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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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14.08.08 · 07:51 Uhr
Ein Rettungsplan für die Meere
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik·Umwelt · Kommentare: 2
Schön wär's. Die Checkliste, die der Meeresbiologe Jeremy B.C. Jackson ans Ende seines Beitrages über "Ecological Extinction and Evolution in the Brave New Ocean" (Ökologische Ausrottung und Evolution im Schönen Neuen Ozean) in den aktuellen Proceedings of the National Academy of Sciences gestellt hat, trägt zwar die Kapitelüberschrift "Wie können wir die Verschlechterung der Meere stoppen?" - aber die Antworten enthalten nichts, was wir nicht schon gewusst hätten (und auch nichts, was sich in der gebotenen Zeit ohne weiteres umsetzen ließe).
"Nachhaltige Fischerei" wird zum Beispiel empfohlen, und vor allem auch "Aquakultur von Arten am unteren Ende der Nahrungskette im industriellen Stil". Gut gemeint, aber das ist selbst den Fischern längst klar - nur, im globalen Wettkampf fühlt sich hier jeder eher als hilfloses Opfer (dazu gab es eine große Geschichte im SPIEGEL, Heft 32, die ich online allerdings nur in englischer Sprache finde). Es ist ja nicht das Wissen um die Probleme, das uns fehlt - es ist der Wille oder die Fähigkeit zur Umsetzung. Wie Jackson selbst schreibt: "Das Einzige, was nachhaltiger Fischerei und Aquakultur den Weg verbaut, ist der mangelnde politische Wille und die Gier der Spezialinteressen."
"Küstenverschutzung und Eutrophierung" ist ein weiterer Punkt, womit er primär die Verringerung des Kunstdüngereinsatzes (der in den USA sogar steuerlich gefördert wird) meint. Na dann, viel Glück beim Versuch eines landwirtschaftlichen Subventionsabbaus.
"Klimawandel und Versauerung der Meere" ist der dritte Bereich, wo er findet, dass etwas geschehen muss. Recht hat er. Aber wir wissen ja, wie es um die Diskussion über CO2 und Klimawandel bestellt ist. Ich verweise hier einfach nur auf einen früheren Blogeintrag über CO2 und das Meer.
Nachdem ich das alles durchgelesen habe, fürchte ich sogar noch viel mehr, dass das von Jackson in seiner Einleitung beschriebene "anthropozäne Massen-Aussterben in den Ozeanen, mit unbekannten ökologischen und evolutionären Konsequenzen" kaum noch zu verhindern sein wird.
Autor: Jürgen Schönstein· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Ein furchtbar demoralisierendes Paper, oder? Ich hab zu den PNAS-Artikeln gestern eine Serie gestartet, aber einige Sachen davon will man gar nicht zu Ende lesen... Am erschreckendsten finde ich Jacksons Liste mit den Biomasseverlusten von Meereslebewesen, es gibt ja kaum ein Taxon, das nicht erheblich dezimiert worden wäre.
Ja, der Artikel ist wirklich erschreckend. Und ich fürchte (leider), dass Jackson dabei nicht mal übertreibt. Ich hatte halt nur gehofft, dass die Liste der "Rettungsvorschläge" der Sache einen positiven Impuls geben würde, aber wie schon gesagt: Es ist eher demoralisierend.