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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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11.12.08 · 16:17 Uhr
USA: Teufel ist "populärer" als Darwin
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
"Populär" ist vielleicht nicht das exakte Wort (aber es sorgt für Aufmersamkeit, nicht wahr?) - aber laut einer neuen Harris-Poll-Umfrage glauben mehr Amerikaner an den Teufel (59 Prozent) als an die Evolutionstheorie (47 Prozent). Da wirkt es schon beinahe wie eine gute Nachricht, dass Darwin jedenfalls überzeugender ist als der Kreationismus - dem glauben nämlich nur 40 Prozent (39,9999999999 zu viel, leider). Und noch überraschender für jemanden wie mich, der seine Kindheit und damit auch Schulausbildung im erzkatholischen Bayern hinter sich brachte: Katholiken haben mehr Vertrauen in Darwin als ihre protestantischen Glaubensverwandten; immerhin 52 Prozent der befragten Katholiken halten die Evolutionslehre für richtig, aber nur 32 Prozent der Protestanten (doch die sind in den USA den Katholiken zahlenmäßig mehr als dreimal überlegen).
Woran die Leute sonst noch so glauben, zeigt am besten diese Tabelle (Quelle: HarrisInteractive):
Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
UFOs und Hexen? Also zumindestens letzteres ist doch nicht zweifelhaft oder? Imo existiert beides unanfechtbar, nur nicht so wie die meisten es denken weil sie die eigentliche Bedeutung der Worte nicht kennen. (UFOs haben nicht zwingend was mit Aliens zu tun und Hexen sind keine Zauberer) Okay man kann auch nicht an Äpfel glauben wenn man will, aber ich find das etwas seltsam..
PS: der link ist falsch (interactive, nicht interaktive)
Hab' ich korrigiert. Danke für den Hinweis.
Hey, dass hat geklappt mit "populaerer".
Darwin oder Teufel hat ja einen gewissen Sinn. Wenn ich das richtig sehe, gibt es aber auch 10%, die an Jesus glauben aber NICHT and die jungfräuliche Empfängnis. Oder 13% Geister durchgehen lassen, denen aber Hexen ein Tick zusehr neben der Kapp liegen. Oder 13% die weder Darwin noch Gott zutrauen, die Evolution gestemmt zu haben.
Ich liebe Umfragen.
Und mal wieder wurde in einer Umfrage der falsche Begriff "Darwin's theory of evolution" verwendet. Genau genommen bedeutet das doch, dass die befragten Leute die komplette Evolutionsforschung nach Darwin für die Beantwortung dieser Umfrage aus dem Fenster werfen sollen. Das ist zwar zunächst kein Problem, weil "Origin of Species" problemlos gegen Kreationismus halten kann, aber man sollte schon meinen, dass die Evolutionsbiologie in den 150 Jahren seit der Veröffentlichung auch ein wenig Fortschritt gemacht hat.
@Jürgen Schönstein: Wofür werden die 0,0000000001% Leute gebraucht, die an Kreationismus glauben?
@Georg: Ich gehöre zu den 10% die an Jesus glauben aber nicht an eine jungfräuliche Geburt. Der Mythos der Jungfrauengeburt ist eine Folge einer Fehlübersetzung, weil in der griechischen Septuaginta Bibel aus einer "jungen Frau" eine "Jungfrau" wurde. Als die Evangelisten sich durch das "alte Testament" wühlten um Beweise für die Göttlichkeit von Jesus zu finden, fanden sie auch dies und so floss es in die Überlieferung ein. Rabbi Jeschuah, der später zu Jesus Christus wurde, würde wohl Bauklötze staunen in Anbetracht solcher Mythen und er hätte noch mehr den Kopf geschüttelt bei der Vorstellung, dass die griechischen "Christen" aus ihm einen Gott machten. Du siehst, zumindest wenn man das Ganze so sieht, bedingt der Glaube an einen weisen Rabbiner nicht zwangsläufig den Glauben an die Jungfrauengeburt ;-)
Da zitiere ich einmal mehr gerne den jüdischen Neutestamentler Pinchas Lapide der sinngemäss sagte: "Man kann die Bibel wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst - beides zusammen geht nicht".
@Argent: in den Blogs wird öfter mal jemanden "Popper" um die Ohren gehauen wenn er behaupt eine Theorie sei "100% richtig" oder "bewiesen" - da braucht es einfach immer ein par Leute die behaupten die von den meisten als richtig angesehene Theorie sei falsch. Früher nannte man sie Ketzer und warf sie auf den Scheiterhaufen - heute ammüsiert man sich über sie oder verleiht Nobel-Preise. (machmal auch genau in dieser Reihnfolge)
@Argent23
Wofür werden die 0,0000000001% Leute gebraucht, die an Kreationismus glauben?
Als abschreckendes Beispiel ;-)
@Anhaltiner
Nur weil ich der Meinung bin, 0% der Leute sollten an Kreationismus glauben, heißt das noch lange nicht, dass dann automatisch 100% auf der Seite der Evolution stehen müssten. Da spielt zwar genau der Punkt über Wissenschaft und Beweisbarkeit wieder rein, den du angesprochen hast (und der zur Zeit dank der PISA-Frage sowieso rauf und runter exerziert wird), und ich glaube nicht dass es eine sinnvolle Alternative zur Evolution gibt, aber eines ist ganz wichtig: Nur weil die Kreationisten ihre "Theorie" immer als einzige andere Erklärung der Evolution gegenüberstellen, heißt das noch lange nicht, dass das auch stimmt.
@Jürgen Schönstein
OK, das lass ich mal durchgehen ;-) Die armen Leute aber, opfern sich für das Allgemeinwohl. Soll ja aber vorkommen, dass altruistisches Verhalten durch Evolution entsteht. Ups...