sein kann (und die wiederum fällt eindeutig in den "Zuständigkeitsbereich" eines Wissenschaftsblogs), ist durchaus eine, die auch die Forschung beschäftigt (z.B.hier: Zur Psychologie der Beichte). Aber es geht hier eher um einen technischen Aspekt dieser Gewissenserleichterung - sondern genauer gesagt darum, dass die amerikanische Firma Little iApps, inspiriert durch den Papst Benedikt XVI und dessen Haltung zu sozialen Medien, eine Beicht-App für iPhone und iPad entwickelt hat.

Okay, so weit, dass man mal auf die Schnelle per Touchscreen, und zwischen zwei Tweets, sein Gewissen reinigen kann, geht diese App nun doch nicht - aber sie nimmt dem Geplagten die Mühe ab, sein Gewissen zu durchforschen, indem sie ihm die "richtigen" Fragen stellt. (Wer wissen will, wie so was aussieht, kann sich ja hier durch eine Bildergalierie klicken). Zur Beichte wird er dann aber immer noch in den Beichtstuhl klettern müssen - so weit geht die Liebe der Kirche zur neuen Kommunikationstechnik nun nicht, dass sie sich dadurch ihre Priester wegrationalisieren ließe (Obwohl es Fälle gibt, in denen das besser gewesen wäre ...)

Aber immerhin, so kann Little iApps stolz verkünden, dass ihre Inhalte gemeinsam mit kirchendoktrinären Fachleuten entwickelt und von ihrem heimischen Bischof (die Firma residiert in South Bend, Indiana) abgesegnet wurde:

The text of this app was developed in collaboration with Rev. Thomas G. Weinandy, OFM, executive Director of the Secretariat for Doctrine and Pastoral Practices of the United States Conference of Catholic Bishops, and Rev. Dan Scheidt, pastor of Queen of Peace Catholic Church in Mishawaka, IN. The app received an imprimatur from Bishop Kevin C. Rhodes of the Diocese of Fort Wayne - South Bend. It was the first known imprimatur to be given for an iPhone™, iPad, or iPod touch® application.

Na, wenn das mal kein Segen ist ...

via Freakonomics

 

Autor: Jürgen Schönstein· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (2)

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 16.02.11 · 06:44 Uhr

Einem Interview mit Thomas Bernhard konnte ich entnehmen, dass dieser sich als Kind regelmässig in die Hose gepisst hat vor Angst, wenn er in den Beichtstuhl kletterte, und es ihm ziemlich peinlich war, dort immer eine feuchte Lache zu hinterlassen.

Des eingedenk würde ich dafür plädieren das Beichtritual für Minderjährige schlicht zu verbieten. Wer sich das als Erwachsener geben will, der soll es halt machen, aber dass man kl. Kinder derart geistig missbraucht finde ich unerträglich.

Wahrscheinlich bemessen die Pfaffen die Anzahl der Ave Maria, die das Schäfchen ableisten muss, um seine Seele reinzuwaschen anhand der Strenge des Geruchs. Deswegen kann auf den Beichtstuhl noch nicht verzichtet werden.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 17.02.11 · 18:13 Uhr

xxx

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