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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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28.04.09 · 08:16 Uhr
Gehen oder rennen im Regen?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Das nächste Frühlingsgewitter ist ja nur eine Frage der Zeit, und dann werden viele vom Wolkenbruch Überraschte wieder vor der alten Frage stehen: Ist es besser, zum nächsten Unterschlupf zu rennen und dabei - subjektiv zumindest - den Regen noch härter auf Leib und Gesicht prasseln zu lassen, oder besser doch gemessenen Schritts, gewissermaßen dem Regen ausweichend, einen Unterstand aufzusuchen? Meine Logik sagte mir immer, dass das Rennen eigentlich die bessere Strategie sein müsste (nach dem Prinzip, dass dadurch der Aufenthalt im Regen ja verkürzt wird) - aber andererseits könnte man argumentieren, dass vor allem bei Windstille und damit senkrecht herabfallendem Regen der Vorteil des gemäßigten Schreitens darin besteht, dass man den Tropfen eine geringere Aufprallfläche (im Idealfall nur Kopf, Schultern und natürlich die Füße) bietet, während beim Rennen die ganze Körper-Vorderfläche zum Zielgebiet wird.
Ein altes theoretisches Problem, mit dem sich - angeblich (finde auf die Schnelle nur Hinweise, aber nicht die Originalquellen) - ernts zu nehmende Wissenschaftler wie Stephen Belcher von der britischen University of Reading sowie Trevor Wallis und Tom Peterson, zwei Forscher am National Climatic Data Center in Asheville, North Carolina, befasst haben (letztere publizierten bereits vor etwa elf Jahren einen einschlägigen Artikel in der britischen Fachzeitschrift Weather). Und während Belcher zum Schluss kam, dass Rennen oder Gehen am Ende den gleichen Durchtränkungseffekt haben, konnten Wallis und Peterson nachmessen, dass der Rennende gut 40 Prozent weniger Wasser in seiner Kleidung aufsaugt als der um Haltung bemühte Geher.
Wenn's erst mal runterprasselt, bleibt natürlich keine lange Zeit mehr, um diese Szenarien theoretisch im Kopf durchzuspielen und abzuwägen (ein Tipp: Rennen ist zwar nicht so cool wie das lässige Schreiten, hält aber deutlich trockener). Wer sich aber vorsichtshalber ein paar Szenarien erarbeiten will, der kann dies hier dank eines entsprechenden Online-Regenrechners auf dem Blog von Doug Craigen schon mal ganz trocken am Bildschirm tun.
Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
So leicht kann man selten Studienergebnisse sammeln... nur leider liegt die Wahrheit vor allem am Laufstil bei der jeweiligen Geschwindigkeit. Jemand der langsam schreitet und das in einem gehstil der koreanischen Armee wird mehr in den Schuhen schwimmen als würde er dem Regen weniger Fläche bieten
Schön, da sieht man mal, dass diese Alltagsfrage eine typische "Kommt drauf an"-Antwort braucht.
In dem Zusammenhang finde ich es auch immer interessant, dass wir im Regen die Schultern hochziehen und die Nase kräuseln. Woran das wohl liegt? Aber das ist wohl eine Frage an eine ganz andere Wissenschaft.
Genau diese Frage hatte ich mir heute morgen auch gestellt. Und ich wusste auch noch, das 2 (britische?) Wissenschaftler das mal getestet hatten, aber welches Ergebniss erzielt wurde, das wusste ich nicht mehr.
Bei der "Sendung mit der Maus" hatten sie das auch schon mal getestet, leider gibts die Sachgeschichte nicht als Video und das Ergebnis weiß ich auch nicht mehr!
Tasche als Regenschirm über den Kopf und dann so langsam, dass einen von vorne nichts trifft.
als radfahrer hat man natürlich stets regenjacke und -hose dabei. fußgänger pwned!
Spontan würde ich sagen, die Grenzfälle v = 0 und v = c kann man gut vergleichen. Rennen ist besser als stehen bleiben...
Und was ist mit der Tatsache, dass ich beim Rennen den Körper auch weiter nach vorn lehnen kann, wass den geänderten Fallwinkel des Regens relativ zum Körper ausgleichen könnte?
Man sollte also nicht so tun, als wäre das Thema hinreichend erschöpft; es bleiben genug Fragen für kommende Forschergenerationen!