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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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11.02.08 · 16:50 Uhr
Dicke Luft mit Biosprit
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Umwelt · Kommentare: 1
Autsch! Da hatte ich doch lange geglaubt, dass Biosprit eine sinnvolle Alternative zu fossilen Brennstoffen wäre. immerhin wird dabei nur CO2 frei gesetzt, das "aus der Gegenwart" stammt, wenn man so sagen kann. Doch nun hat das US-Magazin Science gleich zwei Studien veröffentlicht (diese und jene), die das genaue Gegenteil belegen: Bei der Umwandlung von Wäldern, Feucht- und Graslandschaften in Anbauflächen für Bio-Treibstoffe werde so viel zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre gejagt, dass es irgendwo zwischen 50 und 150 Jahre oder so dauern würde, bis die CO2-Bilanz wenigstens wieder ausgeglichen ist.
Intuitiv scheint das nur schwer nachvollziehbar, und mein erster Verdacht war, dass diese Studien von der Ölindustrie gesponsert sein müssen. Einer der Autoren beispielsweise, der Forstwissenschaftler Joseph Fargione, steht der Naturschutzorganisation Nature Conservancy nahe. Und die ist zwar eine der größten and angesehensten Umwelt- und Naturschutzorganisationen der Welt, als solche aber auch nicht abgeneigt, Spendengelder der Industrie (und das schließt die Ölindustrie ein) anzunehmen.
Aber selbst wenn die Ölindiustrie ihre Finger im Spiel hätte – was ich nicht behaupten will und auch nicht bewiesen könnte – sollte man die Studien nicht einfach beseite legen. Denn dass die Umwandlung von Naturlandschaften in Anbauflächen grundsätzlich, und für Bio-Sprit im Besonderen nicht wünschenswert ist, hat sich ja schon langsam herum gesprochen. Auch so genannte Alternativenergien sind keine Patentlösungen (so gesehen ist ja auch Kernenergie eine alternative Lösungen – aber keine, für die sich Umweltschützer gerne stark machen würden), so lange man sich nicht ernsthaft über Energie-Einsparungen Gedanken macht.
Autor: Jürgen Schönstein· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Hier wird auch mal wieder alles in einen Topf geworfen.
Befürwortung von „Biosprit“ heißt ja nicht zwangsläufig „Umwandlung von Wäldern Feucht- und Graslandschaften in Anbauflächen“ Es bliebe ja z. Bsp. der Anbau an von der Deserfikation bedrohten Stellen, z.Bsp in Zentralasien.
Das „Biosprit“ für die Gesamtklimabilanz günstiger ist als fossile Brennstoffe, falls das mit dem CO2-Problem stimmt, wovon ich mal ausgehe, ist doch simple Logik.
Das dadurch andere Nachteile auftreten, z.Bsp das die US-Amerikanern den Mexikanern zunehmend den Tortillamais wegkaufen um damit Auto zu fahren, muss man natürlich kritisch sehen.
Wir sollten ernsthaft anfangen die Wüstenrandgebiete wieder aufzuforsten.
Die Israelis sind da meines Wissens führend in der Technologie und dem Wissen und in China läge ein unglaubliches Potenzial sowie bei allen südlichen Mittelmeeranrainern.
(Eventuell könnte man über Zertifikate zusätzliche Anreize schaffen?)
Dieses unkreative Schwarz-Weiß-denken ist es was uns nicht vorwärts bringt.
Und imo wäre die einzige wirkliche Lösung auf lange Sicht, neben dem angesprochenem Konsequentem Sparen, Offshore Wind und Gezeitenkraftwerke, denn die Erdrotation wird ja wohl noch ein Weilchen anhalten.
Glück auf!