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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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13.01.09 · 18:35 Uhr

Das Buch zur Anti-Anti-Impfkampagne

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 10

Angesichts des Themas - es geht um die Masernimpfung bzw. die Ängste davor und die Kampagnen dagegen - schien mir diese unaufgeregte, ja langweilige Überschrift am angemessensten. Wer sich aufregen will, kann sich ja noch einmal in die entsprechenden Scienceblogs-Threads einklicken (hier, hier und hier wären gute Einstiegspunkte). Ich will an dieser Stelle lieber auf einen Artikel aus der heutigen Science-Beilage der New York Times verweisen, der sich mit der Resonanz auf das Buch "Autism's False Prophets" von Paul A. Offit befasst.

Ich brauche hier ja nicht den ganzen Artikel nacherzählen. Nur zwei Dinge seien vermerkt: Erstens, dass sich in der Schauspielerin Amanda Peet erstmals auch eine prominente Anti-Antiimpf-Vertreterin gefunden hat (nachdem das Antiimpf-Feld bisher der Prominenten-Organisation Generation Rescue überlassen blieb). Und zweitens fand ich folgendes Zitat einfach zu prägnant, als dass ich es nicht weitergeben könnte:

Many doctors now argue that reporters should treat the antivaccine lobby with the same indifference they do Holocaust deniers, AIDS deniers and those claiming to have proof that NASA faked the Moon landings.

Das muss man, glaube ich, nicht mal übersetzen.

 

Autor: Jürgen Schönstein· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (10)

Kommentar-Direktlink Samin· 14.01.09 · 09:34 Uhr

Beängstigend was so alles passiert wenn die Leute nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen :/
Für mich ist das irgendwie überhaupt nicht nachvollziehbar wie man "gegen Impfen" sein kann. Gibt es diesen Irrsinn hierzulande auch schon so? Oder kann ich noch hoffen, dass wenigstens diese geistige Entgleisung mal nicht zu uns rüberschwappt?

Kommentar-Direktlink Chris· 14.01.09 · 09:52 Uhr

@Samin
Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber leider ist das in Deutschland auch "angekommen".
Ob und wie es weitergeht, wird sich zeigen. Neulich hat die Zeit das Thema aufgegriffen:
http://www.zeit.de/online/2009/02/impfrate-masern

Kommentar-Direktlink ali· 14.01.09 · 12:10 Uhr

Das Zitat klingt ja fast wie ein Jahresrückblick bei Sb.de:

Impfgegner, yepp
AIDS Leugner, yepp
Mondlandungsverschwörungshteoretiker, yepp
Holocaustleugner, yepp

Gleich-abstruses scheint sich zu gruppieren.

Was wir wohl im Jahr 2009 ertragen müssen?

Kommentar-Direktlink Joerg· 14.01.09 · 12:20 Uhr

ali:
Nicht vergessen:
Fahrradhelmleugner, yepp

Für 2009 bleibt dann eine große Kreationismusdebatte zu erwarten, oder?

Author Profile Page Jürgen Schönstein· 14.01.09 · 15:56 Uhr

@Samin
"Für mich ist das irgendwie überhaupt nicht nachvollziehbar wie man "gegen Impfen" sein kann."
Für mich, leider, schon - was nicht heißt, dass ich den Impfgegnern Recht gebe. Aber nach meiner eigenen Erfahrung mit der Impfung meines Sohnes bin ich eher überrascht, dass es nicht noch mehr Impfverweigerer in den USA gibt (wie diese Sachen in D gehandhabt werden, weiß ich nicht - hoffentlich besser): Hier werden von vielen Ärzten so genannte Kombinationspräparate verwendet, die die gesetzlich notwendigen mit einigen optionalen Impfstoffen "bündeln". Kommentar des Kinderarztes: "Manche dieser Krankheiten könnten Sie hier nicht mal kriegen, wenn Sie wollten" – was ihn nicht davon abhielt, uns diese Impfungen aufzuzwingen. 16 verschiedene Impfsera in vier Spritzen auf einen Schlag - vier mal zuschauen, wie eine Artzhelferin mit Spritzen, die im Vergleich zu dem kleinen Körper so massiv wie ein Nudelholz mit einem Schlachtermesser vorne dran wirkten, auf unser schreiendes, hilfloses Kind einsticht. 16 Informationsblätter, die man gar nicht so schnell durchlesen kann, wie die Arzthelferin die Spritzen aufzieht und reinjagt. Ging's denn nicht auch ein bisschen schonender? "In dem Alter spürt er doch noch gar nichts." Komisch, warum schreit er dann so? Und was ist mit Nebenwirkungen, wenn das Immunsystem gleichzeitig mit 16 Sera konfrontiert wird? "Haben wir noch nie etwas davon gehört." Aha. Kurz und gut: Die "neugeborenen" Eltern (die ja auch erst mal in ihre Rolle reinfinden müssen) haben nichts zu sagen, können nur zuschauen, wie ihr Knd mit Spritzen vollgepumpt wird, von denen nach Aussage des Arztes drei Viertel nicht nötig wären - und müssen dann auch noch dafür teuer bezahlen. Das kann schon traumatisierend sein und empfänglicher für falsche Propheten machen.

Kommentar-Direktlink sil· 14.01.09 · 16:10 Uhr

Vier Spritzen auf einmal gibt´s aber nur in Amerika.
Die Antigenbelastung für das Immnsystem ist aber nicht wirklich groß, da es keine Ganzkeimimpfstoffe mehr gibt.
Unnötig sind sie ja auch nur, weil geimpft wird. Die Biester kommen ganz schnell wieder, wenn die Durchimpfungsrate sinkt.
Analogie:
Steht ein Impfgegner auf dem Golfplatz und fragt: Warum habt Ihr einen so teuren und großen Rasenmäher, wenn das Gras hier doch sowieso so schön kurz ist?

Kommentar-Direktlink Jürgen Schönstein· 14.01.09 · 16:43 Uhr

@sil
Das verstehe ich alles. Aber meine Anmerkung sollte die Sorgen ja auch nicht in der Sache begründen: Es ging darum, wie das alles kommuniziert wird. Damit, den Eltern nach getaner Impfung ein Bündel fotokopierter Blätter in die Hand zu drücken, kann es nicht getan sein. Und warum sie nicht mal ein Mitspracherecht bei Impfungen bekommen, die nicht unbedingt nötig sind, ist mir auch ein Rätsel - da wäre es eine Aufgabe des Arztes, zu beraten und zu überzeugen. "Friss oder stirb" ist keine gute Kommunikationsstrategie. Und man muss wissen, dass jede Informationslücke (und dass es die gab, weiß ich aus eigener Erfahrung) irgendwie gefüllt wird - leider manchmal eben durch Fehl- und Halbfinformiertes, das dann aber auf fruchtbaren Boden fällt.

Kommentar-Direktlink sil· 14.01.09 · 17:27 Uhr

@Jürgen:
Ich verstehe Dich auch vollkommen. Das lief ganz schön gruslig ab.
Ob da auch kulturelle Unterschiede mit reinspielen?

Kommentar-Direktlink Rincewind· 14.01.09 · 18:03 Uhr

@Jürgen: Dieser Arzt hat der Sache einen Bärendienst erwiesen. Nach dem geschilderten Erlebnis "der dritten Art" für Eltern kann ich die Skepsis freilich nachvollziehen. In D. geschieht sowas i.d.R. nicht.

16 Impfstoffe klingt zwar viel, ist aber, wie Sil schon sagte, eher harmlos. Mit einer einfachen Hautabschürfung bekommt man ggf. die Dutzend oder 100fache Menge an Antigenen in den Körper, das Immunsystem ist damit auch nicht überfordert.

Aber klar, wie das abgelaufen ist, ist unmöglich.

@Samin: Was heißt hier überschwappen? Deutschland hat eine "Vorreiterrolle", was Impfgegner angeht. Amerikaner z.B., die zur WM nach D. wollten, wurden regierungsseits gewarnt, sich in ein infektiöses Gebiet zu begeben, was z.B. Masern angeht und ggf. zum Impfen aufgefordert, falls kein Schutz vorhanden oder unsicher.

Kommentar-Direktlink wolfgang· 15.01.09 · 10:59 Uhr

Ich hab mir mal ein Video kommen lassen von CDC über Injektionstechniken beim Impfen. Ich wollte das in der Lehre einsetzen. Völlig unmöglich. Da ordnete eine Pflegekraft 5 Spritzen die sie dann alle in einer Sitzung gab.

Wer im deutschsprachigen Raum seine Ordination verkleinern will, sollte so vorgehen. Kulurell akzeptiert sind bei uns zwei Injektionen (rechts links) - und seit kurzem in der Mitte (oral) die Rotavirusimpfung, wenn sie fällig ist.

Immunologisch ist das egal- die Zahl der akzeptierten Injektionen hängt von der Leidensfähigkeit der Eltern ab.

Das gesamte Impfprogramm von Roto- bis HPV enthält knapp 200 Antigene. Jungen Eltern die glauben das sei zuviel , kann man sagen dass sie selbst als Säuglinge mit der DTP (Ganzkeim-Impfung) 3002 Antigene erhalten haben und in Europa oft noch 3000 Antigene in der ersten Lebenswoche durch die BCG Impfung.


Details kann man hier sehen (3.Vortrag)

http://oegk.zup-media.com/# slides 98 bis ca 101.

1 Gramm Erde enthält locker 100 Mio Antigene, gelangen die durch durch eine Schürfwunde in den Körper, ist auch das üblicherweise für das Immunsystem kein problem.

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