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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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28.10.08 · 08:07 Uhr

Die Regenwürmer und der Treibhauseffekt

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 3

johnston-earthworms2.jpgUm es gleich vorweg zu sagen: Die glitschigen Kriecher im Waldboden sind nicht unbedingt die Retter der Welt. Aber sie scheinen einen nützlichen Beitrag dazu leisten, den Kohlendioxid-Haushalt unserer Erde ein wenig zu Gunsten des Klimas zu beeinflussen. Wie, das haben Forscher der Purdue University in Indiana, gemeinsam mit Kollegen der Johns Hopkins University und des Smithsonian Environmental Research Center untersucht und in der aktuellen Ausgabe des Journal of Geophysical Research veröffentlicht.

Im Prinzip ist die Sache ganz einfach: Ohne Regenwürmer würden das Laub und andere Pflanzenreste, die den Waldboden bedecken, an Ort und Stelle - also oberhalb des Erdbodens - von Bakterien zersetzt; dabei würde das Kohlendioxid, das in diesen organischen Partikeln gebunden war, wieder in die Atmosphäre zurück entlassen. Wäre unter normalen Bedingungen ja kein Problem, da es sich hierbei ja nicht um fossiles CO2 handelt, die atmosphärische Bilanz also ausgeglichen bliebe. Doch wenn Regenwürmer mit ins Spiel kommen, dann wird ein großer Teil dieses Biomaterials unter die Erdoberfläche verbracht; dort kann das Kohlendioxid an Bodenpartikel gebunden und somit längerfristig aus dem Verkehr gezogen werden. Was in unserer Zeit ja nie schaden kann ...

Der Haken ist halt nur, dass die glitschigen Würmer auch zu viel des Guten tun können: Wenn sie zu zahlreich sind, beseitigen sie die gesamten "Streu" auf dem Waldboden - der dann im Sommer schneller austrocknen und im Winter durch Auskühlen das Überleben von Keimen im Boden verhindern kann. Nicht gut.

Dass sich Amerikaner überhaupt so intensiv mit den Regenwürmer beschäftigen liegt daran, dass es dort weite Landstriche gibt, in denen es keine einheimischen Wurmbevölkerungen gibt. Was hier an Regenwürmern kreucht, wurde zumeist entweder durch die europäischen Kolonisten oder, in neuerer Zeit, durch Angler eingeschleppt. Wie und wo sich die Wurmbesätze einpendeln werden - udn vor allem, ob die positiven Effekte die negativen überwiegen können - ist oft noch nicht ganz klar abzusehen.

 

Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink Georg Hoffmann· 28.10.08 · 10:43 Uhr

Ist ja witzig. Heisst das in den USA oder in ganz Nordamerika gab es keine Regenwuermer vor 1492? Ich habe Muehe mir das vorzustellen so ein regenwurmfreies Leben.
Georg

Kommentar-Direktlink Jürgen Schönstein· 28.10.08 · 16:52 Uhr

Ja, die Regenwürmer wurden hier tatsächlich von den europäischen Kolonisten eingeführt. So hatte ich's jedenfalls in National Geographic gelesen. Den Artikel – den ich sehr bemerkenswert geschrieben fand - kann man hier nachlesenr:
http://www.charlesmann.org/articles/NatGeo-Jamestown-05-07-1.htm

Kommentar-Direktlink treibhaus john· 16.04.09 · 12:04 Uhr

Hehe statt das CO2 in die Erde zu pumpen und dort in gesteinsschichten zu lagern , könnten wir ja einfach mal ein paar tuasend regenwürmer auspflanzen, haben den gelichen effekt und der Boden würde etwas mehr "Leben" :)

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