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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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07.06.10 · 16:36 Uhr

Forschungsfach Folter?

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 8

"Ärzte, Psychologen und andere Fachleute, die den Auftrag hatten, den Einsatz von 'Waterboarding', Schlafentzug und anderen 'verschärften' Befragungstechniken zu überwachen, sammelten Daten über die Folgen dieser Befragungen auf die Inhaftierten, um diese Techniken zu verfeinern und sicher zu stellen, dass sie innerhalb der Grenzen blieben, die von den Juristen der Bush-Regierung etabliert worden waren", schreibt die New York Times heute. Basis ist ein am Montag veröffentlichter Bericht der Physicians for Human Rights. Sieht man davon ab, dass es sowieso schon schwer nachvollziehbar ist, wie sich Mediziner - die sich ja selbst einen Standeseid gegeben haben - für die Folter-Begleitarbeit hergeben können, würde mich die Frage schon mal interessieren, wie man als Forscher mit solchen später eventuell zu veröffentlichenden Daten (es gibt ja so etwas wie den Freedom of Information Act, der eine Offenlegung solcher Materialien erzwingen kann) umgehen würde. Dürfte man solche Daten - die sicherlich eine Menge Verwertbares für Mediziner wie für Psychologen enthalten könnten - wissenschaftlich verwenden, auch wenn sie nach allgemeiner Auffassung unter ethisch bedenklichen Umständen erhoben wurden?

 

Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (8)

Kommentar-Direktlink rolak· 07.06.10 · 17:26 Uhr

Wenn die Umstände dem jeweiligen Forscher irgendwie als sinngebend nahegebracht werden können (oder Ausweglosigkeit vorgegaukelt wird), können die drastischesten Auswirkungen auftreten. Auch im Bereich der medizinischen Forschung, wie u.a. ein Großonkel von mir vor rund 66 Jahren erfahren durfte. Obgleich mir eigentlich eher nichts bleibend Relevantes aus den damaligen Ergebnissen bekannt ist, allerdings bin ich auch kein Mediziner.

Kommentar-Direktlink nashorn· 07.06.10 · 17:26 Uhr

Was die wissenschaftliche Verwendbarkeit angeht:
Journals, die etwas auf sich halten, verlangen normalerweise, dass veröffentlichte Daten auf eine Weise erhoben wurden, die bestimmten ethischen Standards entspricht.
Im Zusammenhang mit Forschung an Menschen wäre das die Declaration of Helsinki. Deren Massstäbe dürften hier wohl kaum erfüllt sein.

Kommentar-Direktlink JV· 07.06.10 · 17:59 Uhr

Es würde mich doch sehr wundern, wenn irgendein namhaftes Psychologie-Journal entsprechende Daten akzeptieren würde, da die Gewinnung der Daten massiv den APA-Ethikrichtlinien widerspricht.
http://www.apa.org/ethics/code/index.aspx

Kommentar-Direktlink KommentarAbo· 07.06.10 · 18:48 Uhr

...

Kommentar-Direktlink JV· 07.06.10 · 19:15 Uhr

An denjenigen/diejenige hinter "KommentarAbo": Keine Freunde?

Kommentar-Direktlink H.M.Voynich· 07.06.10 · 20:21 Uhr

@JV:
Leider kann man die Kommentare hier nicht abonnieren, ohne einen selbigen zu schreiben.
(Ich wars nicht.)

Kommentar-Direktlink nazikenner· 07.06.10 · 21:52 Uhr

Da die Ergebnisse der Unterkühlungsexperimente und Wundbrandexperimente der NAZIs benutzt wurden wird es einfach so sein ...
Ethik hat mit Neugier und Wissen nicht's am Hut ...
Das ist eine Tatsache !

Kommentar-Direktlink Stefan W.· 08.06.10 · 01:42 Uhr

Wie will man solche Ergebnisse überprüfen? Selbst auch ein wenig foltern?

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