Blog durchsuchen
Profil

Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

Blogroll
    Wikio - Top Blog - Wissenschaft

« vorheriger Beitrag  · nächster Beitrag »

11.11.10 · 17:35 Uhr

"Natural Hazards, UnNatural Disasters"

Kategorie: Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 3

Unter diesem Titel (zu Deutsch etwa: Natürliche Risiken, un-natürliche Katastrophen) hat die Weltbank, gemeinsam mit den Vereinten Nationen, einen Bericht über die "Wirtschaftlichkeit der effektiven Vorbeugung" vorgelegt (eine offizielle Zusammenfassung des Berichts kann man sich hier anschauen). Wenn ich die Zeit finde, werde ich gerne etwas ausführlicher über den Bericht schreiben; an dieser Stelle will ich mich mit ein paar An- oder Bemerkungen begnügen: Erstens konstatiert der Bericht ganz zu Recht, dass das, was wir oft als Naturkatastrophen bezeichnen, im Kern die Folgen politischer oder sozialer Phänomene sind - Erdrutsche als Folge massiver Abholzungen, die wiederum durch Armut und mangelnde ökonomische Alternativen bedingt sein können, etc. Zweitens lassen sich diese Risiken oft kostenneutral oder sogar mit Einsparungspotenzialen bekämpfen:

The report examines government expenditures on prevention and finds that it is generally lower than relief spending, which rises after a disaster and remains high for several subsequent years. But effective prevention depends not just on the amount but on what funds are spent on.
Und letztlich ein Wort zu den Kosten selbst: In den Jahren 1970 bis 2008 addierten sich die materiellen Schäden aus sochen "Natur"-Katastrophen auf 2.300 Milliarden US-Dollar (was einem jährlichen Durchschnitt von 127,8 Milliarden Dollar entspricht); bis zum Ende des laufenden Jahrhunderts schätzt der Bericht die zusätzlichen jährlichen Kosten, die allein durch Surmschäden als Folge der Klimaveränderung entstehen werden, irgendwo zwischen 28 und 68 Milliarden Dollar.

 

Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Tags: · · ·

Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink KommentarAbo· 11.11.10 · 18:42 Uhr

...

Kommentar-Direktlink Sven Türpe· 11.11.10 · 19:46 Uhr

Wie hoch müssten jährliche Schäden sein, um sich in leistungsfähigen Wirtschaftsräumen für nicht unmittelbar betroffene Normalbürger bemerkbar zu machen? Oder um sich gar über die Jahre zu akkumulieren, weil die Wirtschaftsleistung zur Kompensation nicht oder nur unter inakzeptablen Bedingungen genügt?

Kommentar-Direktlink Christoph· 12.11.10 · 11:49 Uhr

Das ist eine wirklich spannende Geschichte! Wenn die materiellen Schäden ansteigen, heißt das ja erstmal nicht, dass es mehr Naturkastastrophen gibt. Es heißt auch nicht, dass mehr Menschen darunter leiden oder gar sterben. Es bedeuted aber, dass mehr wertvolle (besser: teure) Dinge zerstört wurden oder die Herstellung teurer Dinge verhindert wurde oder dass der Ausfall wichtiger Infrastruktur enorm ist. Wenn im brasilianischen Urwald eine Straße für 6 Monate wegen eines Erdrutsches unpassierbar wird, muss nicht mal unbedingt ein materieller Schaden entstehen. Außerdem, und das wird häufig verwechselt, ist nicht jedes spektakuläre Naturereignis eine Naturkatastrophe. In Kamtschatka brechen jeden Tag Vulkane aus, aber es stört keinen. Auch muss ein Erdrutsch als Folge von Abholzung nicht unbedingt eine Katastrophe sein, sei er auch noch so groß. Wenn der Rutsch keinen stört, ist und bleibt er nur ein Rutsch.
Spannend ist ja die Frage der Vorbereitung. Es gibt einen sehr klaren Zusammenhang zwischen Todeszahlen bei Naturkatastrophen und dem BIP eines Landes. Vor Katastrophen schützt immer noch am besten: Wohlstand. Auch wenn die Hitzewelle 2003, Hurrikan Katrina oder das Elbhochwasser zunächst anderes vermuten lassen.

Kommentar schreiben

Netiquette·AGB

 

ScienceBlogs.com

mehr auf www.scienceblogs.com »