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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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12.07.10 · 17:46 Uhr

Der Mythos vom verwöhnten Einzelkind

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 4

20100719_107.jpgNicht nur im alltäglichen Leben, auch in der Wissenschaft gilt es oft als eine Tatsache, dass Menschen, die als Einzelkinder aufwuchsen, verwöhnter und damit auch selbstsüchtiger sind als Personen, die mit Geschwistern groß wurden. Diese Erkenntnis hat sicher nicht den gleichen Status wie die Relativitätstheorie, aber offenbar hat diese Ansicht, die auf einer 1896 durchgeführte Studie unter der Verantwortung des US-Psychologen G. Stanley Hall basiert und auch so schön verführerisch in ihrer Logik ist (dem Einzelkind stehen schließlich die Ressourcen seiner Eltern ungeteilt zur Verfügung), lange genug Bestand gehabt, dass sie Teil der Populärkultur werden konnte. Dass dem nicht so ist, hat nun das Magazin Time zum Thema seiner aktuellen Titelstory gemacht, die man ausnahmsweise mal wieder komplett online lesen kann.

Zugegeben: Time tritt damit längst aufgestoßene Türen ein, wie eine schnelle Google-Suche zum Thema Einzelkinder zeigt. Aber es ist doch ganz gut, sich immer mal wieder daran erinnern zu lassen, dass man auch die scheinbar selbstverständlichsten "Wahrheiten" immer wieder mal hinterfragen sollte.

 

Autor: Jürgen Schönstein· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (4)

Kommentar-Direktlink kommentarabo· 12.07.10 · 20:31 Uhr

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Kommentar-Direktlink nihil jie· 12.07.10 · 21:19 Uhr

Nicht nur im alltäglichen Leben, auch in der Wissenschaft gilt es oft als eine Tatsache, dass Menschen, die als Einzelkinder aufwuchsen, verwöhnter und damit auch selbstsüchtiger sind als Personen, die mit Geschwistern groß wurden.

naja... kommt wohl auf die geschwister an :) menschen entwickeln nun mal verschiedene "überlebenstaktiken"... wenn egoistisches verhalten hilft sich gegen seine geschwister durch zu setzen die einen selbst nicht gut behandeln, dann kann man auch aus so einer konstellation (kind mit geschwistern) als ein egoist hervorgehen. mag sein, dass dann die eltern den kindern versuchen bei zu bringen zu teilen, aber ob die kinder das auch so beherzigen ist eine andere sache. ausser dem ist egoismus und selbsucht in den meisten fällen keine wesenszüge die auf dauer in einem festgebrannt sind. das sind wesenszüge die sich im laufe des lebens durchaus ändern können... je nach lebenserfahrung und den folgen daraus.
also so tragisch finde ich das ja alles nicht :)

Kommentar-Direktlink nihil jie· 12.07.10 · 21:31 Uhr

nachtrag:

und noch etwas was ich recht erstaunlich finde. oft wird halt gesagt, dass einzelkinder egoistischer sind als die mit geschwistern, weil die mit gesschwistern gelernt haben zu teilen. wie in dem blog artikel halt schon angedeutet wurde.
tja... und dann gibt es aber noch die behauptung, dass kinder die im internat aufgewachsen sind egoistischer sind... also eigentlich ungekehrt das ganze. aber da müssten sie doch auch das teilen lernen.
naja... im allgemeinen finde ich eigentlich, dass alles was man da zu sagen kann recht schwammig wird. ich finde einfach die sachverhalte und zusammenhänge zu komplex... ich denke, dass wir da eher das wetter besser verstehen :)

Kommentar-Direktlink derari· 12.07.10 · 22:35 Uhr

Die Frage ist ja, lernt man zu teilen oder erst recht alles für sich zu behalten ;)

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