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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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06.03.08 · 08:16 Uhr
Placebos sind am besten teuer
Kategorie: Medizin · Kommentare: 4
Von wegen "Kostensenkung im Gesundheitswesen": Eine Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienen ist, kann belegen, dass Medikamente um so besser wirken, je mehr sie kosten. Selbst wenn es sich dabei um wirkstoffreie Placebos handelt ...
Für die Untersuchung wurde das Schmerzempfinden - ausgelöst durch Elektroschocks am Handgelenk - von 82 Männern und Frauen vor und nach der Einnahme eines angeblichen Schmerzmittels getestet. Die Pointe dabei war nicht, dass einige nur ein Placebo verabreicht bekamen, denn alle schluckten die gleichen Pillen. Aber 41 Patienten war erzählt worden, dass jede Pille 2,50 Dollar koste; dem Rest wurde gesteckt, dass es ein 10-Cent-Billigpräparat sei.
Heraus kam, dass zwar 61 Prozent der Billig-Schlucker eine signifikante Schmerzlinderung verspürten; die teuren Placebos jedoch halfen 85 Prozent der Testpersonen. "Es ist alles eine Frage der Erwartung", meint Dr. Dan Ariely, MIT-Professor für "Behavioural Economics" (Wirtschaftsverhalten) und Co-Autor der Studie. (Falls jemandem dieser Name bekannt vorkommt: Ich hatte Ariely erst kürzlich als Autor des Buches "Predictably Irrational" in diesem Blogeintrag erwähnt.)
Das bedeutet aber auch, dass so genannte Generika (billigere, von den Wirkstoffen her aber identische Versionen von Marken-Medikamenten) zwangsläufig geringere Wirkungen zeigen müssen. Und dass Patienten im Zweifelsfall immer die teuerere Marken-Variante fordern werden.
Autor: Jürgen Schönstein· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Alter Käse. Wenn ich im Feinkostladen den Käse kaufe, verspreche ich mir auch ein besseres Geschmackserlebnis als beim Aldi-Käse. Wenn ich dann noch wüsste, dass es eh das gleiche Produkt ist, wäre ich richtig glücklich über das Schnäppchen.
Die Forscher haben den Schnäppchenfaktor nicht berücksichtigt. Der macht die Leute so richtig glücklich - beste Voraussetzungen also, dass mit geschickten Marketingtricks billige Produkte besser ankommen.
Genau, eigentlich hätte in der Studie zwei weitere Gruppen sein müssen, "Das hier ist ein günstiges Medikamt (Pst, das ist eigentlich von #große,teureFirma, aber das darf ich ihnen offiziell nicht sagen)" und die
"Das ist das teure Medikament (das wird auch unter anderem Namen für ein Bruchteil verkauft, aber sie müssens ja nicht bezahlen)"
Und ich frag' mich, warum ich jeden Tag - in mindestens in 10 Mails - Viagra zu Discountpreisen angeboten bekomme ...
Ich hab' ja ein wenig gezögert, wie ich auf den "alten Käse" antworten soll, ohne wie ein Besserwisser rüberzukommen. Denn natürlich freuen sich alle Menschen über Schnäppchen. Aber ein "Schnäppchen" setzt halt voraus, dass dieses Produkt eigentlich viel teurer ist - sonst wär' kein Schnäppchen, sondern nur ein Billigpodukt. Eure Kommentare bestätigen ja genau das, was die Studie sagt: Solange etwas teuer ist, glauben wir auch, es sei irgendwie besser. Und das gilt ganz unabhängig davon, wieviel mal selbst wirklich dafür bezahlt – die Probanden der Studie beispielsweise zahlten gar nichts. Anders ausgedrückt: Ein Schnäppchen macht nur glücklich, wenn ich weiß, dass irgend wer anderer mehr dafür zahlen muss. Der BMW zum Sonderpreis ist ein Schnäppchen, ein vergleichbar ausgestatteter Hyundai wäre jedoch nur ein Billigauto. q.e.d. ...