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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv Januar 2010
30. Januar 2010
Fakten, auf den Index gesetzt
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 1
Gleich vorweg: Mit der Buchverbotsliste der römisch-katholischen Kirche hat dieser Eintrag - ___seidank - nichts zu tun. Sondern mit dem Index des US-Magazins Harper's, das einmal monatlich auf meinen Tisch kommt. Nicht sehr leicht zu lesen, das Blatt. Halt was für Leute, deren Geduldsspanne nicht nach fünf Minuten erschöpft ist und deren Allgemeinbildung über das Schwedenrätsel-Niveau hinaus geht. (Ich hab' das Abo natürlich nur, um mir dieses Image zu verschaffen - zum Lesen komme ich nur, wenn ich mein Schwedenrätsel in weniger als einem Tag schaffe ...) Mal im Ernst: Die Coverstory "Conning the Climate" von Mark Schapiro in der Februarausgabe muss ich unbedingt lesen (er geht um das Hütchenspiel mit dem CO2-Zertifikatehandel), werde aber frühestens am Wochenende dazu kommen. Doch selbst Ungedudige würden alleine schon mit dem Harper's Index auf ihre Kosten kommen: Eine Seite nur mit "Factoids" gefüllt, die oft ganz willkürlich ausgesucht und nur selten miteinander überhaupt in Beziehung stehen.
Autor: Jürgen Schönstein· 30.01.10 · 06:18 Uhr· 1 Kommentar
29. Januar 2010
iPad - der Untergang
Kategorie: Technik · Kommentare: 19
Hätte ich eigentlich auf Marcus' Posting zum iPad als Kommentar setzen wollen, aber Videos krieg' ich zumindest da nicht rein. Darum hier als separater, aber natürlich nicht eigenständiger Eintrag. Ist erstens eh' von YouTube via Harper's geklaut, und zweitens vermutlich für Nicht-Deutschsprechende weitaus amüsanter, weil's denen nicht so schwer fällt, sich allein auf die Untertitel zu konzentrieren.
An dieser Stelle hatte ich ursprünglich den YouTube-Clip eingeblendet. Doch nach den ersten Kommentar-Reaktionen - und einigem Nachdenken - halte ich es für besser, nur den Link zu Harper's einzustellen. Der Clip ist zwar als eine Parodie auf Apple gedacht, könnte aber als Verniedlichung des Naz-Regimes missverstanden werden.
Autor: Jürgen Schönstein· 29.01.10 · 20:47 Uhr· 19 Kommentare
28. Januar 2010
SEC: Klimarisiken gehören in die Bilanzvorschau
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 2
Sicher nicht die eleganteste Headline, die ich jemals geschrieben habe. Worum geht's? Die amerikanische Börsenaufsicht, die Securities and Exchange Commission, schreibt von nun an vor, dass Firmen ihre Anleger auch über eventuelle Risiken aufklären müssen, die der Klimawandel auf das Geschäft oder die Geschäftsgrundlagen des Unternehmens haben kann. Diese Neuregelung ist keine neue Vorschrift an sich (Informationspflicht über Risiken, die so genannte "Disclosure", besteht schon lange), sondern ein "Interpretations-Leitfaden" - Interpretive Guidance im SEC-Jargon.
Autor: Jürgen Schönstein· 28.01.10 · 19:55 Uhr· 2 Kommentare
26. Januar 2010
Wenn Daten und (Wissenschafts-)Mythen kollidieren
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Am Dienstag brauche im immer etwas länger, die New York Times zu lesen - der Science-Teil vedient halt immer ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Obwohl ich auch nicht immer alles lese - die Buchrezension von Dr. Abigail Zuger hätte ich vermutlich übersehen, wenn sich mein Blick nicht zufällig an folgender Passage verfangen hätte:
science should represent truth, not wishful thinking. When good data fly in the face of beloved theory, the theory has to go.Ein in der Tat (be-)merkenswertes Zitat.
Autor: Jürgen Schönstein· 26.01.10 · 19:48 Uhr· 8 Kommentare
22. Januar 2010
Der Zustand des Wissenschaftsjournalismus
Kategorie: Kultur·Medizin·Naturwissenschaften
... wird ja auch hier, in den Scienceblogs, nicht selten beklagt. Als Journalist fühle ich mich da immer angesprochen, doch meine gelegentlich vorgebrachten Abwehr-Argumente (Zeitdruck, beispielsweise, oder die "Das-haben-alle-also-machen-wir's-auch"-Mentalität in Chefetagen) sind zwangsläufig immer nur anekdotisch - "heuristisch" im wissenschaftlichen Sprachgebrauch, und das heißt nun mal auch "nicht ausreichend fundiert". Da freut es mich, dass das Thema nun auch mal wissenschaftlich analysiert wurde: Dr. Andy Williams, Journalistikprofessor an der britischen Cardiff University hat mal untersucht, wie es um den britischen Wissenschaftsjournalismus steht. Ich denke, dass vieles davon aber auch auf andere Länder und konkret auch auf uns deutsche Journalisten übertragbar ist.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.01.10 · 19:14 Uhr· 0 Kommentare
21. Januar 2010
Halt mal die Luft an - gegen den Schmerz
Kategorie: Medizin · Kommentare: 3
Langsames, kontrolliertes Atmen macht Schmerz erträglicher, belegt eine Studie, die von Arthur D. Craig am Barrow Neurological Institute erstellt wurde, das zum St.Joseph's Hospital & Medical Center in Phoenix (Arizona) gehört. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachmagazin Pain. Die Untersuchung - die von Psychologen der Arizona State University mit betreut wurde - war im Prinzip ganz simpel: 52 Frauen im Alter von 45 bis 65 Jahren, davon 27 chronische Schmerzpatientinnen, die unter Fibromyalgie litten, wurden zwei Schmerzszenarien (stimuliert durch "moderate" - genauer ist das im oben verlinkten Abstract leider nicht quantifiziert - Hitzereize auf der Handfläche) ausgesetzt - einmal, während sie normal atmeten, und dann, nachdem sie auf Anordnung des Versuchsleiters ihre Atemfrequenz halbiert hatten. Das Resultat war, dass durch die verlangsamte Atmung die Schmerzwahrnehmung deutlich (auch dazu macht der Abstract leider keine quantitativen Angaben) reduziert wurde. Doch während der Effekt bei den 25 Frauen der generell schmerzfreien Kontrollgruppe mit großer Konstanz beobachtbar war, stellte er sich bei den chronischen Fibromyalgie-Patientinnen nur ein, wenn sie generell eine positivere Lebenseinstellung hatten.
Autor: Jürgen Schönstein· 21.01.10 · 15:09 Uhr· 3 Kommentare
13. Januar 2010
Yoga senkt die Zytokine
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 14
In der "freien Wildbahn" findet man Yoga-Anhänger ja zumeist im gleichen Biotop, das auch die Anhänger der Lehre des Herrn Hahnemann*, Sterndeutungsgläubige* und generelle Anhänger mystischer Lehren bevölkern. Aber immerhin ist Yoga (das ja angeblich auf uralte heilige Hindu-Praktiken zurück geht, in seiner heutigen Ausprägung aber eher eine neuzeitliche und vor allem sehr kommerzielle Erscheinung ist) eine definierte und aus anatomischer Sicht nachvollziehbare Form der körperlichen Bewegung; wenn also eine wissenschaftliche Studie - in diesem Fall Stress, Inflammation, and Yoga Practice, erschienen am 11. Januar in der Fachzeitschrift Psychosomatic Medicine - sich mit Yoga befasst und dabei physiologisch relevante Auswirkungen auf den Interleukin-6-Gehalt in ihrem Blut findet, dann kann man dies sicher mit ruhigem Gewissen** hier mal diskutieren.
* Ich trau mich ja gar nicht mehr, die Reizwörter zu verwenden, weil sonst wieder die Cranks aus allen Löchern kriechen
** Weil ich hier manchmal an die Grenzen dessen stoße, was meine Kollegen noch als wissenschaftlich akzeptieren
Autor: Jürgen Schönstein· 13.01.10 · 06:31 Uhr· 14 Kommentare
08. Januar 2010
Die Qualen des Sportunterrichts
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin · Kommentare: 4
... fielen mir wieder ein, als ich eine Pressemitteilung über das Paper "Remembering instructors: play, pain and pedagogy" las, die der kanadische Sportpädagogik-Professor Billy Strean von der Sportwissenschaftlichen Fakultät der University of Alberta, Edmonton, in der November-Ausgabe von Qualitative Research in Sport and Exercise veröffentlicht hat. Streans Aufsatz - wie der Titel der Zeitschrift schon ahnen lässt, kein Produkt ausführlicher quantitativer Analysen und daher wohl eher am Rand dessen anzusiedeln, was wir hier bei den Scienceblogs noch als wissenschaftlich ansehen, na wennschon - behandelt nämlich nicht nur die Erziehungserfolge, die positiv eingestellte Lehrer bei ihren Schülern erzielen können, sondern vor allem auch die beobachtbare Tatsache, dass falsche Lehrmethoden in den Schülern eine lebenslange Abneigung gegen das erzeugen können, was ihnen da eigentlich mitgegeben wird.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.01.10 · 06:10 Uhr· 4 Kommentare
05. Januar 2010
Spione im Klima-Einsatz
Kategorie: Umwelt
Der Kalte Krieg war vorgestern. Heute (und vermutlich auch morgen) haben Amerikas Spione die globale Erwärmung im Visier. Genauer gesagt, dank ihrer ausführlichen globalen Satellitenaufnahmen (mit einer Bildauflösung und Datenfülle, von denen zivile Satellitenbild-Auswerter sonst nur träumen können) können sie nun Klimaforschern helfen, eine ganze Reihe von Indikatoren - Eisdecke, Wolkenbildung, Wüsten- und Waldzustände etc. - detailliert zu analysieren. Ein entsprechednes Programm, das von der Leitung der Central Intelligence Agency (die sich auch aus Gründen der nationalen Sicherheit für die Folgen des Klimawandels interessiert) ausrücklich begrüßt wurde, hatte bereits unter der Clinton-Regierung begonnen, war aber unter George W. Bush eingestellt worden. Seit Obama im Amt ist, funktioniert die Kooperation wieder. (Mehr dazu hier in der New York Times.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.01.10 · 03:06 Uhr· 0 Kommentare
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