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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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31.07.08 · 07:25 Uhr
UN-Bericht: Aids im Rückgang, aber ...
Kategorie: Medizin·Politik · Kommentare: 1
... zum Jubeln gibt es wirklich keinen Grund. Laut einem am Dienstag vorgelegten UN-Bericht ist im vergangenen Jahr die Zahl der Neuinfektionen gegenüber 2001 um zehn Prozent gesunken, von drei Millionen auf 2,7 Millionen. Die Zahl der Todesopfer fiel ebenfalls um zehn Prozent - dies allerdings innerhalb eines Berichtsjahres, von 2,2 Millionen (2006) auf zwei Millionen (2007). Durch bessere Behandlung schwangerer Aids-Patientinnen ist zudem auch die Zahl der Übertragungen von Aids auf Neugeborene von etwa 410.000 Fällen jährlich auf 370.000 gesunken.
"Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mehr im Kampf gegen Aids erreicht als in den 20 Jahren davor", versicherte Peter Piot, Direktor des Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS).
Sicher, der Trend ist zwar positiv, aber die Lage nach wie vor verheerend: Weltweit sind etwa 33 Millionen Menschen mit den HI-Virus infiziert, mindestens 25 Millionen sind seit Entdeckung der Krankheit im Jahr 1981 daran gestorben. Und während dank besserer Aufklärung und Behandlung - in Namibia erhalten, laut dem UN-Bericht, inzwischen 88 Prozent der Infizierten eine medizinische Versorgung, gegenüber einem Prozent im Jahr 2001 - die Zahlen insgesamt sinken, gibt es doch (zu) viele Länder, in denen trotz all dieser Bemühungen jährlich mehr neu Infizierte hinzu kommen. In China beispielsweise, oder Russland, Indonesien, Vietnam, Kenia, Mozambique - und vor allem den USA.
Die waren allerdings in dem UN-Bericht nicht berücksichtigt, weil die hiesige Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention am Sonntag ihren eigenen Bericht vorstellen will (und sich, wie ich vermute, nicht von den Vereinten Nationen die Schau stehlen lassen wollte). Was immer in diesem Bericht stehen wird: Die bisherige Zahl von jährlich etwa 40.000 Neuinfektionen in den USA wird mit Sicherheit um Einiges gestiegen sein.
Im Hinblick auf Aids sind die USA - zumindest was einen maßgeblichen Teil der Bevölkerung angeht - schlimmer als ein Entwicklungsland. So etwa lässt sich der zeitgleich mit dem UN-Bericht vorgelegte Report "Left Behind! Black America: A Neglected Priority in the Global AIDS Epidemic" des Black Aids Institute paraphrasieren. Denn laut diesem Report sind die Hälfte aller amerikanischen Aids-Kranken Schwarze (während der Anteil der Afroamerikaner an der Gesamtbevölkerung nur bei etwa 13 Prozent liegt); schwarze Frauen haben ein um das 23-Fache höhere Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, als weiße Frauen. Aids ist die Haupttodesursache bei schwarzen Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren; bei schwarzen Männern in dieser Altersgruppe ist Aids die zweithäufigste Todesursache (hinter Mord).
Wenn das schwarze Amerika ein Land für sich wäre, läge es mit 500.000 HIV-Infizierten in der weltweiten Aids-Statistik vor Äthiopien (ca. 420.000) und hinter der Elfenbeinküste (ca. 750.000 laut dem Black-Aids-Bericht). Es hätte mehr Aidskranke als die Hälfte der Länder, die auf der Dringlichkeitsliste des President's Emergency Program for AIDS Relief stehen.
Aber immerhin tut die aktuelle US-Administration etwas (ganz im Gegensazt zu dem Bush-Vorbild Ronald Reagan, der das unter seiner Ägide auftauchende Aids-Problem hartnäckig ignoriert hatte), und sie ist auch bereit, noch mehr zu tun: In den USA alleine werden jährlich 402 Millionen Dollar zur Aids-Bekämpfung unter ethnischen Minderheiten ausgegeben, zusätzlich zu den jeweils drei Milliarden, die seit 2003 jährlich für das PEPFAR-Programm aufgewendet wurden. Dieser weltweite Etat soll nun sogar auf fast zehn Milliarden Dollar jährlich aufgestockt werden. Das sind zwar nur Pfifferlinge,wenn man es im Vergleich zum US-Militärhaushalt (etwa 480 Milliarden im Jahr 2008) sieht, aber andererseits: Die Bundesrepublik Deutschland gibt jährlich etwa 400 Millionen für die weltweite Aids-Bekämpfung aus; gemessen am Bruttoinladsprodukt ist dies etwa ein Viertel dessen, was die Amerikaner hinlegen.
Autor: Jürgen Schönstein· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Die Absicht zur HIV Bekämpfung der Bush-Administration ist zwar löblich und die Menge des dafür bereitgestellten Geldes vorbildlich, doch leider sabotieren sie sich den Erfolg gleich selbst mit ihrer dämlichen Abstinence-Only Politik.
Eine der effektivsten Methoden zur Verhinderung einer HIV-Ansteckung ist nun mal den konsequenten Einsatz von Präservativen und nicht das propagieren eines mittelalterlichen Sexualverhalten welches offensichtlich (Studie für Studie sagt das gleiche) nicht wirkt da es nicht eingehalten wird. Der Mensch ist schliesslich ein ziemlich stark sexuell aktives Wesen und Ideologie ist halt niemals so stark wie Hormone.
Desshalb, schön dass die USA etwas tut, nur leider tut sie es nicht konsequent richtig sondern aus einer verqueren Ideologie heraus.