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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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03. Februar 2012
Der Hochschul-Esoterik "vehement, laut und vernehmlich Einhalt gebieten"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 9
Auf dem GWUP-Blog war ja schon vor einigen Tagen ein Link zu diesem Clip aus der 3Sat-Sendung nano zu finden. Aber ich denke, man kann ihn nicht oft genug zeigen, darum auch hier noch einmal der Hinweis (einbetten lässt sich das Video leider nicht):
![]()
Hier der Direktlink noch einmal in Langschrift: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=29008&mode=play&nw=true
Autor: Jürgen Schönstein· 03.02.12 · 16:53 Uhr· 9 Kommentare
"Ein-Blicke" offenbaren Erstaunliches
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Ich könnte mir zwar einige Tricks vorstellen, wie man das nachfolgende Video fälschen ode rmanipulieren kann, aber offenbar ist Stephen Wiltshire, ein junger Künstler aus London, der sich auf detaillierte Großstadt-Panoramen spezialisiert hat, nicht nur autistisch, sondern auch authentisch: Er zeichnet seine detailgenauen Großstadtbilder aus dem Gedächtnis, nachdem er die Städte ein einziges Mal aus der Luft gesehen hat. Und das zeigt (immer unter der Voraussetzung der Authentizität), zu welchen erstaunlichen Leistungen die milliardenfach verknüpften Zellen in unserem Gehirn fähig sein können:
Autor: Jürgen Schönstein· 03.02.12 · 16:09 Uhr· 1 Kommentar
02. Februar 2012
Plädoyer für veraltete Technik
Kategorie: Technik · Kommentare: 20
Ich liebe den technischen Fortschritt und finde ihn wunderbar (wobei "Wunder" im Sinn des 3. Clarkeschen Gesetzes zu verstehen ist: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden"). Vom Auto bis zum Smartphone, von Staubsaugern bis zu Computern und, jawohl, dem Internet: ohne die Errungenschaften, die uns die Technik - und hinter ihr: die Wissenschaft - gebracht haben, wäre mein Alltag, und vermutlich nicht nur meiner, ziemlich mühselig. Aber ich bin auch ein Nostalgiker: Ich liebe meine alte Leica aus dem Jahr 1952, beispielsweise, obwohl an ihr absout nichts automatisch funktioniert. Oder handgefertigte, akustische Instrumente. Oder meine alte, wenn auch kaum noch brauchbare mechanische Schreibmaschine. Selbst der Mac-Laptop, auf dem ich diese Zeilen schreibe, hat schon gute acht Jahre auf der Tastatur und ist damit ein Fossil. Und darum will ich hier mal ein Plädoyer für veraltete Technik schreiben - genauer gesagt: dafür, dass wir uns dieser alten Techniken auch weiterhin erinnern. Denn manchmal ist sie der modernen Technologie sogar überlegen.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.02.12 · 18:38 Uhr· 20 Kommentare
Zwei Sichtweisen, aber nur ein Sachverhalt
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 31
Auf diese Grafik, betitelt "Wie 'Skeptiker' die globale Erwärmung sehen - wie Realisten die globale Erwärmung sehen", bin ich via Greg Laden's Blog gestoßen:
Dass es sich dabei um reale - allerdings nur landbasiert erfasste - Daten handelt (die Legende sagt BEST land-only surface temperature data (green) with linear trends applied to the timeframes 1973 to 1980, 1980 to 1988, 1988 to 1995, 1995 to 2001, 1998 to 2005, 2002 to 2010 (blue), and 1973 to 2010 (red)), ist hier sogar mal beinahe nebensächlich: Was die Animation vor allem illustrieren will, ist dass durch die Wahl eines zu kurzfristigen Zeitraums der langfristig - und das ist nun mal, was Klima ausmacht - unübersehbare Trend ignoriert und weggedeutet werden kann. Aber das lässt ihn leider nicht verschwinden.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.02.12 · 03:25 Uhr· 31 Kommentare
01. Februar 2012
Der Schaltplan zum Ich
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 27
Ich hatte vor einigen Tagen ja schon versprochen (gedroht?), etwas ausführlicher über das Konzept des Connectoms und im Besonderen auch über Sebastian Seungs Buch Connectome - How the Brain's Wiring Makes Us Who We Are zu schreiben. Nun habe ich das Buch durchgelesen; Zeit also, das Versprechen einzulösen (= die Drohung wahrzumachen). Und gleich mal vorweg: Es war eine der erfreulichsten Lektüren zu wissenschaftlichen Themen, die ich seit langem genießen konnte. Sebastian Seung hat es geschafft, die graue Materie der Hirnforschung durch Vergleiche, Anekdoten, historische Referenzen zu illustrieren (die Auswahl der Illustrationen selbst ist auch sehr gut; nur die Wiedergabequalität lässt manchmal zu wünschen übrig). Seine Begabung als wissenschaftlicher Erzähler hat er ja in seinem TED-Vortrag bereits gezeigt ...
Autor: Jürgen Schönstein· 01.02.12 · 05:02 Uhr· 27 Kommentare
31. Januar 2012
Hier spricht Bismarck! (1889)
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik · Kommentare: 10
Jawohl, jener Fürst Otto von Bismarck, Kanzler des wilhelminischen Deutschen Reiches. Eine alte Aufnahme, auf der er unter anderem die ersten Worte der Marseillaise (was im Hinblick auf den preussisch-französischen Krieg von 1870 mehr als bizarr erscheint!) rezitiert, wurde in den Archiven der Edison-Labors in New Jersey gefunden, die der amerikanischen Nationalparkverwaltung unterstellt sind; dass dies tatsächlich Bismarcks Stimme (schwer zu erkennen unter all dem Rauschen, aber immerhin) aus dem Jahr 1889 ist, aufgenommen auf seinem Landsitz Friedrichsruh bei Hamburg, als er noch im Amt war - dies wurde von den Experten Stephan Puille (Hochschule für Wirtschaft und Technik, Berlin) und Patrick Feaster (Indiana) bestätigt. Mehr Hintergrund gibt es hier und hier:
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.12 · 18:05 Uhr· 10 Kommentare
"Kein zwingender wissenschaftlicher Grund für drastische Aktion"
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 7
Früher habe ich das "Wall Street Journal" regelmäßig gelesen, aber aus finanziellen Gründen musste ich darauf verzichten. Das Blatt lag politisch zwar immer auf einer definitiv nicht mit meiner konvergierenden Linie, aber seine Wissenschaftsberichterstattung war solide genug, dass ich daraus die eine oder andere Anregung gewinnen. Aber wie gesagt, seit mehr als einem Jahr lese ich das Blatt nicht mehr, und darum hat's ein bisschen gedauert, bis die Kunde über diesen bereits am Freitag erschienenen "offenen Brief" von 16 Wissenschaftlern gegen den Klimawandel via Andrew Revkins Dot.Earth-Blog zu mir durchgedrungen ist. Der Titel sagt schon das Wesentliche: No Need to Panic About Global Warming - There's no compelling scientific argument for drastic action to 'decarbonize' the world's economy; auf Deutsch: Kein Grund zur Panik über globale Erwärmung - es gibt keinen zwingenden wissenschaftlichen Grund für drastische Aktionen, die Weltwirtschaft zu 'entkarbonisieren'."
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.12 · 06:31 Uhr· 7 Kommentare
30. Januar 2012
"Eins, zwei, unendlich ...."
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Diesmal (auf die Schnelle) wieder nur ein Lesetipp: Die New York Times hat dem seit Dezember wieder aufgenommenen - und um Finanzierung bangenden - SETI-Projekt, also der Suche nach außerirdischem Leben, eine Story auf ihrer Titelseite gewidmet: Search for Aliens Is On Again, but Next Quest Is Finding Money. Inzwischen wissen wir ja, dass es in der Galaxie von Planeten wimmelt - wenn wir also auch nur ein einziges Signal von einer außerirdischen Intelligenz aufschnappen könnten, dann wäre dies ein gutes Zeichen dafür, dass auch Leben eine universelle Erscheinung ist. Bisher kennen wir ja nur einen Fall, unsere Erde. Aber, um die SETI-Astronomin hier aus der NY Times zu zitieren: "Auf diesem Gebiet ist die Zwei die allerwichtigste Nummer. Wir zählen eins, zwei, unendlich. Wir suchen alle nach der Nummer Zwei."
Autor: Jürgen Schönstein· 30.01.12 · 15:38 Uhr· 2 Kommentare
29. Januar 2012
(Sonnen)stürmische Höhen
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 1
Dass der Sonnensturm vom Anfang der vergangenen Woche sicher ein paar spektakuläre Aufnahmen von Nordlichtern ermöglichen wurde, hatte Florian hier ja schon vorher gesagt. Auf Flickr gibt's nun den Beweis:

Mehr Flickr-Bilder finden sich hier; auch Wired hat eine eindrucksvolle Sammlung von den Nordlichtern des Sonnensturms (hier nur ein Link, aus Urheberrechtsgründen).
Autor: Jürgen Schönstein· 29.01.12 · 03:59 Uhr· 1 Kommentar
27. Januar 2012
Falsche Stimmen im Internet
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
Wenn ein - wie es scheint - nur mäßig begabter Autor eine negative Rezension seines Buches im Internet findet und daraufhin von einer kriminellen, Autoren vernichtenden Internetmafia schwadroniert (die passende Diskussion dazu gibt's hier bei Florian Freistetter), dann fällt das sicher eher in die Kategorie "Verfolgungs(oder sonstiger)Wahn". Aber die Vermutung, dass nicht alle Online-Rezensionen - nicht nur von Büchern, auch von allerlei anderen kommerziell vertriebenen Waren und Dienstleistungen - der ehrlichen Meinung ehrlicher Käufer/Benutzer geschuldet sind, ist keineswegs nur durch eine Neurose erklärbar. Etwa jede dritte "Kundenbewertung" ist gefälscht, typischer Weise gegen Bezahlung oder gegen sonstige Vergünstigungen. Die (heutige) Freitagausgabe der New York Times beispielsweise brachte auf ihrer Titelseite eine Story über einen Onlineversender von Schutzhüllen für Amazons Kindle, der seinen Kunden gegen eine gute Besprechung den Kaufpreis erließ. Auch die BusinessWeek hatte sich schon vor einigen Monaten mit diesem Thema befasst.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.01.12 · 21:59 Uhr· 1 Kommentar
"Schrödinger-Verschwörungstheorie": Tot und lebendig
Kategorie: Politik · Kommentare: 53
In meinem Eintrag zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September hatte ich mir ein paar Gedanken darüber gemacht, warum eigentlich die Bereitschaft vieler so groß ist, an selbst die widersprüchlichsten und absurdesten Verschwörungstheorien zu glauben, während sie gleichzeitig selbst die plausibelsten, verschwörungsfreien Erklärungen kategorisch ablehnen. Meine - rein spekulative, weil auf subjektiven Beobachtungen und Überlegungen beruhende - These war:
Eine echte Antwort (auf die angeblich "offenen Fragen") ist sowieso nicht das Ziel, auch wenn die "Suche nach er Wahrheit" stets als Motivation vorgegeben wird. Denn es geht ja gar nicht mehr darum, die "wahre" Ursache zu entlarven - sondern nur darum, die Wahrheit so lange wie möglich nicht wahrnehmen zu müssen.Damit lag ich, wie ich nun einem Paper mit dem Titel Dead and Alive: Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories (nö, nur dem Abstract mal wieder - das Paper selbst ist bisher, trotz gegenteiliger Versprechungen des Verlags, hinter einer Paywall verborgen) in Social Psychological & Personality Science entnehmen kann, zwar ein gutes Stück daneben - aber auch nicht total im Abseits.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.01.12 · 05:06 Uhr· 53 Kommentare
26. Januar 2012
New Hampshire schafft Lehrpläne ab
Kategorie: Politik · Kommentare: 20
Nicht ausdrücklich, aber de facto dann doch: Ein (bereits am 4. Januar) gegen das Veto des demokratischen Gouverneurs John Lynch mit der überwältigenden Mehrheit der Republikaner in beiden Kammern des Parlaments verabschiedetes Gesetz gibt den Eltern ein kategorisches Recht, ihre Kinder von allen Fächern befreien zu lassen, an deren Inhalt oder Lehrmaterial sie Anstoß nehmen:
Require school districts to adopt a policy allowing an exception to specific course material based on a parent's or legal guardian's determination that the material is objectionable. Such policy shall include a provision requiring the parent or legal guardian to notify the school principal or designee in writing of the specific material to which they object and a provision requiring an alternative agreed upon by the school district and the parent, at the parent's expense, sufficient to enable the child to meet state requirements for education in the particular subject area. The name of the parent or legal guardian and any specific reasons disclosed to school officials for the objection to the material shall not be public information (...)
Autor: Jürgen Schönstein· 26.01.12 · 05:38 Uhr· 20 Kommentare
24. Januar 2012
Und nochmal das Thema "Open Science"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Nachtreten ist zwar regelwidrig, aber hier muss ich es doch einmal tun, obwohl ich es, in diesem Fall, eher in der Rolle des Reporters am Spielfeldrand tue - was natürlich extrem unfair ist ... Hier hatte ich ja das Thema schon angesprochen: Geht peer review nur mit teuren Fachjournalen, oder wäre sie auch in einer "open science"-Plattform möglich? Anlass meines erneuten Einstiegs ist der folgende Leserbrief in der heutigen Science-Beilage der New York Times (ich habe ihn gleich übersetzt):
"Cracking Open the Scientific Process" (17. Januar) fängt damit an, dass das New England Journal of Medicine" als Teil eines traditionellen peer-review-Prozesses genannt wird, der "keinen Anlass zum feiern" gebe. Es wird argumentiert, dass wissenschaftliche Publikationen offen und fei zugänglich sein sollten. Was der Artikel aber übersieht ist, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen wissenschaftlicher und medizinischer Publikation gibt.
Wenn eine wissenschaftliche Theorie falsch ist, dann mag das Verschwendung von Zeit und Geld sein, aber niemands Gesundheit wird dadurch gefährdet. Im Gegensatz dazu kann es, wenn veröffentlichte Gesundheitsinformationen falsch oder fehlerhaft sind, zu schweren Schäden kommen.
Wir erhalten häufig Manuskripte, in denen Leute Ideen und Theorien ohne angemessene Daten verbreiten, meistens mit dem Ziel des persönlichen Ruhms oder des finanziellen Gewinns. Die peer-reviewte medizinische Literatur mag nicht ohne Fehler sein, aber es gibt keinen besseren Weg als die peer review, um Informationen zu verifizieren, ehe sie in Diagnose und Behandlung angewandt werden. Zumindest in der Medizin sollten wir sorgfältig nachdenken, ehe wir entscheiden, dass mehr und ungefilterte Information die bessere Information sei.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.01.12 · 19:15 Uhr· 12 Kommentare
Wenn kreative Ideen vom Teller rutschen ...
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 11
So ziemlich das Letzte, was mir bei solch abgedroschenen Klischees wie der Aufforderung, über den Tellerand zu blicken, oder über meinen Schatten zu springen, in den Sinn kommt, ist der Begriff "Originalität". Da bin ich wohl zu streng mit mir und anderen: Ein Paper, das in der Februar-Ausgabe von Psychological Science erscheinen wird (ist leider noch nicht online verfügbar, auch wenn die entsprechende Pressemitteilung gestern schon rausging), hat mal untersucht, ob es irgend einen kreativen Vorteil hat, wenn man solche Metaphern wie "Think outside the box" oder "put two and two together" (etwa: Eins und Eins zusammenzählen) nicht nur bildlich nimmt, sondern in die Tat umsetzt. Und das Ergebnis war, dass die Testpersonen, die von Angela Leung, Psychologieprofessorin an der Singapore Management University, und ihren Mitarbeitern daraufhin getestet wurden, ob sie in der Box (die in diesem Fall eine Pappschachtel mit eineinhalb Metern Kantenlänge) oder außerhalb derselben die besseren Einfälle haben, tatsächlich kreativer waren - im Sinn von mehr, variationsreichere und originellere Lösungsvorschläge zu gestellten Aufgaben fanden. Dies bestätigte sich auch bei Aufgaben, in denen sie (ohne natürlich zu wissen, was hier eigentlich getestet werden sollte) abwechseln beide Hände (die Redewendung dazu ist "on one hand - on the other hand", also einerseits - andererseits) benutzen oder die Hälften von zwei Scheiben zusammensetzen ("putting two and two together" - Eins und Eins zusammenzählen).
Autor: Jürgen Schönstein· 24.01.12 · 05:07 Uhr· 11 Kommentare
23. Januar 2012
Der Nutzen der Mehrdeutigkeit
Kategorie: Kultur · Kommentare: 16
Sprache ist schon was Verwirrendes. Wenn ich "Hut" sage, meine ich dann "Kopfbedeckung" oder "Vorsicht"? Warum klingen "Rad" und "Rat" so ähnlich, und warum kann letzteres ein Gremium sein, ein Titel oder auch ein gut gemeinter Hinweis? Wäre es nicht viel effizienter, wenn es keine Mehrdeutigkeiten - die offenbar in allen Sprachen vorkommen können - gäbe und jeder Begriff, jedes Wort ganz eindeutig und frei von Missverständnissen einem Konzept, einer Bedeutung zugeordnet wäre? Noam Chomsky, der Vorzeigelinguist des Massachusetts Institute of Technology, folgerte aus diese Ambiguität der Sprache(n), dass sie offenbar gar nicht primär zur Kommunikation entstanden war:
The natural approach has always been: Is [language] well designed for use, understood typically as use for communication? I think that's the wrong question. The use of language for communication might turn out to be a kind of epiphenomenon... If you want to make sure that we never misunderstand one another, for that purpose language is not well designed, because you have such properties as ambiguity. If we want to have the property that the things that we usually would like to say come out short and simple, well, it probably doesn't have that property.
Autor: Jürgen Schönstein· 23.01.12 · 06:16 Uhr· 16 Kommentare
20. Januar 2012
"Ich bin mein Connectom!"
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 49
Mein was? Der MIT-Hirnforscher Sebastian Seung, den ich vor einiger Zeit mal auf einer Party in Cambridge getroffen hatte und mit dem ich mich heute endlich etwas länger unterhalten konnte, erklärt hier, was das ist:
Autor: Jürgen Schönstein· 20.01.12 · 20:14 Uhr· 49 Kommentare
19. Januar 2012
Nachtrag zum Wikipedia-Blackout: Politiker knicken ein
Kategorie: Technik · Kommentare: 4
Ob es nun eine Folge des demonstrativen Online-Protests war, oder ob Lobbying hinter verschlossenen Türen auch eine Rolle gespielt hat, wäre zwar noch zu klären, aber fest steht, dass der politische Rückhalt fuer zwei Internet-Urheberschutzgesetze nach dem Blackout von Wikipedia, Craigslist und - zumindest symbolisch - Google für die (im Kern vergleichbaren) Gesetzesentwürfe Stop Online Piracy Act (SOPA) und PROTECT Intellectual Property Act (PIPA) schwindet. Wie CNN hier berichtet, haben sogar einige der Politiker, die diese Entwürfe eingebracht haben, inzwischen einen Rückzieher gemacht:
Autor: Jürgen Schönstein· 19.01.12 · 18:10 Uhr· 4 Kommentare
18. Januar 2012
Klimawandel: Wind macht die Albatrosse fett
Kategorie: Umwelt
Klarer Fall von Boulevard-Schlagzeile, oder? Dazu hat sich der nature-online-Chefredakteur Ananyo Bhattacharya im britischen Guardian schon ein paar Gedanken gemacht*, mit dem Tenor: "The purpose of a headline is not to tell the story. That's the purpose of the story. The purpose of the headline is to pique the interest of readers without lying" (Der Zweck einer Schlagzeile ist nicht, die Geschichte zu erzählen. Das ist der Zweck der Geschichte. Der Zweck der Schlagzeile ist, das Interesse der Leser zu wecken, ohne zu lügen). Und gelogen ist die Überschrift nicht - ein Artikel über Changes in Wind Pattern Alter Albatross Distribution and Life-History Traits in der aktuellen Ausgabe von Science kann diesen Zusammenhang belegen:
Westerly winds in the Southern Ocean have increased in intensity and moved poleward. Using long-term demographic and foraging records, we show that foraging range in wandering albatrosses has shifted poleward in conjunction with these changes in wind pattern, while their rates of travel and flight speeds have increased. Consequently, the duration of foraging trips has decreased, breeding success has improved, and birds have increased in mass by more than 1 kilogram.
Autor: Jürgen Schönstein· 18.01.12 · 18:52 Uhr· 0 Kommentare
17. Januar 2012
Klimaschutz: Machbares und Wünschenswertes
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 18
Nehmen wir mal an, wir säßen in einem Auto, das auf einen Abgrund zurast. Ein Passagier schreit: Tritt auf die Bremse! Ein anderer will, dass wir das Steuer nach Rechts herumreißen, ein Dritter meint: Links! Da keine Einigkeit über die zu ergreifende Maßnahme zu erzielen ist, fahren wir erst mal weiter - und in den Abgrund. Logsch? Natürlich nicht. Ich denke mal, die "normale" Reaktion wäre, sowohl die Bremse als auch das Lenkrad zu benutzen - vor allem, wenn der Abstand zur Kante groß genug ist, dass beide Manöver durchführbar sind. Nur wenn's um den Umwelt- und Klimaschutz geht, klappt dieses normale Denken wohl nicht. Da wird dann erst mal aus Prinzip darüber diskutiert, ob der Abgrund überhaupt so tief sei wie angenommen; wer denn eigentlich die Schuld daran habe, dass das Auto auf diese Kante zufährt (und dementsprechend dann auch die Aufgabe hätte, den Absturz zu verhindern); die "Lenker" werfen den "Bremsern" vor, ihnen ein Schleudertrauma zuzumuten, während die "Bremser" den "Lenkern" wiederum vorhalten, dass sie den Radius des Manövers nicht genau genug berechnen könnten. Und die Fahrer beschweren sich zwar, dass es keine Einigung gibt, aber selbst was tun wollen sie auch nicht ... Manchmal finde ich die Debatten, die ich hier seit gut vier Jahren mit verfolge (und selbst auch gelegentlich anzustiften versuche), extrem frustrierend.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.01.12 · 18:50 Uhr· 18 Kommentare
Wikipedia streikt am Mittwoch
Kategorie: Technik · Kommentare: 8
Eher ein Hinweis, als eine Geschichte an sich: Die amerikanische Wikipedia-Seite wird von Dienstag auf Mittwoch um Mitternacht amerikanischer Ostküstenzeit (sechs Uhr morgens am Mittwoch in Deutschland) für 24 Stunden abgeschaltet. Nicht etwa aus technischen Gründen, sondern aus Protest gegen zwei amerikanische Gesetzesentwürfe, die dem Schutz vor Urheberrechtsmissbrauch dienen sollen, aber nach Ansicht von (unter anderem) Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, eine unzumutbare Belastung für Seiten wie Wikipedia oder auch viele Blogs darstellen würde. Die Gesetze, die dem US-Kongress vorliegen, sind:
Der Stop Online Piracy Act, der im US-Abgeordnetenhaus eingebracht wurde, entspricht im Kern dem PROTECT Intellectual Property Act des Senats; beiden ist gemeinsam, dass sie die Verantwortung für eventuelle Urheberrechtsverletzungen auf Internet-Provider und Suchseiten abwälzen wollen, die durch das Gesetz gezwungen würden, solche Seiten (das können ganz schnell auch mal ein paar wohlmeinende Blogs sein) auszublenden.
![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 17.01.12 · 17:42 Uhr· 8 Kommentare
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