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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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25.01.11 · 05:19 Uhr
Schutt als Schutz für Gletscher
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 5
Darüber, dass die Warnung des IPCC über ein vergleichsweise schnelles - bis 2035 - Abschmelzen der Himalaya-Gletscher übertrieben war, wurde ja schon geschrieben. Andererseits ist ein teilweise dramatischer Rückzug von Gletschern, nicht nur im Himalaya, sondern beispielsweise auch in Alaska, nicht zu übersehen und geht offensichtlich mit der Klimaentwicklung einher. Andere Gletscher hingegen, zum Beispiel im Karakorum, stagnieren trotz vergleichbarer klimatischer Bedingungen - also was nun?
Die Antwort ist Schutt. Oder Geröll. Abraum halt, der von umgebenden Berghängen auf den Gletscher fällt. Wenn dieser Schutt eine Dicke von zwei Zentimetern und mehr erreicht, bewirkt er genau das Gegenteil dessen, was Staub und kleinere Schotterpartikel dem Gletscher antun: Während der dunkle Staub und Schotter mehr Sonnenlicht absorbieren als das blanke Gletschereis, erwärmen sie die Eisdecke und beschleunigen so das Abschmelzen. Doch die dicke Schutt- und Gerölldecke wirkt genau so - wie eine Decke. Sie schützt das darunter liegende Eis vor Erwärmung und bewahrt damit den Gletscher vor dem Schrumpfen.
Diese Erklärung fand Bodo Bookhagen, Professor am Department of Geography der University of California in Santa Barbara, gemeinsam mit seinem ehemaligen Studenten Dirk Scherler; veröffentlicht wurde das Resultat als Paper in der aktuellen Ausgabe von Nature Geoscience:
Here, we report remotely-sensed frontal changes and surface velocities from glaciers in the greater Himalaya between 2000 and 2008 that provide evidence for strong spatial variations in glacier behaviour which are linked to topography and climate. More than 65% of the monsoon-influenced glaciers that we observed are retreating, but heavily debris-covered glaciers with stagnant low-gradient terminus regions typically have stable fronts. Debris-covered glaciers are common in the rugged central Himalaya, but they are almost absent in subdued landscapes on the Tibetan Plateau, where retreat rates are higher. In contrast, more than 50% of observed glaciers in the westerlies-influenced Karakoram region in the northwestern Himalaya are advancing or stable.Zu Deutsch: Acht Jahre lang hatten sie Luft- und/oder Satellitenaufnahmen von Gletschern im Himalaya ausgewertet und dabei festgestellt, das vor allem im Zentralhimalaya, wo die Gletscher typischer Weise eine dicke Schuttdecke besitzen, die Zungen vieler Eismassen stabil erscheinen oder, wie im Karakorum, sogar weiter vordringen. Im Tibetischen Hochland hingegen, wo Schuttdecken praktisch nicht vorkommen, schrumpfen die Gletscher.
Und die gedankliche Fortsetzung, ob damit also die nicht-schrumpfenden Gletscher tatsächlich als Kronzeugen gegen eine globale Klimaveränderung taugen, überlasse ich jetzt jedem selbst ...
Foto: Baltoro-Gletscher, Karakorum; Guilhem Vellut via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-2.0
Autor: Jürgen Schönstein· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Das ist ja wirklich nett, aber die Wissenschaftler hätten sich die Mühe sparen können. Für jemanden wie mich, der oft und gern in den Bergen unterwegs ist, ist das offensichtlich und sonnenklar. Da müsste man nur ein bisschen den Hausverstand einsetzen. Aber gut, für großstädtische Sesselkleber mag das wohl nicht ganz zutreffen. Also, nichts für ungut und weiterhin viel Erfolg.
Ja ja, der "Karl Franz" in allen Gassen ersetzt halt die Wissenschaft! Interessant nur, dass er, ganz wie so mancher Astrologe, mit seinen Prophezeiungen erst hinterher kommt. Den "Hausverstand" zu spät eingesetzt?
Zumal der Unterschied zwischen "so könnte es sein" und "wir haben durch unsere Tätigkeit starke Argumente gefunden, die unsere Anfangsthese unterstützen" der zwischen Besserwisserei und Wissenschaft ist.
Schon mal gefragt, warum die Forscher gerade diese beiden Typen von Gletscher verglichen haben ?!?
Vielleicht waren die beteiligten Wissenschaftler auch öfters in den Bergen unterwegs, ihnen ist das aufgefallen und sie haben ihre Hypothese nachgemessen.
Nur ne Vermutung.
Natürlich ist das eine logische Erklärung! Hier wurde Wissenschaft betrieben, die die an sich schlüssige Hypothese untermauert hat. Nur weil etwas logisch erscheint, ist es noch lange nicht wahr. Man kann es einfach nicht genau sagen.